Das Aus für das Hofbrauhaus Wolters in Braunschweig zieht bereits die nächsten Konsequenzen nach sich. Nicht nur die Produktion der eigenen Wolters-Marken muss künftig neu organisiert werden. Auch Biermarken, die bisher im Auftrag in Braunschweig hergestellt wurden, brauchen einen neuen Produktionsstandort.
Ein solcher Fall ist jetzt bekannt geworden: Die Getränke Ahlers GmbH aus Achim lässt ihre Marken Hemelinger und Weserländer künftig bei der Privatbrauerei Wittingen im Landkreis Gifhorn produzieren. Beide Biere wurden bislang beim Hofbrauhaus Wolters in Braunschweig gebraut beziehungsweise abgefüllt.
Für die Privatbrauerei Wittingen ist das ein durchaus bedeutender Auftrag. Wie Geschäftsführer Axel Schulz-Hausbrandt gegenüber az-online erklärt, handelt es sich bei Hemelinger und Weserländer um einen „größeren Auftrag“. Über die konkreten Produktionsmengen wurde allerdings Stillschweigen vereinbart.
Für Wittingen kommt der Auftrag zur richtigen Zeit
Die Wittinger Brauerei kann den zusätzlichen Auftrag offenbar gut gebrauchen. Wie andere Brauereien steht auch das Familienunternehmen unter dem Druck steigender Kosten und eines rückläufigen Bierabsatzes. Schulz-Hausbrandt bezeichnet den Auftrag deshalb als „Meilenstein“, der sich stabilisierend auf das Unternehmen auswirke und dazu beitrage, den Standort zu erhalten und auszubauen.
Ganz neu ist die Zusammenarbeit zwischen Wittingen und Getränke Ahlers allerdings nicht. Einzelne Produkte der Ahlers-Gruppe werden bereits in Wittingen produziert. Mit der Verlagerung von Hemelinger und Weserländer wird diese Partnerschaft nun deutlich ausgeweitet. Nach Angaben von Ahlers sollen Rezepturen, Geschmack und Qualitätsanspruch der beiden Marken unverändert bleiben. Auch die Lieferfähigkeit soll gesichert sein.
Interessant ist auch die Verbindung des Wittinger Braumeisters zu Hemelinger. Er hatte die Marke bereits früher gebraut, als Hemelinger noch bei der damaligen Brauerei Beck in Bremen hergestellt wurde. Damit übernimmt die Wittinger Brauerei nicht einfach zwei bislang fremde Produkte, sondern verfügt zumindest bei Hemelinger über entsprechende Erfahrung.
Neue Arbeitsplätze in Wittingen
Der zusätzliche Auftrag könnte sogar Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahl haben. Laut Schulz-Hausbrandt plant die Privatbrauerei Wittingen, in geringem Umfang weitere Mitarbeiter einzustellen. Die Rede ist von einer niedrigen einstelligen Zahl zusätzlicher Beschäftigter. Außerdem wechselt ein Mitarbeiter aus Braunschweig nach Wittingen.
Bereits zuvor hatte die Wittinger Geschäftsführung bestätigt, dass für die Produktion von Hemelinger und Weserländer Personal eingestellt wurde und weitere Verstärkung gesucht werde.
Das zeigt, wie unmittelbar sich das Ende einer Brauerei auf andere Unternehmen auswirken kann. Für Wittingen entsteht zusätzliche Auslastung, während die Produktion zweier etablierter Marken am bisherigen Standort in Braunschweig endet.
Was bedeutet das für Wolters?
Der Wechsel von Hemelinger und Weserländer ist auch deshalb interessant, weil er einen bislang weniger beachteten Aspekt der Wolters-Insolvenz sichtbar macht. Das Hofbrauhaus war nicht ausschließlich mit seinen eigenen Marken beschäftigt. Ein Teil der Kapazitäten wurde für andere Marken genutzt.
Mit dem Ende der Produktion in Braunschweig müssen deshalb nicht nur die Wolters-Biere neu organisiert werden. Auch die Auftragsproduktionen werden auf andere Brauereien verteilt.
Bei Hemelinger und Weserländer ist dieser Schritt bereits vollzogen. Beide Marken bleiben erhalten und werden künftig in Wittingen produziert. Für die Ahlers-Gruppe bedeutet das Planungssicherheit, für Wittingen einen zusätzlichen Auftrag und für Wolters ist es ein weiteres Stück Produktion, das mit dem Ende des Standorts verloren geht.
Und damit wird immer deutlicher, dass die Schließung des Hofbrauhauses Wolters weit über das Brauereigelände in Braunschweig hinausreicht. Während für die Wolters-Marke inzwischen mit der TCB-Gruppe eine mögliche Zukunftsperspektive gefunden wurde, werden andere bisher in Braunschweig produzierte Biere künftig an anderen Standorten gebraut.
Die Folgen des Wolters-Aus sind damit längst nicht vollständig sichtbar. Hemelinger und Weserländer zeigen bereits, wie die Neuordnung aussehen kann: Die Marken bleiben bestehen, aber ihr Bier kommt künftig aus einer anderen Brauerei.