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Gablitzer Privatbrauerei insolvent: Markus Führer will die Brauerei retten – Bierzirkus

Gablitzer Privatbrauerei insolvent: Markus Führer will die Brauerei retten

Die Gablitzer Privatbrauerei ist insolvent. Rund 863.000 Euro Verbindlichkeiten belasten das Unternehmen. Geschäftsführer Markus Führer plant eine Sanierung und will den Braustandort erhalten.

Die österreichische Bierlandschaft verliert möglicherweise einen weiteren unabhängigen Brauereibetrieb. Die Gablitzer Privatbrauerei aus Purkersdorf bei Wien steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Ende September 2026 wurde über das Vermögen ihrer Betreibergesellschaft, der Cetius Mons Braumanufaktur GmbH, ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf rund 863.000 Euro. Doch Geschäftsführer Markus Führer will nicht aufgeben: Die Brauerei soll weiterproduzieren, der Standort erhalten bleiben und das Unternehmen wirtschaftlich neu aufgestellt werden. 

Vom Hobbybrauer zum mehrfach ausgezeichneten Braumeister

Hinter der Gablitzer Privatbrauerei steht Markus Führer, der sich seine Leidenschaft für das Bierbrauen zunächst als Hobby erschloss. Aus dieser Beschäftigung entwickelte sich der Wunsch, eigene Rezepte zu kreieren und Bier in kleinen Mengen selbst herzustellen. 2009 machte er sich mit seiner Brauerei selbstständig. Seine Biere fanden nicht nur bei den Kunden Anklang, sondern wurden auch bei Wettbewerben ausgezeichnet. Das Gablitzer Original gewann 2012 den österreichischen Staatsmeistertitel in der Kategorie Pils. Ein Jahr später wurde das Bernstein Märzen als Vizestaatsmeister ausgezeichnet. 2020 wurde das Gablitzer Original von Gault&Millau zudem zum Bier des Jahres gekürt.

Die Brauerei steht damit für einen Typ von Unternehmen, der die österreichische Bierszene in den vergangenen Jahren bereichert hat: kleine, unabhängige Betriebe, die sich über eigene Rezepturen, handwerkliche Herstellung und eine persönliche Handschrift von den großen Marken abheben wollen.

Das Sortiment umfasst verschiedene Bierstile, darunter das Gablitzer Original, ein Pils, das Bernstein Märzen und weitere Spezialitäten. Die Biere sind eng mit ihrem Brauer verbunden. Auf der eigenen Website beschreibt Führer das Brauen als eine persönliche Angelegenheit, in die er viel Zeit und Liebe investiere. Dass ein solcher Betrieb nun um seine wirtschaftliche Zukunft kämpfen muss, ist deshalb nicht nur eine Nachricht über Zahlen und Verbindlichkeiten, sondern auch über die schwierige Lage kleiner Brauereien.

Schon einmal musste Führer einen Neuanfang wagen

Die aktuelle Insolvenz ist nicht die erste wirtschaftliche Krise in der Geschichte der Gablitzer Privatbrauerei. Bereits 2018 wurde über das Vermögen der damaligen Gablitzer Privatbrauerei Markus Führer e.U. ein Insolvenzverfahren eröffnet. Als Ursache wurden seinerzeit vor allem hohe Investitionskosten für die Produktionsanlagen genannt. Die Verbindlichkeiten lagen damals bei rund 878.000 Euro. Auch zu diesem Zeitpunkt sollte der Betrieb fortgeführt werden; den Gläubigern wurde eine Quote von 20 Prozent angeboten.

Die heutige Insolvenz betrifft allerdings eine andere Gesellschaft. Betreiberin der Brauerei ist inzwischen die Cetius Mons Braumanufaktur GmbH, die 2019 ins Firmenbuch eingetragen wurde. Die damalige Insolvenz und das aktuelle Sanierungsverfahren sind daher rechtlich voneinander zu unterscheiden. Dass der Betrieb erneut in eine existenzielle Krise geraten ist, zeigt jedoch, wie schwierig es sein kann, eine kleine Brauerei langfristig wirtschaftlich zu stabilisieren.

Rund 863.000 Euro Verbindlichkeiten

Das Landesgericht St. Pölten eröffnete das aktuelle Sanierungsverfahren am 30. September 2026. Laut den veröffentlichten Angaben belaufen sich die Passiva auf 862.835,38 Euro. Betroffen sind insgesamt 30 Gläubiger. Neben Geschäftsführer Markus Führer beschäftigt die Gesellschaft derzeit einen weiteren Mitarbeiter. Zur Insolvenzverwalterin wurde die Rechtsanwältin Dr. Christine Riess bestellt.

Ein Teil der Verbindlichkeiten entfällt auf Darlehen aus dem Gesellschafterkreis. Der Alpenländische Kreditorenverband beziffert diese Gesellschafterdarlehen auf rund 268.000 Euro. Damit handelt es sich nicht ausschließlich um offene Forderungen externer Geschäftspartner. Gleichwohl muss das Unternehmen eine Lösung finden, die auch für die übrigen Gläubiger tragfähig ist.

Die geplante Sanierung sieht vor, den Gläubigern eine Quote von 20 Prozent anzubieten. Diese soll innerhalb von zwei Jahren nach Annahme des Sanierungsplans bezahlt werden. Finanziert werden soll die Quote aus dem laufenden Betrieb. Ob sich dieses Konzept tatsächlich umsetzen lässt, ist noch nicht entschieden. Der Alpenländische Kreditorenverband prüft nach den vorliegenden Berichten, ob der Plan realistisch ist.

Sinkender Bierkonsum und steigende Kosten

Als Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nennt Markus Führer die allgemeine wirtschaftliche Lage und den rückläufigen Alkoholkonsum. Hinzu kommen höhere Fixkosten sowie gestiegene Rohstoff- und Personalkosten. Die Kombination stellt gerade kleine Brauereien vor große Herausforderungen: Sie können Kostensteigerungen häufig nicht in demselben Umfang auffangen wie große Hersteller, während gleichzeitig weniger klassisches Bier konsumiert wird.

Die Entwicklung in Österreich passt zu einem breiteren Branchentrend. Nach Angaben der österreichischen Gastronomie-Fachzeitschrift ÖGZ sank die Bierproduktion des Landes 2025 einschließlich alkoholfreier Biere und Export um 7,1 Prozent auf 9,25 Millionen Hektoliter. Der Inlands-Ausstoß ging um 6,1 Prozent zurück. Auch beim Pro-Kopf-Konsum wurde ein Rückgang verzeichnet. Alkoholfreie Biere gewinnen zwar an Bedeutung, können die Verluste beim klassischen Bier bislang aber nicht vollständig ausgleichen.

Für die Gablitzer Privatbrauerei kommt damit einiges zusammen. Der Betrieb muss sich in einem schrumpfenden Markt behaupten und zugleich seine Kostenstruktur anpassen. Dass die Brauerei bei Wettbewerben erfolgreich war, schützt sie nicht vor diesen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Gute Biere allein reichen offenbar nicht aus, um ein Unternehmen dauerhaft über Wasser zu halten.

„Bier alleine reicht nicht mehr“

Geschäftsführer Markus Führer zieht aus der Entwicklung Konsequenzen. Gegenüber MeinBezirk kündigte er an, die Brauerei erhalten und sich „gesund schrumpfen“ zu wollen. Das Sortiment soll angepasst werden. Gleichzeitig müsse das Unternehmen über das bisherige Angebot hinausdenken. Seine Diagnose fasste Führer mit den Worten zusammen: „Bier alleine reicht nicht mehr.“

Was genau mit der Neuausrichtung gemeint ist, wurde bislang nicht im Detail erläutert. Klar ist aber, dass die Sanierung nicht einfach eine unveränderte Fortsetzung des bisherigen Geschäftsmodells vorsieht. Das Unternehmen muss entscheiden, welche Produkte und Aktivitäten wirtschaftlich sinnvoll sind und wie sich der Betrieb mit den verfügbaren Ressourcen dauerhaft finanzieren lässt.

Für eine kleine Privatbrauerei ist das ein schwieriger Balanceakt. Ein zu großes Sortiment bindet Kapital und verursacht Aufwand, während eine zu starke Konzentration auf wenige Produkte die Möglichkeiten am Markt begrenzen kann. Welche Konsequenzen Führer daraus für die Gablitzer Biere zieht, dürfte sich im weiteren Sanierungsprozess zeigen.

Die Produktion soll weiterlaufen

Trotz des eröffneten Verfahrens soll die Gablitzer Privatbrauerei zunächst weiterproduzieren. Führer betonte gegenüber MeinBezirk, dass das Unternehmen den Betrieb fortsetzen und den Standort erhalten wolle. Für die Kunden soll sich im laufenden Geschäft möglichst wenig ändern.

Die Fortführung ist allerdings nicht mit einer bereits gesicherten Zukunft gleichzusetzen. Das Sanierungskonzept muss finanziell funktionieren und die notwendige Zustimmung erhalten. Die entscheidenden Termine stehen bereits fest: Gläubiger können ihre Forderungen bis zum 10. November 2026 anmelden. Am 24. November sind die Berichts- und Prüfungstagsatzung am Landesgericht St. Pölten angesetzt. Über den Sanierungsplan soll am 22. Dezember 2026 abgestimmt werden.

Bis dahin muss sich zeigen, ob die geplante Neuaufstellung realistisch ist und der Betrieb genügend Einnahmen erwirtschaften kann, um die vereinbarte Quote zu finanzieren. Für die Beschäftigten, die Gläubiger und die Freunde der Gablitzer Biere steht damit ein entscheidender Herbst bevor.

Eine zweite Chance für die Gablitzer Biere?

Die Insolvenz der Cetius Mons Braumanufaktur GmbH bedeutet noch nicht das endgültige Aus für die Gablitzer Privatbrauerei. Anders als bei Unternehmen, deren Betrieb bereits eingestellt wird, steht hier ausdrücklich die Fortführung im Mittelpunkt. Markus Führer will den Standort erhalten und das Unternehmen an die veränderten Marktbedingungen anpassen. Ob das gelingt, wird sich im Verlauf des Sanierungsverfahrens zeigen.

Die Herausforderung ist beträchtlich: Rund 863.000 Euro Verbindlichkeiten stehen einem kleinen Betrieb mit nur einem weiteren Beschäftigten neben dem Geschäftsführer gegenüber. Die angebotene Quote von 20 Prozent soll aus dem laufenden Geschäft finanziert werden. Dafür muss die Brauerei nicht nur weiterarbeiten, sondern auch genügend wirtschaftlichen Spielraum schaffen.

Für Bierfreunde bleibt deshalb vorerst die Hoffnung, dass die ausgezeichneten Biere aus Gablitz auch künftig gebraut werden. Der Fall zeigt zugleich, wie verletzlich kleine, unabhängige Brauereien sein können, wenn sinkender Bierkonsum, steigende Kosten und ein verändertes Konsumverhalten zusammentreffen. Die nächste wichtige Entscheidung fällt voraussichtlich im Dezember. Erst dann wird klarer sein, ob der geplante Neustart gelingt.

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