Das Kornøl Festival im norwegischen Hornindal ist eine Veranstaltung mit echtem Seltenheitswert: Nach Angaben der Veranstalter handelt es sich um das weltweit einzige Festival, das sich vollständig dem traditionellen Kornøl, dem norwegischen Bauernhausbier, widmet. Hier treffen Heimbrauer, kommerzielle Brauereien, Wissenschaftler und Bierbegeisterte aus verschiedenen Ländern aufeinander – und das an einem Ort, der zu den wichtigsten Zentren der traditionellen Braukultur Norwegens zählt.
Gegründet wurde das Festival 2015 von William Holden. Die erste Ausgabe fand ein Jahr später statt und war noch überschaubar: Zehn Heimbrauer nahmen teil, dazu kam eine Vorführung des traditionellen Kornøl-Brauens. Inzwischen hat sich daraus eine international bekannte Veranstaltung entwickelt, die Gäste aus zahlreichen Ländern anzieht. Trotz des Wachstums ist der ursprüngliche Charakter erhalten geblieben. Das Festival wird gemeinnützig organisiert, sämtliche Erlöse fließen in die Veranstaltung des folgenden Jahres. Im Mittelpunkt steht nicht der möglichst große Ausschank, sondern die Bewahrung und Vermittlung einer Brautradition, die andernorts längst verschwunden ist.
Auch 2026 können Besucher erleben, wie Kornøl traditionell hergestellt wird. Gebraut wird unter anderem in einem historischen Brauhaus – mit Methoden, die sich deutlich von den Abläufen moderner Brauereien unterscheiden. Dazu gehört auch eine Oppskåke, also das traditionelle gesellige Zusammenkommen rund um das fertige Bier, in einem Brauhaus aus dem 18. Jahrhundert.
Ein Höhepunkt des Festivals ist die norwegische Meisterschaft im traditionellen Kornøl. Rund 40 Brauer sollen mit ihren Bieren antreten und zeigen, wie vielfältig sich ein Stil präsentieren kann, der stark von regionalen Zutaten, überlieferten Verfahren und nicht zuletzt den traditionellen norwegischen Kveik-Hefen geprägt wird. Dass Kornøl längst auch die Wissenschaft beschäftigt, zeigt das Vortragsprogramm. Themen wie Hefegenetik, Archäologie und Braugeschichte schlagen die Brücke zwischen jahrhundertealter Praxis und moderner Forschung. Damit bietet das Festival nicht nur reichlich Stoff fürs Verkostungsglas, sondern auch für den Kopf.
International wird es zudem bei einer Brauvorführung aus Litauen. Zwei litauische Brauer demonstrieren die Herstellung von Keptinis, einem traditionellen Bier, bei dem Teile der Maische beziehungsweise des Malzes im Ofen erhitzt werden. Für Freunde historischer Brauverfahren dürfte allein das bereits die Reise wert sein.
Und weil ein Bauernbierfestival kaum bei Bier allein stehen bleiben kann, gehört auch die regionale Küche dazu. Beim Festessen wird unter anderem Saudhaud, also Schafskopf, serviert – begleitet von traditionellen Bieren und weiteren Spezialitäten aus der Region. Das Kornøl Festival ist damit weit mehr als ein gewöhnliches Bierfest. Es ist Braukultur zum Anfassen, Probieren und Verstehen – und eine seltene Gelegenheit, einige der ältesten noch lebendigen Biertraditionen Europas dort kennenzulernen, wo sie bis heute praktiziert werden.