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Neue Hoffnung für Wolters? Drei Initiativen wollen die Brauerei in Braunschweig retten – Bierzirkus

Neue Hoffnung für Wolters? Drei Initiativen wollen die Brauerei in Braunschweig retten

Die Schließung von Wolters zum Jahresende scheint beschlossen. Doch drei Initiativen wollen das Aus nicht hinnehmen und suchen nach Wegen für die Brauerei und ihre Marke.

Die Nachricht vom bevorstehenden Ende der Brauerei Wolters hat in Braunschweig eine bemerkenswerte Gegenreaktion ausgelöst. Nachdem Ende September bekannt wurde, dass der Produktionsstandort an der Wolfenbütteler Straße zum Jahresende geschlossen werden soll, formiert sich zunehmend Widerstand. Dabei geht es den Initiatoren nicht lediglich darum, den Namen Wolters zu erhalten. Sie wollen, dass das Bier möglichst weiterhin in Braunschweig gebraut wird.

Inzwischen gibt es mindestens drei unterschiedliche Ansätze, die sich mit der Zukunft von Wolters beschäftigen. Sie befinden sich allerdings in total unterschiedlichen Stadien. Während eine Petition innerhalb weniger Tage mehr als 15.000 Unterstützer gefunden hat, arbeitet der Braunschweiger Unternehmensjurist Jan Hackenberg an einer Genossenschaft. Außerdem wurde auf dem Beteiligungsportal der Stadt die Gründung einer kommunalen Brauereigenossenschaft vorgeschlagen.

Noch ist keine dieser Initiativen eine Rettungslösung. Aber sie zeigen, dass das angekündigte Ende der Brauerei nicht einfach hingenommen wird.

Eine Petition mit großer Resonanz

Den Anfang machte eine Online-Petition mit dem Titel „Rettet mit uns das Hofbrauhaus Wolters“. Sie wurde am 28. September gestartet und richtet sich an die Volksbank BraWo sowie an Braunschweigs Oberbürgermeister Thorsten Kornblum.

Die Forderung der Initiatoren ist dabei eindeutig: Wolters soll nicht nur als Marke weiterleben, sondern weiterhin in Braunschweig gebraut werden. Nach Angaben auf der Petitionsseite hatten bis Anfang Oktober bereits mehr als 16.000 Menschen unterschrieben. Die Initiatoren wollen die große Resonanz nun in konkrete Forderungen an die Stadt Braunschweig übersetzen. Dazu werden derzeit Unterstützer befragt; die Ergebnisse sollen bis Mitte Oktober unter anderem in einem offenen Brief veröffentlicht werden.

Damit ist die Petition zunächst vor allem ein Signal an Politik und die am Insolvenzverfahren Beteiligten. Eine Finanzierung oder ein konkretes Übernahmekonzept ist damit noch nicht verbunden. Die Initiatoren betonen selbst, dass die zusätzlich abgefragte Unterstützung weder eine Beitrittserklärung noch eine Geldzusage darstellt.

Die Genossenschaftsidee von Jan Hackenberg

Einen deutlich konkreteren wirtschaftlichen Ansatz verfolgt Jan Hackenberg. Der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU in Braunschweig möchte eine Genossenschaft aufbauen, die den Brauereibetrieb übernehmen und am bisherigen Standort fortführen könnte.

Nach seinen Angaben haben sich bereits kurz nach dem Start rund 100 Interessenten gemeldet. Insgesamt seien zunächst unverbindliche Zusagen über rund 100.000 Euro zusammengekommen. Hackenberg sucht nun weitere Unterstützer, aber auch Fachleute, die beim Aufbau des Projekts helfen können. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion Braunschweig will die Initiative ebenfalls unterstützen.

Damit unterscheidet sich dieser Ansatz deutlich von der Petition. Hier geht es nicht nur darum, politischen und öffentlichen Druck aufzubauen, sondern um den Versuch, eine neue Trägerstruktur für die Brauerei zu schaffen.

Allerdings befindet sich auch dieses Vorhaben noch ganz am Anfang. Die bislang genannten 100.000 Euro sind ausdrücklich unverbindliche Zusagen und noch kein verfügbares Kapital. Wie hoch der tatsächliche Finanzbedarf für eine Übernahme und den anschließenden Betrieb wäre, ist derzeit ebenfalls nicht bekannt.

Auch eine kommunale Brauereigenossenschaft steht im Raum

Eine dritte Idee ist inzwischen auf dem Beteiligungsportal „Braunschweig Mitreden“ aufgetaucht. Dort wurde am 1. Oktober der Vorschlag veröffentlicht, eine kommunale Brauereigenossenschaft zur Rettung von Wolters zu gründen.

Nach der Vorstellung des Initiators könnten sich Bürger an einer solchen Genossenschaft beteiligen. Als Vorbild werden kommunale beziehungsweise genossenschaftlich organisierte Brauereien mit Bürgerbeteiligung genannt. Der Rat der Stadt Braunschweig soll sich mit dem Vorschlag beschäftigen.

Allerdings sollte man auch diesen Vorschlag noch nicht größer machen, als er derzeit ist. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte er lediglich zwei von 50 benötigten Unterstützern auf dem Beteiligungsportal. Es handelt sich also zunächst um einen Bürger-Vorschlag und nicht um ein bereits ausgearbeitetes Übernahmekonzept.

Interessant ist die Idee trotzdem, weil sie eine weitere Möglichkeit ins Spiel bringt: Nicht ein einzelner Investor oder ein bestehendes Unternehmen könnte Wolters übernehmen, sondern eine breiter aufgestellte Trägerstruktur, an der sich Bürger beteiligen.

Stadt will zumindest die Marke erhalten

Die Aktivitäten kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die bisherige Investorensuche für die Brauerei erfolglos geblieben ist. Die Kanzlei Eckert hatte Ende September mitgeteilt, dass kein Investor für den Produktionsbetrieb gefunden worden sei und der Standort deshalb zum 31. Dezember 2026 geschlossen werden soll. Rund 90 Beschäftigte sind davon betroffen.

Die Stadt Braunschweig hat sich dabei bislang nicht auf die Rettung des Produktionsstandortes festgelegt. Oberbürgermeister Thorsten Kornblum erklärte am 29. September, Ziel müsse es zumindest sein, der Marke Wolters und ihren Bierspezialitäten in einer neuen Trägerstruktur eine Zukunft zu verschaffen. Damit bleibt zunächst offen, wo das Bier künftig gebraut werden könnte.

Auch von anderer Seite gibt es Hinweise darauf, dass die Geschichte noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Eintracht Braunschweig teilte am 1. Oktober mit, dass Wolters und die Volksbank BraWo weiterhin mit verschiedenen Interessenten über den Erhalt der Marke sprechen. Für die Heimspiele bis zum Jahresende sei die Versorgung mit Wolters-Pils gesichert. Wie es danach weitergeht, sei noch offen.

Drei Ideen, ein gemeinsames Ziel

Damit gibt es inzwischen mehrere Ansätze, die sich teilweise überschneiden, aber unterschiedliche Wege verfolgen:

Die Petition versucht, möglichst viele Menschen hinter der Forderung nach einem Erhalt des Brauereistandortes zu versammeln und damit Stadt, Politik und Eigentümer zum Prüfen weiterer Möglichkeiten zu bewegen.

Die Genossenschaftsinitiative von Jan Hackenberg will dagegen eine konkrete wirtschaftliche Struktur schaffen, mit der der Brauereibetrieb übernommen und fortgeführt werden könnte.

Der Vorschlag einer kommunalen Brauereigenossenschaft geht noch einmal einen anderen Weg und bringt eine Beteiligung der Stadt beziehungsweise der Bürger ins Spiel.

Ob aus einem dieser Ansätze tatsächlich eine neue Wolters-Brauerei entstehen kann, lässt sich derzeit nicht seriös sagen. Dafür fehlen noch zu viele Informationen – insbesondere über den finanziellen Bedarf, mögliche Übernahmebedingungen, die Zukunft des Brauereigeländes und die Bereitschaft der derzeitigen Eigentümer beziehungsweise der Verantwortlichen im Insolvenzverfahren.

Noch ist nichts gerettet – aber die Geschichte ist wieder offen

Die angekündigte Schließung zum Jahresende bleibt deshalb der derzeitige Stand. Von einer Rettung der Brauerei kann keine Rede sein.

Trotzdem hat sich die Situation innerhalb weniger Tage verändert. Auf die Nachricht vom Ende des Brauereibetriebs folgten zunächst eine ungewöhnlich schnell wachsende Petition und anschließend konkrete Überlegungen zu neuen Trägerstrukturen. Gleichzeitig laufen Gespräche über die Zukunft der Marke weiter.

Für Wolters bedeutet das zumindest: Die Diskussion über die Zukunft der Brauerei ist noch nicht beendet.

Und genau das werde ich für Bierzirkus.de weiter beobachten. Wie entwickelt sich die Genossenschaftsidee? Werden aus den unverbindlichen Zusagen tatsächlich Genossenschaftsanteile? Gibt es weitere Investoren oder Unterstützer? Was passiert mit dem Brauereigelände? Und wie reagiert die Volksbank BraWo auf die neuen Initiativen?

Noch gibt es auf diese Fragen keine Antworten. Aber es gibt inzwischen mehrere Menschen und Gruppen, die versuchen, welche zu finden.

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