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Wolters-Marke soll bleiben: TCB übernimmt möglicherweise das Braunschweiger Traditionsbier – Bierzirkus

Wolters-Marke soll bleiben: TCB übernimmt möglicherweise das Braunschweiger Traditionsbier

Gestern noch unbekannt, heute bekannt: Die TCB-Gruppe will die Marke Wolters übernehmen. Die Brauerei in Braunschweig soll trotzdem Ende 2026 schließen.

Wie schnell sich die Fakten ändern können. Gestern habe ich noch darüber berichtet, dass zwar Interessenten für die Marke Wolters im Gespräch sind, deren Namen aber nicht bekannt seien. Heute wissen wir mehr: Die TCB-Gruppe will die Markenfamilie Wolters übernehmen und das Traditionsbier weiterführen.

Für die Brauerei in Braunschweig bedeutet diese Nachricht allerdings nicht die erhoffte Rettung. Im Gegenteil: Der Produktionsstandort soll wie angekündigt zum 31. Dezember 2026 geschlossen werden. Die mögliche Übernahme durch TCB würde also vor allem der Marke Wolters eine Zukunft geben – nicht dem Brauereibetrieb an seinem bisherigen Standort.

TCB will Wolters weiterführen

Die Volksbank BRAWO, das Hofbrauhaus Wolters und die TCB-Gruppe haben gemeinsam an einer Lösung gearbeitet, mit der die Marke Wolters erhalten bleiben soll. TCB möchte die Wolters-Markenfamilie sowie weitere markenbezogene Vermögenswerte übernehmen. Die Originalrezeptur soll dabei erhalten bleiben.

Produktion und Abfüllung sollen künftig innerhalb der TCB-Gruppe erfolgen. Wo genau das Wolters-Bier künftig gebraut wird, ist allerdings noch nicht endgültig festgelegt. Nach Informationen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung könnte dabei auch die Gilde-Brauerei in Hannover eine Rolle spielen.

Für die Verbraucher soll sich möglichst wenig ändern. TCB will Handel und Gastronomie weiterhin mit Wolters-Bieren versorgen. Auch das Sponsoring von Eintracht Braunschweig soll nach den bisherigen Plänen fortgesetzt werden.

Noch ist die Übernahme allerdings nicht endgültig vollzogen. Die erforderlichen Verträge müssen ausgearbeitet und die zu übertragenden Vermögenswerte rechtlich und technisch geprüft werden. Außerdem sind noch die notwendigen Zustimmungen erforderlich.

Wer ist eigentlich TCB?

Hinter der TCB-Gruppe stehen die Unternehmer Mike Gärtner und Karsten Uhlmann. Die beiden stiegen 2003 mit der Übernahme der damaligen Oderland-Brauerei in Frankfurt (Oder) in das Brauereigeschäft ein. Aus dem zunächst eher unscheinbaren Einstieg ist inzwischen eine große Brauereigruppe geworden.

Zum deutschen TCB-Verbund gehören heute unter anderem das Frankfurter Brauhaus, die Feldschlößchen-Brauerei in Dresden und die Gilde-Brauerei in Hannover. Nach einer Branchenanalyse von Getränke News verfügte die Gruppe zuletzt über eine Produktionskapazität von mehreren Millionen Hektolitern und beschäftigte an ihren drei deutschen Standorten rund 690 Mitarbeiter.

Das Geschäftsmodell der TCB-Gruppe unterscheidet sich dabei durchaus von dem vieler klassischer deutscher Traditionsbrauereien. Neben regionalen Marken spielt die Produktion von Handelsmarken eine wichtige Rolle. Die Gruppe arbeitet deshalb mit vergleichsweise großen Produktionsmengen und unterschiedlichen Gebinden.

Gerade die Gilde-Brauerei in Hannover könnte im Zusammenhang mit Wolters interessant werden. Sie gehört ebenfalls zur TCB-Gruppe und liegt geografisch relativ nahe an Braunschweig. Ob dort künftig tatsächlich Wolters gebraut wird, ist allerdings noch nicht offiziell bestätigt. Fest steht lediglich, dass TCB die Produktion innerhalb der eigenen Gruppe organisieren will.

Die Brauerei Wolters ist damit trotzdem Geschichte

So positiv die Nachricht für die Marke sein mag: Für den Produktionsstandort Braunschweig ändert sich nichts. Das Hofbrauhaus Wolters soll Ende Dezember seine Tore schließen. Rund 90 Beschäftigte sind davon betroffen. Oberbürgermeister Thorsten Kornblum hat deshalb auch nach Bekanntwerden der TCB-Lösung darauf hingewiesen, dass sich für die Mitarbeiter und ihre Familien zunächst nichts an der schwierigen Situation ändert.

Als Grund für die Schließung wird insbesondere der technische und strukturelle Zustand des Standortes sowie der Immobilien genannt. Nach Angaben der Volksbank BRAWO lässt sich der Brauereibetrieb deshalb dort nicht wirtschaftlich fortführen.

TCB will allerdings bis zu 40 neue Beschäftigungsmöglichkeiten an verschiedenen Standorten der Gruppe schaffen. Das könnte zumindest einem Teil der bisherigen Wolters-Mitarbeiter eine berufliche Perspektive bieten. Eine Garantie, dass tatsächlich 40 Beschäftigte übernommen werden, gibt es jedoch nicht. Welche Stellen angeboten werden können, hängt von den benötigten Funktionen und Qualifikationen ab.

Was wird aus dem Brauereigelände?

Auch beim Brauereigelände zeichnet sich eine interessante Entwicklung ab. Nach den bisherigen Plänen soll nicht nur die Marke Wolters, sondern auch das Betriebsgrundstück an TCB übergehen. Was dort künftig passieren soll, ist noch nicht entschieden. Nach Angaben der Volksbank BRAWO wird derzeit an einem Nutzungskonzept gearbeitet. Teile der vorhandenen Gebäude könnten demnach beispielsweise für Veranstaltungen genutzt werden.

Damit könnte das historische Brauereigelände zumindest teilweise erhalten bleiben, auch wenn dort künftig kein Bier mehr gebraut wird.

Was bedeutet das für die Rettungsinitiativen?

Interessant ist die Nachricht auch deshalb, weil sie unmittelbar auf die verschiedenen Rettungsinitiativen folgt, über die ich gestern berichtet habe.

Die Petition zum Erhalt des Brauereistandortes hat inzwischen rund 15.000 Unterstützer. Gleichzeitig arbeitet Jan Hackenberg an der Idee einer Genossenschaft, mit der der Brauereibetrieb möglicherweise weitergeführt werden könnte. Hinzu kommt der Vorschlag einer kommunalen Brauereigenossenschaft.

Die TCB-Lösung ist allerdings etwas anderes. Hier geht es nicht um die Rettung der Brauerei in ihrer bisherigen Form, sondern um die Zukunft der Marke Wolters.

Das dürfte auch erklären, warum die Nachricht auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt: Wolters bleibt – aber die Wolters-Brauerei in Braunschweig schließt.

Ein Stück Braunschweig soll erhalten bleiben

Für Biertrinker dürfte zunächst vor allem die Nachricht interessant sein, dass das Bier nicht einfach vom Markt verschwindet. Die Originalrezeptur soll erhalten bleiben und Wolters weiterhin in Handel und Gastronomie erhältlich sein.

Auch die Verbindung zu Eintracht Braunschweig soll bestehen bleiben. Der Verein hatte unmittelbar nach Bekanntwerden der Schließung erklärt, dass die Versorgung mit Wolters-Pils für die restlichen Heimspiele des Jahres gesichert sei und man auf eine zukunftsfähige Lösung für die Marke hoffe.

Ob Wolters langfristig tatsächlich so regional verankert bleiben kann wie bisher, wird sich allerdings erst zeigen. Ein Bier, das in Braunschweig gebraut wird und ein Bier mit einer Braunschweiger Marke sind schließlich nicht ganz dasselbe.

Noch ist die Übernahme nicht abgeschlossen

Auch wenn die Nachricht von einer möglichen Übernahme zunächst nach einer abgeschlossenen Rettung klingt, sollte man genau hinschauen. Die endgültigen Vereinbarungen zwischen den Beteiligten stehen noch aus.

Damit bleibt auch für die kommenden Wochen einiges zu beobachten: Wo wird Wolters künftig gebraut? Welche Mitarbeiter können zu TCB wechseln? Was geschieht mit dem Brauereigelände? Und wie reagieren die Initiatoren der verschiedenen Rettungsversuche auf die neue Situation?

Für Wolters hat sich die Lage damit innerhalb von nur wenigen Tagen grundlegend verändert. Die Brauerei in Braunschweig ist weiterhin zum Jahresende vor dem Aus. Die Marke Wolters hat dagegen plötzlich eine konkrete Zukunftsperspektive. Und damit ist die Geschichte rund um Wolters noch lange nicht beendet.

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