Während in Großbritannien weiterhin zahlreiche Pubs schließen, setzt die Pub-Gruppe Marston’s auf Investitionen und neue Gastronomiekonzepte. Das Unternehmen erwartet für das Geschäftsjahr 2025/26 einen höheren Gewinn als bislang prognostiziert und will sein Modernisierungsprogramm deutlich ausweiten. Ein Lichtblick für eine Branche, die unter erheblichem Kostendruck steht.
Ein Pub pro Tag verschwindet
Der britische Pub gehört zur Kultur des Landes wie das Pint Bier zum Feierabend. Pubs sind Treffpunkte in den Städten und Dörfern, Orte für Gespräche, Sportübertragungen und gemeinsames Essen. Doch dieses Stück britischer Alltagskultur steht seit Jahren unter Druck. Steigende Betriebskosten, höhere Abgaben und veränderte Konsumgewohnheiten machen es vielen Betreibern schwer, wirtschaftlich zu arbeiten.
Wie angespannt die Lage ist, zeigen aktuelle Zahlen der British Beer and Pub Association (BBPA). Nach Angaben des Branchenverbands schlossen in Großbritannien bis Ende September 2026 insgesamt 295 Pubs dauerhaft. Für das Gesamtjahr rechnet die BBPA mit rund 360 Schließungen. Damit könnte im Durchschnitt etwa jeden Tag ein Pub für immer seine Türen schließen. Der Verband erwartet in diesem Zusammenhang den Verlust von rund 5.000 Arbeitsplätzen.
Die Entwicklung betrifft nicht nur die Beschäftigten und die Gastronomie. Wenn ein Pub verschwindet, verliert häufig auch die örtliche Gemeinschaft einen wichtigen Treffpunkt. Besonders in kleineren Orten kann eine solche Schließung eine Lücke hinterlassen, die sich nicht ohne Weiteres schließen lässt.
Marston’s setzt auf Investitionen statt Stillstand
Dass es auch in diesem schwierigen Umfeld Möglichkeiten für Wachstum gibt, zeigt die Pub-Gruppe Marston’s. Das Unternehmen betreibt mehr als 1.300 Pubs in Großbritannien und hat am 13. Oktober 2026 eine positive Geschäftsentwicklung gemeldet.
Für das Geschäftsjahr, das am 26. September endete, erwartet Marston’s einen bereinigten Vorsteuergewinn oberhalb der bisherigen Markterwartungen. Es wäre das dritte Jahr in Folge mit einem deutlichen Gewinnwachstum. Gegenüber dem Geschäftsjahr 2022/23 hat sich der entsprechende Gewinn nach Unternehmensangaben inzwischen mehr als verdreifacht.
Dabei ist die Entwicklung nicht ausschließlich auf steigende Umsätze zurückzuführen. Marston’s verweist auch auf verbesserte Margen, eine konsequente Kostenkontrolle und einen stärkeren Cashflow. Die vergleichbaren Umsätze der bestehenden Pubs lagen im Gesamtjahr allerdings noch 1,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Erst im vierten Quartal näherten sie sich wieder dem Vorjahreswert an.
Von einer umfassenden Erholung der britischen Pub-Branche kann deshalb noch keine Rede sein. Dennoch zeigt das Ergebnis, dass ein großer Betreiber auch unter schwierigen Marktbedingungen wirtschaftlich vorankommen kann.
Neue Konzepte sollen Gäste zurückbringen
Ein wesentlicher Bestandteil der Strategie sind Investitionen in bestehende Standorte. Marston’s hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 60 Pubs auf neue Gastronomiekonzepte umgestellt. Für das Geschäftsjahr 2026/27 plant das Unternehmen mindestens 100 weitere Umgestaltungen.
Besonders erfolgreich entwickelt sich nach Unternehmensangaben das Konzept Grandstand, das auf Sportübertragungen und das gemeinsame Erlebnis rund um Sportveranstaltungen setzt. Die im Geschäftsjahr 2025/26 vorgenommenen Investitionen in dieses Format führten demnach zu einem Umsatzanstieg von rund 30 Prozent gegenüber dem jeweiligen Niveau vor der Umgestaltung.
Solche Zahlen sind zunächst Unternehmensangaben und lassen sich nicht ohne Weiteres auf kleinere, unabhängige Pubs übertragen. Sie liefern aber einen Hinweis darauf, wie sich Betreiber auf veränderte Erwartungen ihrer Gäste einstellen können: Ein Pub muss nicht allein auf seine Tradition vertrauen, sondern kann durch ein passendes Angebot neue Anlässe für einen Besuch schaffen.
Dabei beschränkt sich Marston’s nicht auf größere Umbauten. Das Unternehmen berichtet auch von Investitionen in seine klassischen Nachbarschaftspubs und von einer gezielten Weiterentwicklung seines Standortportfolios. Die Strategie besteht somit nicht darin, jeden Pub nach demselben Muster zu gestalten, sondern unterschiedliche Konzepte für verschiedene Zielgruppen zu nutzen.
Ein positives Signal, aber noch keine Trendwende
Die Geschäftszahlen von Marston’s sind eine erfreuliche Nachricht für die britische Pub-Branche. Sie zeigen, dass Investitionen in bestehende Häuser wirtschaftlich sinnvoll sein können und dass neue Konzepte durchaus zusätzliche Gäste anziehen. Gerade angesichts der vielen Schließungen ist das ein wichtiges Signal.
Allerdings wäre es verfrüht, daraus bereits eine Trendwende abzuleiten. Marston’s ist ein großer Betreiber mit mehr als 1.300 Standorten, professionellen Strukturen und entsprechenden finanziellen Möglichkeiten. Ein unabhängiger Pub auf dem Land oder ein kleiner Familienbetrieb in einer britischen Kleinstadt kann nicht einfach dieselben Investitionen tätigen. Und solange die Zahl der Schließungen hoch bleibt, ist die Krise für viele Betreiber längst nicht überwunden.
Trotzdem lohnt es sich, neben den schlechten Nachrichten auch jene Unternehmen in den Blick zu nehmen, die nach Lösungen suchen. Denn wenn britische Pubs eine Zukunft haben sollen, reicht es nicht, die Bedeutung dieser Häuser für Kultur und Gemeinschaft zu betonen. Sie müssen auch wirtschaftlich überleben können.
Marston’s liefert dafür kein allgemeingültiges Rezept. Die Entwicklung zeigt aber, dass gezielte Investitionen, passende Konzepte und ein genauer Blick auf die Wünsche der Gäste Chancen eröffnen können. Vielleicht ist das noch keine Wende für die britische Pub-Kultur. Es ist aber ein Beispiel dafür, dass die Geschichte des Pubs nicht zwangsläufig mit seiner Schließung enden muss.