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Ayinger – Frühlingsbier

Tief verwurzelt in der bayerischen Tradition und doch stets am Puls der Zeit – so möchte die Brauerei Ayinger gesehen werden. Und das nicht zu Unrecht. Seit über 600 Jahren wird in Aying unweit von München Bier gebraut, das nicht nur Regionalität, sondern bis heute auch Handwerkskunst und Innovationsgeist vereint.

Die Brauerei in Aying ist dabei weit mehr als nur ein Produktionsstandort. Sie ist ein Ort der Begegnung, an dem Bierfreunde die Gelegenheit haben, in die Welt der bayerischen Braukunst einzutauchen. Führungen durch die historischen Räumlichkeiten, Verkostungen und saisonale Events bieten einen Blick hinter die Kulissen und lassen das Herz jedes Bierkenners höherschlagen.

Von dort kommt das Ayinger Frühlingsbier, das jetzt vor mir steht, auch wenn der Frühling noch einige Zeit auf sich warten lässt. Die Flasche, die ich jetzt verkosten werde, stammt noch aus dem letzten Jahr.

Schon beim Einschenken macht das Bier mit einem strahlenden, goldgelben Farbton und seiner kräftigen Hefetrübung einen sehr guten Eindruck. Die cremige Schaumkrone ist leider eher klein, bleibt aber sehr lange erhalten.

Auch das Aroma kann mich begeistern: Ich rieche Hefe, die Noten von hellem Malz, abgerundet durch feine florale Akzente und einem Hauch von Zitrusfrüchten und Honigsüße.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße und eine angenehme Spritzigkeit aus. Auf der Zunge dominieren das Malz und die Hefe, zu denen sich eine leichte Bittere gesellt. Auch die blumigen Aromen kommen zu ihrem Recht. Das Mundgefühl ist weich, passend zum Frühling. In der Kehle ist das Bier mild, wobei die leichte Bittere erhalten bleibt und angenehm lange nachklingt.

Das Ayinger Frühlingsbier ist ein schönes Bier für die ersten warmen Tage des Jahres.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Stammwürze:

12,8° Plato

Bittereinheiten:

30 IBU

Farbe:

6 EBC

Brauerei:

Brauerei Aying
Franz Inselkammer KG
Zornedinger Straße 1
85653 Aying
www.ayinger.de

Franken-Bräu Winterbier

Der Winter ist in dieser Saison mal wieder ausgefallen. Eis und Schnee blieben uns auch in diesem kalendarischen Winter versagt. Darauf hatte ich eigentlich gewartet, um das Winterbier aus Franken zu testen. Nun hat der Frühling begonnen und es ist an der Zeit, dass dieses Bier endlich wegkommt. Daher werde ich es jetzt verkosten, auch wenn die Temperaturen nicht zu diesem Bier passen.

Erst einmal gilt es zu klären, um was für einen Bierstil es sich überhaupt handelt. Zum Winter würde ja ein Bockbier passen. Die Brauerei hüllt sich in vornehmes Schweigen und schreibt auf ihrer Website von einem Festbier. Jetzt muss ich spekulieren und ich vermute, dass es sich eher um ein Märzen handelt. Das würde eher zu den 5,4 % Vol. passen, die das Bier hat und auch in Franken ist ein Märzen wahrscheinlicher. Mal sehen, was die Verkostung ergibt.

Goldgelb ist das Bier und es bildet sich eine durchschnittliche Menge gemischtporiger Schaum, der recht lange erhalten bleibt. Doch, das Bier ist hübsch anzusehen.

Es duftet nach Toffee und blumig, wodurch es eher an eine Sommerwiese erinnert als an eine verschneite Winterlandschaft. Aber es ist ja auch schön, durch den in der Hallertau angebauten Aromahopfen etwas vom Sommer in die kältere Jahreszeit hinüberzuretten.

Der Antrunk ist wenig süß und er offenbart mehr Kohlensäure als optisch erkennbar war. Zunächst steht der Hopfen im Vordergrund, das Bier ist also recht bitter, bevor sich eine feine Süße bemerkbar macht. Der Abgang ist recht trocken und das Bitter klingt noch lange nach.

Das Franken Bräu Winterbier hebt sich wohltuend aus der Masse der Winter- und Weihnachtsböcke ab. Kein Wunder, es ist ja auch ein Märzen, aber eines, das nicht nur im Winter schmeckt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Brauerei:

Franken Bräu
96268 Mitwitz
www.frankenbraeu.de

Hobbybrauer-Festival der Extraklasse: HOME BREW bei Maisel & Friends in Bayreuth

Am 28. und 29. März 2025 dreht sich bei Maisel & Friends in Bayreuth alles um kreatives Brauhandwerk und leckere Biere. Bei der HOME BREW Bayreuth, der größten Hobbybrauerveranstaltung Süddeutschlands, präsentieren 30 Hobbybrauer und neun professionelle Brauereien aus ganz Europa ihre einzigartigen Kreationen – und das bei freiem Eintritt.

Erstmals findet das beliebte Festival an zwei Tagen statt: Freitag von 18 bis 23 Uhr und Samstag von 14 bis 23 Uhr. Bierbegeisterte können sich auf eine unvergleichliche Vielfalt an Bierstilen und Geschmäckern freuen, spannende Fachvorträge besuchen und sich im Messebereich über Brauzubehör und Rohstoffe informieren. Ein besonderes Highlight ist die diesjährige Partnerbrauerei, die Privatbrauerei Gaffel aus Köln, die ihr traditionelles Kölsch präsentiert.

Wer gewinnt den Hobbybrauerwettbewerb?

Am Samstag um 21 Uhr wird es spannend, wenn der Gewinner des Hobbybrauerwettbewerbs verkündet wird, der einer Jury aus renommierten Bierexperten bestimmt wird. Zum Thema „Italian Style Pilsner“ können Heimbrauer noch bis zum 26. März ihr Bier einreichen.

Die Highlights im Überblick:

  • Craft Stage (Freitag & Samstag): Acht europäische Brauereien, darunter To Øl (Dänemark), Van Moll (Niederlande) und Pivovar Zichovec (Tschechien), und der Bierspezialitäten-Shop Beyond Beer präsentieren ihre Bierspezialitäten.
  • Signature Brauerei (Freitag & Samstag): Die Privatbrauerei Gaffel aus Köln ist in diesem Jahr als Partnerbrauerei vor Ort und bringt das echte Kölsch-Erlebnis nach Bayreuth.
  • Hobbybrauer-Ausschank (Samstag): 30 kreative Hobbybrauer bieten ihre Biere in zwei Slots (14 bis 17 Uhr, 17.30 bis 20.30 Uhr) zur Verkostung an. Besuchende können die Kreationen gegen eine kleine Spende probieren und für ihre Favoriten abstimmen.
  • Preisverleihung (Samstag 21 Uhr): Die Gewinner von Hobbybrauerwettbewerb und Publikumspreis werden feierlich verkündet.
  • Showbrauen und Fachmesse (Samstag): Hobbybrauer Brauwolf demonstriert live vor Ort das Hobbybrauen. Zudem informieren mehrere Fachaussteller über Brauzubehör und Rohstoffe.
  • Fachvorträge (Samstag): Verschiedene Aspekte des Hobbybrauens werden in einem umfangreichen Vortragsprogramm thematisiert. Einige davon sind anmelde- und kostenpflichtig, buchbar auf maiselandfriends.com.

Ob Bierliebhaber, Hobbybrauer oder einfach neugierige Genießer – die HOME BREW Bayreuth 2025 verspricht ein unvergessliches Festival mit spannenden Begegnungen, guten Bieren und bester Stimmung.

Mehr Informationen zu den einzelnen Programmpunkten gibt es unter

www.maiselandfriends.com/homebrew.

Highlightbilder aus den letzten Jahren:

https://maisel.pixxio.media/share/1738573800mJwu2LNiBDX3GX/media

Wieninger – Dunkles Lagerbier

Als ich 2024 in Lyon in der Jury des Concours International in Lyon saß und dort das Dunkle Lagerbier von Wieninger verkostete, gefiel es mir ausnehmen gut. In der Kategorie der Lagerbiere war es mein absoluter Favorit. Das hatte ich der Brauerei auch geschrieben, woraufhin sie mir einige Flaschen für eine Rezension schickte. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber irgendwie ist die Beschreibung dieses Biers etwas in Vergessenheit geraten, so dass ich sie erst jetzt nachhole.

Erwähnen möchte ich aber noch, dass es sich beim Wieninger Dunklen Lagerbier um ein Biobier handelt, dass also Malz und Hopfen aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. In diesem Fall handelt es sich sogar um „richtiges“ Bio von Naturland, nicht um das Bio light der EU.

Dunkelbernsteinfarben und ungefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinperlige elfenbeinfarbene Schaumkrone bleibt lange erhalten. An der Optik ist absolut nichts auszusetzen.

Das Bier duftet nach Schokolade und gerösteten Haselnüssen, gepaart mit einer leichten Fruchtigkeit, die mich an Äpfel und Birnen denken lässt. Abgerundet wird das Aroma durch einen Hauch Karamell.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine verhaltene Süße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge kommt die Fruchtigkeit etwas kräftiger zum Vorschein als in der Nase. Dazu kommen Schokolade und Karamell. Zusätzlich kommt eine geringe freundliche Bittere zum Vorschein. Auch in der Kehle bleibt die Bittere eher im Hintergrund. Dafür legt das Nussaroma noch etwas zu und klingt lange nach.

Zutaten:

Brauwasser, Helles Gerstenmalz, Münchner Gerstenmalz, Malz Karamell Palisander, Hopfen (Hallertauer Perle, Hallertauer Mittelfrüh), Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,5° Plato

Bittereinheiten:

15 IBU

Farbe:

20 EBC

Brauerei:

Privatbrauerei M.C. Wieninger
Poststraße 1
83317 Teisendorf
www.wieninger.de

Maisel & Friends – Hoplander: Exlipse

Maisel & Friends hat eine neue Serie limitierter Biere gestartet. Gemeinsam mit dem Hopfenhändler BarthHaas sollen Biere entstehen, die jeweils mit einer einzigen Hopfensorte gebraut wurden. Allerdings kann ich die Gedankengänge der fränkischen Brauer nicht so gut wiedergeben wie die Brauer selbst. Ich übernehme daher hier die Beschreibung von Maisel & Friends, bevor ich die Flasche öffne und Ihnen meine eigenen Eindrücke mitteile.

Eine Heldin auf der Jagd nach dem perfekten Hopfen

Sie ist stark, sie ist mutig, sie ist eine Kriegerin – und sie hat eine Mission. Jahr für Jahr begibt sich die Hoplanderin auf die Jagd. Das Objekt ihrer Begierde? Ein Hopfen, der alles andere in den Schatten stellt. Ihr Abenteuer birgt allerlei Gefahren und zahlreiche Hindernisse: Sie kämpft sich durch raues Gelände, trotzt Sturm und Regen, folgt Spuren und Zeichen. Unerschrocken und angetrieben von der Sehnsucht, ein Meisterwerk zu schaffen: Ein unsterbliches IPA, das den auserwählten Hopfen erstrahlen lässt.

 Es kann nur eine(n) geben

Nach aufregenden Monaten voller Erlebnissen und Herausforderungen, weit entfernt von zuhause, kehrt die Hoplanderin zurück. Dabei hält sie den perfekten Hopfen endlich in den Händen, die australische Sorte Eclipse. Damit gelingt es ihr, eine beeindruckende Aromenwelt zu schaffen, in der der Geschmack von süßen Mandarinen, Zitrusschalen und frischen Kiefernnadeln wartet. Hinzu kommen süße und saure Früchte wie Kiwi und Grapefruit in Kombination mit Kräuternoten. Ihre Mission ist vollbracht – bis zum nächsten Jahr, bis zur nächsten Jagd.

So, jetzt ist es aber an der Zeit, die Flasche zu öffnen, die die Pressesprecherin von Maisel & Friends  mir zugeschickt hat.

Hellgolden strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Darüber prangt eine feste schneeweiße Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Ein Bier wie gemalt.

Dass das Aroma angenehm fruchtig ist, kann mich nicht überraschen. Diese Eigenschaft ist schließlich Teil der DNA des IPA. Überraschend ist eigentlich nur, dass die vielseitige Fruchtigkeit aus einer einzigen Hopfensorte stammt. Neben Zitrusschalen, Grapefruit und Mandarinen kann ich auch Kiwi riechen. Dazu kommt noch der herbe Duft nach Kiefernnadeln. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Fruchtig Ist der erste Eindruck, den das Bier auf der Zunge vermittelt. Alle Früchte, die ich bereits in der Nase festgestellt habe, spiegeln sich auf der Zunge wider. Dazu kommt noch eine leichte Süße und die sehr feinperlige Kohlensäure sorgt für die notwendige Frische. Schnell kommt noch der Geschmack nach Kiwi dazu und auch die harzigen Noten kommen jetzt zum Vorschein. Aus dem Hintergrund meine ich, auch Kräuter zu schmecken. Nicht zu vergessen die passende freundliche Bittere. In der Kehle ist das Bier überraschend mild und trotzdem klingt der Geschmack recht lange nach.

Wenn Sie das Bier irgendwo sehen, kann ich Ihnen nur raten, es sofort zu kaufen. Sie wissen ja: es handelt sich um einen Sondersud und wenn der Vorrat weg ist, dann ist er weg und kommt nicht wieder.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Eclipse), Hefe

Alkoholgehalt‍:

5,9 % Vol.

Stammwürze‍:

13,3° Plato

Empfohlene Genusstemperatur‍:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

Brauerei Gebr. Maisel KG
Hindenburgstraße 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Flötzinger – Weihnachts-Bier

Die Flötzinger Brauerei wurde im Jahr 1543 gegründet und ist heute die älteste Brauerei Rosenheims und auch die einzige verbliebene Privatbrauerei. Von dort stammt das Weihnachts-Bier, das jetzt vor mir steht. Die Brauerei nennt es das „besondere Bier für die Festtage“. Es wird dementsprechend auch nur vor Weihnachten gebraut und verkauft. Außerdem darf es auch nicht mit dem Flötzinger Weihnachtsbock verwechselt werden. Flötzinger ist damit die erste Brauerei, die ich erlebe und die gleich zwei Weihnachtsbiere einbraut.

Golden und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine feste schneeweiße Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier damit eine gute Figur.

Hopfenbetonte Würzigkeit steigt mir in die Nase, aus dem Hintergrund unterstützt durch eine Malzsüße.

Der Antrunk ist frisch und spritzig. Auf der Zunge gesellt sich eine passende Bittere zur Süße. Der Geschmack ist intensiv und trägt zu einem vollen Mundgefühl bei. In der Kehle dominiert eine freundliche Bittere mit einem sehr langen Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenauszüge

Alkoholgehalt‍:

5,4 % vol.

Bittereinheiten‍:

18 IBU

Farbe:

18 EBC

Empfohlene Genusstemperatur‍:

9° – 11° Celsius

Brauerei:

Flötzinger Brauerei Franz
Steegmüller GmbH & Co. KG
Am Roßacker 4
83022 Rosenheim
www.floetzinger.de

Statement von Walter König, Geschäftsführer Bayerischer Brauerbund e.V., auf der BrauBeviale 2024

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Vertreter des Bayerischen Brauerbundes und der Gesellschaft für Hopfenforschung freue ich mich, Sie heute bei dieser gemeinsamen Pressekonferenz begrüßen zu dürfen. Die Partnerschaft zwischen der Hopfenwirtschaft und der Brauwirtschaft hat eine lange Tradition und ist eine der tragenden Säulen unseres Erfolges – gerade in Zeiten großer Herausforderungen und Veränderungen.

Deutscher Siegelhopfen ist für uns Brauer nicht nur ein unverzichtbarer Rohstoff, sondern auch ein Symbol für Qualität, Regionalität, Partnerschaft, Tradition und Innovationskraft. 99 % der weltweiten Hopfenproduktion fließen in die Bierherstellung. Damit steht die Hopfenwirtschaft in direktem Dienst unserer Branche und wir sind dankbar für die hervorragende Arbeit, die von den Hopfenpflanzern, Verarbeitern und Vermarktern geleistet wird.

Doch diese Partnerschaft steht vor großen Herausforderungen: Der rasch voranschreitende Klimawandel, politische Rahmenbedingungen und die Dynamik des Marktes verlangen von uns allen ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und Zusammenarbeit.

Herausforderungen der Brauwirtschaft

Die Brauwirtschaft kämpft aktuell mit erheblichen Produktionskostensteigerungen. Personal, Energie, Verpackung und Logistik sind erheblich teurer geworden und vielen Brauereien gelingt es nicht, diese Kosten in den notwendigen Preisanpassungen für ihre Bierspezialitäten im Handel und in der Gastronomie weiterzugeben.

Das stellt uns vor eine doppelte Herausforderung: Einerseits müssen wir wirtschaftlich bestehen, andererseits die Partnerschaft mit der Hopfenwirtschaft weiter stärken, um die Rohstoffversorgung langfristig zu sichern.

Die in den vergangenen Jahren langsam aufgebaute und nach der Ernte 2024 deutliche Überversorgung des Hopfenmarktes macht deutlich, wie wichtig es ist, diese Partnerschaft mit Besonnenheit und Weitsicht zu gestalten. Ein großes Angebot ist aus der Sicht der Brauwirtschaft oberflächlich betrachtet gut, denn es beschert uns Versorgungssicherheit und attraktive Preise. Langfristig birgt es jedoch immense Risiken wie wirtschaftliche Instabilität auf der Produktionsseite oder eine mögliche Überreaktion bei der Flächenanpassung, die gepaart mit einer unterdurchschnittlichen Ernte das Pendel des Marktes schnell in die andere Richtung schlagen lassen können.

Zusammenarbeit als Schlüssel

Gerade in schwierigen Zeiten ist ein wertschöpfungsübergreifender Austausch unverzichtbar. Nur durch Dialog und Verständnis für die Herausforderungen auf jeder Stufe der Wertschöpfungskette können wir gemeinsam Lösungen finden.

Es ist mir ein Anliegen, heute all jenen zu danken, die sich ehrenamtlich in die Gremienarbeit einbringen. Diese Plattformen des Austauschs – sei es der Agrarausschuss des Deutschen Brauer-Bundes, der Technisch-Wissenschaftliche Ausschuss der Gesellschaft für Hopfenforschung, der Rohstofftag in Spalt oder die Fachkongresse von TUM, VLB und EBC – sind entscheidend, um Brauer, Hopfenpflanzer, Verarbeiter und Wissenschaftler an einen Tisch zu bringen.

Wir brauchen diesen Austausch, um gegenseitiges Verständnis zu fördern und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Denn die Herausforderungen der Hopfenwirtschaft – wie der Klimawandel, politische Restriktionen und Marktvolatilität – sind auch die Herausforderungen der Brauwirtschaft.

Strategische Fortschritte in Forschung und Praxis

Es gibt erfreuliche Fortschritte, die uns Hoffnung geben:

  • Die erfolgreiche Gründung des Bewässerungsverbands Hallertau durch den Hopfenpflanzerverband ist ein Meilenstein. Dieser Schritt ist nicht nur für die Qualitätssicherung und Versorgungssicherheit der Brauwirtschaft von entscheidender Bedeutung, sondern auch für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Hopfenanbaus.
  • Im Hopfenforschungszentrum Hüll wurde kürzlich ein wegweisendes Projekt gestartet. Unter der Leitung des Lehrstuhls für Hydrogeologie der TUM wird untersucht, wie aufbereitetes Oberflächenwasser in Zeiten des Überschusses im Grundwasserleiter gespeichert werden kann. Dieses dreijährige Forschungsprojekt, das sogenannte Infiltrationsbrunnen testet, könnte an vielen Stellen in den Anbaugebieten etabliert werden und zeigt wie Forschung praktische Lösungen für die Zukunft entwickeln kann.

Diese wenigen exemplarischen Beispiele verdeutlichen wie strategische Investitionen und innovative Forschung dazu beitragen können, die Herausforderungen von heute in Chancen für morgen zu verwandeln.

Die Verantwortung der Brauwirtschaft

Als Brauwirtschaft tragen wir eine besondere Verantwortung. Unsere langfristige Rohstoffversorgung hängt von der Stabilität und Innovationskraft der Hopfenwirtschaft ab.

Es ist unsere Aufgabe, diese Partnerschaft zu stärken, indem wir:

  • Nachhaltigkeit fördern, etwa durch die Unterstützung von klimaresistenten Sorten und ressourcenschonenden Produktionsmethoden,
  • Flexibilität zeigen, um Marktvolatilitäten zu begegnen, und
  • uns klar zur heimischen Rohstoffversorgung bekennen.

Denn nur durch ein starkes, partnerschaftliches Miteinander können wir langfristig die Qualität und Vielfalt des deutschen Bieres sichern.

Gemeinsam in die Zukunft

Die Überversorgung nach der Ernte 2024 und die steigenden Kosten in der Produktion sind kein Grund zur Resignation. Vielmehr sollten wir diese Situation als Chance sehen, um die deutsche Hopfenwirtschaft und Brauwirtschaft gemeinsam auf eine solide, zukunftssichere Basis zu stellen.

Lassen Sie uns weiterhin im Dialog bleiben, gegenseitiges Verständnis fördern und gemeinsam an nachhaltigen Lösungen arbeiten. So können wir sicherstellen, dass die deutsche Brau- und Hopfenwirtschaft nicht nur auf ihre Tradition, sondern auch auf ihre Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit stolz sein kann.

Statement Pascal Piroué auf der BrauBeviale 2024

Der Markt für alkoholische Getränke hat seit den 2010er Jahren einige Entwicklungen durchlaufen, die durch verschiedene Trends und Veränderungen im Verbraucherverhalten geprägt sind und die einen erheblichen Einfluss auf die globale Hopfenwirtschaft haben.

Der Trend zu handwerklich hergestellten und qualitativ hochwertigen Produkten ist in den beiden letzten Dekaden stark gewachsen. Die Verbraucher sind bereit, für einzigartige und qualitativ hochwertige Getränke mehr zu bezahlen, was die Nachfrage nach Craft-Bieren, Premium-Spirituosen und Qualitätsweinen angekurbelt hat. Gleichzeitig hat ein gestiegenes Umweltbewusstsein auch die Getränkeindustrie beeinflusst. Viele Marken setzen seitdem auf nachhaltige Beschaffungsmethoden, umweltfreundliche Verpackungen und soziale Verantwortung, um umweltbewusste Verbraucher anzusprechen. Die COVID-19-Pandemie zu Beginn der 2020er Jahre beschleunigte den bis dahin unbedeutenden Online-Handel mit alkoholischen Getränken. Seitdem haben sich die Verbraucher an den bequemen Kauf von Getränken über das Internet gewöhnt, was zu einer Zunahme von Lieferservices und Online-Plattformen geführt hat.

All diese Faktoren haben die Branche dazu veranlasst, neue Geschmacksrichtungen und innovative Produkte zu entwickeln, um die Nachfrage zu befriedigen. Dazu gehören beispielsweise aromatisierte Spirituosen, trinkfertige Cocktails und Hybridgetränke, die leider keinen Hopfen enthalten. Einzig das Segment der alkoholfreien Biere, die vergleichsweise gleich viel Hopfen wie alkoholhaltige Biere brauchen, hat in vielen Regionen noch Wachstumspotential.

Ernte 2024 und voraussichtliche Versorgungslage 2025

Die seit zwei Jahren anhaltend schwache Nachfrage nach Hopfen hat weltweit in den letzten drei Jahren zu einer Reduzierung der Anbauflächen geführt. Vor allem in den US-Anbaugebieten im pazifischen Nordwesten hat eine Reduzierung der Anbaufläche um 4.150 Hektar bzw. 18,5 % gegenüber dem Vorjahr zu einer weiteren deutlichen Korrektur geführt. Damit hat die US-Anbaufläche seit ihrem Höchststand im Jahr 2021 rund 7.370 Hektar bzw. 28,7 % verloren.

Das Ergebnis der US-Ernte 2024 ist mit knapp 40.000 Tonnen als gut zu bezeichnen und entspricht den Erwartungen.

In Europa ist die Anbaufläche in der abgelaufenen Ernte um kaum nennenswerte 460 Hektar bzw. 1,4 % zurückgegangen. Grund dafür war der anhaltend hohe Vorkontrahierungsgrad zwischen Vermarktern und Hopfenpflanzern von nahezu 90 %. Diese Quote verhinderte weiterhin größere Flächenanpassungen, die notwendig gewesen wären, um Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Die Vegetationsperiode 2024 war in Deutschland zwar von meist überdurchschnittlichen Niederschlägen, aber auch von sehr warmen Temperaturen geprägt. Die Erwartung einer qualitativ guten Ernte hinsichtlich der Inhaltsstoffe hat sich leider nicht erfüllt – mit 28 Hitzetagen über 30°C litten vor allem die traditionellen Aromasorten insbesondere im Monat August unter Hitzestress, so dass die Alphawerte unterdurchschnittlich ausfielen.

Die geernteten Rohhopfenmengen waren in vielen Sortengruppen gut oder sogar über Durchschnitt.

In den überseeischen Anbaugebieten wie Argentinien, Australien, China, Neuseeland und Südafrika wurden durchschnittliche Ernten eingefahren. Insgesamt ergab die Welthopfenernte 2024 ein Ergebnis von 113.500 Tonnen, mengenmäßig fast 5.000 Tonnen weniger als die Vorjahresernte, und einen durchschnittlichen Alphasäuregehalt von 9,4 %, was einem leichten Anstieg gegenüber 9,2 % bei der Ernte 2023 entspricht.

Die Nachfrage nach Hopfenprodukten ist sowohl für Vorverträge als für Spothopfen aktuell anhaltend schwach. Auch das für den Hopfeneinsatz wichtige Craft Bier-Segment wird von diesen Einflussfaktoren nicht verschont und weist dieses Jahr nach ersten Hochrechnungen in den USA ein Minus von knapp 5 % aus.

Die massiven Bestände und das Überangebot stellen eine große finanzielle Herausforderung für die Hopfenvermarkter dar. Bei rückläufigen Umsätzen müssen Zins- und Lagerkosten getragen werden, die die Ergebnisse deutlich belasten. Es ist zu erwarten, dass nach den Ernten 2025 und 2026 auch in Europa deutliche Flächenrückgänge und Betriebsaufgaben zu verzeichnen sein werden.

Berechnungen über das Ausmaß der Flächenreduzierung, die zur Wiederherstellung des Marktgleichgewichts erforderlich ist, zeigen, dass kurzfristig weltweit weitere 5.000 – 10.000 Hektar gerodet werden müssten, was wiederum zum Verlust von Marktpartnern in der Lieferkette führen würde.

Ausblick 2025

Im Ergebnis wurde auch in der Ernte 2024 zum neunten Mal in Folge mehr Alphasäure produziert als benötigt, was sich insbesondere in den niedrigen Freihopfennotierungen widerspiegelt.

Aufgrund der geringen Aussicht auf eine auskömmliche Vermarktung wurden die produzierten Spothopfen, wie z. B. die Sorten Perle und Tradition, aber auch Bittersorten von den Vermarktern zu Preisen gehandelt, die oft nicht einmal die variablen Kosten decken.

In den letzten zehn Jahren hat die Anzahl neuer Sorten stark zugenommen. Züchter und Vermarkter sind bestrebt, mit neuen resistenten Hopfensorten zukunftsweisende Optionen zu präsentieren, mit denen nicht zuletzt wichtige Nachhaltigkeitsziele erreicht werden können.

Derzeit gibt es keine Lieferengpässe, aber wenn sich der Marktzyklus wieder dreht und es zu einer Verknappung des Angebots kommt, werden die Brauereien, die über eine breitere Palette an eingeführten Hopfensorten verfügen, die bessere Wahl haben.

Bayreuther Hell erhält zum 4. mal bei Brussels Beer Challenge Gold

Große Freude in Bayreuth: Bayreuther Hell erhielt zum vierten Mal die Goldmedaille bei der prestigeträchtigen Brussels Beer Challenge und ist damit qualitativer Spitzenreiter in der Wettbewerbskategorie „Lager: Helles”.

Die Brussels Beer Challenge gehört zu den renommiertesten Verkostungswettbewerben der Bierbranche, denn in jeder Kategorie werden nur drei Medaillen vergeben. Bayreuther Hell ist bereits seit 2019 ein Garant für Spitzenplatzierungen: Mit nun viermal Gold und zweimal Bronze findet sich das bayerische Hellbier zum sechsten Mal in Folge auf dem Siegertreppchen ein.

„Seit wir am Wettbewerb teilnehmen, konnte Bayreuther Hell sich eine der hart umkämpften Medaillen sichern – das macht mich unfassbar stolz! Die erneute Bestätigung der Qualität unseres Hellbiers kommt nicht von ungefähr: Ein großes Lob möchte ich all unseren Braumeisterinnen und Braumeistern aussprechen, die jeden Tag mit viel Leidenschaft und Herzblut einfach gutes Bier brauen!“, freut sich Jeff Maisel.

Nicht nur das Helle liegt den Bayreuther Brauern: Auch das Bayreuther Hefe-Weissbier konnte seine Klasse wiederholt beweisen und wurde ebenfalls mit Gold ausgezeichnet.  Damit gehen zwei Medaillen an das Bayreuther Brauhaus, was bei insgesamt lediglich zehn Prämierungen für Biere deutscher Brauereien umso bemerkenswerter ist.

Riegele – Herren Pils

Über die Brauerei Riegele aus Augsburg muss ich vermutlich keine Ausführungen machen, denn ich gehe davon aus, dass sie allgemein bekannt ist. Zumindest mir war aber das Herren Pils nicht bekannt, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet. Dieses untergärige Bier geht auf den Erlass von Kaiser Friedrich I Barbarossa zurück, wodurch die freie Reichsstadt Augsburg 1156 ein eigenes Reinheitsgebot erhielt. Besonders geschätzt wurde es einst von den Augsburger Ratsherren. Für das würzigherbe Aroma ist der Hopfen aus der Hallertau verantwortlich, der an drei Zeitpunkten dem Brausud beigegeben wird.

In strahlendem Gold und kristallklar präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. Ein Pils wie es optisch nicht besser sein kann.

Das Bier duftet nach hellem Malz, dazu nach Zitrus- und gelben Früchten, abgerundet durch einige florale Noten.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine leichte Malzsüße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge gesellt sich eine freundliche Bittere zur Süße, allerdings weniger kräftig als ich es erwartet habe. Das Mundgefühl ist weich und das Bier ist ungeheuer süffig. In der Kehle wird das Bier trockener und die Bittere legt einen Schlag zu. Sie klingt auch extrem lange nach.

Das Herren Pils ist ein sehr gutes Bier, aber nicht so herb wie es die Brauerei versprochen hat.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,7 % Vol.

Bittereinheiten:

11,6° Plato

Farbe:

5 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6° Celsius

Brauerei:

Brauerei S.Riegele
Frölichstraße 26
86150 Augsburg
www.riegele.de