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Schneider – Marie’s Rendevous

Ist das schon Tradition? Seit 2012 braut die Brauerei Schneider Weisse in jedem Jahr einen Weizenbock mit deutlich mehr Stammwürze und Alkohol als üblich. Diese besonderen Kreationen werden einmal gebraut und wenn sie verkauft sind, gibt es sie nicht mehr. Und es handelt sich nicht nur um ein besonderes Bier, sondern es hat auch besondere Namen, die irgendwie romantisch sind und direkt neugierig auf den jeweiligen Sud machen. Da gab es bereits Mein Nelson Sauvin, Meine Sommer Weisse, Mein Aventinus Barrique, Meine Porter Weisse, Mathilda Soleil und in diesem Jahr Marie’s Rendevous. Die Herkunft dieses Namens beschreibt die Brauerei auf ihrer Website wie folgt: „Gewidmet der Ahnherrin Anna-Maria Schneider, deren Liebe zu Georg I. Schneider letztendlich der Beginn von sechs Generationen Weissbierleidenschaft war. ‚Der limitierte Sondersud zum Fest beweist, was innerhalb des Reinheitsgebotes mit Herzblut und Können an Fülle und Komplexität mit regionalen Rohstoffen möglich ist‘, so der überzeugte Genussbrauer und Verfechter der Reinheitsgebotes Georg VI. Schneider.“

Bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich relativ wenig feinporiger Schaum, der sich aber auch recht schnell auflöst.

Dafür das Aroma. Ich muss gar nicht mit der Nase zum Glas gehen, um es festzustellen. Bereits während das Glas noch auf dem Tisch steht, rieche ich die fruchtigen Düfte. Sie sind so komplex, dass es mir gar nicht möglich ist, alle Aromen zu identifizieren. Ananas, Orangenschale, Mango… das alles und noch viel mehr vereint sich in diesem Bouquet. Jetzt bin ich mir schon sicher, dass ich ein ganz besonderes Bier vor mir stehen habe. Jetzt bin ich neugierig auf den ersten Schluck, habe aber auch die Befürchtung, dass das Bier mit seinen vielen Fruchtaromen mir zu süß sein könnte.

Diese Sorge erwies sich aber als unbegründet. Nur eine leichte Süße kommt auf der Zungenspitze an. Dafür bemerke ich jetzt die ungewöhnlich feinperlige Kohlensäure, die diesem Bier eine unwahrscheinliche Frische verleiht. Der Körper besticht zunächst durch eine ungeheure Fruchtigkeit, wobei zunächst die sauren Noten dominieren, die aber schnell durch einen Hauch Honig ergänzt werden. Ich möchte nicht wissen, wie viele Versuche erforderlich waren, um zu so einem perfekten Ergebnis zu kommen.

An dieser Stelle habe ich überlegt, ob ich aus diesem Bier nicht ein Gelee kochen sollte, in das ich Erdbeeren einlege. Das wäre sicher eine gute Idee gewesen, aber da ich nur eine Flasche von Marie’s Rendezvous habe, habe ich dann doch von diesem Versuch Abstand genommen.

Nach diesem opulenten Körper hätte ich eigentlich auch einen kräftigen Abgang erwartet. Als dieser dann zwar fruchtig, aber doch überraschend mild ausfiel, war ich im ersten Moment etwas enttäuscht, bis ich dann merkte, dass dieser milde Geschmack überraschend lange erhalten blieb, eine halbe Stunde war es sicher.

Und dieses Bier hielt noch eine Überraschung für mich bereit. Ich habe die Flasche nicht an einem Tag ausgetrunken, sondern sie wieder verschlossen und erst etwa 48 Stunden später wieder geöffnet. Zeit ist das Bier selbstverständlich mit Sauerstoff in Berührung gekommen und wie ein guter Rotwein erst durch das Lüften beim Dekantieren sein vollständiges Aroma entfaltet, so hat auch dieses Bier reagiert und wurde noch fruchtiger.

Welche Speisen passen zu diesem Bier? Die Brauerei empfiehlt auf ihrer Website Schmorbraten, helle Mousse mit frischen Früchten oder duftende Apfelkücherl mit Vanilleeis. Ich habe das Bier aber als dermaßen nuancenreich und komplex empfunden, dass dieser Reichtum der Eindrücke nach meiner Meinung nicht durch ein Essen gestört werden sollte. Na gut, einige Erdbeeren oder Himbeeren passen dann schon.

Ich habe in meinem Leben schon viele Biere verkostet und war eigentlich der Meinung, dass mich so schnell nichts mehr überraschen kann. Dieses Bier hat mich eines Besseren belehrt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen (Tradition und Cascade), Hefe

Alkoholgehalt:

10 % Vol.

Stammwürze:

24 %

Bittereinheiten:

27 IBU

Brauerei:

Schneider Weisse
G. Schneider & Sohn GmbH
93309 Kelheim
www.schneider-weisse.de

Benediktiner Weissbier naturtrüb

Das Benediktiner Weißbier wird von der Licher Privatbrauerei für die Ettaler Klosterbrauerei hergestellt. Die Licher Privatbrauerei gehört ihrerseits zur Bitburger-Gruppe. Dort wird das Benediktiner Weißbier unter Aufsicht der Mönche nach dem Originalrezept und mit der klostereigenen Hefe gebraut. Dieses Vorgehen kenne ich von Klosterbieren aus Belgien und dort wird mit diesem Vorgehen wirklich gutes Bier gebraut. Meine Erwartungen an dieses Bier sind also hoch und über diese Messlatte muss dieses Bier kommen.

Bernsteinfarben und leicht hefetrüb ist dieses Bier. Dazu kommt eine sehr aktive Kohlensäure. Wie bei Weizenbieren üblich bildet sich eine schöne große Schaumkrone, cremig und weiß. Sie bleibt auch lange erhalten.

Das Aroma ist betörend. Ich rieche Banane, Ananas, Zitrone sowie einige blumige Noten. So stelle ich mir ein ordentliches Weizenbier vor.

Der Antrunk ist recht süß und die Bananennoten bringen gleich eine angenehme Fruchtigkeit mit. Durch die viele Kohlensäure ist der Antrunk aber frisch und spritzig. Er Körper ist ausgewogen, voll, rund und würzig. Leider hält sich die Kohlensäure nicht sehr lange, so dass das Bier recht schnell absteht. Da sollten sich die Brauereien noch einmal etwas einfallen lassen. Der Abgang ist leicht Bitter und klingt mittellang nach.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Brauerei:

Licher Privatbrauerei Ihring-Melchior GmbH
In den Hardtberggärten
35423 Lich
www.licher.de

für

Benediktiner Weissbräu GmbH
82488 Ettal
www.benediktiner-weissbier.de

Maisel & Friends – Black IPA

Wieder einmal hat die Brauerei Maisel and Friends einen neuen Sondersud herausgebracht und hat mir eine Flasche zum Verkosten zugeschickt. Ich lasse mich normalerweise ja nicht über die Gestaltung der Etiketten aus, aber diesmal muss ich da eine Ausnahme machen. Das Rot-Schwarz und der Totenkopf des Piraten erinnern mich sofort an die Pirates of the Caribbean. Ob das Bier auch so märchenhaft ist? Das Rückenetikett verspricht zumindest schon mal eine Geschmacks-Achterbahn. Na, dann will ich mich mal überraschen lassen.

Die Brauerei beschreibt das Black IPA als dunkelbraun, fast schwarz. Ich würde es als schwarz beschreiben. Nur wenn ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert etwas Rotbraun durch. Egal, zusammen mit einer guten Menge cremigen hellbraunen Schaums, der lange erhalten bleibt, sieht das Bier wirklich gut aus.

Die Nase nimmt intensive Noten von Grapefruit wahr, wenn auch nicht so hervorstechend wie bei den meisten IPAs. Auch Aromen von Ananas, anderen Südfrüchten und roten Beeren steigen mir in die Nase, unterstützt von einem Hauch dunkler Schokolade und Vanille. Auch wenn dieses Bier kräftig gehopft ist, schafft es das Malz, im Duft durchzudringen und das Aroma abzurunden.

Auf der Zungenspitze schmecke ich zunächst die intensive Malzsüße sowie einige Röststoffe und bemerke die sehr feinperlige Kohlensäure. Und dann wird es fruchtig. Ich schmecke Grapefruit und Limonen, was zusammen mit dem kräftigen Malz ein cremiges und dabei frisches Mundgefühl ergibt. Der Abgang ist durch ein kräftiges freundliches Bitter geprägt, das aber schnell nachlässt. Ein leiser Rest klingt aber lange nach.

Ja, das ist eine geschmackliche Achterbahnfahrt. Wir fahren von süß über fruchtig zu bitter und jeder Geschmack ist wirklich intensiv, ohne dabei zu dominant zu werden. Jetzt frage ich mich nur noch, zu welchem Essen das Black IPA passt. Mir fällt da eigentlich nur ein kräftig gewürztes, aber nicht scharfes, indisches Curry ein. Damit wäre der Genuss perfekt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Herkules, Topaz, Callista, Vic Secret), Hefe

Alkoholgehalt:

7,9 % Vol.

Stammwürze:

17,3° Plato

Bittereinheiten:

58 IBU

Brauerei:

Gebr. Maisel KG
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Gänstaller Bräu XL4

Um es gleich vorweg zu sagen: dies ist der ungewöhnlichste Artikel, den ich bislang für diesen Blog geschrieben habe. Das Bier ist ungewöhnlich. Es handelt sich um ein geräuchertes IPA. IPAs gibt es in rauen Mengen und auch Rauchbiere sind mir nicht unbekannt. Die Kombination dieser beiden Spezialitäten ist mir aber bislang noch nicht untergekommen. Ungewöhnlich ist auch der Ort, aus dem das Bier stammt. Hallerndorf liegt in Oberfranken zwischen Erlangen und Bamberg. Das ist noch normal. Auch dass das Örtchen Ende 2014 lt. Wikipedia nur gut 4.000 Einwohner hatte ist eigentlich keiner Erwähnung wert. Dass es in diesem kleinen Ort sechs Brauereien gibt, ist schon erstaunlich. Jeweils 666 Einwohner sollen also eine Brauerei ernähren. Offensichtlich funktioniert es aber, zumindest indem die Brauereien über die Grenzen ihrer Stadt hinaus verkaufen. So kam es auch zu dem ungewöhnlichen Umweg, den dieses Bier auf dem Weg zu mir machte. Ich habe sie in Amsterdam beim Bierkoning gefunden. Diese Bierhandlung ist genauso ungewöhnlich wie dieses Bier. Zentral gelegen ist der Laden nur fünf Fußwegminuten vom Dam entfernt, ein kleiner Laden, der schnell übersehen werden kann. Aber in dem Laden befindet sich das Paradies für jeden Biergenießer: ständig sind mehr als 1.500 Biere im Angebot. Wenn Sie also einmal in Amsterdam sind, vergessen Sie nicht, diesen Laden in der Paleisstraat aufzusuchen. So, nun ist es aber an der Zeit, dass wir uns dem Bier zuwenden.

Goldgelb und hefetrüb steht das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine unterdurchschnittliche Menge größtenteils feinporiger Schaum, der durchschnittlich lange erhalten bleibt. Dazu enthält das Bier richtig viel Kohlensäure.

Das Aroma wird durch den Rauch dominiert, der die Aromen nach Zitrusfrüchten und Karamell in den Hintergrund verweist. Soweit in diesem Bier noch andere Aromen enthalten sein sollten, werden sie durch den Rauch überdeckt und meine Nase konnte sie nicht feststellen.

Der Antrunk wird durch den Rauchgeschmack dominiert und es zeigt sich, dass die Kohlensäure sehr feinperlig ist. Dadurch erhält das Bier doch noch eine gewisse Frische. Auch der Körper präsentiert sich hauptsächlich mit dem Geschmack des Rauches, so dass die sauren Noten des Hopfens kaum durchkommen. Hier wundere ich mich, dass ich die 76 Bittereinheiten kaum schmecke. Diese kommen eigentlich erst im Abgang so richtig zur Geltung, in dem sie sogar den starken Rauchgeschmack verdrängen. Der Geschmack bleibt durchschnittlich lange erhalten.

Dies ist ein Bier, das man mögen muss. Mein Geschmack ist es ehrlich gesagt nicht. Für mich passt der starke Rauchgeschmack nicht zu den eher zarten Zitrus- und Fruchtaromen des Hopfens. Aber das ist Geschmackssache. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, mit diesem Bier eine Zwiebelsoße oder etwas Ähnliches zu kochen. Dort passen die starken Raucharomen und die durchaus vorhandenen Fruchtaromen geben der Soße noch einige Frische.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Stammwürze:

18,8° Plato

Bittereinheiten:

76 IBU

Brauerei:

Gänstaller Bräu
Schnaid 10
91352 Hallerndorf
www.gaenstaller.de

Zombräu – Motor Oil

Craftbeer-Revolution beschreibt Zombräu so: „Zombräus Mission ist es, der Welt zu zeigen, was Bier alles kann. Niemals aufhören zu experimentieren und niemals aufhören sich zu verbessern. Bier ist für die beiden Brauer Tobi und Basti keine Massenware. Für sie ist Bier so kompliziert und einzigartig, wie das Leben selbst. Und sie wollen dafür sorgen, dass das auch so bleibt.“ Ich habe die beiden Brauer vor einiger Zeit in Bayreuth kennengelernt und kann diese Aussagen nur bestätigen. Jetzt steht das Motor Oil vor mir, ein Imperial Stout, das auf dem Etikett ein Versprechen gibt: „Guaranteed Satisfaction“. Ein hoher Anspruch, von dem ich hoffe, dass dieses Bier ihn erfüllt.

Blickdicht schwarz ist das Bier, mit einer durchschnittlichen Menge mittelbraunen feinporigen Schaums, der lange erhalten bleibt. Optisch ist an dem Motor Oil nichts auszusetzen.

Das Bier duftet nach Espresso, Schokolade und Karamell, unterstützt durch einen Hauch Vanille. Das macht schon mal Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist nicht allzu süß und durch die sehr feinperlige Kohlensäure wunderbar frisch. Damit entspricht das Bier nicht meinen Erwartungen, sondern es überrascht mich. Die Überraschung ist aber durchaus positiv. Langsam entwickelt sich aber eine samtige Süße zusammen mit dem Geschmack nach Espresso und Karamell, unterstützt durch ein ordentliches Bitter. Jetzt ist das Bier vollmundig und wärmend, auch der Alkoholgehalt von 7,5 Volumenprozent passt sich gut in das Geschmacksbild ein. Das Bier geht runter wie Öl. Im Abgang kommt die Schokolade mit einem langen Nachklang in den Vordergrund.

Das Motor Öl ist einfach ein tolles Bier, das zu vielen Desserts und anderen Süßspeisen passt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmal (Pilsener Malz, Caraamber, Caraaroma, Röstmalz, Chocolate Malt), Hopfen (Nugget), Hefe

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Stammwürze:

19° Plato

Bittereinheiten:

45 IBU

Brauerei:

Zombräu
Obere Sendlbachstr. 19
84051 Mirskofen
www.zombraeu.com

Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan zieht Pandemie-Bilanz

Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan zieht nach einem Jahr Corona-Pandemie Bilanz. Am 22. März 2021 jährt sich der Beginn der ersten Lockdown-Phase und lässt die Brauerei auf ein Jahr der Extreme zurückblicken. Nicht nur für die Bevölkerung, das Gesundheitswesen und viele Unternehmen war es ein Jahr mit ständig wechselnden Rahmenbedingungen, die ein hohes Maß an Flexibilität verlangten, sondern auch für die deutsche Brauwirtschaft, die durch abgesagte Veranstaltungen und die geschlossene Gastronomie vor einer Herausforderung stand, wie es sie noch nie gab. Die älteste Brauerei der Welt gibt Einblicke, wie sich die Corona-Pandemie ausgewirkt hat und wie sie die Situation auf dem regionalen, nationalen und internationalen Markt gemeistert hat und weiterhin meistern wird.

Das Jahr 2020 begann, wie für viele andere Brauereien in Bayern, mit einer wichtigen Entscheidung. Das traditionelle Starkbierfest im Weihenstephaner Bräustüberl auf dem Berg war bis ins Detail vorbereitet, die Gäste eingeladen, als die ersten Fälle bekannt wurden. Nach ausführlichen Besprechungen entschied sich die Brauerei als Vorsichtsmaßnahme für die Absage der Veranstaltung. „Wie sich gezeigt hat, war das die einzig richtige Entscheidung, auch die Gäste, die natürlich gerne mit uns gefeiert hätten, waren im Nachhinein sehr froh darüber“, blickt Prof. Dr. Josef Schrädler, Direktor der Bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan, auf den Beginn der Pandemie zurück. Danach überschlugen sich die Ereignisse, auf die Weihenstephan sehr schnell mit einem umfassenden Maßnahmenpaket reagierte, wie Dr. Schrädler berichtet: „Unseren Markenbotschafter Matthias Ebner mussten wir mit einem der letzten Flüge von Australien nach Hause holen. In der Brauerei mussten wir innerhalb kürzester Zeit reagieren. Die Mitarbeiter wurden, wo es möglich war, ins Homeoffice geschickt, ein detailliertes Hygienekonzept wurde ausgearbeitet und für jeden Mund-Nasen-Schutzmasken verteilt. Zudem haben wir an der Büroaufteilung gearbeitet, um die Risiken soweit es geht zu minimieren. Damit sind wir bis heute gut gefahren.“

Der erste Lockdown von Ende März bis Mitte Mai hat für sehr hohe Verluste gesorgt, da die Umsätze auf dem regionalen und nationalen Markt durch die Schließung der Gastronomie komplett weggebrochen sind. Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan liefert ihre Bierspezialitäten in über 50 Länder weltweit, daher war der Export in Abstimmung mit der Produktion und Logistik stark gefordert, die internationale Lage zu beobachten und schnell zu reagieren. „In unserer Produktion mussten wir in dieser Zeit flexibel sein, Bestellrhythmen gab es einfach nicht mehr. Vorher konnte man sich zu einem gewissen Grad darauf einstellen, welches Land wann und wie viel bestellt. Jetzt mussten wir kurzfristig reagieren und ohne unser Logistikzentrum und die damit verbundenen Lagermöglichkeiten wäre dies nicht möglich gewesen. Und beim Bier ist es ja so, dass es auch eine gewisse Zeit zum Reifen braucht. Und das Wichtigste: Die Qualität muss trotz allen Umständen stimmen“, legt Schrädler die Situation dar.

Ein heller Lichtblick

Trotz Corona-Pandemie und Lockdown wurde wie geplant im Mai 2020 eine Neuheit vorgestellt. Nach über einem Jahr Entwicklungszeit präsentierte die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan eine weitere untergärige Bierspezialität: ein harmonisch ausbalanciertes Helles mit ausgewogenem, aber schlankem Malzkörper und elegantem Hopfenaromaprofil. Die Markteinführung im Mai war für die Brauerei genau richtig: „Wir bewegten uns auf das Ende des ersten Lockdowns zu, es war eine positive Stimmung zu spüren. Und dann war’s auch ein bisserl glücklich, dass wir ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt mit allem fertig wurden. Klar ist so eine Entscheidung immer mit einem Risiko verbunden, aber das Bier wurde und wird super angenommen. Eine Punktlandung und eine Erfolgsgeschichte. Insgesamt konnten wir ein Wachstum von 30 Prozent im Handel verzeichnen“, berichtet Dr. Schrädler. Die nach wie vor ungebrochene Nachfrage nach der neuen Bierspezialität wird aber nicht zu einer Strategieänderung weg von der Gastronomie hin zum Handel führen, erklärt Schrädler: „Weihenstephan ist nun mal eine Gastromarke, weshalb der erfreuliche Zuwachs im Handel mit dem neuen Hellen natürlich die Verluste nicht auffangen kann, die wir durch den Lockdown eingefahren haben. Aber wir sehen die Gastronomie nach wie vor als wichtigsten Partner und natürlich auch als den Vorreiter zur Markterschließung an. Deshalb wird sich unser Vorgehen auch 2021 nicht groß ändern.“

In der Summe betrachtet

2020 verbucht die Bayerische Staatsbrauerei in erster Linie als einen herben Rückschlag, da der Ausstoß unter 400.000 Hektoliter gefallen ist und die älteste Brauerei der Welt um einige Jahre zurückwirft. Dennoch schaut der Brauereidirektor optimistisch in die Zukunft: „Eine Prognose kann man zwar nicht treffen, aber wir hoffen, dass sich die Situation zum Sommer hin wieder bessert, und die Gastronomie wieder öffnen darf. Einen Herbst wie 2020 brauchen wir nicht noch einmal. Die Hoffnung besteht aber, dass wir im Spätsommer oder Herbst so weit sind, dass man die Wirtschaften nicht mehr schließen muss.“

Stiftungsbräu – Helles Vollbier

Kürzlich gab es in meinem Stamm-Getränkemarkt eine Sonderaktion – es gab das Stiftungsbräu aus Erding zum Nulltarif. Die Brauerei hat eine lange und wechselvolle Geschichte hinter sich. Sie geht bis ins Jahr 1691 zurück, als Erding an sechs Bürger das Braurecht verlieh. Im Jahr 1838 wurde die Brauerei vom Gastwirt Joseph Fischer übernommen. 1856 übernahm sein Sohn Friedrich die Brauerei und gründete 1891 Fischer’s Wohltätigkeitsstiftung. Die Brauerei wurde Teil der Stiftung und heißt seitdem Fischer’s Stiftungsbräu. 1991 wurde die Brauerei geschlossen, dann aber von Erdinger Weißbräu übernommen. Diese bekannte Brauerei führt die Marke bis heute weiter und spendet pro Liter verkauftes Bier einen Cent an die nach wie vor existierende Fischer’s Wohltätigkeitsstiftung. Mal sehen, wie sich das Bier nun macht.

Golden und kristallklar präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich viel feinporiger weißer Schaum, der sehr langsam in sich zusammenfällt. Die Optik gefällt mir schon mal.

Das Aroma ist malzig, leicht süß und mit einem Hauch von Heu. Das lässt ein gutes aber typisch bayerisches Helles erwarten.

Der Antrunk ist recht süß und bei der feinperligen Kohlensäure war die Brauerei auch etwas geizig. Mehr Kohlensäure hätte für eine bessere Frische gesorgt. Aber dann dreht das Bier noch auf. Das Bitter kommt durch und ist passend zur Süße portioniert. Damit macht das Bier einen vollmundigen, runden und süffigen Eindruck. Im Abgang zieht sich das Bittere zurück, so dass das Bier in der Kehle erstaunlich mild ist und leider nur kurz nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,1 %

Stammwürze:

11,8° Plato

Brauerei:

Privatbrauerei Erdinger Weißbräu
Werner Brombach GmbH
Erding

für

Fischer’s Stiftungsbäu
Daimlerstr. 5
85435 Erding
www.stiftungsbraeu.de

Maisel & Friends – Artbeer #1

Jetzt steht mal wieder ein Sondersud von Maisel & Friends vor mir, Artbeer #1 genannt. Das auffällige Etikett wurde von Andreas von Chrzanowski gestaltet, auch als Case Maclaim bekannt. Na ja, bekannt ist wohl relativ. Ich hatte noch nie von ihm gehört, aber immerhin hat er es zu einem eigenen Eintrag auf Wikipedia gebracht. Der Bildausschnitt auf dem Etikett zeigt, wie filigran Case sprayt. Damit passt das Bild gut zu den in der Regel gut komponierten Bieren aus Bayreuth.

Beim Artbeer #1 handelt es sich um ein Hoppy Strong Ale, so dass ich also ein kräftiges, schweres und ordentlich gehopftes Bier erwarte. Mal sehen, wie mir dieses Bier gefällt, bei dem bereits der Name aussagt, dass es sich um das erste einer Reihe handelt.

Golden mit einem ordentlichen Stich ins orange präsentiert sich das Bier im Glas. Dazu kommt eine leichte Hefetrübung, die mich aber noch sehen lässt, dass das Bier recht viel Kohlensäure enthält. Die Schaumkrone ist durchschnittlich groß, dabei aber cremig und mit langer Haltbarkeit. Optisch macht das Bier schon mal einen sehr guten Eindruck.

Das Aroma ist frisch und fruchtig. Düfte nach Zitrusfrüchten, Ananas, Mango und Himbeeren steigen mir in die Nase. Ich kann kaum glauben, dass diese frischen Aromen wirklich mit satten 9,5 Volumenprozenten Alkohol daherkommen. Jedenfalls bekomme ich richtig Lust auf den ersten Schluck.

Bereits beim ersten Kontakt des Bieres mit meiner Zungenspitze spiegeln sich die fruchtigen Aromen wider. Die Süße ist angenehm zurückhaltend. Während sich das Bier auf der Zunge verteilt nimmt die Fruchtigkeit noch zu und das Mundgefühl ist cremig und rund. Ich frage mich nur, wo sich denn die 38 Bittereinheiten verstecken. Die verstecken sich offensichtlich irgendwo hinter der ungeheuren Fruchtigkeit der Hopfensorten Mosaic und Citra und sie kommen erst im recht trockenen Abgang wirklich zum Vorschein. Auch der Geschmack des Alkohols meldet sich erstmals im Abgang, wo er aber gut eingebunden ist. Und wo wir schon beim Abgang sind: die Fruchtigkeit klingt noch ellenlang nach.

Das Artbeer #1 hat mich wirklich überrascht und auch überzeugt. Und wie immer gilt bei den Sondersuden: wenn weg dann weg.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Stammwürze:

19,3° Plato

Bittereinheiten:

38 IBU

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstaße 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Tarifrunde Brauwirtschaft 2021: Corona-Pandemie trifft die bayerische Brauwirtschaft schwer

Am 18.03.2021 beginnen die Tarifverhandlungen für die ca. 11.000 Beschäftigten der bayerischen Brauwirtschaft. Die Tarifrunde steht wie alles in dieser Zeit ganz im Zeichen von Corona. Die Pandemie hat die Branche hart getroffen. Die zu ihrer Eindämmung ergriffenen Maßnahmen führen zu schmerzhaften Umsatzverlusten der Brauereien. Existenzangst geht um. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Allein im Januar 2021 verloren Bayerns Brauereien im Vergleich zum Vorjahr über ein Viertel ihres Gesamtabsatzes – der stärkste in einem einzelnen Monat je gemessene Rückgang.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert eine Lohnerhöhung von 3,8 % im Gesamtvolumen bei einer tarifvertraglichen Laufzeit von 12 Monaten, um, wie sie schreibt, „Einkommen zu stärken, aber auch um Beschäftigung zu sichern“. Für die Brauereien in München und dessen Umland erwartet sie eine überproportionale Erhöhung der Zulage. Die Ausbildungsvergütungen sollen um EUR 60,00 pro Ausbildungsjahr steigen.

Diese geforderte Tariferhöhung ignoriert nach Ansicht des Bayerischen Brauerbundes, der die Interessen der Arbeitgeber vertritt, die dramatische Situation der Branche. Deren wirtschaftliche Lage hänge ganz entscheidend vom Absatzweg Gastronomie ab – die aber sei seit bald 5 Monaten erzwungenermaßen geschlossen.

Schon sähen Brauereien sich gezwungen, unverkäufliches Fassbier, das sein Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht, zu vernichten. Es gehe, so der Brauerbund, bayernweit um zigtausende Hektoliter. Auch die im vergangenen Jahr gänzlich ausgefallene Festsaison habe in den Büchern der Brauereien tiefe Spuren hinterlassen.

Die Gastronomie, Volksfeste sowie kleine und große Veranstaltungen aller Art seien für die Brauwirtschaft deutlich ertragsstärker als das von einem scharfen Wettbewerb geprägte Geschäft mit Flaschenbier im Handel. Das habe, so räumt Dr. Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des Brauerbundes, ein, zwar einen Teil der in der Gastronomie und auf den Volksfestplätzen verlorenen Absatzmengen wettmachen können. Die Umsätze aber seien eingebrochen: „Die Brauereien schreiben rote Zahlen“. Dazu trägt auch ein Einbruch der Bierexporte der bayerischen Brauwirtschaft infolge der Corona-Krise bei. Eilten Bayerns Brauer in den letzten Jahren von einem Exportrekord zum anderen, so mussten sie im vergangenen Jahr ein Export-Minus von 10% hinnehmen. Von den rd. 920.000 hl, die die deutsche Brauwirtschaft 2020 an Exportvolumen verloren hat, stammten 60% aus bayerischen Sudkesseln – rund 54 Mio. Maß!

Bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage dürfe zudem nicht übersehen werden, dass auch ausgefallene Miet- und Pachterträge für Gastronomieobjekte die Ergebnisse vieler Brauereien stark belasten, so der Brauerbund in München. Nach einer Lohnerhöhung zu Beginn der Krise im März 2020 sieht er für neuerliche Erhöhungen der Bezüge jetzt keine Spielräume, zumal eine Besserung der Lage sich nicht abzeichne. Um in der Krise überhaupt Arbeitsplätze erhalten zu können, würden viele Brauereien bis heute zum Instrument der Kurzarbeit greifen. Die Sicherung der Arbeitsplätze darf nach Ansicht des Brauerbundes jetzt durch überzogene Erwartungen an die Gehaltsentwicklung inmitten der schwersten Nachkriegskrise der Brauwirtschaft nicht gefährdet werden.

Der Bayerische Brauerbund erwartet daher für seine Mitgliedsunternehmen, dass die anstehenden Tarifverhandlungen dieser äußerst schwierigen Situation Rechnung tragen müssen.

Schneider Weisse – TAP1 – Meine helle Weisse

Nun hatte ich bereits längere Zeit kein Bier aus der Brauerei Schneider mehr verkostet. Heute ist es mal wieder so weit; vor mir steht das TAP1, „Meine helle Weisse“. Dieses Bier wurde bereits häufig ausgezeichnet, so dass ich eigentlich keinerlei Befürchtungen habe, dass es mich enttäuschen könnte. Hier die Auszeichnungen im Einzelnen:

  • Brussels Beer Challenge 2013: Goldmedaille
  • Australian International Beer Award 2013: Silber
  • Brussels Beer Challenge 2014: Silbermedaille
  • Brussels Beer Challenge 2015: Bronze
  • The International Brewings Awards 2015: Silber

Da kann ja eigentlich nichts schiefgehen, oder? Ich schenke mir also ein Glas ein.

Hellgelb, leicht hefetrüb und mit einer sehr aktiven Kohlensäure präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber ein wunderbar feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Optisch gefällt mir das Bier auf jeden Fall.

Das Bier duftet nach Toffee, Hefe und etwas Banane, unterstützt durch blumige und würzige Noten. Die Düfte nach Banane halten sich erstaunlich stark im Hintergrund und sind nicht so kräftig, wie ich es eigentlich von einem Weizen gewohnt bin. Aber gut, ich wechsle meine Biere bekanntlich so häufig, weil ich immer wieder etwas Neues kennenlernen will.

Die Kohlensäure sorgt für einen wirklich spritzigen Antrunk. Aber irgendwie bringt das Bier zunächst auch nicht viel mehr. Kurz darauf kommt eine leicht säuerliche Frische auf, wenn auch nicht so fruchtig wie bei den meisten Weizenbieren. Mir fehlt die Bananennote, die für Weizenbiere typisch ist. Der Abgang macht zunächst einen recht neutralen Eindruck, auch wenn im Nachklang eine gewisse Fruchtigkeit aufkommt, die auch endlich einige Bananennoten mitbringt.

Insgesamt bin ich von diesem Bier recht enttäuscht. Es hat nichts Falsches, aber auch keine Eigenschaften, die geeignet wären, mich zu begeistern. Will dieses Bier jedem gefallen? Wenn dem so wäre, ist es kein Wunder, dass ihm der Charakter fehlt. Das können die Brauer im bayrischen Kelheim wirklich besser. Ich habe bereits die meisten der Biere aus der Brauerei Schneider getrunken und sie haben mir alle besser gefallen.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen (Tradition, Saphir), Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Bittereinheiten:

14 IBU

Brauerei:

Schneider Weisse
G. Schneider & Sohn GmbH
93309 Kelheim
www.schneider-weisse.de