Während in der deutschen Braubranche derzeit viele Nachrichten von Insolvenzen, Schließungen und wirtschaftlichen Problemen geprägt sind, gibt es auch Projekte, die in eine ganz andere Richtung weisen. In Bayreuth entsteht derzeit eine neue Braustätte für das Bayreuther Hell. Und schon das Dach des Neubaus ist bemerkenswert: Auf einer Fläche von rund 15.000 Quadratmetern entsteht eine begrünte Landschaft mit Bäumen. Später sollen dort sogar Schafe weiden.
Die neuen Details zum Bau wurden am 10. September 2026 von Ravago Building Solutions veröffentlicht. Das Unternehmen ist an der Konstruktion des außergewöhnlichen Daches beteiligt. Demnach werden für die Begrünung der Dachfläche rund 150 Sattelschlepper benötigt, die das entsprechende Substrat anliefern. Die Dachfläche liegt auf langlebigen Dämmplatten und wird als sogenanntes Retentions-Umkehrdach ausgeführt.
Eine Brauerei, die in der Landschaft verschwindet
Die neue Braustätte entsteht im Bayreuther Stadtteil Oberobsang. Architektonisch verfolgt Maisel dabei einen ungewöhnlichen Ansatz: Die Produktionsgebäude sollen sich möglichst unauffällig in die Landschaft einfügen. Die Dachfläche ist teilweise geneigt und setzt nach Angaben des Projektverantwortlichen praktisch auf Rasenhöhe an. Wer vom Stadtteil Oberobsang auf den Gebäudekomplex blickt, soll deshalb kaum erkennen können, dass sich darunter eine große Brauerei befindet. Lediglich der rund 26,5 Meter hohe Gärturm hebt sich deutlich aus der Landschaft ab. Auch er soll sich durch seine Gestaltung möglichst harmonisch in die Umgebung einfügen.
Das dürfte insbesondere deshalb interessant sein, weil Brauereien normalerweise nicht gerade dafür bekannt sind, sich optisch zurückzunehmen. Große Produktions- und Logistikgebäude benötigen naturgemäß viel Fläche. Maisel versucht bei diesem Projekt, diese Fläche zumindest teilweise wieder in eine Landschaft zu verwandeln.
15.000 Quadratmeter Dachfläche mit Bäumen
Besonders ungewöhnlich ist die Dimension der Begrünung. Rund 15.000 Quadratmeter Dachfläche sollen bepflanzt werden. Dabei bleibt es nicht bei einer klassischen extensiven Dachbegrünung mit niedrig wachsenden Pflanzen. Auf dem Dach sollen auch Bäume wachsen. Eine digital gesteuerte Bewässerungsanlage soll die Vegetation mit Wasser versorgen. Dafür steht eine Zisterne zur Verfügung, die zugleich auf Starkregenereignisse ausgelegt ist. Das Dach übernimmt damit nicht nur eine gestalterische Funktion, sondern soll auch beim Umgang mit Niederschlagswasser helfen.
Und dann sind da noch die Schafe. Sie sollen Zugang zur begrünten Dachfläche bekommen und künftig gewissermaßen über der neuen Brauerei grasen. Das klingt zunächst fast wie ein kurioses Detail aus einem ungewöhnlichen Architekturprojekt. Tatsächlich passt die Kombination aus Dachbegrünung, Wasserrückhaltung und extensiver Nutzung aber zum Gesamtkonzept der neuen Braustätte.
500.000 Hektoliter Bayreuther Hell
Unter der ungewöhnlichen Dachlandschaft entsteht schließlich eine ganz normale – wenn auch hochmoderne – Brauerei.
Das Bayreuther Hell wird bislang neben weiteren Bieren am traditionellen Standort in der Hindenburgstraße in Bayreuth produziert. Künftig soll das Helle seine eigene Produktionsstätte bekommen. Geplant ist eine Jahreskapazität von rund 500.000 Hektolitern. Gebraut werden soll weiterhin nach dem bewährten Rezept, allerdings mit moderner Produktionstechnik.
Damit handelt es sich keineswegs um eine kleine Erweiterung des bestehenden Betriebs. 500.000 Hektoliter entsprechen 50 Millionen Litern Bier pro Jahr. Das Projekt ist somit eine erhebliche Investition in die Zukunft der Marke.
Der Baubeginn war bereits im vergangenen Jahr öffentlich dokumentiert worden. Damals berichtete Maisel über den Start der Bauarbeiten und nannte Ende 2026 als Ziel für die Aufnahme des Braubetriebs. Auf der Baustelle wurden unter anderem rund 60.000 Kubikmeter Erde bewegt und ein Regenrückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen von 1.200 Kubikmetern angelegt.
Nicht nur Bier, sondern ein Gesamtkonzept
Die neue Braustätte soll allerdings nicht isoliert betrachtet werden. Maisel verbindet den Neubau mit einem umfassenderen Konzept für Produktion, Logistik und Verwaltung. Begrünte Dächer und Fassaden sollen dabei ebenso eine Rolle spielen wie ein möglichst ressourcenschonender Betrieb.
Das passt zur Entwicklung, die das Familienunternehmen in den vergangenen Jahrzehnten genommen hat. Die 1887 gegründete Brauerei hat sich von einer regionalen Braustätte zu einer Spezialitätenbrauerei entwickelt. In den 1970er-Jahren entstand bereits ein moderner Braubetrieb neben dem historischen Stammhaus. Heute gehören neben der klassischen Brauerei unter anderem Maisel & Friends und die Bier-Erlebniswelt zum Bayreuther Bierkosmos.
Das neue Projekt setzt diese Verbindung von Tradition und moderner Technik nun auf eine ziemlich spektakuläre Weise fort.
Ein positives Signal für die deutsche Braubranche
Für die deutsche Bierbranche ist die neue Braustätte auch deshalb interessant, weil sie einen deutlichen Kontrapunkt zu den zahlreichen Meldungen über Brauereischließungen und Insolvenzen bildet.
Maisel investiert nicht lediglich in eine neue Abfüllanlage oder eine Erweiterung eines bestehenden Gebäudes, sondern baut einen komplett neuen Produktionsstandort. Gleichzeitig wird versucht, die Auswirkungen des großen Baukörpers auf die Umgebung möglichst gering zu halten. Ob das Konzept am Ende tatsächlich so gut funktioniert, wie es auf den Planungen aussieht, wird sich allerdings erst zeigen, wenn die Brauerei in Betrieb ist. Interessant ist das Projekt schon jetzt – nicht zuletzt, weil man wohl nur selten von einer Brauerei berichten kann, auf deren Dach künftig Bäume wachsen und Schafe grasen.