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Japanisches Bierkartell: Ermittlungen weiten sich auf Branchenverband aus – Bierzirkus

Japanisches Bierkartell: Ermittlungen weiten sich auf Branchenverband aus

Im japanischen Kartellverfahren gegen Asahi, Kirin, Sapporo und Suntory gibt es neue Erkenntnisse. Auch der Branchenverband und mögliche Preisabsprachen stehen im Fokus.

Die Ermittlungen wegen möglicher Preisabsprachen bei Japans größten Bierherstellern bringen neue Details ans Licht. Nachdem die Wettbewerbsbehörde Anfang Oktober die Zentralen von Asahi, Kirin, Sapporo und Suntory durchsucht hatte, geriet inzwischen auch der Branchenverband Brewers Association of Japan ins Visier der Ermittler. Zudem berichten japanische Medien, dass Führungskräfte einzelner Unternehmen über ausgehandelte Preiserhöhungen informiert gewesen sein könnten.

Über den Beginn der Ermittlungen und den Verdacht koordinierter Preissteigerungen hatten wir bereits berichtet. Nun zeichnen sich weitere Einzelheiten zu den möglichen Abläufen ab.

Auch der Branchenverband durchsucht

Wie die Nachrichtenagentur Jiji Press am 8. Oktober berichtete, durchsuchte die japanische Wettbewerbsbehörde auch die Brewers Association of Japan. Nach Informationen aus Ermittlerkreisen vermuten die Behörden, dass informelle Treffen im Umfeld des Verbands bei den mutmaßlichen Absprachen eine Rolle gespielt haben könnten.

Im Mittelpunkt steht dabei eine Gruppe von Marketingverantwortlichen der vier großen Brauereien, die sich regelmäßig trifft. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass Vertreter der Unternehmen nach offiziellen Verbandstreffen zusätzlich über den Zeitpunkt und das Ausmaß von Preiserhöhungen gesprochen haben könnten. Dabei soll es um die Preise gegangen sein, zu denen Bier und bierähnliche Getränke an Großhändler geliefert werden.

Die Existenz solcher Branchentreffen ist für sich genommen kein Hinweis auf rechtswidriges Verhalten. Entscheidend ist, ob dabei tatsächlich wettbewerbswidrige Preisabsprachen getroffen wurden.

Berichte über informierte Führungskräfte

Am 10. Oktober berichtete die Japan Times unter Berufung auf Bloomberg, Jiji Press und informierte Kreise, dass Führungskräfte einzelner Unternehmen über Einzelheiten ausgehandelter Preiserhöhungen unterrichtet gewesen sein sollen. Die Ermittler untersuchen demnach, ob diese Verantwortlichen wussten, dass die Informationen aus Verhandlungen zwischen den konkurrierenden Unternehmen stammten.

Laut dem Bericht sollen zudem einige Unternehmensvertreter im Zuge der Untersuchung ein Kartell eingeräumt haben. Welche Personen genau solche Aussagen gemacht haben und auf welche konkreten Vorgänge sie sich beziehen, geht aus den öffentlich zugänglichen Informationen bislang nicht vollständig hervor.

Die Angaben sind deshalb mit Vorsicht zu behandeln. Sie beruhen auf Medienberichten über laufende Ermittlungen und stellen noch keine abschließende Entscheidung der japanischen Wettbewerbsbehörde dar.

Weiterhin Verdacht statt abschließendem Urteil

Die japanische Wettbewerbsbehörde untersucht den Verdacht, dass die vier Brauereikonzerne über mehrere Jahre hinweg Zeitpunkt und Umfang von Preiserhöhungen abgestimmt haben. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Preisanpassungen im Oktober 2022 und April 2025. Die Unternehmen hatten diese mit gestiegenen Kosten begründet.

Asahi, Kirin, Sapporo und Suntory haben die Durchsuchungen bestätigt und angekündigt, mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Ob die Ermittlungen zu einer Anklage oder zu Sanktionen führen, ist weiterhin offen.

Der Fall ist auch deshalb von Bedeutung, weil die vier Unternehmen zusammen mehr als 90 Prozent des japanischen Biermarktes beherrschen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte das Verfahren weitreichende Folgen für die betroffenen Konzerne und die Kontrolle des Wettbewerbs in der japanischen Getränkebranche haben.

Für die europäische Bierwirtschaft ist der Fall vor allem ein Beispiel dafür, wie kritisch Wettbewerbsbehörden den Austausch sensibler Preisinformationen zwischen marktbeherrschenden Unternehmen betrachten. Einen direkten Schluss auf vergleichbare Vorgänge in Europa lassen die bisherigen Erkenntnisse allerdings nicht zu.

Die Untersuchung wird zeigen müssen, ob aus den bislang bekannt gewordenen Hinweisen tatsächlich ein nachweisbarer Verstoß gegen das japanische Wettbewerbsrecht folgt.

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