Auch der österreichische Biermarkt macht es den Brauereien derzeit nicht leicht. Sinkende Absatzmengen, veränderte Konsumgewohnheiten und gleichzeitig hohe Kosten für Betrieb und Instandhaltung der technischen Anlagen setzen die Unternehmen unter Druck. Die beiden Privatbrauereien Ottakringer und Zwettler reagieren darauf nun mit einer ungewöhnlichen Lösung: Sie teilen sich künftig einen Teil ihrer Abfüllkapazitäten.
Dabei geht es ausdrücklich nicht um einen Zusammenschluss der beiden Brauereien. Auch das Bier selbst wird weiterhin dort gebraut, wo es bisher gebraut wurde. Gemeinsam genutzt werden lediglich die Möglichkeiten bei der Abfüllung. Die Kooperation startet im Oktober 2026.
Jeder füllt das ab, was er besonders gut kann
Das Prinzip ist denkbar einfach. Die Privatbrauerei Zwettler übernimmt künftig die Abfüllung von Ottakringer-Bier in Mehrwegflaschen. Im Gegenzug füllt Ottakringer Bier aus Zwettl in Dosen und Einwegflaschen ab. Damit bringen beide Unternehmen unterschiedliche Stärken in die Zusammenarbeit ein. Zwettler verfügt über die notwendige technische Ausstattung und Erfahrung für die Mehrwegabfüllung. Ottakringer wiederum hat entsprechende Kapazitäten und Know-how für Dosen und Einwegflaschen.
Für die beiden Brauereien bedeutet das vor allem eine bessere Auslastung vorhandener Anlagen. Statt in beiden Unternehmen sämtliche Abfüllmöglichkeiten selbst vorzuhalten, können bestimmte Gebinde künftig dort abgefüllt werden, wo die entsprechende Infrastruktur bereits vorhanden ist.
Investitionen sind nicht immer die beste Lösung
Gerade bei den Abfüllanlagen kann das wirtschaftlich interessant sein. Eine moderne Abfülllinie ist eine erhebliche Investition. Gleichzeitig müssen bestehende Anlagen regelmäßig gewartet und irgendwann grundlegend erneuert werden.
Ottakringer hatte seine Abfülltechnik zuletzt bereits modernisiert. 2024 wurde beispielsweise das Herzstück einer bestehenden Linie, der Füller, durch einen modernen Dynafill von Krones ersetzt. Die Zusammenarbeit zwischen Ottakringer und Krones reicht sogar bis in die frühen 1990er-Jahre zurück.
Die neue Kooperation zeigt deshalb einen anderen Ansatz: Nicht jede technische Herausforderung muss zwangsläufig mit einer eigenen neuen Anlage gelöst werden. Wenn ein Partner über freie Kapazitäten und die passende Technik verfügt, kann eine gemeinsame Nutzung wirtschaftlich sinnvoller sein.
Keine gemeinsame Brauerei
Für Bierfreunde ist dabei eine Unterscheidung wichtig. Ottakringer und Zwettler werden nicht zu einer gemeinsamen Brauerei und auch die Marken bleiben eigenständig. Das Bier wird weiterhin in Wien beziehungsweise Zwettl gebraut. Erst danach kommt gegebenenfalls die jeweils andere Brauerei ins Spiel. Wer also künftig ein Ottakringer aus der Mehrwegflasche trinkt, bekommt weiterhin Ottakringer Bier – nur kann dieses Bier in Zwettl in die Flasche gelangt sein. Umgekehrt kann ein Zwettler Bier aus der Dose oder einer Einwegflasche künftig aus der Abfüllanlage in Wien kommen.
Kooperation statt Investitionsspirale
Interessant ist die Zusammenarbeit vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Situation auf dem österreichischen Biermarkt. Die beiden Unternehmen sprechen von sinkenden Absatzmengen und veränderten Konsumgewohnheiten, während gleichzeitig die Kosten für den Betrieb und die Instandhaltung der Produktionsanlagen hoch bleiben.
Für Brauereien ist das eine schwierige Kombination. Weniger Bier bedeutet nicht automatisch, dass sich die Kosten für eine Abfüllanlage im gleichen Maß reduzieren. Die Technik muss trotzdem betrieben, gewartet und irgendwann ersetzt werden. Eine bessere Auslastung vorhandener Anlagen kann deshalb ein Weg sein, Kosten zu teilen und Investitionen gezielter einzusetzen. Genau darauf zielt die Kooperation von Ottakringer und Zwettler ab.
Zwei Familienunternehmen rücken enger zusammen
Ganz neu ist die Verbindung zwischen den beiden Unternehmen allerdings nicht. Nach Angaben von Zwettler-Eigentümer und Geschäftsführer Karl Schwarz besteht zwischen den Privatbrauereien bereits seit vielen Jahren eine partnerschaftliche Beziehung. Mit der gemeinsamen Nutzung der Abfüllkapazitäten wird diese Zusammenarbeit nun auf eine neue Ebene gehoben.
Karl Schwarz bezeichnet die Kooperation als einen weiteren Schritt der Zusammenarbeit zwischen Wien und Niederösterreich. Auch Ottakringers technischer Geschäftsführer und erster Braumeister Tobias Frank sieht darin eine Möglichkeit, dort zusammenzuarbeiten, wo es wirtschaftlich und technisch sinnvoll ist. Dazu gehören insbesondere Lohnabfüllungen und die gegenseitige Nutzung vorhandener Kapazitäten.
Damit setzen Ottakringer und Zwettler ein interessantes Zeichen in einer Zeit, in der die österreichische und auch die deutsche Braubranche vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Nicht jede Antwort auf sinkende Mengen muss Verkauf, Fusion oder Schließung heißen. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, vorhandene Technik gemeinsam zu nutzen. Ob sich dieses Modell für weitere Brauereien als Vorbild eignet, wird sich zeigen. Für Ottakringer und Zwettler beginnt die praktische Zusammenarbeit jedenfalls im Oktober 2026.