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Warsteiner vor tiefgreifendem Umbau: Haus Cramer reduziert Braukapazität um 30 Prozent – Bierzirkus

Warsteiner vor tiefgreifendem Umbau: Haus Cramer reduziert Braukapazität um 30 Prozent

Warsteiner baut tiefgreifend um: Haus Cramer verlagert Produktion und Lohnbraugeschäft nach Warstein. Paderborn droht Ende 2026 die Schließung.

Bei der Haus Cramer Gruppe nimmt der angekündigte Konzernumbau konkrete Formen an. Das Unternehmen hinter der Marke Warsteiner hat gegenüber der Deutschen Presse-Agentur weitere Einzelheiten zur Restrukturierung bestätigt. Mit der Schließung des Standorts Herford und dem möglichen Aus der Brauerei in Paderborn würde die Produktionskapazität der Gruppe in Nordrhein-Westfalen um insgesamt rund 30 Prozent sinken.

Unter dem seit dem 23. Juli amtierenden Unternehmenschef Bodo-Joachim Wendenburg soll die Neuaufstellung des Warsteiner-Konzerns weiter vorangetrieben werden. Dabei geht es nicht allein um die Schließung beziehungsweise den möglichen Verkauf von Produktionsstandorten. Auch Produktion, Lohnbraugeschäft und Vertrieb werden neu organisiert und stärker am Stammsitz in Warstein gebündelt.

Lohnbraugeschäft wird nach Warstein verlagert

Neu ist vor allem die Konkretisierung der künftigen Produktionsstruktur. Neben der eigenen Bierproduktion sollen auch die bislang in Ostwestfalen-Lippe angesiedelten Lohnbrauaktivitäten nach Warstein verlagert werden. Damit gewinnt der Stammsitz innerhalb der Haus Cramer Gruppe weiter an Bedeutung.

Die Verlagerung der Produktion aus Herford nach Warstein läuft nach Angaben des Unternehmens bereits planmäßig. Die Herforder Brauerei gehört seit 2007 zur Warsteiner-Gruppe. Im Zuge der Restrukturierung hatte Haus Cramer angekündigt, den Standort aufzugeben und die dort hergestellten Biere künftig in Warstein zu produzieren.

Parallel dazu verändert der Konzern seine Vertriebsorganisation. Handelsvertrieb, Lohnbraugeschäft und Export werden künftig in einem gemeinsamen Bereich zusammengefasst. Die Leitung übernimmt Adriano Leo. Der bisherige Vertriebsdirektor Marco Schulze verlässt das Unternehmen.

Die Maßnahmen zeigen, dass es sich bei der Restrukturierung nicht lediglich um eine Bereinigung der Produktionskapazitäten handelt. Haus Cramer bündelt gleichzeitig zentrale Geschäftsbereiche und konzentriert einen größeren Teil seiner Aktivitäten am Stammsitz.

Entscheidung über Paderborn soll im Herbst fallen

Offen bleibt die Zukunft des Standorts Paderborn. Für die dortige Brauerei sucht Haus Cramer weiterhin einen Käufer. Erstmals hat das Unternehmen nun auch den Zeitrahmen für eine Entscheidung konkreter benannt: Im Herbst 2026 soll feststehen, ob die Brauerei einen neuen Eigentümer findet.

Sollte die Suche erfolglos bleiben, droht dem Standort zum Jahresende das Aus. Damit würde neben Herford eine zweite Produktionsstätte der Gruppe in Nordrhein-Westfalen verschwinden. Für Paderborn ist die Käufersuche daher entscheidend. Ein Verkauf könnte den Brauereistandort erhalten, während ein Scheitern des Prozesses die Konzentration der Produktion auf Warstein weiter beschleunigen würde.

220 Beschäftigte in Herford und Paderborn betroffen

Besonders einschneidend ist die Restrukturierung für die Beschäftigten. Insgesamt sind an den Standorten Herford und Paderborn rund 220 Mitarbeiter betroffen. Für sie wurde ein Sozialtarifvertrag vereinbart.

Gleichzeitig bietet Haus Cramer in Warstein 50 Arbeitsplätze an. Damit kann allerdings nur ein Teil der von den Veränderungen betroffenen Beschäftigten innerhalb der Unternehmensgruppe weiterbeschäftigt werden.

Die personellen Folgen verdeutlichen die Dimension des Umbaus. Die Haus Cramer Gruppe reagiert nicht mit einzelnen Sparmaßnahmen, sondern verändert ihre Produktions- und Organisationsstruktur grundlegend.

Warstein wird zum zentralen Produktionsstandort

Sollten sowohl Herford als auch Paderborn als Produktionsstandorte wegfallen, reduziert Haus Cramer seine Braukapazitäten in Nordrhein-Westfalen um rund 30 Prozent. Gleichzeitig wird Warstein zum deutlich stärkeren Zentrum der Bierproduktion des Konzerns.

Dort sollen künftig nicht nur größere Teile der eigenen Marken produziert werden. Auch das Lohnbraugeschäft wird am Stammsitz konzentriert. Die Bündelung soll Strukturen vereinfachen und vorhandene Kapazitäten effizienter auslasten.

Damit folgt Haus Cramer einer Entwicklung, die angesichts des schrumpfenden deutschen Biermarktes zunehmend an Bedeutung gewinnt. Sinkende Absatzmengen treffen auf hohe Produktions-, Energie- und Personalkosten. Für Brauereigruppen mit mehreren Standorten stellt sich deshalb immer häufiger die Frage, wie viele Produktionskapazitäten langfristig noch wirtschaftlich ausgelastet werden können.

Tiefgreifender Umbau bei Warsteiner

Für Haus Cramer markieren die kommenden Monate eine entscheidende Phase. Die Verlagerung aus Herford läuft bereits, organisatorisch werden Vertrieb und Lohnbraugeschäft neu aufgestellt und spätestens im Herbst soll Klarheit über die Zukunft der Paderborner Brauerei herrschen.

Gelingt dort kein Verkauf, wäre die Neuordnung zum Jahresende weitgehend vollzogen: Zwei Produktionsstandorte würden wegfallen und ein erheblicher Teil der bisherigen Braukapazität in Nordrhein-Westfalen verschwinden.

Warstein würde damit mehr denn je zum Mittelpunkt der Gruppe. Der Umbau zeigt zugleich, wie stark der seit Jahren rückläufige Biermarkt inzwischen auch etablierte Brauereikonzerne dazu zwingt, ihre Produktionsstrukturen grundsätzlich zu überprüfen.

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