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Schneider Weisse – Mein Aventinus

Im Dezember 2015 hatte ich schon einmal ein Aventinus aus dem Haus Schneider Weiße verkostet. Damals hieß es „Unser Aventinus“, war drei Jahre im Keller der Brauerei gelagert worden und hatte ein Mindesthaltbarkeitsdatum, das etwa acht Jahre in der Zukunft lag. Jetzt habe ich „Mein Aventinus“ vor mir stehen, ebenfalls mit der Bezeichnung TAP6 und mit den gleichen Zutaten gebraut. Ich kann also davon ausgehen, dass es sich um das gleiche Bier handelt, nur dass diesmal das Aventinus nicht mehrere Jahre in der Flasche gereift ist. Jedenfalls bin ich jetzt gespannt, wie das Bier frisch schmeckt.

Der Aventinus ist ein Weizendoppelbock, lt. der Brauerei handelte es sich um den ersten Weizendoppelbock als er im Jahr 1907 seine Premiere auf dem Markt feierte. Ob er schon damals seine 8,2 Volumenprozente Alkohol hatte? Nur mal so ganz nebenbei bemerkt: vom Aventinus gibt es verschiedene Sondereditionen – neben dem oben bereits erwähnten Vintage und dem ebenfalls von mir bereits verkosteten Eisbock gibt es auch einen Aventinus, der im Barrique gereift ist. Wenn ich einmal darankomme, werde ich ihn sicher auch verkosten.

Dann bleibt nur noch die Herkunft des Namens zu klären. „Mein Aventinus“ klingt ja doch etwas ungewöhnlich. Nach Auskunft der Brauerei gab es Anfang des 20. Jahrhunderts die Vorschrift, dass jedes Starkbier nach einem Heiligen benannt werden muss. Anfang des 6. Jahrhunderts war der Heilige Aventin Bischof des Bistums Chartres in Frankreich. Bei Wikipedia wird er als Adventinus bezeichnet. Nachdem wir auch das jetzt wissen, können wir endlich zum Bier kommen.

In dunklem Rubin präsentiert sich das hochdekorierte Bier (unter anderem Gold im Australian International Beer Award 2013, Gold im World Beer Cup 2014, Silber im European Beer Star 2015, Silber im Australian International Beer Award 216) im Glas. Ich sehe viel Kohlensäure und es bildet sich für ein Weizenbier vergleichsweise wenig elfenbeinfarbener sahniger Schaum, der nur langsam in sich zusammenfällt. Optisch macht das Bier also auf jeden Fall einen hervorragenden Eindruck.

Das Aroma ist so gut wie die Optik. Malztöne steigen mir in die Nase, dazu Fruchtigkeit, bei der sich Banane mit dem Duft roter Beeren mischt, dazu Röstaromen mit einem leichten Hauch von Kaffee. Das Aromaprofil ist wirklich sehr komplex.

Der Antrunk ist wie einem Bockbier zu erwarten recht süß, wobei die Röststoffe von Anfang an für einen ausgewogenen Eindruck sorgen. Trotz der Süße und der Röststoffe macht das Bier aber einen frischen Eindruck. Im kräftigen und runden Körper mischt sich die Süße von Südfrüchten mit Kaffeenoten. Dieses wirklich süffige Bier sollte in wirklich kleinen Schlucken getrunken werden, wobei jeder einzelne Schluck genossen werden kann und sollte. Der Abgang ist mild, klingt aber lange nach. Dies ist genau das richtige Bier für die langen Winterabende, die wir jetzt haben.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen (Hallertauer, Herkules), Hefe

Alkoholgehalt:

8,2 % Vol.

Stammwürze:

18,5 %

Bittereinheiten:

16 IBU

Brauerei:

Weißes Bräuhaus G. Schneider & Sohn GmbH
93309 Kelheim
http://www.schneider-weisse.de

Hasen-Bräu – Augsburger Original

Nun steht mal wieder ein Bier aus der Brauerei Hasen-Bräu vor mir, das Augsburger Original, ein naturtrübes Kellerbier. Augsburg liegt in der Nähe von Franken und ich mag die fränkische Bierkultur mit den vielen kleinen Brauereien, deren Produkte sich wohltuend von den auswechselbaren Industriebieren abheben. Mal sehen, ob etwas von dieser Vielfalt bis nach Augsburg abgefärbt hat.

Optisch macht das Bier auf jeden Fall schon etwas her. Goldgelb ist es, hefetrüb und mit einer lebhaften Kohlensäure. Dazu kommt ein feinporiger weißer Schaum, der durchschnittlich lange erhalten bleibt.

Das fruchtige Aroma wird durch Karamell und Hefe dominiert. Das macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeigt, dass das Bier nicht so viel Malzzucker enthält wie ich nach dem Aroma erwartet hätte. Der Körper schmeckt intensiv und ausgewogen. Malz und Hefe bestimmen den Geschmack, dabei sind nur geringe Sauer- und Bitternoten zu schmecken. Das Augsburger Original ist ein mildes und süffiges Bier. Genauso ist auch der Abgang, ein mildes Bitter hält sich lange.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hefe, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Brauerei:

Hasen-Bräu
86153 Augsburg
http://www.hasen-braeu.de

Maisel & Friends – Citrilla

Das Citrilla ist ein Weizen-IPA. Obwohl es erst im Jahr 2014 erstmal gebraut wurde, hat es doch schon eine bewegte Vergangenheit hinter sich. 2014 entstand es erstmals durch einen Gemeinschaftssud von Maisel & Friends und der Ratsherrn Brauerei im Hamburger Schanzenviertel. Anlass für diesen Gemeinschaftssud war das einjährige Bestehen der Brauereigaststätte Altes Mädchen der Ratsherrn-Brauerei. Das sehr fruchtige Weißbier hieß damals Citrilla Wheat und war innerhalb weniger Tage durch die Kehlen geflossen. Daher entschieden sich die Brauer aus Bayreuth, dieses Bier noch als Sondersud zu brauen. Da auch der Sondersud auf eine große Nachfrage stieß wurde das Bier im Mai 216 ins feste Sortiment der Brauerei aufgenommen.

Im Glas zeigt sich das Bier golden und leicht hefetrüb mit feinporigem Schaum, der sehr lange erhalten bleibt. Ich übertreibe nicht, wenn ich schreibe, dass die Optik perfekt ist.

Das Aroma zeigt deutlich den Einfluss des Weizenmalzes. Ich rieche den Duft nach Banane und Nelken, der vom Weizen stammt. Dazu kommen die Hopfenaromen nach Südfrüchten, nach Zitrone, Ananas und Grapefruit. Der Duft erinnert deutlich an einen Obstsalat.

Der Antrunk ist leicht süß, wunderbar malzig und süffig. Dazu kommt eine ungeheure Frische. Schnell kommt ein kräftiges Bitter dazu, das zusammen mit der Fruchtigkeit und unterstützt durch die Kohlensäure zu einem frischen angenehmen Geschmack führt. Im Abgang werden die Bitterstoffe milder, die Früchte kommen wieder hervor, zusammen mit einigen grasigen Noten.

Citrilla gefällt mir sehr gut. Das Bier ist von Anfang bis Ende stimmig.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen (Herkules, Citra, Amarillo), Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Stammwürze:

13,7° Plato

Bittereinheiten:

37 IBU

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Allgäuer Büble Edelbräu

Urig sieht sie ja aus, die Flasche mit dem Allgäuer Büble Edelbräu. Aber was soll der kleine Junge mit dem großen Bierkrug auf dem vorderen Etikett? Sollen die Kinder im Allgäu das Bier trinken? Selbstverständlich nicht. Diese Abbildung soll die Traditionsverbundenheit der Brauerei demonstrieren. Und damit ist nicht die Tradition des Kinder- und Jugendalkoholismus gemeint. Bier in Flaschen abzufüllen war bis ins ausgehende 19. Jahrhundert nicht üblich. Die Brauereien haben das Bier ausschließlich in Fässer abgefüllt und wer zu Hause ein Bier trinken wollte, ging mit einem Krug in die nächste Gastwirtschaft und holte sich das Bier dort. Häufig wurden die Kinder zum Bierholen geschickt. Daran erinnert das Etikett. Jetzt will ich mal prüfen, ob der Inhalt der Flasche so ansprechend ist wie die Optik.

Intensiv golden steht das Bier im Glas, darüber bildet sich üppiger weißer cremiger bis feinporiger Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Optisch hält das Bier also, was ich mir von ihm versprochen habe.

Das Aroma ist malzbetont und würzig. Dazu kommt der Duft von Birnen. Nichts Überraschendes ist im Aroma, aber es scheint ein ordentliches Bier zu sein, das in seine Heimat passt.

Der Antrunk ist frisch und durch die feinperlige Kohlensäure spritzig; allerdings würde sich meine Zungenspitze durchaus über einen etwas intensiveren Geschmack freuen. Die Intensität kommt aber, nachdem sich das Bier im Mund verteilt hat. Die Süße des Malzes und die Bitterkeit des Hopfens sind ausgewogen. Ich würde mir aber doch etwas mehr Komplexität aus den gewählten Hopfensorten wünschen. Der Abgang ist von mittlerer Bitterkeit mit kurzem Nachklang.

Alles in Allem kein schlechtes Bier, das sich sicher gut zu einem bayerischen Essen trinken lässt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Brauerei:

Allgäuer Brauhaus AG
Beethovenstr. 7
87435 Kempten
www.allgaeuer-brauhaus.de

Main Seidla – Summer Ale

Ein Bier aus Breitengüßbach. Da muss ich erst einmal nachsehen, wo Breitengüßbach überhaupt liegt. Auf der Karte finde ich den Ort im Landkreis Bamberg in Oberfranken. Dann wird das Bier vermutlich gut sein, denn die Franken kennen sich mit Bier ja nun wirklich aus. Ob das auch für ein IPA gilt werde ich gleich wissen.

Auch wenn Franken eine lange Brautradition hat, gilt dies nicht für die Brauerei Main Seidla. Sie wurde erst im Jahr 2012 anlässlich der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde Breitengüßbach gegründet. Aber trotzdem hat die Brauerei eine Tradition wiederbelebt, die fast eineinhalb Jahrhunderte nicht mehr fortgeführt worden war: Bis ins Jahr 1870 war Breitengüßbach ein Hopfenanbaugebiet. Jetzt wird auf dem Brauereigelände wieder Hopfen angebaut, aus dem einmal im Jahr ein Jahrgangsbier gebraut wird. Das muss zwar nicht zwangsweise das Summer Ale besser machen, aber nach meiner Erfahrung wird in Brauereien, die sich nicht auf das reine Brauen beschränken, in vielen Fällen ein besseres Bier gebraut. Das ist dann das Herzblut, das auch der Konsument im Bier bemerken kann. Daher will ich jetzt auch nicht mehr auf die Verkostung warten und öffne die Flasche.

Als erstes fällt mir beim Einschenken auf, dass sich extrem viel weißer gemischtporiger Schaum bildet, der langsam in sich zusammenfällt. Da hätte ich das Glas wohl besser schräggehalten, aber mit so viel Schaum hatte ich wirklich nicht gerechnet. Aber der Schaum ist ja auch absolut kein Nachteil.

Das Aroma ist betörend fruchtig. Ananas, Mango und Zitrusfrüchte steigen mir in die Nase. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist spritzig und leicht süß. Als sich das Bier im Mund verteilt übernimmt ein freundliches Bitter die Oberhand, unterstützt durch fruchtige Noten nach Bitterorange und Zitrone. Der Abgang klingt lange nach.

Auch wenn das Bier nicht als IPA angeboten wird und auch Unterschiede zu einem IPA nicht abzustreiten sind, ordne ich es hier als IPA ein. Würde ich für jeden der mehrere Hundert vorhandenen Bierstile ein eigenes Stichwort verwenden würde, wäre die Stichwortwolke vollkommen unübersichtlich. Das Summer Ale ist weniger bitter als ein IPA, dafür aber frischer. So rettet die Brauerei einen Teil des Sommers in den Winter hinüber.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Cascade, Hallertauer Mittelfrüh, Herkules), Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Brauerei:

Brauhaus Binkert GmbH & Co. KG
Westring 5
96149 Breitengüßbach
www.mainseidla.de

Riedenburger Doldensud – IPA Sud 86

Jetzt steht mal wieder ein IPA aus dem Brauhaus im bayerischen Riedenburg vor mir. Das Riedenburger Brauhaus braut „echtes Biobier“, also nicht Bio-light (EU-Bio), sondern die Zutaten stammen aus Bioland-Anbau. Dieses Bier hat eine Besonderheit: die Brauerei stempelt auf jedes Etikett, um welchen Sud es sich handelt. In diesem Falle ist es der Sud 86. Ob das notwendig ist weil das Bier aus Naturstoffen gebraut ist und die Inhaltsstoffe selbstverständlich natürlichen Schwankungen unterliegen und ob diese Schwankungen so groß sind, dass es einen deutlichen Unterschied im Geschmack ausmacht weiß ich nicht. Ich glaube, ich muss mir mal ein IPA aus Riedenburg in den Kühlschrank stellen bis der nächste Sud im Handel ist. Dann kann ich den direkten Vergleich starten. Aber ich beginne jetzt mal mit dem Test dieses Suds.

Goldgelb und hefetrüb ist das Bier im Glas. Darüber relativ wenig weißer Schaum. Er weist sowohl feine als auch große Blasen auf, bleibt aber lang erhalten.

Das Aroma ist betörend: Karamell, Grapefruit, Zitronenschale und Vanillearomen steigen mir in die Nase. Das zusammen mit der Optik macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist wie erwartet recht süß. Dazu kommt eine milde Kohlensäure. Der Körper ist intensiv und ausgeglichen, Süße, Säure und Bitterstoffe halten sich die Waage. Das Bier schmeckt wirklich angenehm. Der Abgang ist intensiv bitter, ohne dass die Bitterkeit unangenehm wird. Der Abgang ist intensiv bitter und – in meinen Augen eine Besonderheit dieses Bieres – die Zitrusnoten kommen noch einmal zum Vorschein. Der Geschmack hält sich auch lange in der Kehle.

Dieses Bier ist etwas ganz Besonderes. Wer IPAs mag, wird den Doldensud lieben.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Emmermalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Bittereinheiten:

55 IBU

Brauerei:

Riedenburger Brauhaus
93339 Riedenburg
http://www.riedenburger.de

BierSelect

St. Erhard – Farmer

Lange hatte ich kein Bier aus Franken mehr vor mir, das St. Erhard Farmer aus der 2011 gegründeten Brauerei St. Erhard in Bamberg. Auf der Flasche wird erklärt, wie es zum Namen Farmer kam:

„Das St. Erhard Farmer, unser Farmhouse IPA, ist ein Crossover-Bierstil, der den typisch belgischen Charakter eines Farmhouse Ales mit der belebenden Fruchtigkeit eines California IPAs kombiniert. Die Verwendung von zwölf verschiedenen Spezialmalzen, welche einen kräftig malzigen Körper erzeugen, macht diese Bierkreation zu einem vollmundigen Farmhouse IPA.“

Mit diesem Bier hat die junge Brauerei einige Erfolge zu verbuchen. Sie war nicht nur die erste Brauerei, die mit diesem Bier auf dem indischen Markt aktiv wurde, sondern sie exportiert auch in andere Länder Asiens und hat auch auf dem deutschen Heimatmarkt einiges Aufsehen erregt. Jetzt will ich testen, ob diese Erfolge zu Recht erzielt wurden.

In der Farbe von dunklem Bernstein und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich wenig beiger mittelporiger Schaum, der durchschnittlich schnell in sich zusammenfällt.

Ich glaube, ich habe noch kein anderes Bier verkostet, das ein so komplexes Aromaprofil aufweist. Dafür sorgen zwölf Malz- und fünf Hopfensorten. Gut kommen die Malzaromen zum Vorschein, Karamell ist deutlich zu riechen. Dazu kommen die fruchtigen Hopfenaromen. Das Bier duftet nach Zitrusfrüchten und Ananas. Dazu kommen noch viele andere Duftnoten, die ich in ihrer Komplexität aber nicht identifizieren kann. Da jede Nase auf andere Aromen reagiert, ist es gut möglich, dass Sie auch andere Düfte identifizieren. Der Duft macht richtig Lust auf den ersten Schluck und mir kommt spontan der Gedanke, dass ich, wenn der Geschmack so gut ist wie das Aroma, mein neues Lieblingsbier gefunden habe.

Der Antrunk ist relativ süß und ich stelle fest, dass das Bier relativ wenig Kohlensäure enthält. Etwas mehr Prickeln würde dem Bier sicher guttun. Aber sonst kann ich an diesem Bier nichts aussetzen. Der Körper ist angenehm bitter und es mischt sich der Geschmack von Schokolade mit dem einer Grapefruit. Abgerundet wird der Geschmack durch die Süße der Malzsorten. Der Abgang ist von mittlerer Bitterkeit und er klingt lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pale Ale, Tennenmalz Dunkel, Belgische Karamellmalze), Weizenmalz (Weizenbraumalz, Weizenkaramellmalz), Hopfen (Hallertauer Tradition, Equinox, Vic Secret, Mosaic, Cascade), Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 %

Gebraut für:

St. Erhard GmbH
Hafenstr. 13
96052 Bamberg
www.st-erhard.com

Heinzlein – Dunkles Bier

Heinzlein ist eine Marke der Heller-Bräu in Bamberg. Die Besonderheit dieser Marke ist der niedrige Alkoholgehalt von weniger als einem Prozent. Bis 0,5 Volumenprozent gelten Biere als alkoholfrei, allerdings fehlt diesen Bieren auch häufig einiges an Geschmack, da Alkohol ein Geschmacksträger ist. Die fränkische Brauerei versucht hier, ein Gleichgewicht zu erreichen. Nun steht das Dunkle aus dieser Serie vor mir.

Dunkel rubinrot fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine voluminöse elfenbeinfarbene Schaumkrone aus, die lange erhalten bleibt. Die Optik leidet unter der Reduzierung des Alkohols also schon mal nicht.

Das Bier duftet angenehm nach Kaffee und dunkler Schokolade, einige leichte blumige Noten runden das Aroma ab.

Bei einem so dunklen Bier würde ich eine kräftige Süße erwarten. Dieses Bier belehrt mich aber eines Besseren. Süße ist nur wenig vorhanden, aber die Kohlensäure ist reichlich dosiert, so dass das Bier sehr spritzig ist. Der Körper ist schlank, was aber bei dem geringen Alkoholgehalt keinesfalls verwundert. Dafür ist das Bier ungeheuer frisch. Wie beim Aroma stehen auch auf der Zunge im Vordergrund. Auch wenn das dunkle Bier von Heinzlein wirklich sehr gut trinkbar ist, erinnert der Geschmack doch etwas an Limonade. Erst im Abgang tauchen leichte Bitterstoffe auf, die Röstaromen stehen im Mittelpunkt und klingen sehr lange nach.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

0,9 % Vol.

Stammwürze:

3,4 %

Brauerei:

Heller-Bräu Trum GmbH
Dominikanerstr. 6
96049 Bamberg
https://heinzlein.de

 

Arcobräu – Mooser Liesl

Die bereits 1567 gegründete Brauerei Arcobräu im niederbayerischen Moos beschreibt die Namensgebung für dieses Bier wie folgt: „Geh Liesl, bring ma no a so a guads Hells!

So hieß es einst, als das Bier in unserer Schlosswirtschaft noch aus der Kanne ausgeschenkt wurde. Viele Gäste kamen nur wegen des guten Hellen, das es hier gab.

Nicht wenige aber auch wegen der feschen Liesl. So war es kein Wunder, dass bald beide, die Liesl und das Brauhaus mit seinem Bier, weit über die Grenzen von Moos bekannt und die Liesl für viele Jahre zum Markenzeichen der Brauerei wurde.“ Damit wäre der Name dieses Hellen schon mal geklärt. Kommen wir also zum Bier.

In hellem Gelb und kristallklar erstrahlt das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittlich voluminöse Krone aus feinporigem Schaum, die recht lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist malzig mit einigen blumigen Noten. Nicht sonderlich anregend, aber auch nicht unangenehm.

Der Antrunk ist leicht süß und spritzig. Schnell kommen etwas Bitter und eine leichte Zitrusnote dazu. Der Geschmack ist intensiv, aber nicht richtig rund. Gut gefällt mir der mild bittere Abgang mit langem Nachklang.

So richtig kann mir das Mooser Liesl nicht gefallen, aber wenn die Brauerei noch einige Stellschrauben nachstellt, kann es ein richtig gutes Bier werden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Brauerei:

Arcobräu Moos
Schlossallee 1
94554 Moos
www.arcobraeu.de

 

Spezial – Rauchbier Lager

Jetzt steht eine Bierspezialität aus Bamberg vor mir, das Spezial Rauchbier Lager. Als erstes fällt mir auf dem nostalgisch gestalteten Etikett auf, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum offensichtlich von Hand gestempelt ist. Wenn diese zeitaufwändige Arbeit von Hand gemacht wird, muss es sich wohl um eine recht kleine Brauerei handeln. Eine kurze Recherche im Internet bestätigt diese Vermutung: die Brauerei stellt im Jahr nur etwa 6000 Hektoliter Bier her. Und noch mehr – die Brauerei liefert ihr Bier nur im Umkreis von 15 Kilometern rund um die Brauerei aus. Eine kleine traditionale Brauerei (sie wurde im Jahr 1536 erstmals urkundlich erwähnt) mit regionalen Bieren – das gefällt mir schon mal. Die Brauerei stellt insgesamt fünf unterschiedliche Biere her, von denen nur das Ungespundene ohne Rauchmalz gebraut wird.

Dass ich jetzt ein Rauchbier vor mir stehen habe ist nicht die einzige Besonderheit dieser Brauerei. Dazu kommt noch die ungewöhnliche Produktionstiefe der Brauerei. Sie gehört zu den wenigen Brauereien, die noch selbst mälzen. Das ist zwar kein absolutes Alleinstellungsmerkmal, aber ungewöhnlich ist das in der heutigen Zeit schon.

Ich bin schon einmal gefragt worden, wie denn der Rauch ins Bier kommt. Schließlich lässt sich das Bier nicht wie ein Schinken an den Haken und in den Rauch hängen. Die Antwort ist einfach: das Malz wird über Buchenholz gedarrt und nimmt dabei den Geschmack des Rauchs an. Vor der Einführung des Darrens mit Kohle oder Öl war die Arbeit mit Holz der Regelfall, weshalb vor der Industrialisierung vermutlich alle Biere einen mehr oder weniger starken Rauchgeschmack aufgewiesen haben dürften. Ich denke daher mal, dass die Rauchbiere den ursprünglichen Bieren am nächsten kommen.

Das Bier hat aber noch eine weitere Besonderheit: Das Malz stammt aus der Region und das Getreide wird biologisch angebaut. Der Hopfen stammt nur teilweise aus biologischem Anbau, weshalb das Bier kein Biobier ist. Aber ist es ein Craft Beer? Es wird traditionell und handwerklich hergestellt. Dabei werden keine Extrakte oder Auszüge verwendet und die Brauerei gehört keinem Konzern an. Es handelt sich also eindeutig um ein Craft Beer. Jetzt wird es aber langsam Zeit, das Bier zu verkosten.

Bernstein- bis cognacfarben steht das Bier im Glas. Darüber bildet sich viel weißer feinporiger Schaum, der recht langsam in sich zusammenfällt.

Das Aroma wird durch den Rauch bestimmt, wobei er nicht so kräftig ist, dass er alles andere übertönt, wie ich es bei anderen Rauchbieren erlebt habe. Hier kommen noch Düfte nach Karamell sowie Frucht- und Gewürzaromen dazu. Der Nase gefällt das Bier schon mal.

Der Antrunk ist – irgendwie nichtssagend. Lediglich der Geschmack des Rauchs breitet sich sofort im gesamten Mund aus. Aber das Bier ist durchaus steigerungsfähig. Während sich das Bier im Mund ausbreitet lässt der Raucheindruck etwas nach und macht einem immer noch rauchigen, aber auch würzigen Geschmack Platz. Dazu kommt jetzt eine angenehme fruchtige Süße. Der Rauchgeschmack ist nicht zu kräftig wie ich es bei anderen Rauchbieren erlebt habe, sondern eher dezent und er unterstützt die anderen Geschmacksnuancen hervorragend. Der Abgang ist dann überraschend mild und trotzdem hält er lange an.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol. (auf der Website der Brauerei werden 4,7 % Vol. angegeben, was darauf hinweisen kann, dass Alkoholgehalt und Stammwürze von Sud zu Sud unterschiedlich sein könnten)

Stammwürze:

12,0 %

Brauerei:

Brauerei Spezial
Obere Königstr. 10
96052 Bamberg
www.brauerei-spezial.de