Die belgische Brasserie de Verviers setzt bei ihrer Weiterentwicklung auf gemeinschaftliches Engagement. Mehr als 60 Bürger haben sich bereits an der Finanzierung einer neuen Brauanlage beteiligt. Mit der Investition will die seit Februar 2026 als Genossenschaft organisierte Brauerei ihre Produktionskapazitäten erweitern, ihr Sortiment ausbauen und neue Geschäftsfelder erschließen. Weitere Teilhaber sind ausdrücklich willkommen.
Die neue Anlage wurde Anfang Oktober am Brauereistandort in der Rue de la Colline angeliefert. Sie besteht aus einer Brauanlage mit einem Fassungsvermögen von 500 Litern, drei Gärtanks sowie einer Kühl- und Pasteurisierungsanlage. Damit ersetzt die Brauerei einen Teil ihrer bisherigen Ausstattung aus dem Jahr 2016, die bei der verheerenden Hochwasserkatastrophe im Juli 2021 beschädigt worden war.
Mehr Kapazität für bestehende Biere und neue Kreationen
Mit den zusätzlichen Gärtanks kann die Brasserie de Verviers künftig größere Mengen produzieren und mehrere Gärprozesse parallel durchführen. Davon sollen zunächst die bestehenden Biersorten der Reihe „#4800“ profitieren. Dazu gehören Pils, IPA und Berliner Weisse, die künftig regelmäßiger in den rund 35 Verkaufsstellen der Region erhältlich sein sollen.
Gleichzeitig gewinnt die Brauerei mehr Spielraum für limitierte und saisonale Biere. Die neue Ausstattung soll es ermöglichen, neben dem etablierten Sortiment häufiger kleinere Sude mit besonderen Rezepturen anzubieten.
Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Pasteurisierungsanlage. Durch die kontrollierte Erhitzung lassen sich Getränke haltbarer machen, was der Brauerei neue Möglichkeiten bei der Herstellung und Vermarktung eröffnet.
Kombucha und alkoholfreies Bier geplant
Noch im Herbst 2026 will die Brasserie de Verviers mit der Produktion von Kombucha beginnen. Das fermentierte Teegetränk erweitert das Angebot über klassische Bierspezialitäten hinaus. Darüber hinaus schafft die neue technische Ausstattung Voraussetzungen für die Herstellung alkoholfreien Bieres.
Die Nachfrage danach nehme spürbar zu, erklärt Verwaltungsmitglied Sébastien Reinders gegenüber der belgischen Tageszeitung „La Meuse“. Er freue sich, dass die Brauerei künftig mit einem alkoholfreien Bier auf diesen Wunsch reagieren könne, das direkt in Verviers gebraut wird.
Damit verbindet die Genossenschaft ihre Investition in die Brautechnik mit einer Erweiterung des Sortiments. Neben den bestehenden Bieren sollen künftig also auch Getränke angeboten werden, die neue Zielgruppen ansprechen.
Bürger werden zu Miteigentümern der Brauerei
Besonders bemerkenswert ist die Art, wie die Brasserie de Verviers ihre Investitionen finanziert. Statt sich ausschließlich auf Banken oder einen einzelnen Geldgeber zu verlassen, setzt sie auf die Beteiligung der Bevölkerung. Die Brauerei ist seit Februar 2026 als Genossenschaft organisiert. Die neuen Anlagen wurden von Menschen finanziert, die sich an diesem Unternehmen beteiligen.
Ein Genossenschaftsanteil kostet 250 Euro. Wer einen Anteil erwirbt, wird Miteigentümer der Brauerei und erhält bei der Generalversammlung eine Stimme – unabhängig davon, wie viel Geld insgesamt investiert wurde. Weitere Teilhaber können sich beteiligen.
Für Reinders ist dieses Modell auch eine Absicherung gegen einen möglichen späteren Verkauf oder eine Verlagerung des Betriebs. „Eine Genossenschaft bleibt dort, wo ihre Genossen leben. Diese Brauerei wird nicht verlagert und auch nicht an den Meistbietenden verkauft“, betont er gegenüber „La Meuse“.
Die Genossenschaft will mit weiteren Mitgliedern ihre finanzielle Grundlage stärken und zugleich die Verbindung zur Region festigen. Das Brauereiprojekt soll damit nicht nur ein Unternehmen sein, sondern dauerhaft in der Bevölkerung verankert bleiben.
Ausbildung und Kultur als langfristige Ziele
Die neue Brauanlage soll nicht allein der Bierproduktion dienen. Die Brauerei möchte künftig auch junge Menschen sowie Personen unterstützen, die sich beruflich neu orientieren oder in den Arbeitsmarkt integrieren wollen. Bereits im November 2026 soll der erste Praktikant seine Arbeit aufnehmen.
Langfristig verfolgt die Genossenschaft noch größere Pläne. Bis 2029 soll im Zentrum von Verviers ein neuer Ort entstehen, an dem Brauerei, Bar-Restaurant und Kulturraum miteinander verbunden werden. Damit könnte die Brasserie de Verviers ihre Rolle als regionaler Produzent ausbauen und zugleich einen Treffpunkt für die Stadt schaffen.
Die Geschichte der Brauerei begann 2014 in einer ehemaligen Textilfabrik. Mit der neuen Anlage und dem genossenschaftlichen Finanzierungsmodell stellt sie nun die Weichen für die nächste Entwicklungsphase.
Weitere Informationen zur Brauerei und zur Beteiligung gibt es auf der offiziellen Website der Brasserie de Verviers.