Es gibt aus der deutschen Brauwirtschaft derzeit nicht allzu viele Nachrichten, die derzeit Anlass für vorsichtigen Optimismus geben. Bei der Brauerei Neder in Forchheim ist nun zumindest eine solche Nachricht zu vermelden: Die drohende Schließung von Brauerei und Gaststätte ist zunächst abgewendet. Nach weiteren Gesprächen zwischen Eigentümerin Astrid Neder-Haub und dem bisherigen Pächter und Braumeister Rafael Thiermeyer steht fest, dass der Betrieb bis zum 31. Dezember 2026 weitergeführt wird.
Damit bleibt den Freunden des Neder-Bieres und der traditionsreichen Brauereigaststätte in der Forchheimer Sattlertorstraße zunächst ein deutliches Stück fränkischer Bierkultur erhalten. Eine endgültige Lösung für die Zukunft der Brauerei ist damit allerdings noch nicht gefunden.
Schließung zum 30. September war bereits möglich
Noch vor wenigen Wochen hatte die Zukunft der Brauerei deutlich düsterer ausgesehen. Ende August war bekannt geworden, dass Rafael Thiermeyer die Brauerei nach sieben Jahren als Pächter verlassen möchte. Anfang September bestätigten sowohl Thiermeyer als auch Eigentümerin Astrid Neder-Haub, dass die Zusammenarbeit zum 30. September 2026 enden sollte. Einen Grund für die Trennung nannten beide Seiten nicht.
Thiermeyer hatte die Brauerei samt Gaststätte seit 2019 gepachtet. Neder-Haub suchte deshalb nach einem neuen Pächter, der sowohl den Braubetrieb als auch die Gaststätte übernehmen sollte. Sollte sich niemand rechtzeitig finden, stand damals sogar die Möglichkeit im Raum, dass das Neder-Bier in Forchheim zunächst nicht mehr gebraut und ausgeschenkt werden könnte.
Genau diese Situation ist nun vorerst nicht eingetreten.
Brauerei und Gaststätte bleiben bis zum Jahresende geöffnet
Nach weiteren Gesprächen zwischen Eigentümerin und Pächter konnte eine Übergangslösung gefunden werden. Wie Astrid Neder-Haub gegenüber den lokalen Medien erklärte, bleiben die Brauerei und die dazugehörige Wirtschaft nun bis zum 31. Dezember 2026 geöffnet.
Damit ist zumindest für die kommenden Monate geklärt, dass der Braubetrieb nicht bereits Ende September endet. Auch der traditionelle Frühschoppen am Heiligabend kann in diesem Jahr stattfinden. Für einen Betrieb mit einer derart langen Geschichte ist das durchaus eine bemerkenswerte Nachricht.
Eine Brautradition seit mehr als 470 Jahren
Die Brauerei Neder gehört zu den ältesten Brauereien Forchheims. Nach Angaben der Brauerei wurde sie bereits 1554 erstmals urkundlich erwähnt. Sie bezeichnet sich selbst als älteste bestehende Brauerei der Stadt.
Auch die heutige Eigentümerfamilie ist seit langer Zeit mit dem Unternehmen verbunden. Das Brauereianwesen in der Sattlertorstraße gelangte nach Angaben der Brauerei bereits 1882 an Sebastian Neder, den Urgroßvater der heutigen Eigentümerin Astrid Neder-Haub. Seit 2009 war Neder-Haub als Geschäftsführerin in das Unternehmen eingebunden.
Zur Geschichte der Brauerei gehört außerdem das Wirtshaus „Zum Schiffswirt“, das seit 1848 unter diesem Namen geführt wird. Die Regnitzschiffer sollen dort eingekehrt sein; das stilisierte Schiff ist deshalb bis heute Bestandteil des Neder-Wappens.
Neder gehört zur Forchheimer Bierlandschaft
Die Bedeutung der Brauerei beschränkt sich dabei nicht auf ihre Geschichte. Forchheim ist seit Jahrhunderten eng mit dem Brauereiwesen verbunden. Von den früher einmal zahlreichen Braustätten der Stadt sind heute nur noch wenige übrig. Neder, Greif und Hebendanz werden von der Stadt Forchheim derzeit als die drei verbliebenen Forchheimer Brauereien genannt.
Umso größer war deshalb die Sorge, als im August die Nachricht vom bevorstehenden Weggang des Neder-Pächters bekannt wurde. Ein endgültiges Ende der Brauerei hätte nicht nur den Verlust eines einzelnen Betriebes bedeutet, sondern auch einen weiteren Einschnitt in die historische Bierlandschaft der Stadt.
Dass es nun zumindest eine Übergangslösung gibt, verschafft dieser Bierlandschaft etwas Luft.
Was nach dem 31. Dezember passiert, ist noch offen
Die Nachricht sollte allerdings nicht mit einer dauerhaften Rettung verwechselt werden. Gesichert ist nach dem derzeit bekannten Stand zunächst nur der Weiterbetrieb bis zum Jahresende. Was anschließend geschieht, ist noch nicht entschieden.
Gerade darin liegt aber auch eine Chance: Die zusätzlichen Monate schaffen Zeit, um eine langfristige Lösung für Brauerei und Gaststätte zu finden. Nach der bisherigen Suche nach einem neuen Pächter dürfte es dabei insbesondere darum gehen, einen Betreiber zu finden, der den Braubetrieb und die Gastronomie dauerhaft weiterführen kann. Dass eine solche Lösung möglich ist, ist derzeit ebenso wenig bestätigt wie ihre konkrete Form.
Für die Neder-Freunde zählt deshalb zunächst etwas sehr Einfaches: Das Bier ist nicht Ende September Geschichte.
Ein kleines positives Signal in schwierigen Zeiten
Für die deutsche Braubranche ist das zwar noch keine große Trendwende. Dennoch ist die Entwicklung in Forchheim bemerkenswert, weil sie einmal nicht mit der endgültigen Aufgabe eines Brauereistandorts endet.
Die Brauerei Neder bekommt eine Atempause – und mit ihr auch die Menschen, die in Forchheim am Erhalt ihrer traditionellen Bierkultur interessiert sind. Bis zum 31. Dezember ist der Betrieb gesichert. Danach wird sich zeigen, ob aus der vorübergehenden Lösung eine dauerhafte Zukunft für die älteste bestehende Brauerei Forchheims werden kann.
Für den Moment darf man sich aber durchaus darüber freuen, dass in Forchheim weiterhin Neder-Bier gebraut und ausgeschenkt wird.