Zehn Jahre sind in der Craftbier-Szene eine durchaus bemerkenswerte Zeitspanne. Während in der deutschen Braubranche derzeit regelmäßig von Insolvenzen, Übernahmen und Betriebsschließungen zu lesen ist, gibt es auch Geschichten, die in die andere Richtung zeigen. Eine davon kommt aus Münster: Die FINNE Brauerei feiert in diesen Tagen ihr zehnjähriges Bestehen.
Jetzt blickt die Brauerei auf ein Jahrzehnt zurück, in dem sich aus einer kleinen Idee ein etabliertes Unternehmen mit inzwischen mehr als 50 Beschäftigten entwickelt hat.
Von der Viertelbrauerei zur Hafenbrauerei
Die Geschichte der FINNE begann 2016 in Münsters Kreuzviertel. Die Gründer brachten damals eine Idee aus Kanada mit nach Münster: handwerklich gebrautes Bier, das sich deutlich von der industriellen Bierlandschaft unterscheiden sollte.
Aus dieser Idee entstand zunächst eine kleine Viertelbrauerei. FINNE setzte dabei von Anfang an auf unterschiedliche Bierstile und eine eigene Handschrift – vom klassischen Pils bis zu stärker gehopften und experimentelleren Bieren.
Die Entwicklung blieb nicht auf das ursprüngliche Brauhaus beschränkt. Seit 2025 betreibt FINNE zusätzlich die Hafenbrauerei am Münsteraner Hafen. Damit verfügt das Unternehmen inzwischen über einen zweiten Standort und deutlich mehr Möglichkeiten für Produktion und Veranstaltungen.
Zehn Jahre Craftbier aus Münster
Zum zehnjährigen Bestehen blickt FINNE deshalb nicht nur auf eine möglichst lange Liste gebrauter Biere zurück. Die Brauerei steht auch für die Entwicklung der Münsteraner Craftbier-Szene.
Craftbier war 2016 in Deutschland noch wesentlich stärker ein Nischenphänomen als heute. Kleine Brauereien experimentierten mit neuen Hopfensorten und internationalen Bierstilen, während viele Verbraucher gerade erst begannen, sich für die Vielfalt jenseits von Pils, Export und Weizenbier zu interessieren.
FINNE gehörte in Münster zu den Brauereien, die diese Entwicklung vor Ort mitprägten. Dabei blieb das Unternehmen nicht bei einer einzelnen Biersorte stehen, sondern entwickelte ein breites Sortiment.
Jubiläumswochenende in Münster
Das zehnjährige Bestehen wird vom 18. bis 20. September mit einem Jubiläumswochenende an der Hafenbrauerei gefeiert. Zum Programm gehören Live-Musik, Essen und natürlich Bier.
Ein besonderer Programmpunkt ist der Fassanstich des Geburtstagsbiers. Besucher können außerdem einen Blick auf die Brauerei werfen und das Jubiläum dort feiern, wo die jüngere Geschichte von FINNE inzwischen eine neue Heimat gefunden hat.
Damit wird aus dem runden Geburtstag mehr als eine interne Feier. Die Brauerei lädt ihre Gäste dazu ein, gemeinsam auf zehn Jahre FINNE anzustoßen.
Eine positive Geschichte in schwierigen Zeiten
Dass eine Brauerei ihr zehnjähriges Bestehen feiern kann, klingt zunächst unspektakulär. Angesichts der aktuellen Situation in der deutschen Bierbranche bekommt ein solches Jubiläum allerdings eine zusätzliche Bedeutung.
Steigende Kosten, verändertes Konsumverhalten, der rückläufige Bierabsatz und ein zunehmend schwieriges Marktumfeld haben in den vergangenen Jahren auch vor kleineren und mittelständischen Brauereien nicht haltgemacht. Insolvenzen und Schließungen gehören inzwischen leider regelmäßig zu den Nachrichten aus der Branche.
FINNE erzählt eine andere Geschichte. Aus einer kleinen Brauerei im Münsteraner Kreuzviertel ist innerhalb eines Jahrzehnts ein Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten und zwei Brauereistandorten geworden.
Das bedeutet natürlich nicht, dass Craftbierbrauereien heute keine wirtschaftlichen Herausforderungen mehr kennen. Aber es zeigt, dass sich eine eigenständige Position am Markt entwickeln lässt.
FINNE steht seit der Gründung für den Versuch, Bier nicht einfach nur als Durstlöscher zu betrachten. Unterschiedliche Bierstile, neue Rezepturen und der Mut zum Experiment gehören zum Konzept.
Nach zehn Jahren ist daraus eine Brauerei geworden, die fest zur Münsteraner Bierlandschaft gehört. Und während anderswo derzeit vor allem über das Ende von Brauereien gesprochen wird, gibt es in Münster einen Grund zum Anstoßen.
Auf die nächsten zehn Jahre.