Schlagwort-Archiv: Bayern

Greif-Bräu – Weihnachtsfestbier

Aus Forchheim im südlichen Franken kommt das Weihnachtsfestbier, das jetzt vor mir steht. Im Gegensatz zu den meisten Weihnachts- und Winterbieren handelt es sich hier nicht um ein Bockbier, sondern um ein Märzen. Aber gut – ein meisterhaft gebrautes Märzen ist ja auch etwas feines. Mal sehen, wie es in diesem Fall aussieht. Mache ich also die Flasche auf.

Golden und gefiltert fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittlich große feinporige Shaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. So lobe ich mir die Optik.

Das Aroma ist stiltypisch malzbetont nach Karamell, aber auch einige würzige und fruchtige Noten nach hellen getrockneten Früchten steigen mir in die Nase.

Der Antrunk ist leicht süß und die Kohlensäure ist passend dosiert. Das Mundgefühl ist frisch und voll, besonders nachdem sich auf der Zunge ein zurückhaltendes Hopfenbitter gebildet hat. Der Abgang ist anfangs sehr mild. Dann entwickelt sich aber auch in der Kehle ein freundliches Bitter, das lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Gerstenröstmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Greif GmbH & Co. KG
Christian Schuster
Serlbacher Str. 10
91301 Forchheim
www.brauerei-greif.de

 

Rhönpiraten – Indian Pale Ale

Nun steht mal wieder ein Bier aus Franken vor mir, ein Indian Pale Ale von den Rhönpiraten. Da das Etikett keine weiteren Informationen enthält, werde ich sofort mit dem Verkosten beginnen.

Hellgelb und hefetrüb steht das Bier im Glas, darüber reichlich feinporiger weißer Schaum, der der lange erhalten bleibt. Die ausreichend vorhandene Kohlensäure ist feinperlig. Optisch hat die Brauerei also nichts falsch gemacht.

Das volle Aroma wird von Getreide, Zitrusfrüchten und Karamell bestimmt. Das entspricht meinen Erwartungen an ein IPA und etwas anderes hätte mich doch ziemlich enttäuscht.

Der Antrunk ist nur leicht süßlich, bevor sich eine intensive, aber angenehme, Hopfenbittere im Mund ausbreitet. Das Bittere wird aber durch die reichlich vorhandene Hefe abgemildert, so dass sich zusammen mit den Karamelltönen des Malzes ein sehr schön abgerundetes Geschmackserlebnis bildet. Auch der lange aber vergleichsweise milde Abgang passt sich gut in das Bild ein.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Rhönpiraten
Inh. Stephan Kowalsky
Friedenstr. 25
97645 Ostheim v.d. Rhön
http://www.rhoenpiraten.de

Riedenburger – Emmer-Bier

Nun verkoste ich mal wieder ein Craft-Bier aus dem Riedenburger Brauhaus in Bayern, das Emmer-Bier. Emmer, auch Zweikorn genannt, ist ein Vorgänger des Weizens. Er ist, zusammen mit Einkorn, eine der ältesten kultivierten Getreidearten. Diese Weizenart mit lang begrannten, meist zweiblütigen Ährchen wird heute in Europa kaum noch angebaut. Heute baut die Riedenburger Brauerei den Emmer im Rahmen eines Programms zum Erhalt historischer Getreidearten wieder an.

Rotbraun und leicht hefetrüb steht das Bier im Glas. Darüber ein üppiger hellgelber Schaum mit leichtem Braunstich, feinporig und mit mittlerer Standzeit.

Das Aroma ist getreidig mit Anklängen von Pflaume und roten Früchten. Bis hierhin ist das Bier durchaus ansprechend.

Im Antrunk ist malzig, auch wenn sich die Süße diskret im Hintergrund hält. Schnell kommt eine angenehme Säure in den Vordergrund, die dem Bier zusammen mit der feinperligen Kohlensäure eine großartige Eleganz verleiht. Der Abgang ist mild und kaum bitter. Dafür hält sich der Geschmack aber noch einige Zeit im Mund und in der Kehle. Das richtige Bier für alle, die eher milde Biere lieben.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Mit Ausnahme des Wassers und der Hefe stammen alle Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau.

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Brauerei:

Riedenburger Brauhaus
93339 Riedenburg
http://www.riedenburger.de

BierSelect

Braukraft – Sud-Terrain

Es ist doch immer wieder interessant, zu sehen, wie die deutschen Kreativbrauer zu ihrem Beruf und damit zu ihrer Passion gekommen sind. So auch in diesem Fall. Mathias Lottes war Verkehrspilot und flog acht Jahre durch die ganze Welt. Von seinen Reisen brachte er seinen Freunden häufig besondere Biere mit. Es war da nur eine Frage der Zeit, bis die Frage aufkam, weshalb es so etwas hier nicht gibt. Daher begann er als Hobbybrauer. Weil von dem Bier aber fast nie etwas übrigblieb (schließlich wollten alle etwas abhaben), beschloss er, alles eine Nummer größer zu machen. Er holte Braumeister Florian Ceppa dazu und nun brauen die beiden in Gilching ihre neun kreativen Biere. Von diesen Bieren steht jetzt das Sud Terrain vor mir, von dem die Brauer sagen, dass es im Stil eines Kölsch gebraut sei (Kölsch dürfen die beiden das Bier nicht nennen, da der Name dieses Bierstils von den Brauern in Köln geschützt ist und Kölsch ausschließlich in Köln gebraut werden darf).

Das Etikett mit dem Henker könnte doch glatt aus Belgien stammen. Auf dem Rückenetikett haben die Brauer eine kleine Geschichte verewigt, die ich hier noch zum Besten geben will: „Seyfried von dem Turme, ritterlicher Nachfahre aus Tirol, war der Kunst des Brauens verfallen. Auf seiner Burg verkochte er verschiedenste Zutaten zu wohlschmeckenden Suden. Einzig sein Vater hatte den Duft satt und verbannte ihn ins Untergeschoss der Festung. Obwohl kaum noch Tageslicht zur Verfügung stand, war er in der Lage, diese hervorragende Spezialität zu ersinnen. Das Rezept dafür steht immer noch eingeritzt auf einem Stein in der Wand…“ Über den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte kann ich allerdings keine Angaben machen. Wenden wir uns jetzt also von den Etiketten ab und dem Inhalt der Flasche zu.

Die Farbe ist helles Bernstein mit sehr viel Hefe. Es bildet sich eine voluminöse grobporige Krone aus weißem Schaum, die lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet malzig süß, dazu kommen die Aromen von Hefe sowie Zitrusnoten. Obwohl weder die Optik noch das Aroma an Kölsch erinnern, gefällt mir das Bier bis hier sehr gut.

Der Antrunk ist recht süß, aber da das Bier reichlich Kohlensäure enthält, ist er doch spritzig und angenehm. Dazu trägt auch die leichte Fruchtigkeit bei, die vom ersten Moment an zu schmecken ist. Das Bier verteilt sich um Mund und jetzt kommt der Geschmack der Hefe zum Tragen. Jetzt kann ich auch die Fruchtigkeit besser identifizieren, sie bringt den Geschmack von Limone ins Bier. Dazu kommt aber noch ein weiterer Geschmack, den ich nicht identifizieren kann, den ich aber eindeutig als Fehlgeschmack erkenne. Er lässt sich am besten als leichte Muffigkeit beschreiben. Dieser Geschmack steht nicht im Vordergrund, aber er stört mich doch. Im Abgang geht diese Muffigkeit in ein freundliches Bitter über, das lange nachklingt.

Das Sud Terrain von Braukraft ist ein sehr spezielles Bier. Im Aroma, im Antrunk und Abgang gefällt es mir sehr gut, aber der Fehlgeschmack im Körper stört mich doch sehr. Da sollte die Brauerei noch einmal etwas nachsteuern; dann könnte daraus ein richtig gutes Bier werden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Brauerei:

Braukraft
Münchnerstr. 20
82205 Gilching
www.braukraft.de

Wolfscraft – Frisch-Pils

Die Firma Wolfscraft aus Freising hat es sich zur Aufgabe gesetzt, traditionelle Bierstile modern zu interpretieren und dabei die Biere so gut wie möglich zu gestalten. Das haben sie auch mit dem Pils gemacht und so steht jetzt das Frisch-Pils vor mir. Ich vermute jetzt mal, dass es erheblich schwieriger ist, einen Bierstil zu brauen, der den Konsumenten seit Jahrzehnten bekannt ist und diesen Bierstil dabei so zu verbessern, dass die Konsumenten das Ergebnis als besser erkennen, als einen Bierstil zu brauen, der in Deutschland bis vor einigen Jahren nicht bekannt war. Ich will jetzt testen, ob die Freisinger bei ihrem Pilsener ihre selbst gestellten Kriterien erfüllt haben.

In hellem Goldgelb und mit einer größtenteils feinporigen Schaumkrone präsentiert sich das Bier im Glas. Der Schaum fällt durchschnittlich schnell in sich zusammen und ich bemerke, dass im Bier kaum Kohlensäure zu sehen ist.

Die erste Überraschung erlebe ich beim Aroma dieses Pils-Bieres. Karamell und Fruchtigkeit mischen sich mit einer feinen Herbe und auch einer hintergründigen blumigen Note. Im Vordergrund rieche ich aber das Karamellaroma des Malzes, das sich mit dem Duft nach Stachelbeere und Quitte mischt. Das ist wirklich außergewöhnlich für ein Pils.

Der Antrunk ist nur leicht süß, was mir durchaus entgegenkommt. Jetzt bemerke ich auch die sehr feinperlige Kohlensäure, die leider recht knapp bemessen ist. Etwas mehr Kohlensäure würde für einen deutlich frischeren ersten Eindruck sorgen. Auf der Zunge entwickelt das Frisch-Pils von Wolfscraft den Geschmack der Stachelbeere, der sich bereits im Aroma gezeigt hat. Dazu kommt noch ein Hauch Quitte und jetzt tauchen auch erste leichte Bitternoten auf. Das Bier ist ausgewogen und vollmundig. Der Abgang ist ausgewogen bitter mit recht langem Nachklang.

Das Frisch-Pils ist ein ungewöhnliches Bier, das nicht mit den typischen Pilsbieren aus Nord- und Süddeutschland zu vergleichen ist. Es ist nicht so süß wie die meisten süddeutschen Pilsbiere, aber auch nicht so herb wie ein norddeutsches Pils. Aber dieses Bier ist richtig gut.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

Wolfscraft GmbH
General-von-Nagel-Str. 15
85356 Freising
www.wolfscraft.de

Kloster Scheyern – Doppelbock Dunkel

Nunc est bibendum – mit diesem lateinischen Trinkspruch bewiesen die Mönche früher, dass sie auch ganz weltlich zu genießen verstanden. Bereits seit dem Jahre 1119 brauen die Benediktinermönche in Scheyern Bier. Damit ist die Klosterbrauerei die drittälteste Brauerei Deutschlands und zählt zu den ältesten nachgewiesenen Brauereien der Welt. Nach mehreren Jahrzehnten der Verpachtung hat das Kloster im Jahre 2006 die alte Brautradition wiederaufgenommen. Nach einer Komplettsanierung des Brau- und Sudhauses nach neuesten technischen Aspekten sowie einem Umbau der Klosterschänke wird seit März 2006 in den Mauern des alten Brauereigebäudes wieder Klosterbier gebraut. Derzeit werden dort neun unterschiedliche Biere gebraut, einige allerdings nur saisonal. Beispiele für die saisonalen Biere sind der Maibock und das Christkindl-Bier. Jetzt steht aber der dunkle Doppelbock vor mir. Nicht alle Biere braut das Kloster selbst, wie auf dem vorderen Etikett vermerkt ist, wird der Doppelbock bei der Brauerei Tucher in Nürnberg hergestellt. Allerdings soll es sich um die Originalrezeptur handeln und das Kloster hat die Aufsicht über den Brauprozess.

Dunkel-Rubinrot, fast schwarz, zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine hellbraune und durchschnittlich voluminöse Krone aus größtenteils feinporigem Schaum, der sich auch durchschnittlich schnell auflöst. Die Optik ist schon klasse, selbst als sich der Schaum vollständig aufgelöst hat. Dann sieht das Bier aus wie ein Bordeaux.

Das Aroma ist malzbetont mit kräftigen Röststoffen. Dazu kommen eine leichte Süße, etwas Kaffee sowie Düfte nach Trockenpflaumen und Rosinen.

Der Antrunk ist recht süß und mir fehlt einiges an Kohlensäure. Da war die Brauerei etwas zu geizig. Schnell breitet sich im Mund der Geschmack der Röststoffe aus und ich kann Espresso schmecken. Obwohl die Röststoffe intensiv schmecken, ist das Bier überraschend mild. Das gilt auch für den Abgang, bei dem die Röststoffe etwas nachklingen.

Mit mehr Kohlensäure könnte mich dieses wärmende Bockbier aus Franken wirklich begeistern; so kommt es nur ins Mittelfeld.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

7,4 % Vol.

Stammwürze:

18,2 %

Brauerei:

Tucher Bräu
Tucherstr. 10
90763 Fürth
www.tucher.de

für

Klosterbier-Vertriebs GmbH
Schyrenplatz 1
85298 Scheyern
www.klosterbrauerei-scheyern.de

Erlbräu – Helles Bockerl

Jetzt steht ein helles Bockbier vor mir, das Bockerl aus der hochdekorierten Brauerei Erl in Geiselhöring. Die Qualität der Biere aus diesem Ort in Niederbayern kommt nicht von ungefähr. Die Philosophie hinter diesem Bier erläutert die Brauerei auf ihrer Website. Hier die meiner Meinung nach entscheidenden Infos:

Die Rohstoffe stammen von alteingesessenen bayrischen Mälzereien und Hopfenbauern, mit denen die Brauerei bereits über Jahrzehnte zusammenarbeitt. Unabhängig von Weltmarktpreisen und Spekulation legt Erl-Bräu hier den Schwerpunkt auf die Zuverlässigkeit der Partner und die Qualität von Hopfen und Malz. Daher bezieht das Unternehmen seinen Naturhopfen direkt aus der Hallertau, pflegt noch Beziehungen zum Hopfenbauern und verzichtet bewusst auf Hopfenextrakt. Die Braumalze stammen aus der benachbarten Mälzerei Albert Müller sowie aus Bamberg von Mälzereien, die ihre Braugerste von bayrischen Bauern einkaufen. Das weiche Brauwasser stammt aus dem eigenen kontrollierten Tiefbrunnen, wird nicht chemisch aufbereitet und ist eines der wenigen noch nitratfreien Brauwässer in Niederbayern.

Die Biere dürfen nach einem betont langsamen Reifeprozess unter konsequenter Pflege und Verfeinerung der Familienrezepte, in kleinen Chargen, ihr volles Aroma entfalten. Dieser Reifeprozess ist im Zeitalter von Prozessautomation und Massenproduktion so selten wie sehenswert. Die Gärung findet stets handgeführt statt und nicht nur beim Weißbier, sondern auch noch bei untergärigen Sorten pflegt die Brauerei Tradition der offenen Gärbottiche. Im Brauereikeller reifen die Biere anschließend viele Wochen lang, wo sie von den Brauern manuell betreut werden. Bemerkbar machen sich hier auch die kalten, liegenden Lagertanks tief unter der Erde.

Im Anschluss werden die Biere rein natürlich filtriert und in der modernen und hochpräzisen Abfüllanlage der Umwelt zu Liebe in braune Mehrwegflaschen abgefüllt. Danach freuen sie sich schon darauf, von einem Kenner gekostet zu werden. Um den vollen Geschmack zu erhalten sind die Biere nicht kurzzeiterhitzt oder pasteurisiert.

Nach so viel Theorie mache ich jetzt aber endlich das Bier auf und schenke es mir ein. Dabei steigt mir bereits ein angenehmer Malzduft in die Nase, bevor sich das Bier im Glas Golden und hell präsentiert. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge feinporiger weißer Schaum, der langsam in sich zusammenfällt. Währenddessen gesellen sich zum Malzduft dieses Bieres noch einige blumige Noten.

Der Antrunk ist stiltypisch recht süß, aber durch die gut dosierte feinperlige Kohlensäure ist er wirklich spritzig und frisch. Aber erst nachdem sich das Bier auf der Zunge verteilt hat, zeigen sich die Stärken dieses Biers wirklich. Es ist intensiv malzig, vollmundig und rund. Der Hopfen wird gerade so stark eingesetzt, dass er den Geschmack des Malzes unterstützt und vervollständigt. Rundherum ein extrem ausgewogenes Bier, das aber trotzdem seinen eigenen Charakter bewahrt. So auch im Abgang, der stiltypisch mild ist und trotzdem lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Brauerei:

Landbrauerei Ludwig Erl
Straubinger Str. 10
94333 Geiselhöring
www.erl-braeu.de

Red Castle Brew – IPA

Nun steht ein IPA aus der Mikrobrauerei Red Castle Brew in Gräfenberg vor mir. Ursprünglich befand sich die Brauerei im Roten Schloss in Heroldsberg in der Nähe von Nürnberg. Daher stammt auch der Name.

Die Brauerei braut nach alter Brautradition im Kupferkessel über offener Flamme. Mehr Tradition geht in der heutigen Zeit wohl nicht mehr. Wie bei einer Brauerei nahe Nürnberg zu erwarten ist ein Rotbier immer im Angebot, ansonsten gibt es ständig wechselnde Biere, die in kleinen Mengen gebraut werden, jetzt das IPA. Die Charge war wohl so klein, dass es sich nicht gelohnt hat, Etiketten zu drucken. Stattdessen stehen die Informationen auf einem angehängten Etikett. Das ist zwar ungewöhnlich, sieht aber wirklich urig aus. Nun reicht es aber wirklich mit der Vorrede, kommen wir nun endlich zum Bier.

Bernsteinfarben und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Es enthält sehr viel muntere Kohlensäure und bildet eine enorme feste Schaumkrone aus, feinporig und weiß, die fantastisch lange erhalten bleibt. Optisch ist es schon mal ein IPA wie aus dem Buch.

Beim Aroma überrascht mich, dass der Duft des Malzes stark durchkommt und nicht hinter dem des Hopfens zurücktritt. Aber auch der Hopfen kommt mit Düften nach Mandarine, Grapefruit und einigen blumigen Noten gut zum Tragen. Das Aroma ist nicht wirklich typisch für ein IPA, aber es gefällt mir.

Der Antrunk ist leicht süß und spritzig. Als sich das Bier auf der Zunge verteilt kommt eine gute Fruchtigkeit in den Vordergrund. Hier spiegelt sich das Aroma im Geschmack von Mandarine und anderen Zitrusfrüchten wider. Zusätzlich kommen erste Bitterstoffe ans Licht. Das Mundgefühl ist ausgeglichen und voll. Der Abgang ist freundlich bitter und er klingt lange nach.

Das IPA ist hervorragend trinkbar. Es enthält erheblich weniger Bitterstoffe als ein typisches IPA, ist aber wirklich lecker.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Mandarina Bavaria), Hefe

Alkoholgehalt:

7,0 %

Brauerei:

Red Castle Brew
Gewerbepark Hüll 17
91322 Gräfenberg

Tucher – Bajuvator

Nun steht mal wieder ein Bier aus Franken vor mir, der Tucher Bajuvator. Von einem Doppelbock aus Franken verspreche ich mir schon etwas Besonderes. Mal sehen, ob dieses Bier meine Erwartungen erfüllen kann.

In dunklem Mahagoni zeigt sich das Bier im Glas. Dazu recht viel cremiger elfenbeinfarbiger Schaum, der auch lange erhalten bleibt.

Wie zu erwarten wird das Aroma durch Röststoffe geprägt. Ich rieche Karamell, Schokolade und Whisky. Dieses volle Aroma macht richtig Lust auf den ersten Schluck, besonders da ich die dunklen Biere mag. Der Antrunk ist süß, wirklich süß. Mir wäre das Bier zu süß, würde nicht die reichlich vorhandene Kohlensäure den Geschmack den Geschmack noch retten. Schnell breitet sich der würzige Geschmack nach Schokolade und Röststoffen im Mund aus. Jetzt gefällt mir das kräftige Bier richtig gut. Nach dem intensiven Körper ist der Abgang erstaunlich mild.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Stammwürze:

18,3 %

Brauerei:

Tucher Traditionsbrauerei
90409 Nürnberg/Fürth
www.tucher.de

Weihenstephan begeht den Tag des Deutschen Bieres am 23. April

In Deutschland feiern die Brauer Jahr für Jahr am 23. April die Proklamation des deutschen Reinheitsgebotes vom 23. April 1516. Seit dieser Zeit gilt per Gesetz: In unser Bier gehört nur Wasser, Hopfen und Gerste (die Hefe wurde erst später erwähnt, da sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt war). Dieses älteste noch gültige Lebensmittelgesetz, mit dem deutsche Bierspezialitäten weltweit verbunden werden, ist bis vor der Corona-Pandemie stets Anlass für viele Veranstaltungen, Aktionen und Feste in der deutschen Brauwirtschaft gewesen. 2021 wird der Tag des deutschen Bieres in allen Brauereien des Landes ein zweites Mal anders aussehen. 2020, direkt nach Ausbruch der Pandemie und im ersten nationalen Lockdown gelegen, wären Aktivitäten und Festlichkeiten rund um einen solchen Feiertag nicht möglich und auch nicht angemessen gewesen. Zudem waren weder Brauereien noch bieraffine Genussmenschen mit Online-Formaten rund um die Bierkultur vertraut. 13 Monate nach dem ersten Lockdown steht die Gesellschaft virtuellen Events sehr viel offener gegenüber und freut sich, damit ein Teil Normalität in den persönlichen Alltag zu bekommen.

Brauereidirektor Prof. Dr. Josef Schrädler erklärt: „Eigentlich findet mit dem ‚Tag des deutschen Bieres‘ der wichtigste Feiertag der deutschen Brauwirtschaft statt. So war es zumindest noch bis vor zwei Jahren. Ein Tag, an dem Brauereien traditionell die Verkündung des deutschen Reinheitsgebots als ältestes Lebensmittelgesetz der Welt mit zahlreichen Veranstaltungen und Festen im ganzen Land feiern; nun muss man sich korrigieren: feierten. Im zweiten Jahr nach Ausbruch der Pandemie stehen wir als Brauerei aufgrund der aktuellen Situation, genauso wie alle unsere Kollegen, vor anderen, noch nie dagewesenen Herausforderungen. Dennoch würde ich mich freuen, wenn wir uns, zwar auf eine andere Weise als mit großen Veranstaltungen und Biergarten- sowie Gasthausbesuchen, sondern zu Hause, heute auf das deutsche Bier und die Bierkultur besinnen. Wir sind eine der größten Biernationen der Welt und das Werteversprechen ‚gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot‘ ist ein weltweit renommiertes und von Bierliebhabern geschätztes Markenzeichen. Wir liefern unsere Weihenstephaner Bierspezialitäten nach wie vor in höchster Qualität an unsere Partner im Getränkehandel und sind daher für die private Würdigung des Feiertags erhältlich. Und genau aus diesem Grunde werden wir am 23. April 2021 um 15:16 Uhr in einem Livestream den Tag des deutschen Bieres zelebrieren. Unser Online-Starkbierfest im März ist sehr gut angekommen und wir hatten Gäste aus der ganzen Welt im Stream zu Besuch. Daher haben wir uns entschieden, diesen Weg unter den aktuell gegebenen Rahmenbedingungen weiterzugehen und auch den Tag des deutschen Bieres mit unseren Fans gemeinsam zu feiern, wer Zeit und Lust dazu hat.“