Nach fast 400 Jahren endet die Brautradition des Hofbrauhauses Wolters in Braunschweig. Der Produktionsstandort der insolventen Brauerei wird zum 31. Dezember 2026 endgültig geschlossen. Für die rund 90 Beschäftigten kam die Nachricht am Montag: Sie wurden auf einer Betriebsversammlung über das Aus informiert.
Damit ist die Suche nach einem Investor für die Brauerei gescheitert. Für den Produktionsstandort konnte im laufenden Insolvenzverfahren keine zukunftsfähige Lösung gefunden werden. Das bestätigte die Kanzlei Eckert, die das Insolvenzverfahren begleitet.
Das Ende einer fast 400-jährigen Brautradition
Die Geschichte des Hofbrauhauses Wolters reicht bis ins Jahr 1627 zurück. Über Jahrhunderte wurde in Braunschweig Bier gebraut, nun wird die Produktion am Jahresende eingestellt.
Noch im Juni hatte die Hofbrauhaus Wolters GmbH Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Als Gründe wurden der anhaltend schwache Bierabsatz sowie deutlich gestiegene Produktions- und Energiekosten genannt. Das Unternehmen wollte den Betrieb zunächst fortführen und sich wirtschaftlich neu aufstellen.
Das Insolvenzverfahren wurde am 1. September eröffnet. Mit der Schließungsentscheidung ist der Versuch, den Brauereistandort zu erhalten, nun gescheitert. Der entsprechende Investorenprozess blieb ohne Erfolg.
Mitarbeiter auf Betriebsversammlung informiert
Die rund 90 Beschäftigten erfuhren am Montagnachmittag von der bevorstehenden Schließung. Damit verlieren fast 100 Menschen ihren Arbeitsplatz.
Die Nachricht sorgt auch in Braunschweig für Betroffenheit. Oberbürgermeister Thorsten Kornblum bezeichnete die angekündigte Betriebsstilllegung als „extrem schmerzhaft“. Gemeinsam mit den Verantwortlichen und dem Betriebsrat sollen Gespräche mit der Arbeitsagentur geführt werden, um die Beschäftigten zu unterstützen.
Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) reagierte kritisch. Sie verwies darauf, dass die Beschäftigten mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens noch auf eine Fortführung des Betriebs gehofft hatten.
Die Marke Wolters soll weiterleben
Ganz verschwinden muss Wolters allerdings möglicherweise nicht. Die Insolvenzkanzlei betont ausdrücklich, dass die Bemühungen um den Erhalt der Marke weitergehen.
Nach Angaben der Kanzlei werden derzeit konstruktive Gespräche mit verschiedenen Interessenten geführt. Diese Gespräche sind noch nicht abgeschlossen. Damit besteht zumindest die Möglichkeit, dass Wolters-Biere auch nach dem Ende der Produktion in Braunschweig weiterhin erhältlich sein werden – dann allerdings unter einer neuen Trägerstruktur und voraussichtlich nicht mehr aus der traditionsreichen Brauerei am bisherigen Standort.
Auch Braunschweigs Oberbürgermeister Thorsten Kornblum setzt auf diese Möglichkeit. Sein Ziel sei es, zumindest der Marke Wolters und ihren Bierspezialitäten eine Zukunft in einer neuen Trägerstruktur zu verschaffen.
Für Bierfreunde ist das ein wichtiger Unterschied: Das Ende der Brauerei bedeutet nicht zwangsläufig das Ende des Namens Wolters.
Alte Anlagen als zusätzliches Problem?
Warum sich kein Investor für den gesamten Produktionsstandort gefunden hat, wird in den aktuellen Berichten unterschiedlich eingeordnet.
Der Insolvenzverwalter beziehungsweise die Kanzlei Eckert spricht von einer fehlenden zukunftsfähigen Lösung für den Standort. Die Braunschweiger Grünen-Fraktionsvorsitzende Leonore Köhler erklärte dagegen gegenüber dpa, es habe Interessenten für die Marke gegeben, die die Brauerei als Produktionsstandort offenbar nicht übernehmen wollten. Als Grund nannte sie veraltete Anlagen, die dringend modernisiert werden müssten. Diese Einschätzung ist allerdings als politische Äußerung einzuordnen und nicht als bestätigte Aussage der Insolvenzverwaltung.
Sollte sich diese Einschätzung bestätigen, würde sich darin ein Problem zeigen, das weit über Wolters hinausgeht: Für kleinere und mittelständische Brauereien kann der notwendige Investitionsbedarf zu einer erheblichen Belastung werden, während gleichzeitig der Bierabsatz zurückgeht.
Zweiter Brauereistandort in kurzer Zeit verloren
Für Braunschweig ist die Schließung besonders einschneidend. Erst zum Jahresbeginn wurde bereits der Braunschweiger Produktionsstandort der Oettinger-Brauerei geschlossen. Nun verliert die Stadt mit Wolters eine weitere Bierproduktionsstätte.
Damit steht das Ende bei Wolters zugleich beispielhaft für die derzeitige Entwicklung der deutschen Brauwirtschaft. Sinkender Bierkonsum, steigende Kosten und der notwendige Investitionsbedarf treffen auf eine Branche, deren Absatz seit Jahren zurückgeht.
Bei Wolters ist die Geschichte deshalb noch nicht ganz zu Ende erzählt. Die Braukessel in Braunschweig werden spätestens am 31. Dezember 2026 verstummen. Ob das Wolters-Bier danach trotzdem weiter gebraut und unter dem traditionsreichen Namen verkauft wird, entscheidet sich dagegen erst in den kommenden Monaten.