Neun Tage Oktoberfest sind vorbei, sieben Tage stehen noch bevor. Zur Halbzeit der Wiesn 2026 haben Wiesn-Chef Christian Scharpf, Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdienst eine erste Bilanz gezogen. Dabei zeigt sich nicht nur, dass die Wiesn bislang mehr Besucher anzieht als im vergangenen Jahr. Auch beim Bierkonsum zeichnen sich interessante Veränderungen ab. Insgesamt 3,8 Millionen Menschen haben das Oktoberfest in den ersten neun Tagen besucht. Im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres waren es 3,5 Millionen. Das nahezu durchgehend perfekte Wiesnwetter dürfte seinen Teil dazu beigetragen haben.
Weniger Festbier, mehr alkoholfreies Bier
Der Bierkonsum entwickelt sich allerdings nicht in gleichem Maße wie die Besucherzahl. Der Absatz des klassischen Festbiers liegt zur Halbzeit 1,4 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach alkoholfreiem Bier. Hier verzeichnet die Wiesn ein Plus von 4,5 Prozent. Auch Saures Radler wird nach Angaben von Wiesn-Chef Christian Scharpf häufiger bestellt. Noch deutlicher fällt der Zuwachs beim Weißbier aus: Davon wurden bislang 15 Prozent mehr ausgeschenkt.
Damit zeichnet sich zumindest zur Halbzeit ein Trend ab, der auch über das Oktoberfest hinaus interessant sein dürfte. Mehr Besucher bedeuten nicht automatisch einen höheren Bierkonsum. Stattdessen scheint sich die Nachfrage innerhalb des Getränkeangebots zu verschieben.
Neues Sicherheitskonzept soll Menschenströme besser steuern
Auch beim Sicherheitskonzept gibt es zur Halbzeit eine erste Bilanz. Nach Angaben von Christian Scharpf hat sich insbesondere die Kampagne bewährt, mit der Besucher dazu aufgefordert wurden, ihren Wiesnbesuch möglichst auf die Wochentage zu legen.
Die Zahl der Besucher unter der Woche stieg demnach um 18,5 Prozent. Gleichzeitig lagen die Besucherzahlen an den Wochenenden leicht unter dem Vorjahresniveau. Ganz ohne größere Menschenansammlungen ging es allerdings nicht. Am Samstagnachmittag mussten Eingänge zeitweise geschlossen werden. Nach Angaben des Wiesn-Chefs konnten jedoch neue KI-gestützte Videokameras und speziell geschulte Experten zur Analyse von Menschenmengen dazu beitragen, die Besucherströme zu lenken. „Zu keiner Zeit kam es zu einer Traubenbildung wie 2025“, erklärte Scharpf.
Drohnen sorgen für zusätzliche Arbeit bei der Polizei
Erstmals unterstützen in diesem Jahr auch Drohnenexperten der Bayerischen Polizei die Einsatzkräfte vor Ort. Im Flugbeschränkungsgebiet rund um das Oktoberfest wurden bislang 74 Drohnen festgestellt. Gegen die jeweiligen Piloten wurden entsprechende Maßnahmen eingeleitet.
Die Technik spielt aber nicht nur bei der Überwachung des Festgeländes eine größere Rolle. Insgesamt konnten 56 Kameras nach Angaben der Polizei bislang 98 Einsätze unterstützen oder initiieren.
471 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten registriert
Die Polizei hat bis zur Halbzeit 471 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten registriert. Darunter befinden sich zwei Raubdelikte und 135 Körperverletzungen. In 49 Fällen handelte es sich um gefährliche Körperverletzungen. Elf davon sollen im Zusammenhang mit Maßkrügen stehen.
Auffällig ist die Entwicklung bei den Drogendelikten. Insgesamt wurden bislang 122 Rauschgiftdelikte registriert. Die Polizei spricht dabei von einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei den meisten Fällen ging es um Kokain.
Auch bei den Sicherheitsleistungen kommt eine beträchtliche Summe zusammen. Bislang nahm die Polizei 340.000 Euro ein. Darin enthalten sind unter anderem 26.000 Euro, die ein 50-jähriger Manager aus Polen hinterlegen musste, nachdem er beim Kokainkonsum am sogenannten Kotzhügel erwischt worden war.
Sanitätsdienst behandelt mehr als 4.200 Patienten
Auch für die Aicher Ambulanz gibt es zur Halbzeit reichlich Arbeit. Die Sanitäter haben bislang 4.243 Patienten behandelt. Bei rund 35 Prozent der Fälle waren die Beschwerden nach Angaben des Sanitätsdienstes alkoholbedingt. Die übrigen Patienten wurden unter anderem wegen Verletzungen oder Kreislaufproblemen behandelt.
Einen Todesfall gibt es in diesem Jahr ebenfalls zu beklagen. Ein 78-jähriger Mann, der vor dem Augustiner-Zelt von drei Kellnerinnen reanimiert worden war, starb aufgrund von Vorerkrankungen.
Hendlhut verliert an Bedeutung, Pins werden beliebter
Nicht nur beim Bier zeichnen sich auf der Wiesn neue Trends ab. Der Hendlhut scheint nach Einschätzung von Christian Scharpf an Beliebtheit zu verlieren. Dafür werden Oktoberfest-Pins offenbar immer häufiger als Souvenir mitgenommen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die bunten Anstecker sind klein und leicht und lassen sich wesentlich einfacher transportieren als ein Maßkrug.
Auch musikalisch könnte sich bereits ein Wiesn-Hit herauskristallisieren. Der Song „Gute Laune“ von GroßstadtEngel entwickelt sich nach den bisherigen Eindrücken zum möglichen Ohrwurm der diesjährigen Wiesn.
Die erste Halbzeit des Oktoberfestes 2026 liefert damit ein durchaus interessantes Bild: 3,8 Millionen Besucher, etwas weniger Festbier, gleichzeitig eine steigende Nachfrage nach alkoholfreiem Bier und Weißbier. Dazu kommen neue Sicherheitsmaßnahmen und eine verstärkte Überwachung des Festgeländes. Sieben Tage bleiben noch, bevor die Wiesn 2026 endgültig Bilanz ziehen kann. Erst dann wird sich zeigen, ob sich die zur Halbzeit erkennbaren Trends beim Bierkonsum tatsächlich bestätigen.