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Italiens Craftbier-Branche produziert 720.000 Hektoliter: Fast 940 unabhängige Brauereien – Bierzirkus

Italiens Craftbier-Branche produziert 720.000 Hektoliter: Fast 940 unabhängige Brauereien

Italiens Craftbier-Branche erreichte 2025 eine geschätzte Produktion von 720.000 Hektolitern. Unionbirrai fordert bessere Rahmenbedingungen für kleine, unabhängige Brauereien.

Die italienische Craftbier-Branche hat sich drei Jahrzehnte nach ihren Anfängen zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelt. Für das Jahr 2025 schätzt der Branchenverband Unionbirrai die Produktion kleiner, unabhängiger Brauereien auf rund 720.000 Hektoliter. Das entspricht etwa 4,2 Prozent der gesamten italienischen Bierproduktion. Landesweit sind dem Verband zufolge fast 940 kleine, unabhängige Brauereien tätig.

Die Zahlen stellte Unionbirrai-Präsident Vittorio Ferraris bei der achten Ausgabe der Konferenz FilieraBirra in Mailand vor. Die Veranstaltung stand in diesem Jahr unter dem Motto „Innovation und neue Konsummodelle“. Grundlage der Auswertung sind Daten der italienischen Zoll- und Monopolbehörde ADM, die der Verband um eigene Schätzungen ergänzt hat.

Rund 720.000 Hektoliter aus kleinen und unabhängigen Brauereien

Nach Angaben von Unionbirrai gaben 2025 rund 930 Betriebe mit einer Jahresproduktion von jeweils höchstens 10.000 Hektolitern Bier zum Konsum frei. Aus den behördlichen Daten leitet der Verband für diese Gruppe eine geschätzte Produktion von etwa 470.000 Hektolitern ab.

Hinzu kommen weitere rund 250.000 Hektoliter, die auf etwa ein Dutzend größere, aber ebenfalls kleine und unabhängige Brauereien entfallen. Zusammengenommen ergibt sich daraus eine geschätzte Jahresproduktion von 720.000 Hektolitern.

Die Zahlen zeigen, dass die italienische Craftbier-Szene nicht ausschließlich aus Kleinstbrauereien besteht. Neben sehr kleinen Betrieben gibt es Unternehmen, die bereits deutlich größere Mengen produzieren und entsprechend stärker strukturierte Geschäftsmodelle entwickelt haben.

Unionbirrai beziffert die Verbrauchsteuerzahlungen der rund 930 kleineren Betriebe auf insgesamt etwa neun Millionen Euro. Die Angaben zur Gesamtproduktion sind allerdings teilweise Schätzungen des Verbands und keine vollständig erhobenen Produktionsdaten aller Brauereien.

Fast 70 Prozent der Mikrobrauerei-Produktion aus Mitgliedsbetrieben

Auch die Mitgliedsunternehmen von Unionbirrai tragen erheblich zur italienischen Craftbier-Produktion bei. Die 290 angeschlossenen Brauereien erzeugten 2025 nach Angaben des Verbands zusammen etwa 310.000 Hektoliter Bier.

Das entspricht nahezu 70 Prozent der Produktion der Mikrobrauereien und rund 45 Prozent der gesamten geschätzten Produktion kleiner, unabhängiger italienischer Brauereien. Damit repräsentiert die Vereinigung einen bedeutenden Teil des Sektors.

Für Präsident Vittorio Ferraris sind die Zahlen ein Beleg dafür, wie stark sich die italienische Craftbier-Bewegung seit ihren Anfängen entwickelt hat. Aus den Initiativen einiger Pioniere sei eine Gruppe von Hunderten Unternehmen geworden, die eigene Qualitätsansprüche mit regionaler Identität verbinde.

Der wirtschaftliche Wert der Branche lasse sich dabei nicht allein an den produzierten Mengen messen. Ebenso wichtig seien die unternehmerische Unabhängigkeit, die Vielfalt der Betriebe und ihre Verbindung zu den jeweiligen Regionen.

Unionbirrai fordert bessere Rahmenbedingungen

Für die kommenden Jahre sieht der Verband mehrere Ansatzpunkte, um die Entwicklung der Branche zu unterstützen. Dazu gehört insbesondere der Ausbau einer italienischen Rohstofflieferkette. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Mälzereien und Brauereien soll dazu beitragen, regionale Wertschöpfung zu stärken und die Versorgung nachhaltiger und wettbewerbsfähiger zu gestalten.

Darüber hinaus setzt sich Unionbirrai für mehr Kooperationen zwischen Unternehmen sowie für die Förderung unabhängiger Bierproduktionen ein. Auch steuerliche und administrative Erleichterungen stehen auf der Forderungsliste des Verbands. Die bestehenden Verpflichtungen seien stärker an die unterschiedlichen Größen und Möglichkeiten der Betriebe anzupassen.

Die Vielfalt der Unternehmensstrukturen sei zwar eine Stärke der italienischen Craftbier-Branche, erfordere aber auch differenzierte Entwicklungsinstrumente. Kleine Brauereien hätten andere Voraussetzungen und Bedürfnisse als Unternehmen mit größeren Produktionsmengen und umfangreicheren Vertriebsstrukturen.

Drei Jahrzehnte Craftbier in Italien

Die Entwicklung der italienischen Craftbier-Bewegung zeigt, wie aus einer zunächst kleinen Szene ein wirtschaftlich relevanter Sektor entstehen kann. Heute verbindet sie unabhängige Brauereien unterschiedlicher Größe, regionale Rohstoffe und eigenständige Bierstile.

Die nun vorgestellten Zahlen unterstreichen diese Bedeutung, machen aber zugleich deutlich, dass die Branche weiterhin auf passende wirtschaftliche und regulatorische Rahmenbedingungen angewiesen ist. Unionbirrai will deshalb die Zusammenarbeit entlang der Lieferkette stärken und bessere Voraussetzungen für unabhängige Produzenten schaffen.

Ob die geschätzten 720.000 Hektoliter in den kommenden Jahren weiter steigen, hängt nicht zuletzt davon ab, wie sich Nachfrage, Kosten und Wettbewerb entwickeln. Für den Verband steht fest, dass die italienischen Craftbier-Betriebe ihr Potenzial noch nicht vollständig ausgeschöpft haben. Die nächsten Schritte sollen daher vor allem darin bestehen, regionale Wertschöpfung auszubauen und die Wettbewerbsfähigkeit der unabhängigen Brauereien langfristig zu sichern.

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