In Japan stehen die vier größten Bierhersteller des Landes unter dem Verdacht, Preise für Bier und andere alkoholische Getränke abgesprochen zu haben. Am 7. Oktober hat die japanische Wettbewerbsbehörde Fair Trade Commission (JFTC) die Unternehmen Asahi Breweries, Kirin Brewery, Suntory und Sapporo Breweries durchsucht. Die Behörde untersucht, ob die vier Konzerne über Jahre hinweg die Höhe und den Zeitpunkt von Preiserhöhungen gegenüber Großhändlern koordiniert haben.
Von einem nachgewiesenen Kartell kann allerdings noch keine Rede sein. Die Ermittlungen stehen erst am Anfang. Alle vier Unternehmen haben gegenüber der Japan Times bestätigt, dass sie von der JFTC untersucht werden, und ihre Zusammenarbeit mit den Behörden angekündigt.
Mehr als 90 Prozent des japanischen Biermarktes
Der Fall ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil es sich bei den Beschuldigten um praktisch den gesamten japanischen Biermarkt handelt. Asahi, Kirin, Suntory und Sapporo kommen zusammen auf mehr als 90 Prozent des heimischen Biermarktes. Damit hat der Verdacht einer möglichen Preisabsprache eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Der japanische Bier- und verwandte Getränkemarkt wird auf mehr als eine Billion Yen pro Jahr geschätzt.
Nach bisherigen Berichten richtet sich die Untersuchung insbesondere auf Preisänderungen im Oktober 2022 und im April 2025. Alle vier Unternehmen hatten ihre Preise in diesen Zeiträumen angehoben und dabei unter anderem gestiegene Kosten für Rohstoffe und Logistik angeführt. Die Wettbewerbsbehörde will nun klären, ob diese Entscheidungen tatsächlich unabhängig voneinander getroffen wurden.
Treffen von Vertriebsmitarbeitern im Fokus
Nach Informationen japanischer Medien besteht der Verdacht, dass sich Vertriebsmitarbeiter der vier Unternehmen im Umfeld regelmäßiger Treffen des Brewers Association of Japan zusätzlich über Preise ausgetauscht haben. Dabei soll es unter anderem um die Höhe und den Zeitpunkt von Preiserhöhungen gegenüber Großhändlern gegangen sein.
Ob und in welchem Umfang solche Absprachen tatsächlich stattgefunden haben, muss die weitere Untersuchung zeigen. Die JFTC hat bei den Durchsuchungen Unterlagen und andere Beweismittel gesichert und prüft nun deren Inhalt. Nach derzeitigen Berichten zieht die Behörde auch eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Betracht.
Die Unternehmen weisen den Verdacht nicht durch eigene Schuldeingeständnisse zurück, sondern verweisen zunächst auf ihre Kooperation mit der Untersuchung. Suntory teilte beispielsweise mit, dass das Unternehmen die Durchsuchung im Zusammenhang mit einem möglichen Verstoß gegen das japanische Antimonopolgesetz ernst nehme und vollständig mit der Behörde zusammenarbeiten werde.
Japanischer Biermarkt unter Druck
Der Kartellverdacht trifft die großen japanischen Brauereien zudem in einer schwierigen Marktsituation. Der heimische Bierkonsum ist seit seinem Höhepunkt in den 1990er-Jahren deutlich zurückgegangen. Gründe sind unter anderem die demografische Entwicklung und veränderte Trinkgewohnheiten. Gleichzeitig versuchen die großen Konzerne, mit neuen Produkten, alkoholfreien Getränken und Geschäften im Ausland neue Wachstumsfelder zu erschließen.
Für die Unternehmen kommt der Fall deshalb zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Gleichzeitig sollte man die Dimension des Vorgangs nicht übertreiben: Bislang handelt es sich um einen Verdacht und eine laufende Untersuchung, nicht um die Feststellung eines Kartells.
Interessant ist der Fall dennoch auch über Japan hinaus. Denn die vier Unternehmen repräsentieren eine außergewöhnlich starke Konzentration eines nationalen Biermarktes. Auch in Europa wird seit Jahren über die zunehmende Bedeutung großer Brauereikonzerne, Übernahmen und die daraus entstehende Marktmacht diskutiert. Der japanische Fall zeigt damit sehr deutlich, welche Bedeutung die Wettbewerbsbehörden einer solchen Marktkonzentration beimessen können.
Bereits im September hatte die japanische Wettbewerbsbehörde Unternehmen ausdrücklich davor gewarnt, Preisabsprachen mit gestiegenen Kosten zu rechtfertigen. Sie kündigte ein konsequentes Vorgehen gegen Kartelle an und betonte, dass Unternehmen ihre Preise unabhängig voneinander festlegen müssen.
Wie weit die Ermittlungen gegen Asahi, Kirin, Suntory und Sapporo führen werden, ist derzeit offen. Für die japanische Bierbranche dürfte der Fall allerdings noch einige Zeit für Aufmerksamkeit sorgen.