Schlagwort-Archiv: Bayern

Löwenbräu – Triumphator

Eigentlich sieht die nächste Flasche Bier, die ich testen möchte, ganz harmlos aus. Es handelt sich um den Triumphator aus der Münchener Löwenbrauerei. Aber bereits der erste Blick auf das Etikett lässt erahnen, dass es sich hier um ein ungewöhnliches Bier handelt, um einen dunklen Doppelbock mit satten 7,6 % Alkohol und einer Stammwürze von 18,2 %. Das weckt doch wirklich Hoffnungen. Gießen wir uns also ein Glas ein.

Tiefschwarz wie die bayrische Landesregierung fließt das Bier aus der Flasche. Selbst als ich das Glas gegen das Licht halte, kommt nur ein schwacher Schein roter Farbe durch die Schwärze. Darüber ein feinporiger hellbrauner Schaum, der lange erhalten bleibt. Dazu der intensive Duft nach Malz, Karamell, dunkler Schokolade und – zurückhaltend – nach schwarzer Johannisbeere. Malz und die dazu gehörende Süße dominieren den Antrunk. Dazu kommt der der intensive Karamellgeschmack. Der Abgang ist frisch mit einer guten Portion Hopfen. Wir haben hier sicher kein Bier der absoluten Oberklasse vor uns, aber zu dem Preis wird sich schwerlich ein besseres Bockbier finden lassen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

7,6 % Vol.

Stammwürze:

18,2 %

Brauerei:

Löwenbräu AG
80335 München
http://www.loewenbraeu.de/

Altstadtbrauerei – 500 SL 2017

Nun steht ein Sondersud aus der Hausbrauerei Altstadthof in Nürnberg vor mir. Das 500 SL wurde 2016 erstmals im Gedenken an das 500jährige Bestehen des Reinheitsgebots gebraut und in diesem Jahr gab es einen Sondersud dieser Kreation, der auf 500 Flaschen limitiert ist.

Auf dem Etikett verspricht dieses Bier schon mal viel: „Das 500 SK besticht durch Eleganz und eine fantastische fruchtige Note. Es entwickelt eine Dynamische Aromatik und entführt Sie auf eine Fahrt mit offenem Verdeck durch die Hopfenlandschaft Eckental-Herpersdorf. Das rote Spezialmalz sorgt für den Kraftvollen Körper, der durch eindrucksvolle fünf Flavour-Hopfen veredelt und getunt wird. Unser B®aumeister hat einen Typus geschaffen, der traditionell gebraut und doch zeitgemäß anmutet und alle gehobenen Ansprüche im Detail erfüllt. Spritzig, geschmeidig, kraftvoll und erfrischend anders.“

Die Brauerei verspricht also ziemlich viel und jetzt will ich mal prüfen, ob die Versprechungen auch eingehalten werden.

Zumindest was die Optik betrifft hat die Brauerei nicht zu viel versprochen. Kupferrot und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich sehr viel weißer sahniger Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Wenn der Geschmack genauso gut ist wie die Optik, hat die Brauerei wirklich nichts falsch gemacht. Irgendwie war das ja auch zu erwarten, denn Rotbier können die Nürnberger ja wirklich brauen.

Im Aroma kämpft der Duft des Malzes mit dem Duft roter Johannisbeeren und von Vanille. Die Brauerei verspricht auch das Aroma wilder Stachelbeeren, die ich allerdings nicht riechen kann. Das mag auch daran liegen, dass ich Stachelbeeren ausschließlich als Kulturpflanze kenne. Aber auf jeden Fall duftet das Bier intensiv und sehr fruchtig. Ich kann den ersten Schluck kaum erwarten.

Auch der Antrunk ist sehr fruchtig und dabei recht süß. Dazu kommt die sehr feinperlige Kohlensäure, von der ich mir aber doch etwas mehr erhofft hätte. Die Fruchtigkeit bleibt auch erhalten, während sich das Bier auf der Zunge verteilt. Jetzt kommt neben den Johannisbeeren noch eine andere, süßere Frucht zum Vorschein, die ich allerdings nicht identifizieren kann. Ob das die wilde Stachelbeere ist? Egal, auf jeden Fall macht das Bier einen vollen und runden Eindruck. Der Abgang ist kurz bitter. Der bittere Eindruck lässt aber sehr schnell nach und wird durch einen leichteren milden Nachklang abgelöst, der lange erhalten bleibt.

Im 500 SL 2017 zeigt sich die fränkische Braukunst von ihrer schönsten Seite.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Naturhopfen (Tradition, Saphir, Blanc, Select), Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Hausbrauerei Altstadthof
Bergstr. 19/21
90403 Nürnberg
https://www.hausbrauerei-altstadthof.de/

Benediktiner Hell

Nun steht mal wieder ein Bier aus der zur Bitburger-Gruppe gehörenden Licher Brauerei vor mir, das dort im Auftrag und unter Aufsicht der Mönche des Benediktinerklosters in Ettal gebraut wurde. Diesmal handelt es sich um das Helle. Ich habe bereits das naturtrübe Hefeweißbier verkostet, bei dem mein Eindruck etwas durchwachsen war. Daher bin ich jetzt gespannt, wie mir das Helle gefällt.

Eine sehr schön satte goldene Farbe hat das Bier, aber leider ist nur sehr wenig Kohlensäure zu sehen. Daher bildet sich auch recht wenig feinporiger Schaum, der jedoch recht lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist malzig-mild nach Karamell und enthält nur wenige würzige Noten.

Der Antrunk ist spritzig und voll und jetzt zeigt sich, dass dieses Bier erheblich mehr Kohlensäure enthält als ich gesehen habe. Schnell kommt ein mildes Bitter dazu, das sich auch bis zum recht kurzen Abgang erhält.

Das Benediktiner Hell ist ein gutes Bier für die Freunde der milden Biere.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,0 %

Stammwürze:

11,5 % Vol.

Brauerei:

Licher Privatbrauerei Jhring-Melchior GmbH
In den Hardtberggärten
35423 Lich
www.licher.de

für

Benediktiner Weißbräu GmbH
Kaiser-Ludwig-Platz 1
82488 Ettal
www.benediktiner-weissbier.de

Riegele – Augustus 8

Und wieder steht eine Brauspezialität aus Franken vor mir, der Weizenbock Augustus 8 aus der Biermanufaktur Riegele in Augsburg. Schon das Etikett macht neugierig, wirbt es doch mit einem „fruchtigen Aromenspiel“ und der Empfehlung des Weltmeisters der Biersommeliers Sebastian B. Priller. Ungewöhnlich sind auch die Flaschengröße von 0,66 l und der hohe Alkoholgehalt von 8 %. Interessanter ist aber das Rückenetikett, auf dem das Bier genau beschrieben wird. Sogar die beiden verwendeten Hopfensorten werden genannt. Die Sorte Hallertauer Perle ist sowohl bei den Brauern als auch bei den Hopfenbauern beliebt (so schreibt zumindest ein Hopfenhändler im Internet). Sie verbindet einen ordentlichen Alphasäuregehalt mit gutem Aroma und gibt dem Bier einen vollen und fruchtigen Geschmack. Die Aromen sind würzig und enthalten Zeder und Orange. Die Sorte ist eine relativ neue Aromasorte mit einem guten Aroma, würzig und mit feiner Zitrusnote. Würzige und Zitrusaromen sind hervorstechend. Diese Hopfensorte empfiehlt der Handel für Lagerbiere, Ales, Weizen und Kölsch. Dann noch zwei unterschiedliche Malzsorten, das Pilsener Malz (der Name sagt wohl bereits alles über die Verwendung dieses Malzes) und das Münchner Malz, ein Gerstenmalz, das eine stärker färbt als Pilsener Malz. Es wird für malzige dunklere Biere verwendet. Zusätzlich bringt das Münchner Malz ein ausgeprägteres Aroma mit und sorgt auf diese Weise für einen intensiveren Geschmack. Aber genug der Theorie, schenken wir das Bier ein.

Rotbraun und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die Farbe wird vermutlich nicht meine Lieblingsfarbe werden, aber wichtiger als die Farbe sind beim Bier bekanntlich Duft und Geschmack. Über zeigt sich eine feinporige und üppige Schaumkrone, die ihresgleichen sucht. Der Duft ist einfach umwerfend. Das war aber auch nicht anders zu erwarten, da sich hier gleich zwei Aromahopfen die Ehre geben. Aus der üppigen Fruchtigkeit des Duftes stechen vor allem die Zitrusaromen heraus, unterstützt vom Duft reifer Bananen und der Malzaromen. Dass mir die Farbe des Bieres nicht ganz so gefallen hat, ist an dieser Stelle bereits vergessen.

Jetzt ist es aber Zeit, dass auch die Zunge ihre Eindrücke mitteilen kann. Nehme ich also den ersten Schluck. Der Antrunk überzeugt mit einer feinen Süße, die eine ungeahnte Fruchtigkeit mit sich bringt. Es ist kaum vorstellbar, dass dies ein Bier ist, das den Beschränkungen des deutschen Reinheitsgebots unterliegt. Bereits der erste Gechmackseindruck weist darauf hin, dass ich es hier mit einem der ganz großen deutschen Biere zu tun habe. Der Körper ist von reichhaltigen Aromen geprägt, dabei sehr vollmundig. Die Süße, eine leichte Bitterkeit und der Geschmack der 8.0 % Alkohol sind hervorragend aufeinander abgestimmt.

Das Bier ist seinen Preis auf jeden Fall wert; es ist zu schade, um einfach „hinter die Binde gekippt“ zu werden, sondern es muss wirklich Schluck für Schluck genossen werden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 %

Brauerei:

Riegele BierManufaktur
S. Riegele KG
Augsburg
http://www.riegele-biermanufaktur.de

Franziskaner Weissbier Dunkel

Nach längerer Zeit beschäftigen wir uns wieder einmal mit einem dunklen Weißbier aus Bayern, dem Franziskaner Weißbier dunkel. Ein Blick auf die Etiketten bringt keine besonderen Erkenntnisse. Es gibt nur eine Besonderheit: Viele Menschen haben ja Probleme beim Einschenken von Weizenbier, weil es stark schäumt. Daher hat die Brauerei eine Kurzanleitung auf das Rückenetikett gedruckt: Glas ausspülen, vorsichtig einschenken, kurz bevor die Flasche leer ist die Hefe aufschütteln, nachgießen und genießen. Na gut, dann will ich es mal so machen.

Rotbraun, hefetrüb und mit festem Schaum steht das Bier im Glas. Optisch hat die Spaten-Franziskaner-Brauerei in München also nichts verkehrt gemacht. Der Duft wird durch Malzaromen bestimmt, etwas Hefe kommt durch, leichtes Bananenaroma, die Röstaromen halten sich diskret im Hintergrund. Da in diesem Bier ausschließlich Hopfenextrakt verwendet wurde, kein Naturhopfen, wirkt der Duft ziemlich flach, ihm fehlt die Komplexität des Naturhopfens. Aber für ein Bier mit Hopfenextrakt ist das Aroma schon recht gut. Nun ist es Zeit für den ersten Schluck.

Der Antrunk ist in erster Linie hefig, leicht sauer und macht Vorfreude auf ein erfrischendes Weizenbier. Leider kann der Körper nicht wirklich mithalten. Die Röststoffe des Malzes bleiben auch hier ziemlich im Hintergrund. Schade. Hier hätte ich mir ein stärker geröstetes Malz gewünscht, das dem Bier mehr Körper verliehen hätte. Der Abgang ist mild und kann nicht wirklich überzeugen.

Alles in Allem ein Bier, das sich im Biergarten durchaus trinken lässt, ohne dass es beeindrucken kann.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hefe, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Spaten-Franziskanerbräu GmbH
80335 München
https://franziskaner-weissbier.de/

Hundertwassers Weißbiertraum in Abensberg

Wenn einer allein träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, ist es der Anfang einer neuen Wirklichkeit“, soll Friedensreich Hundertwasser einmal gesagt haben. Im niederbayerischen Abensberg hatte der vor 18 Jahren verstorbene österreichische Künstler einen Seelenverwandten gefunden: den Besitzer der Traditionsbrauerei Kuchlbauer, Leonhard Salleck. Gemeinsam erträumten der Brauerei-Chef und der wohl berühmteste „Gegner der geraden Linie“ eine Hundertwasser-Welt für das Industriegelände am Stadtrand von Abensberg, wo jedes Jahr allein mehr als 100.000 Hektoliter Weißbier gebraut werden. Nach dem Tod Hundertwassers im Jahr 2000 setzte der Brauereichef alles daran, den gemeinsamen Traum in die Tat umzusetzen – mit überwältigendem Erfolg. Seit der Fertigstellung des Hundertwasserturms 2009 und des Kunsthauses im Sommer 2014 lassen sich jedes Jahr bis zu einer halben Million Menschen von der bunt-verspielten Architektur faszinieren.

„Krumm bauen kostet viel mehr Geld wie gerade – und dauert mindestens dreimal so lang“, hat Brauerei-Seniorchef Salleck zur Eröffnung des Kunsthauses einem Journalisten in den Block diktiert. Über die genauen Baukosten schweigt er sich bis heute aus – genau wie schon zuvor bei dem 34 Meter hohen architektonisch verspielten und mit fließenden Linien gestalteten Hundertwasser-Turm mit vergoldeter Kuppel. Dieser beherbergt die mehr als 4.000 Gläser umfassende Bierglas-Sammlung seines inzwischen 75 Jahre alten Erbauers. Der Brauereichef übergab die Geschäfte im Frühjahr 2018 an seinen 25-jährigen Sohn Jakob Horsch. „Wir haben mit dem Hundertwasserturm, Kunsthaus sowie unseren Märkten einen Besuchermagnet, der 500 000 Touristen pro Jahr anlockt“, sagte Salleck stolz zur Übergabe. Beim Bierausstoß selbst liegt Kuchlbauer heute auf Platz 37 der bayerischen Brauereien.

Nicht wenige hielten den Traum Sallecks von einer Hundertwasser-Erlebniswelt anfangs für eine Spinnerei. Acht Jahre musste er gegen Bayerns Denkmalpfleger und Behörden kämpfen, bis der Bau endlich beginnen konnte. Allerdings stutzten die Verwaltungsbeamten den Turm auf die Hälfte der ursprünglich geplanten Höhe zurück. Dem Erfolg tut das keinen Abbruch: Seit dem ersten Tag brummt das Geschäft mit Turm und angeschlossener Erlebnisgastronomie. Mittlerweile sind die Kritiker von damals verstummt.

Die Begeisterung inspirierte den Brauer zu einem weiteren Projekt – ganz im Sinne der großen Pläne, die er mit Hundertwasser einst gesponnen hatte: Die Stadtvilla neben dem Brauerei-Areal – dort wohnten einst Sallecks Großeltern – ließ er zu einem Kunsthaus im Hundertwasser-Stil umbauen. Der Hundertwasser-Schüler Peter Pelikan ließ die Vision Wirklichkeit werden: mit den typischen farbenfrohen Mosaiken aus Fliesen, Wolkenmotiven, glitzernden Kugeln und Bändern aus Keramik, die sich mit Leichtigkeit über die Fassade ziehen und an ihr nach oben ranken.

Gekrönt wird der Bau durch einen knapp 20 Meter hohen schiefen Turm, dessen Äußeres Schuppen trägt, die an einen Drachenrücken erinnern. Auch das Innere ist eine Hommage an den großen Künstler: Fast das gesamte graphische Werk Hundertwassers ist auf knapp 300 Quadratmetern und über zwölf verschiedene Ebenen verteilt erlebbar – wie die Brockhaus-Enzyklopädie, die er Ende der achtziger Jahre entwarf. Im Untergeschoss des Museums findet sich ein kleiner Kinoraum, der Einblicke in das Leben des Künstlers Friedensreich Hundertwassers bietet. Von zentraler Bedeutung sind auch die Eiche, die mitten im Haus steht, und der vergoldete Nussbaum, der den Eingang ziert. Die Verbindung aus Natur, Ökologie und Architektur war für Hundertwasser zeit seines Lebens zentral. Wenn er noch leben würde, er hätte wohl einen Riesenspaß an dem Wirklichkeit gewordenen „Weißbiertraum“.

Wenn Sie einmal in der Nähe sind, lohnt es sicher, sich das Ergebnis einmal anzusehen.

Foto: obx-news/Kuchlbauer

Erlkönig – Bügel-Weisse

Im Jahr 2016 wurde die Brauerei Erl beim European Beer Star mit zwei Goldmedaillen ausgezeichnet – eine für ihr Erlkönig Festbier und eine für den Erlkönig Imperator. Ein gleichgutes Ergebnis erzielte nur die Brauerei Gold Ochsen aus Ulm. Seniorchef Ludwig Erl betonte damals, dieses Ergebnis sei eine Bestätigung für das Bewahren des Ursprünglichen. Der 62-Jährige, der lange vor dem Beginn der „Craft-Beer-Bewegung“ bereits 1990 den Amerikanern in Los Angeles vorführte, wie ein echtes bayerisches Bier entsteht und schmeckt, führte aus: „Wir wollen einfach mit guten Rohstoffen unsere niederbayerische Braukunst erlebbar machen.“ Die Brauerei stellt also an ihr Bier sehr hohe Ansprüche. Jetzt steht die Bügel-Weiße vor mir und ich will mal probieren, ob das Bier diesen Ansprüchen auch gerecht wird. Das Bier wird mit 100% Hallertauer Naturhopfen handwerklich gebraut und soll frisch im Geschmack sein, da es weder kurzzeiterhitzt noch pasteurisiert wird.

Optisch macht das Bier schon mal einen hervorragenden Eindruck. Golden, naturtrüb und mit viel Kohlensäure präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine enorm große Blume aus cremigem weißem Schaum, der auch lange erhalten bleibt.

Auch das Aroma macht wirklich etwas her. Es wird durch das Malz dominiert. Ich rieche den für Weißbier typischen Bananenduft, unterstützt durch blumige Noten. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist frisch und spritzig. Die Frische stammt nicht nur von der reichlich vorhandenen Kohlensäure, auch die gute Wahl des Malzes trägt ihren Teil dazu bei. Der Körper ist rund und vollmundig, dabei fruchtig mit leichter fruchtiger Säure. So ist auch der Abgang mild und kaum bitter, dafür klingt die Fruchtigkeit lange nach. So muss ein Weizenbier sein.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Brauerei:

Erl-Bräu GmbH & Co. KG
Straubinger Straße 10
94333 Geiselhöring
www.erl-braeu.de

Zombräu – Voodoo

Jetzt steht das letzte Bier von Tobias und Bastian Merches aus Mirskofen vor mir, das Zombräu Voodoo. Es ist ein leichtes IPA mit nur 3,7 Volumenprozenten. Das Etikett verspricht also ein leichtes Sommerbier für zwischendurch. Mal sehen, ob ein IPA mit so wenig Alkohol auch schmecken kann. An dieser Stelle sage ich noch einmal „Danke“ an die beiden Brauer für die Zusendung der Biere.

Rotgolden und wenig hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas. Ich sehe reichlich Kohlensäure und es bildet sich viel feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist fruchtig und für ein India Pale Ale erstaunlich mild. Düfte nach Limonen, Maracuja und Mango steigen mir in die Nase. Bis jetzt kann mich das Bier wirklich begeistern.

Der Antrunk ist fruchtig und hopfenbetont, aber auch der Malzkörper kommt zu seinem Recht und sorgt für eine leichte Süße. Diese Mischung überzeugt vom ersten Moment an. Schnell kommt ein ordentliches Bitter dazu, das etwa so kräftig ist wie die Fruchtigkeit und sie beinahe überdecken will. Der Geschmack ist nicht so stark wie bei IPAs mit mehr Alkohol, aber überraschend voll. Auch der Abgang kann überraschen. Er ist vergleichsweise mild und klingt trotzdem lange und angenehm nach.

Mit seinem relativ wenigen Alkohol, seiner Frische und seiner Fähigkeit, den Durst zu löschen, ist dieses Bier ideal für einen heißen Sommertag.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Helles Caramelmalz), Hopfen (Nugget, Amarillo), Hefe

Alkoholgehalt:

3,7 % Vol.

Brauerei:

Zombräu OHG
Obere Sendlbachstr. 19
84051 Mirskofen
www.zombraeu.com

Sebaldus Weizen – Helles Hefe

Lange habe ich kein Weizenbier mehr getestet und auch lange kein Bier aus Franken. Es ist also höchste Zeit, das Sebaldus Helles Hefe aus Nürnberg zu verkosten. Das andere Bier aus der Sebaldus-Brauerei in Nürnberg habe ich bereits vor längerer Zeit beschrieben und ich habe es noch in guter Erinnerung. Mal sehen, ob das helle Weizen ebenfalls so gut ist.

Golden und hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas, darüber weizentypisch sehr viel cremiger reinweißer Schaum, der sich nur langsam auflöst. Zumindest optisch handelt es sich hier um ein Hefeweizen wie im Bilderbuch.

Das Bier duftet fruchtig nach Banane und anderen hellen Früchten, dazu leicht teigig. Nicht nur die Optik, sondern auch das Aroma ist absolut typisch für Weizenbier.

Der Antrunk ist leicht süß und ich stelle fest, dass die Kohlensäure nicht nur feinperlig, sondern auch kräftig ist. Wie erwartet ist auch der der Körper intensiv und vollmundig; Süße, Bitter und Säure halten sich sehr gut die Waage. Der Abgang ist leicht Bitter mit einigen Säurenoten. Leider klingt der Geschmack nur kurz nach.

Wir haben hier ein wunderbares Bier für einen lauen Sommerabend. Es passt also hervorragend in diese Jahreszeit.

Zutaten:

Brauwasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hefe, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Stammwürze:

13,5 %

Brauerei:

Tucher Traditionsbrauerei
90409 Nürnberg/Fürth

Kreativsud #1

Das Bier, das ich jetzt testen will, ist ein Novum für mich. Als Hersteller steht kein einzelner Brauer, sondern als Hersteller fungiert der Bundesverband der Kreativbrauer e.V. Auf den ersten Blick scheint es so, als ob dieser Verein das deutsche Reinheitsgebot bekämpft. Liest man sich die Website des Vereins durch, ist schnell zu erkennen, dass die in dem Verein zusammengeschlossenen Brauer eigentlich genau die Regeln leben, die beim deutschen Reinheitsgebot immer betont werden, die aber in der Realität nicht oder zumindest nicht immer eingehalten werden. Reinheit sollte bei Lebensmitteln eigentlich ein Synonym für Natürlichkeit sein, was aber bei industriell gebrautem Bier nicht wirklich zutrifft. Außerdem fordern die Brauer, dass auch andere natürliche Zutaten im Bier verarbeitet werden dürfen, die im Reinheitsgebot oder besser gesagt im vorläufigen Biergesetz nicht vorgesehen sind. Aber beschäftigen wir uns jetzt mit dem Bier.

Bernsteinfarben und ungefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt.

Das Aroma wird durch das Malz dominiert. Die feine Süße wird durch den Kümmel und besonders durch den Wacholder unterstützt. Ich weiß ja nicht, wann das Bier genau eingebraut wurde, aber bereits jetzt taucht vor meinem inneren Auge ein leckerer Hirsch-Sauerbraten auf. Ganz offensichtlich ist das Bier für den Winter gedacht.

Der erste Eindruck beim Antrunk ist die Süße des Bieres. Leider ist die sehr feinperlige Kohlensäure nur sparsam dosiert. Schnell drängen sich die Gewürze, in erster Linie der Wacholder, in den Vordergrund und verdrängen die Süße. Im Abgang flackert kurz etwas Säure auf, die aber schnell wieder dem Wacholder Platz macht, der sehr lange nachklingt.

Dieses Bier eignet sich gut als Begleiter zu Wildgerichten oder zum Kochen einer winterlichen Soße. Die Gewürze stehen im Vordergrund und lassen dem ebenfalls enthaltenen Hopfen keinen Platz im Geschmack.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Kümmel, Wacholder, Salz, Hefe

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Brauerei:

Bundesverband der Kreativbrauer e.B.
Rathgeberstr. 7
97656 Oberelsbach
www.deutschekreativbrauer.de