Der Blick auf nackte Zahlen macht selten gute Laune – das gilt auch für die in dieser Woche veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamts zum Bierabsatz 2025. Bundesweit ist der Absatz weiter gesunken, erstmals deutlich unter eine Marke, die lange als selbstverständlich galt. Auch Baden-Württemberg bleibt von dieser Entwicklung nicht verschont: Der Inlandsbierabsatz ging hier um 5,2 Prozent zurück, etwas weniger als im Bundesdurchschnitt, aber eben doch spürbar.
Gleichzeitig zeigt sich eine andere Bewegung, die längst mehr ist als eine Randnotiz: Alkoholfreies Bier gewinnt weiter an Bedeutung. Rund zwölf Prozent Marktanteil erreicht diese Kategorie inzwischen im Südwesten, bundesweit sind es etwa zehn Prozent. Weniger Bier insgesamt – aber differenzierter, bewusster und offenbar gezielter konsumiert.
Für den Baden-Württembergischen Brauerbund sind diese Zahlen kein Anlass für Schönfärberei, sondern für Einordnung. Geschäftsführer Hans-Walter Janitz spricht offen von einer Herausforderung, betont aber zugleich, dass Bier mehr sei als eine Statistik. Es stehe für Gemeinschaft, handwerkliche Qualität und für Genussmomente, die Menschen zusammenbringen. Tatsächlich sei der Absatz gegen Ende des Jahres wieder leicht angezogen, was zumindest auf eine gewisse Stabilisierung hoffen lasse.
Als Ursachen für den Rückgang nennt der Verband weniger einen plötzlichen Kulturwandel als vielmehr eine Mischung aus Kaufzurückhaltung und äußeren Einflüssen. Das Wetter spielte 2025 eine größere Rolle, als vielen lieb war – Stichwort Kaltfront im August. Wer Bier lebt, weiß: Ein verregneter Sommer hinterlässt nicht nur nasse Schuhe, sondern auch leere Biergärten.
Trotzdem dominiert im Südwesten kein Abgesang, sondern ein bodenständiger Optimismus. Janitz vergleicht die Situation augenzwinkernd mit dem Fußball: Gerade wenn es nicht läuft, zeigt sich wahre Treue. Und davon lebt die regionale Bierkultur. Baden-Württemberg sei ein Genießerland, geprägt von regionaler Vielfalt, Brauchtum und Geselligkeit. Veranstaltungen wie die schwäbisch-alemannische Fasnet seien dafür ein gutes Beispiel – bunt, gemeinschaftlich und kulinarisch tief verwurzelt.
Auch das Thema Verantwortung spart der Brauerbund nicht aus. Genuss und Maß schließen sich nicht aus, im Gegenteil. Schon Paracelsus wusste: Die Dosis macht das Gift. Niemand müsse verzichten, niemand übertreiben. Entscheidend sei ein bewusster Umgang – und Selbstverständlichkeiten wie „Don’t drink and drive“ gehören weiterhin dazu.
Unterm Strich bleibt festzuhalten: Der Bierabsatz sinkt, die Bierkultur nicht. Sie verändert sich, wird vielfältiger und vielleicht auch ein Stück erwachsener. Die Herausforderungen sind real, aber ebenso real ist die Leidenschaft für gutes, regionales Bier. Oder, um es fränkisch-schwäbisch gelassen zu sagen: Mund abputzen, Glas heben, weitermachen. Nach dem Bier ist schließlich vor dem Bier.
Quelle: Pressemitteilung des Baden-Württembergischer Brauerbund e.V.