Dennis Kort aus Eindhoven ist neuer niederländischer Biersommelier-Meister. Bei der fünften Ausgabe der niederländischen Meisterschaft setzte er sich in einem anspruchsvollen Wettbewerb durch, bei dem nicht nur ein feiner Gaumen, sondern auch Fachwissen, Präsentationstalent und die Fähigkeit gefragt waren, ein Bier überzeugend zu beschreiben. Im Finale beeindruckte Kort die Jury mit einem Barrel Aged Tripel der Brauerei De Kromme Haring, das er zuvor noch nicht kannte.
Der Wettbewerb fand am 12. Oktober 2026 an der International Hotel & Management School des ROC Mondriaan College in Den Haag statt. Den zweiten Platz belegte Yoran Zonneveld, während Thijs van Til die Bronzemedaille gewann. Die fünf Erstplatzierten bilden gemeinsam das niederländische Team für die Biersommelier-Weltmeisterschaft 2027 in Österreich.
Vom Erkennen der Bierstile bis zur Blindverkostung
Der Wettbewerb begann bereits am frühen Morgen mit den Vorrunden. Die Teilnehmer mussten verschiedene Bierstile erkennen, Aromastoffe bestimmen und einen umfangreichen theoretischen Wissenstest absolvieren. Dabei ging es nicht allein darum, ob ein Bier schmeckt, sondern vor allem um die Fähigkeit, seine Eigenschaften möglichst präzise zu erfassen und fachlich einzuordnen.
Beim Bierstiltest standen zehn Gläser vor den Kandidaten. Aus einer Liste mit 30 möglichen Bierstilen mussten sie bestimmen, welches Bier jeweils eingeschenkt worden war. Auch bei der Aromaprüfung war eine gute Nase gefragt: Den Teilnehmern wurden verschiedene Aromastoffe in ein Standardbier, in diesem Jahr Amstel Blond 4,0 Prozent, gegeben. Anschließend mussten sie die zugesetzten Stoffe aus einer Liste identifizieren.
Die zehn besten Teilnehmer qualifizierten sich für das Halbfinale. Am Nachmittag konnten auch Zuschauer den Wettbewerb verfolgen. Jeweils zwei Kandidaten traten gegeneinander an, um einen der fünf Plätze im Finale zu ergattern.
Ein unbekanntes Barrel Aged Tripel überzeugt die Jury
Im Finale mussten die Kandidaten zeigen, dass sie nicht nur über Fachwissen und sensorische Fähigkeiten verfügen, sondern ihre Eindrücke auch unter Druck verständlich und unterhaltsam vermitteln können. Drei große Bierflaschen standen bereit, aus denen jeder Finalist ein Bier auswählte. Anschließend galt es, das Getränk zu präsentieren, einzuschenken, sensorisch zu analysieren und seine Besonderheiten nachvollziehbar zu erklären.
Die Jury bestand aus dem amtierenden Weltmeister Léon Rodenburg, Yu Mey Kwee von der Bierausbildungsinstitution StiBON und Jan Machiel van Bragt, Autor des Buches „De Biericonen der Lage Landen“.
Kort überzeugte mit seinem selbstbewussten Auftreten, seinem Fachwissen und einer besonders gelungenen Präsentation. Für zusätzliche Spannung sorgte ein Koffer mit der Aufschrift „Top Secret“. Bis zum Schluss hielt der spätere Sieger das Publikum in Atem und überraschte die Jury schließlich mit einer Kombination aus Bier und einem niederländischen Destillat.
Seine Wahl fiel auf ein Barrel Aged Tripel von De Kromme Haring. Obwohl Kort das Bier zuvor nicht kannte, gelang ihm eine überzeugende Vorstellung, die sowohl bei der Jury als auch beim Publikum Eindruck hinterließ. Damit sicherte er sich den Titel des niederländischen Biersommelier-Meisters zum zweiten Mal und darf ihn für die kommenden zwei Jahre tragen.
Von Mango bis Schweißsocke: Was Biersommeliers leisten müssen
Wie anspruchsvoll die Arbeit eines Biersommeliers sein kann, zeigte sich auch an den ungewöhnlichen Beschreibungen, die bei der Verkostung zur Sprache kamen. Während ein Teilnehmer frische Zitrusnoten oder Mango wahrnimmt, entdeckt ein anderer möglicherweise Anklänge an Karton, Erbrochenes oder Schweißsocken.
Was zunächst wenig appetitlich klingt, gehört zum Handwerk: Aromaeindrücke müssen erkannt, eingeordnet und möglichst präzise beschrieben werden. Dabei geht es auch darum, mögliche Ursachen zu verstehen und die eigenen Wahrnehmungen anderen Menschen verständlich zu vermitteln.
Diese Fähigkeit ist nicht nur bei Wettbewerben gefragt. Biersommeliers können ihr Wissen in der Gastronomie, bei Verkostungen und in Seminaren einsetzen. Sie helfen dabei, Gästen passende Biere zu empfehlen, Geschmacksunterschiede zu erklären und Bier als vielseitigen Begleiter zu Speisen stärker in den Mittelpunkt zu rücken.
Bierwissen als Teil der Genusskultur
Die niederländische Meisterschaft verdeutlicht, wie viel Wissen und handwerkliche Erfahrung hinter einem Glas Bier stecken können. Neben der Arbeit der Brauer spielen dabei die Geschichte einzelner Bierstile, unterschiedliche Brauverfahren und die Vielfalt der Aromen eine wichtige Rolle.
Nach Angaben des Nederlands Gilde der Biersommeliers (NGBS) gibt es in den Niederlanden inzwischen mehr als 550 international diplomierte Biersommeliers. Die Organisation will mit Wettbewerben und Bildungsangeboten dazu beitragen, Fachwissen und Wertschätzung für Bier weiterzuentwickeln.
Niederländisches Team reist 2027 nach Österreich
Mit dem nationalen Titel beginnt für Dennis Kort zugleich die Vorbereitung auf die nächste große Herausforderung. Bei der Weltmeisterschaft der Biersommeliers 2027 in Österreich wird er gemeinsam mit Yoran Zonneveld, Thijs van Til, Boukje Koop und Martin ter Harkel die Niederlande vertreten. Elianne Mercx steht als Ersatzteilnehmerin bereit.
Nach einem Wettbewerb voller Blindverkostungen, theoretischer Prüfungen und anspruchsvoller Präsentationen steht damit das niederländische Team für die internationale Bühne fest. Für Kort geht es nun darum, sein Können auch im internationalen Vergleich unter Beweis zu stellen.