Während in Großbritannien traditionsreiche Brauereien vor dem Aus stehen oder ihre Produktion an andere Standorte verlagern, schlägt die Rebellion Beer Company einen anderen Weg ein. Die unabhängige Brauerei aus Marlow in der Grafschaft Buckinghamshire gehört seit Oktober 2026 einem Employee Ownership Trust. Die Gründer Tim Coombes und Mark Gloyens wollen damit die Zukunft des Unternehmens sichern und dafür sorgen, dass die Brauerei an ihrem bisherigen Standort bleibt.
Die beiden hatten Rebellion 1993 gegründet und über mehr als drei Jahrzehnte unabhängig geführt. Am 13. Oktober 2026 übertrugen sie das Unternehmen auf den Treuhandfonds zugunsten der Beschäftigten. Öffentlich bekannt gegeben wurde der Schritt einen Tag später. Nach Angaben der Brauerei soll die neue Eigentümerstruktur die Kontinuität für die Mitarbeiter und die zahlreichen Stammkunden gewährleisten. Auch der lokale Charakter des Unternehmens soll erhalten bleiben.
Die Mitarbeiter rücken in den Mittelpunkt
Ein Employee Ownership Trust, kurz EOT, ist eine besondere Form der Unternehmensnachfolge. Dabei hält ein Treuhandfonds die Anteile am Unternehmen zum Nutzen der Beschäftigten. Diese müssen also nicht selbst einzeln Unternehmensanteile erwerben, um von der neuen Eigentümerstruktur zu profitieren.
Für Rebellion bedeutet das, dass die Brauerei nicht an einen externen Investor oder einen internationalen Getränkekonzern verkauft wird. Stattdessen soll sie in den Händen der Menschen bleiben, die dort arbeiten. Die Gründer Tim Coombes und Mark Gloyens werden das Unternehmen in den kommenden Jahren weiterhin begleiten. Gleichzeitig soll ein Managementteam aus langjährigen Mitarbeitern schrittweise mehr Verantwortung für die Geschäftsführung übernehmen.
Die Brauerei beschäftigt mehr als 75 Menschen. Der Eigentümerwechsel soll dazu beitragen, diese Arbeitsplätze zu sichern und den Betrieb langfristig am Standort Bencombe Farm in Marlow Bottom zu halten. Eine Garantie gegen sämtliche wirtschaftlichen Risiken ist die neue Eigentümerstruktur allerdings nicht. Auch ein mitarbeitergeführtes Unternehmen muss sich im Wettbewerb behaupten und wirtschaftlich erfolgreich arbeiten.
Für Kunden soll sich zunächst nichts ändern. Rebellion will seine Biere wie bisher vor Ort brauen, die gewohnten Angebote fortführen und an seiner regionalen Ausrichtung festhalten.
Seit 1993 fest in Marlow verwurzelt
Rebellion wurde 1993 von Tim Coombes und Mark Gloyens gegründet. Die beiden wollten die Brautradition von Marlow wiederbeleben, nachdem die historische Wethered Brewery 1987 geschlossen worden war. 1999 bezog Rebellion den heutigen Standort auf Bencombe Farm, wo sich die Brauerei seither weiterentwickelt hat.
Das Unternehmen ist stark in der Region verwurzelt. Nach eigenen Angaben belieferte es 2025 mehr als 200 Pubs in einem Umkreis von rund 30 Meilen. Neben der Produktion gehören ein Brauereishop, ein Ausschankbereich unter dem Namen Tap Yard und ein Drive-through-Angebot zum Betrieb.
Auch die Bierpalette ist über klassische Ales hinausgewachsen. Rebellion bietet unter anderem Lagerbiere, Pale Ales und Stouts an. Mit dem alkoholfreien beziehungsweise alkoholarmen Mar-Low Pale hat die Brauerei 2026 zudem ihr Angebot in diesem Segment erweitert.
Die lokale Verankerung ist für das Unternehmen ein wesentlicher Teil seiner Identität. Genau diesen Charakter wollen die Gründer mit der Übergabe an den Employee Ownership Trust bewahren.
Crowdfunding soll Investitionen ermöglichen
Der Eigentümerwechsel ist nicht der einzige Schritt, mit dem Rebellion seine Zukunft gestalten möchte. Für das Frühjahr 2027 plant die Brauerei eine Crowdfunding-Kampagne, an der sich auch Kunden und andere Unterstützer beteiligen können. Die Einzelheiten des Angebots werden derzeit noch ausgearbeitet. Wer bereits Interesse anmeldet, geht damit ausdrücklich noch keine Verpflichtung ein, später Geld zu investieren.
Mit dem geplanten Kapital möchte Rebellion mehrere Vorhaben finanzieren. Dazu zählen zusätzliche Gär- und Lagertanks, um die Braukapazität auszubauen und neue Biere entwickeln zu können. Außerdem sind Investitionen in die Nachhaltigkeit vorgesehen: Eine Anlage zur Rückgewinnung und Wiederverwendung des bei der Gärung entstehenden Kohlendioxids soll den ökologischen Fußabdruck verringern. Solarenergie und Batteriespeicher könnten außerdem helfen, Energiekosten zu senken und die Versorgung des Standorts unabhängiger zu machen.
Auch der Tap Yard soll weiterentwickelt werden. Darüber hinaus soll ein Teil der Mittel dazu beitragen, die finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Gründern aus der Eigentumsübertragung zu reduzieren. Dadurch könnten die Beschäftigten früher von ausschüttungsfähigen Unternehmensgewinnen profitieren.
Wie genau die Finanzierung gestaltet wird und welche Bedingungen für mögliche Investoren gelten, soll vor dem Start der Kampagne bekannt gegeben werden.
Ein anderes Modell in schwierigen Zeiten
Die Entscheidung von Rebellion fällt in eine Phase, in der die britische Braubranche unter erheblichem Druck steht. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Molson Coors die Sharp’s Brewery in Cornwall schließen und die Herstellung ihrer Biere an andere Standorte verlagern will. Auch für die traditionsreiche Marston’s Brewery in Burton upon Trent steht eine mögliche Schließung im Raum. Dort hat Carlsberg Britvic eine entsprechende Absicht angekündigt; das Vorhaben unterliegt einem Konsultationsverfahren.
In beiden Fällen geht es um die Neuordnung von Produktionskapazitäten und die wirtschaftliche Zukunft etablierter Braustandorte. Rebellion zeigt, dass bei einer Unternehmensnachfolge auch ein anderer Weg möglich ist: Statt die Brauerei an einen externen Käufer abzugeben, wird das Eigentum auf einen Trust zugunsten der eigenen Belegschaft übertragen.
Ob dieses Modell dauerhaft erfolgreich sein wird, muss sich erst zeigen. Es kann jedoch helfen, die Interessen der Beschäftigten, die regionale Verwurzelung und die langfristige Entwicklung eines Unternehmens enger miteinander zu verbinden.
Für Rebellion ist die Übertragung nach 33 Jahren Unabhängigkeit ein bedeutender Einschnitt – und zugleich der Versuch, die eigene Geschichte fortzuschreiben. Die Brauerei soll in Marlow bleiben, ihre Biere weiterhin selbst brauen und sich mit Investitionen für die kommenden Jahre rüsten. In einer Branche, die derzeit häufig von Standortschließungen und Produktionsverlagerungen geprägt ist, ist das eine bemerkenswerte Nachricht.