Während sich in den Sommermonaten die Biergärten, Straßencafés und Restaurantterrassen in ganz Europa füllen, steht die europäische Brauwirtschaft weiterhin vor großen Herausforderungen. Der neue Bericht „European Beer Trends 2026“ von The Brewers of Europe zeigt: Sowohl Bierproduktion als auch Bierkonsum sind im vergangenen Jahr erneut zurückgegangen. Gleichzeitig entwickelt sich alkoholfreies Bier immer mehr zu einem wichtigen Standbein der Branche.
Produktion und Konsum gehen weiter zurück
Nach den aktuellen Zahlen sank die Bierproduktion in der Europäischen Union im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozent. Der Bierkonsum verringerte sich sogar um 3,2 Prozent. Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits seit mehreren Jahren zu beobachten ist.
Verglichen mit dem Jahr 2019 ist die Bierproduktion inzwischen um 8,6 Prozent zurückgegangen, während der Verbrauch um 9,2 Prozent sank. Als wesentliche Gründe nennt der Branchenverband die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit sowie eine zurückhaltende Ausgabenbereitschaft vieler Verbraucherinnen und Verbraucher.
Alkoholfreies Bier bleibt auf Wachstumskurs
Ganz anders entwickelt sich dagegen das Segment der alkoholfreien Biere. Im Jahr 2025 legte der Absatz um 5,9 Prozent zu. Seit 2020 beträgt das Wachstum sogar mehr als 38 Prozent.
Inzwischen ist bereits jedes zwölfte in der Europäischen Union konsumierte Bier alkoholfrei. Die Brauereien reagieren damit auf den Wunsch vieler Konsumenten nach bewussterem Genuss und einem moderateren Alkoholkonsum. Gleichzeitig investieren zahlreiche Betriebe in neue Brauverfahren und Rezepturen, um die Qualität alkoholfreier Biere kontinuierlich zu verbessern.
Hoffnung für Gastronomie und Biergärten
Erfreuliche Nachrichten gibt es auch für die Gastronomie. Nachdem der Bierkonsum in Kneipen, Bars und Restaurants über Jahre hinweg kontinuierlich an Bedeutung verloren hatte, zeigt sich 2025 erstmals wieder eine Stabilisierung. Zwar unterscheiden sich die Entwicklungen je nach Land deutlich, dennoch sehen die europäischen Brauer darin ein positives Signal für das Gastgewerbe.
Gerade in den Sommermonaten profitieren Biergärten, Außengastronomie und Restaurants traditionell von der hohen Nachfrage. Bier bleibt damit ein wichtiger Bestandteil der europäischen Genuss- und Wirtshauskultur.
Europas Brauereien bleiben ein wichtiger Wirtschaftsfaktor
Trotz der schwierigen Marktlage zählt die Brauwirtschaft weiterhin zu den bedeutenden Agrar- und Lebensmittelbranchen Europas. Rund 10.000 Brauereien produzieren derzeit in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Gemeinsam sichern sie etwa zwei Millionen direkte und indirekte Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Landwirtschaft über die Brauereien bis hin zu Gastronomie und Tourismus.
Nach Angaben von The Brewers of Europe erwirtschaftet die Branche jährlich rund 52 Milliarden Euro an Wertschöpfung.
Exporte auf dem niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren
Sorgen bereitet den Brauereien auch das Exportgeschäft. Die Ausfuhren europäischer Biere gingen 2025 auf den niedrigsten Stand seit 2014 zurück. Damit verliert ein wichtiger Absatzmarkt weiter an Dynamik, während gleichzeitig viele Brauereien mit steigenden Kosten und einem rückläufigen Inlandskonsum konfrontiert sind.
Wandel statt Stillstand
Der aktuelle Bericht zeigt deutlich, dass sich Europas Brauereien in einem tiefgreifenden Wandel befinden. Sinkender Bierkonsum, wirtschaftliche Unsicherheiten und schwächere Exportmärkte setzen die Branche unter Druck. Gleichzeitig entstehen neue Chancen – insbesondere durch alkoholfreie Biere und innovative Produkte, die den veränderten Erwartungen der Verbraucher gerecht werden.
Ob klassische Brauerei oder Craftbier-Betrieb: Die europäische Bierlandschaft bleibt vielfältig und innovativ. Auch wenn die Gesamtzahlen derzeit rückläufig sind, investiert die Branche weiterhin in neue Ideen und arbeitet daran, Bier als wichtigen Bestandteil der europäischen Genuss-, Gastronomie- und Braukultur für die Zukunft zu erhalten.
Quelle: Pressemitteilung der Brewers of Europe