Schlagwort-Archiv: Bayern

Hofbräu München – Münchner Sommer

Als ich kürzlich in meinem Getränkemarkt war, bot das Unternehmen ein Sommerbier an. Mitten im Dezember. Trotzdem hat selbstverständlich eine der Flaschen sofort den Weg in meine Tasche gefunden, vor allem, weil ich der Meinung bin, dass die Saisonbiere meist besser sind als die Standardbiere. Jetzt will ich das Bier testen.

Im Glas zeigt das Bier ein kräftiges Goldgelb, eingetrübt durch die darin vorhandene Hefe. Darüber eine kräftige weiße Schaumkrone, die auch recht lange stehenbleibt. Der Duft wird vom Hopfen dominiert, dazu der Duft der Hefe und von Gewürzen. Insgesamt erinnert der Duft deutlich an ein Märzen.

Der Antrunk ist zwar intensiv, aber deutlich milder als es der Duft vermuten lässt. Dafür ist vermutlich die Hefe verantwortlich, die geschmacklich aber diskret im Hintergrund bleibt. Der lange Abgang ist mild bitter.

Doch, dieses süffige Bier erinnert sofort an warme Sommerabende in einem Biergarten in München.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Brauerei:

Staatliches Hofbräuhaus in München
Hofbräuallee 1
81829 München
http://www.hofbraeuhaus.com

Grüner – Vollbier hell

Nun wende ich mich mal wieder einem Bier aus Franken zu. Das Grüner Vollbier hell wird nicht mehr in der 1709 gegründeten Brauerei Grüner gebraut, die ihren Betrieb 1977 eingestellt wird, sondern seit 2011 in der Brauerei Tucher, die ebenfalls in Fürth ansässig ist.

Das untergärige Lagerbier ist im Glas goldgelb mit einer nicht allzu üppigen aber feinporigen Schaumkrone, die auch relativ lange erhalten bleibt. Dafür sorgt wohl auch die reichlich vorhandene Kohlensäure. Optisch hat Tucher also schon mal alles richtig gemacht. Der Duft ist vom Malz geprägt, während der Geruch des Hopfens eher zu erahnen ist. Wir können also schon mal von einem recht milden Bier ausgehen.

Diesen Eindruck unterstreicht auch der Antrunk. Zurückhaltend süß ist er, dabei aber kräftig. Auffällig ist der vollmundige und runde Geschmack, der auf eine sorgfältige Auswahl des Malzes schließen lässt. Auch der Körper ist wirklich lecker. Da der Hopfen eher zurückhaltend eingesetzt wurde, ist das Bier recht süffig. Der Abgang ist frisch, ebenfalls durch das Malz geprägt und erst jetzt kommt der Hopfen wirklich zu seinem Recht.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Brauerei:

Tucher Traditionsbrauerei
90763 Fürth
http://www.tucher.de

 

Frankenbräu – Pilsener

Pils macht etwa zwei Drittel der deutschen Bierproduktion aus. Grund genug also, mal wieder ein Bier Pilsener Brauart zu testen. Allerdings habe ich das Vorurteil, dass die Pilsener meist ziemlich ähnlich schmecken.

Irgendwie mag ich ja die Flaschen mit dem Bügelverschluss. Das könnte einerseits daran liegen, dass ich das Design mag, andererseits lässt sich die Flasche auch wieder verschließen, was vor Allem im Sommer hilfreich ist, wenn auf diese Weise die Insekten abgehalten werden. Vor allem bleibt das Bier aber auch frisch, wenn es nicht sofort ausgetrunken wird.

Nachdem ich bereits im ersten Absatz meine Bedenken geschrieben habe, ziehe ich hier mein Fazit vor: Dieses Bier ist etwas ganz besonderes. So etwas würde ich mir häufiger wünschen. Es ist einfach so, wie ich mir ein Bier aus Franken vorstelle.

Schon im Glas macht das Bier einen hervorragenden Eindruck. Goldgelb steht das Bier im Glas, darüber eine wunderbar feinporige Schaumkrone, die auch lange stehen bleibt. Das Bier duftet vielseitig nach Getreide, Hopfen und Früchten.

Auch der Geschmack überzeugt. Der Antrunk ist von Malz geprägt, unterstützt durch eine fruchtige Note. Dazu zeigt das Bier einen vollen Körper und deutliche Hopfennoten im Abgang. So schmeckt Franken.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Brauerei:

Franken Bräu
96268 Mitwitz im Frankenwald
http://www.frankenbraeu.de

Zombräu – Blutweisse

Mir gefällt ja die Philosophie der beiden Brauer aus Mirskofen, die sie auf ihrer Homepage zusammenfassen: „Was bereits tot ist, kannst du nicht mehr umbringen! Craft Beer ist kein neues Phänomen, sondern existiert schon seit hunderten von Jahren. Aber mit der industriellen Revolution und der Industrialisierung des Bieres wurden innovative in Handarbeit gebraute Schätze niedergemetzelt und durch Standardbier ersetzt. Gesichtsloses, wässriges Lager, das die Leute nur trinken, weil sie glauben, das müsse so schmecken. Aber sie irren sich gewaltig!“ Die Biere von Tobias und Bastian, die ich bislang verkostet habe, haben bereits bewiesen, dass die beiden die Ansprüche, die sie in ihrer Darstellung formulieren, durchaus erfüllen. Daher freue ich mich auf diesen Biertest.

Vor mir steht jetzt die Blutweisse, ein rotes Weizenbier, das vollkommen ohne Weizen auskommt. Wie das geht? Er wurde einfach durch Dinkel ausgetauscht. Dinkel ist ein enger Verwandter des Weizens, einige Quellen sagen auch, dass der Weizen aus dem Dinkel gezüchtet wurde. Tatsächlich sind die beiden Getreidearten so eng miteinander verwandt, dass sie sich sogar kreuzen lassen. Da der Dinkel zumindest im Brot verbacken intensiver schmeckt als Weizen erwarte ich jetzt ebenfalls eine Geschmacksexplosion. Wikipedia schreibt sogar, dass Dinkel auch von Weizenallergikern vertragen wird. Ich weiß zwar nicht, ob diese Menschen auch auf Weizenbier reagieren, aber falls ja, ist die Blutweisse für diese Personen sicher eine Alternative. Wenn Sie von einer Weizenallergie betroffen sind, sollten Sie das aber vor einem Selbstversuch noch genau abklären. Aber genug der Theorie, jetzt ist es an der Zeit, das Glas zu füllen.

Und wirklich – rot mit einem Braunstich und ist leicht hefetrüb. Die durchschnittlich große Schaumkrone ist fest, hat einen leichten Elfenbeinton und bleibt lange erhalten. Optisch ist das Bier schon mal perfekt.

Ein sattes Getreidearoma steigt mir in die Nase, zusammen mit Karamell- und fruchtigen Aromen nach Banane sowie einigen würzigen Noten. Ich meine Düfte nach Pfeffer und Gewürznelken wahrzunehmen. Das runde Aroma macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist leicht süß, dabei intensiv. Die Kohlensäure ist sehr feinperlig und sanft. Die Rezenz ist cremig, Malze und Banane bestimmen den Geschmack auf der Zunge. Der Abgang ist wenig bitter, aber er klingt lange nach.

Die Blutweisse hat meine Erwartungen vollkommen erwartet. Sie hat Charakter, ist rund und ausgewogen. Schade, dass es dieses Bier im Ruhrpott nicht zu kaufen gibt; es würde sonst sicher häufiger meinen Kühlschrank bevölkern. Außerdem wird die Blutweisse in 0,33 l-Flaschen geliefert, so dass ich mein kleines Weizenbierglas häufiger mal verwenden könnte.

Zutaten:

Wasser, Dinkelmalz, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Cara50, Cara100, Melanoidinmalz, Special W®), Hopfen (Perle)

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Stammwürzegehalt:

14° Plato

Bittereinheiten:

11 IBU

Brauerei:

Zombräu
Obere Sendlbachstr. 19
84051 Mirskofen
www.zombraeu.com

Löwenbrauerei Passau – Urtyp Hell

Nun habe ich ein Bier aus einer regionalen Brauerei in Niederbayern vor mir stehen, das Urtyp Hell aus der Löwenbrauerei in Passau. Dieses Bier wurde mehrfach prämiert, es erhielt den European Beer Star in Gold 2009 + 2010 und wurde 0012 mit World Beer Cup in Gold ausgezeichnet. Ich kann meine Erwartungen also hochschrauben.

In einem intensiven leuchtenden Gold mit einer leicht überdurchschnittlichen Menge Schaum, der auch lange erhalten bleibt, präsentiert sich das Bier im Glas. Dazu sehe ich reichlich Kohlensäure. Optisch hat die Brauerei also schon mal alles richtiggemacht.

Das Aroma ist durch Karamell und Toffee geprägt. Ich habe hier ein Bier vor mir, das durch das verwendete Malz geprägt ist. Ich erwarte aufgrund des Aromas ein recht mildes Bier.

Der Antrunk ist spritzig und nur leicht süß. Dann kommt der intensive Körper mit seinem Volumen zum Vorschein. Auch hier dominiert das Malz und es sind kaum saure und bittere Noten festzustellen. Bitterstoffe zeigen sich erst im Abgang, aber auch dort mild und sie halten auch nicht allzu lange an.

Das Urtyp hell aus Passau ist ein schönes Bier, das man gut zum Feierabend genießen kann.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Stammwürze:

11,6° Plato

Brauerei:

Löwenbrauerei Passau AG
94032 Passau
www.loewenbrauerei.de

Erdinger – Pikantus

Nachdem ich vor einigen Tagen einen Weizenbock von Schneider verkostet habe und er mir ausnehmend gut gefallen hat, will ich jetzt gleich ein weiteres Bier diesen Stils testen, wenn auch eines mit einem deutlich niedrigeren Preis. Vor mir steht ein Erdinger Pikantus. Auffällig ist bereits das Rückenetikett, auf dem die Zutatenliste in immerhin sechs Sprachen abgedruckt ist, was darauf hinweist, dass ein recht großer Anteil dieses Biers exportiert wird. Die Zutatenliste enthält auch Röstmalzbier. Das ist eine Zutat, bei der ich immer misstrauisch werde. Nun ist Röstmalzbier (auch Farbebier genannt) nichts per se schlechtes. Schließlich handelt es sich um ein sehr starkes und sehr konzentriertes Bier, so stark, dass es in der Form, in der es an die Brauereien verkauft wird, nicht trinkbar ist. Röstmalzbier ist auch nichts grundsätzlich Schlechtes. Aber da es dazu dient, aus einem Bierstil (in diesem Falle heller Weizenbock) zwei zu machen (in diesem Fall wird aus dem hellen Weizenbock durch eine relativ geringe Menge Röstmalzbier ein dunkler Weizenbock). Röstmalzbier gilt aber Bier, und da ein Verschnitt mehrerer Biere in Deutschland nicht gekennzeichnet werden muss, rechne ich es der Brauerei Erdinger durchaus positiv an, dass sie diesen Trick angibt. Überhaupt die Transparenz. Hier ist Erdinger vorbildlich, ich meine sogar, dass an diesem Punkt übertrieben wird. Dass 100 ml dieses Weizenbiers 0,32 Broteinheiten enthalten ist für Diabetiker noch eine wichtige Information, aber dass in der gleichen Menge Bier 2,0 mg Salz enthalten sind, dürfte für niemanden interessant sein. Aber gut, lieber etwas zu viel als zu wenig. Kommen wir nun zum Bier.

Sehr dunkel Rotbraun und fast blickdicht präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber relativ wenig feinporiger hellbrauner Schaum, der sich recht schnell auflöst.

Das Aroma wird durch Karamellnoten geprägt, dazu meine ich, den Duft von Trockenpflaumen sowie einige würzige Noten festzustellen.

Beim Antrunk zeigt sich, dass das Bier reichlich feinperlige Kohlensäure enthält, die dem Bier eine angenehme Spritzigkeit verleiht. Außerdem ist das Bier nur wenig süß und enthält deutlich weniger Zucker als ich erwartet hätte. Der Körper präsentiert viele Röststoffe und nur wenig Bitter. Mir fehlt hier etwas Säure. Der Abgang ist dann überraschend mild und der Geschmack bleibt nicht allzu lange enthalten.

Die Brauerei preist das Bier als Aperitif an. Ich meine, dass es dafür noch etwas mehr Aromenvielfalt bieten müsste. Es ist aber sicher kein schlechter Begleiter für einen Grillabend.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Röstmalzbier, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,3 % Vol.

Stammwürze:

16,7° Plato

Brauerei:

Erdinger Weissbräu
Werner Brombach GmbH
85435 Erding
www.erdinger.de

Leikeim – Steinbier

Steinbier gehört zu den seltenen Bierspezialitäten. Es wird mit obergäriger Hefe gebraut. Dabei handelt es sich vermutlich um die älteste Braumethode. Da es keine Metallgefäße gab, war das indirekte Kochen die einzige Möglichkeit, große Wassermengen zu kochen. Dafür wurde ein Loch in der Erde ausgehoben, mit Steinen ausgekleidet und mit Holz aufgefüllt. Das Holz wurde entzündet und es wurden Steine daraufgelegt, die sich durch das Feuer auf bis zu 1000° C erhitzten. Die heißen Steine wurden mit Zangen in die Bierwürze gegeben und diese dadurch zum Kochen gebracht. Durch die Hitze öffneten sich in der Oberfläche der Steine Poren, in denen der Malzzucker karamellisierte. Auf diese Weise erhält das Steinbier seinen karamellartigen und leicht rauchigen Geschmack. Heute wird Steinbier in Franken, Baden-Württemberg und Salzburg gebraut. Heute steht vor mir das Steinbier von Leikeim in Altenkunstadt in Franken. Mal sehen, wie es sich so macht.

Die Brauerei verspricht schon mal viel. Die für das Bier verwendete Gerste wurde in Franken angebaut und auch regional gemalzt. Die Aroma-Hopfen stammen aus Spalt und der Hallertau. Das Wasser kommt aus dem betriebseigenen Brunnen und die Hefe wird in der eigenen Reinzuchtanlage gezüchtet. Wir können uns also auf ein Bier freuen, das einzigartig ist.

Schon optisch macht das Bier einen hervorragenden Eindruck. Bernsteinfarben mit einer großen weißen cremigen Schaumkrone präsentiert es sich im Glas. Der Schaum bleibt auch lange erhalten.

Das Aroma wird durch Karamell dominiert; das Bier dürfte also recht süß sein. Die Hopfennoten bleiben diskret im Hintergrund und sind kaum festzustellen. Aber gut, die Karamellisierung ist ja ein Merkmal des Steinbiers.

Wie erwartet ist der Antrunk recht süß, was zusammen mit der sehr feinperligen Kohlensäure aber durchaus angenehm ist. Überhaupt bleibt das Karamell die wichtigste Geschmacksnote. Auf der Zunge kommt noch eine leichte Fruchtigkeit dazu. Erst im Abgang kommt erstmals ein leichtes angenehmes Bitter zum Vorschein, das aber nur kurz nachklingt.

Das Leikeim Steinbier ist ein sehr angenehmes Bier für alle, die sehr milde Biere mögen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Brauerei:

Brauhaus Leikeim
Gewerbegebiet 4
96264 Altenkunstadt
www.leikeim.de

Schneider Weisse – TAP3 – Mein Alkoholfrei

Langsam kündigt der Mai an, sich von seiner schönen Seite zu zeigen, um seinem Ruf als Wonnemonat gerecht zu werden. Da passt es doch, dass nun wieder einmal die Verkostung eines alkoholfreien Biers ansteht, des TAP3 Mein Alkoholfreies von Schneider Weiße. Nicht umsonst haben besonders die alkoholfreien Weizenbiere ihren Ruf, nach sommerlichen Aktivitäten die durch den Schweiß verlorengegangenen Reserven des Körpers wieder aufzufüllen. Das Problem ist bei vielen alkoholfreien Bieren aber der Geschmack. Da Alkohol ein Geschmacksträger ist, leidet beim Entzug des Alkohols auch der Geschmack, weshalb viele alkoholfreie Biere recht wässrig schmecken. Ich kenne nur wenige alkoholfreie Biere, die ich mit gutem Gewissen empfehlen kann. Der Brauerei Schneider würde ich es aber zutrauen, ein gutes alkoholfreies Weizenbier zu brauen. Darin bestärkt mich auch die Stiftung Warentest, die das TAP3 im Mai 2010 als bestes alkoholfreies Weißbier ausgezeichnet hat. Gleich werde ich wissen, ob ich der Brauerei zu viel zugetraut habe.

Bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Beim Einschenken bildet sich sehr viel fester weißer Schaum, der sehr langsam in sich zusammenfällt. Es ist also sinnvoll, das Bier langsam einzuschenken und dabei das Glas schiefzuhalten, sonst kann sich der Konsument auf eine lange Wartezeit einstellen, bis sich der Schaum aufgelöst hat. Aber optisch ist an dem Bier nichts auszusetzen und wenn der Geschmack so gut ist wie die Optik…

Das Bier duftet angenehm nach Getreide, nach Banane, Hefe und Honig. Dann ist da noch ein leichtes anderes Aroma, es könnte sich um den Duft gekochter Maiskolben handeln. Ungewöhnlich, aber nicht schlecht. Da bekomme ich Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist frisch und nicht zu süß. Leider enthält das Bier nur relativ wenig Kohlensäure, die dafür aber recht feinperlig ist. Keinesfalls sprudelt das Bier auch nur annähernd so kräftig wie auf der Abbildung auf der Produktseite in Schneiders Website. Aber eines lässt sich nicht abstreiten – der Antrunk ist schon mal sehr angenehm. Aber dann verteilt sich das Bier im Mund. Es ist ausgeglichen und mild, aber leider auch ohne Ecken und Kanten, daher ohne Charakter. Wie bei den meisten alkoholfreien Bieren wird der Geschmack etwas dünn. Auch der Abgang ist sehr neutral, mit wenig Bitter und praktisch ohne Nachklang.

Dieses Bier ist nicht schlecht, aber wenn ich es noch einmal trinke, als ersten Durstlöscher, bevor ich zu einem anderen Weizen übergehe.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Gärungskohlensäure, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

< 0,5 %

Stammwürze:

6,5 %

Brauerei:

Schneider Weisse
G. Schneider & Sohn GmbH
93309 Kelheim
https://schneider-weisse.de

Härle – Lager Hell

Bundesweit bekannt geworden ist die kleine Brauerei Clemens Härle aus dem Allgäu durch eine Abmahnung des Verbandes Sozialer Wettbewerb, in der dieser Abmahnverein forderte, dass die Brauerei erklären soll, dass sie nicht mehr behaupten wird, dass ihr Bier bekömmlich sei. Gegen diese Abmahnung wehrt sich die Brauerei und der Fall wird demnächst vor dem Oberlandesgericht Stuttgart verhandelt. Seit ich von diesem Rechtsstreit gehört habe, habe ich mich gefragt, ob das Bier dieser privaten Brauerei wirklich nicht bekömmlich ist oder ob es sich bei dieser Abmahnung, die im Übrigen auch vom Landgericht Ravensburg bestätigt wurde, um eine für den normalen Menschen nicht nachvollziehbare Rechtsauslegung handelt. Nun ist es mir erstmals gelungen, ein Bier aus Leutkirch zu erwerben und bin damit nun endlich in der Lage, den Test am eigenen Leib durchzuführen.

Ein prüfender Blick auf die Etiketten zeigt mir, dass die Brauerei jetzt nicht mehr mit dem Versprechen der Verträglichkeit wirbt. Ich sehe aber, dass es sich hier nicht nur um ein EU-Bio-Produkt handelt, sondern dass es sich m ein Bioland-Bier handelt. Außerdem erfahre ich, dass die Rohstoffe für dieses Bier regional eingekauft werden. Dabei dürfen wir den nicht geschützten Begriff „regional“ nicht zu eng auslegen, da sowohl Braugerste als auch Hopfen nur in bestimmten Gegenden Deutschlands angebaut werden und im Fall der Gerste auch die Lage der Mälzerei zu berücksichtigen ist. Wirklich neugierig macht mich aber der folgende Hinweis: „100% klimaneutral gebraut“. Da muss ich doch gleich einmal einen Blick auf die Website der Brauerei werfen.

Dort finde ich drei Infos, die zu dieser Aussage führen:

Zum Beispiel beim Einsatz von Energie: Seit Anfang 2009 setzet die Brauerei ausschließlich erneuerbare Energieträger ein – also Holzhackschnitzel aus der Region und Strom aus Wasserkraft, Wind, Biomasse und Sonne. Damit ist Härle nach eigenen Angaben die erste Brauerei in Deutschland, die ihre Biere zu 100% klimaneutral herstellt und vertreibt. Zum Beispiel in im Fuhrpark: seit April 1998 werden die Lastkraftwagen und PKWs mit Biodiesel betankt. Zum Beispiel beim Verbrauch von Wasser: mit Hilfe zahlreicher Investitionen hat die Brauerei den betrieblichen Frischwasserverbrauch auf ein Minimum reduziert.

Aber kommen wir zum Bier.

Leuchtend gelb und leicht hefetrüb steht das Bier im Glas, dazu reichlich Kohlensäure sowie eine durchschnittliche Menge größtenteils feinporiger Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Optisch passt also schon mal alles.

Das Aroma wird durch den Karamellduft des Malzes geprägt, unterstützend meine ich auch das Aroma heller Früchte wahrzunehmen.

Der Antrunk ist spritzig und nur leicht süß, Der Körper ist ausgewogen bitter und Säure ist nur sehr dezent feststellbar. Der Abgang ist mild und klingt mittellang nach.

Das Bier ist eigentlich nicht schlecht. Ich kann keinen Fehler feststellen. Irgendwie scheint dieses Bier wirklich jedem gefallen zu wollen, denn ich bemerke auch keine Ecken und Kanten und damit auch keine Highlights – weder im Duft noch im Geschmack.

Eines muss ich dem Bier aber noch bescheinigen – es ist bekömmlich, denn mir geht es nach dem Genuss einer Flasche nicht schlechter als vorher. Mehr sagt der Begriff lt. Duden ja auch nicht aus.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,7 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Clemens Härle
88299 Leutkirch
www.haerle.de

Zombräu – Hopfenzupfer

Und wieder einmal steht ein Bier aus der niederbayerischen Brauerei Zombräu vor mir. Der Hopfenzupfer stammt aus der Reihe Mirskofener Mutation. Unter diesem Namen vertreiben die beiden Brauer saisonale und experimentelle Biere, die nur einmal gebraut werden. Wenn sie weg sind, sind sie weg und dieses spezielle Bier wird nie wieder in dieser Form gebraut. Eine Besonderheit dieses Festbieres sei aber auch nicht verschwiegen: es wurde mit frischem Doldenhopfen aus dem eigenen Anbau der Brauer gebaut und mit ebenfalls frischem Hopfen aus der Hallertau kaltgehopft.

Intensiv golden mit minimaler Hefetrübung und viel Kohlensäure präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge größtenteils feinporiger Schaum.

Im Duft mischen sich Karamellaromen mit fruchtigen Noten nach Limone und einem Hauch würziger Düfte. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist mäßig süß, dabei auch frisch und fruchtig. Die Fruchtigkeit nach Zitrus bleibt auch dominant, als ein leichtes freundliches Bitter dazukommt. Das Bier macht auf der Zunge einen ausgewogenen, runden und süffigen Eindruck. Der Abgang ist mild bitter mit einem langen Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Stammwürze:

14° Plato

Brauerei:

Zombräu
Obere Sendlbachstr. 19
84051 Mirskofen
www.zombräu.de