Archiv der Kategorie: Craft Beer

Emelisse – Vanille Ice Cream Stout

Goes ist eine Kleinstadt in der niederländischen Provinz Zeeland, eine niederländische Stadt wie aus dem Bilderbuch. Bereits im 10. Jahrhundert entstand die erste Siedlung am Ufer eines Wasserlaufs, der inzwischen aber eingedeicht wurde. Die Innenstadt von Goes ist reich an malerischen alten Häusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Außerdem verfügt Goes über einen Jachthafen. Aus dieser traumhaften Kulisse stammt das Bier, das jetzt vor mir steht, das Vanille Ice Cream Stout.

Schwarz und absolut blickdicht ist dieses Bier. Es bildet eine herrliche Schaumkrone, dick, fest und elfenbeinfarben. Der Schaum hält sich sehr lange.

Schon der Duft weist darauf hin, dass das Vanille Ice Cream Stout süß ist und seinen Namen vollkommen zu Recht trägt. Er erinnert wirklich an einen Eisbecher, der aber nicht nur Vanilleeis beinhaltet, sondern auch Schokoladen- und Kaffeeeis. Da habe ich richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Auftakt ist süß und schnell ist klar, dass die sehr feinperlige Kohlensäure großzügig dosiert wurde. Der Geschmack nach Bourbon Vanille, die den Gaumen harmonisch auskleidet, ist anfangs dominant. Das Mundgefühl ist cremig. Bitterstoffe gesellen sich zur Süße und verwöhnen meine Zunge mit dem Geschmack nach Bitterschokolade. Die Röststoffe drängen mit Espressonoten mehr und mehr in den Vordergrund, bis das Ganze mit einem hübschen Röstgeschmack endet. Der Abgang ist bitter und leicht und klingt extrem lange nach.

Ein schönes Bier zur Abwechslung! Die glatte und cremige Basis und die hervorragende Ausgewogenheit können wirklich überzeugen. Dieses Bier kann mit Sicherheit einen Espresso oder einen Eisbecher als Dessert ersetzen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hafermehl, Hopfen, Vanille, Hefe, Michzucker

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Bittereinheiten:

40 IBU

Brauerei:

Emelisse
Singelstraat 5
4461 HZ Goes
Niederlande
www.emelisse.nl

BrewAge – Hopfenauflauf

Brew Age ist eine Brauerei in Wien, die unter der Devise arbeitet: Höchste Qualität und maximale Frische! Der überschäumende Vulkan im Logo der Brauerei soll für die Kreativität bei der Entwicklung neuer Biere stehen. Kreativ sind die Jungs aber auch bei der Beschreibung ihrer Biere. Mehr oder minder originelle Texte haben ja viele Craft Beer-Brauer. Aber eine Empfehlung für ein Käse-Pairing habe ich bislang nur bei BrewAge gesehen.

Honigfarben und nur wenig hefetrüb zeigt sich das Bier. Darüber bildet sich nur wenig gemischtporiger Schaum, der recht schnell in sich zusammenfällt.

Das Aroma ist fruchtig mit Zitrusaromen sowie Düften nach Ananas und Mandarine, unterstützt durch einige blumige Noten. Aber auch das Malz kommt im Aroma mit leichten Röstaromen zu seinem Recht.

Der Antrunk ist spritzig-frisch und dabei fruchtig. Die Aromen, die sich mir bereits in der Nase mitgeteilt haben, spiegeln sich jetzt auf der Zunge wider. Dazu kommt ein freundliches Bitter, das gut auf die vorhandene Malzsüße abgestimmt ist. Das Bitter dominiert mit seinem langen Nachklang auch den Abgang.

Der Hopfenauflauf ist ein sehr angenehmes Pale Ale, das sich hervorragend trinken lässt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsner, Karamell), Hopfen (Chinook, Citra, Centennial), Hefe

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Bittereinheiten:

35 IBU

Brauerei:

BrewAge GmbH
Haberlandtg. 64/3/1
1220 Wien
Österreich
www.BrewAge.at

Zombräu – Voodoo

Jetzt steht das letzte Bier von Tobias und Bastian Merches aus Mirskofen vor mir, das Zombräu Voodoo. Es ist ein leichtes IPA mit nur 3,7 Volumenprozenten. Das Etikett verspricht also ein leichtes Sommerbier für zwischendurch. Mal sehen, ob ein IPA mit so wenig Alkohol auch schmecken kann. An dieser Stelle sage ich noch einmal „Danke“ an die beiden Brauer für die Zusendung der Biere.

Rotgolden und wenig hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas. Ich sehe reichlich Kohlensäure und es bildet sich viel feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist fruchtig und für ein India Pale Ale erstaunlich mild. Düfte nach Limonen, Maracuja und Mango steigen mir in die Nase. Bis jetzt kann mich das Bier wirklich begeistern.

Der Antrunk ist fruchtig und hopfenbetont, aber auch der Malzkörper kommt zu seinem Recht und sorgt für eine leichte Süße. Diese Mischung überzeugt vom ersten Moment an. Schnell kommt ein ordentliches Bitter dazu, das etwa so kräftig ist wie die Fruchtigkeit und sie beinahe überdecken will. Der Geschmack ist nicht so stark wie bei IPAs mit mehr Alkohol, aber überraschend voll. Auch der Abgang kann überraschen. Er ist vergleichsweise mild und klingt trotzdem lange und angenehm nach.

Mit seinem relativ wenigen Alkohol, seiner Frische und seiner Fähigkeit, den Durst zu löschen, ist dieses Bier ideal für einen heißen Sommertag.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Helles Caramelmalz), Hopfen (Nugget, Amarillo), Hefe

Alkoholgehalt:

3,7 % Vol.

Brauerei:

Zombräu OHG
Obere Sendlbachstr. 19
84051 Mirskofen
www.zombraeu.com

Hoppy Schoppy Pilsner

Der meistverkaufte Bierstil in Deutschland. Ich habe keine aktuellen Zahlen über den Marktanteil der Pils-Biere, aber lt. Wikipedia lag der Marktanteil in Deutschland bei 55,2 %. Seitdem soll der Marktanteil zwar leicht zurückgegangen sein, aber er liegt vermutlich immer noch bei etwa 50 %. Zwar sind die meisten Pilsener Fernsehbiere, aber jetzt steht ein Pils vor mir, von dem ich mir mehr Genuss verspreche. Schließlich braut Schoppebräu in der Hauptstadt seit 2001 Craftbiere. Die Brauerei beschreibt ihre Biere auf der Website nur kurz. Für das Hoppy Schoppy Pilsner schreibt die Brauerei: „Unsere Überzeugung: Ein Pils muss kräftig gehopft sein. Hoppy Schoppy ist unsere Antwort auf die langweiligen Fernseh- und Hauptstadtbiere. Back to the Hops!“ Und weiter: „Ein knackiges Pils wie es sein soll — gut gehopft und garantiert nicht mit Felsquellwasser gebraut.“ Das sind doch schon mal hohe Ansprüche an dieses Bier, das jetzt vor mir steht. Mal sehen, ob das Bier diesen Ansprüchen auch genügen kann.

Goldgelb und leicht hefetrüb steht das Bier im Glas. Die Kohlensäure ist sehr aktiv und es bildet sich eine durchschnittliche Menge sahniger weißer Schaum, der lange erhalten bleibt.

Im Aroma tritt das Malz stärker hervor als ich es bei einem Pils erwartet hätte. Der Hopfen hält sich vornehm zurück, aber eine kleine fruchtige Note steuert er auch zum Duft bei. Es könnte sich um den Duft von Ananas handeln. Das Aroma ist für ein Pils ungewöhnlich, aber nicht schlecht.

Nachdem das Malz das Aroma dominiert hatte, verwundert es mich auch nicht, dass der Antrunk für ein Pils sehr süß ist. Wäre da nicht die reichlich vorhandene feinperlige Kohlensäure, würde ich vermutlich meinen, dass der Antrunk zu süß ist. Aber so passt er schon. Dann fällt das Bier in der Mitte in ein kleines Loch. Sorgte anfangs die Süße für einen intensiven Geschmackseindruck, lässt die Intensität des Geschmacks auf der Zunge doch deutlich nach, so dass ich das Bier im Mittelteil als etwas langweilig empfinde. Der Abgang ist dann wieder kräftig aber freundlich bitter und er klingt sehr lange nach.

Das Hoppy Schoppy Pilsner ragt zwar aus der Masse der Fernsehbiere wohltuend heraus, aber um mein Lieblingsbier zu werden fehlt ihm doch noch einiges.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Wiener, Pilsner, Cara, Sauer), Hopfen (Perle, Saphir), Hefe (untergärige Hefe Pilsener Art)

Alkoholgehalt:

5,2 %

Stammwürze:

12,5° Plato

Bittereinheiten:

40 IBU

Brauerei:

Schoppe Bräu GmbH
In den Schifferbergen 14
10119 Berlin
www.schoppebraeu.de

Hildesheimer Braumanufaktur – West Coast Pale Ale

Hildesheim liegt etwa 30 Kilometer südlich von Hannover im Vorharzgebiet. An der B6, der Ausfallstraße Richtung Goslar, hat die Hildesheimer Braumanufaktur ihr Zuhause gefunden, von der das West Coast Pale Ale stammt, das jetzt vor mir steht. Die kleine Brauerei, die erst im Jahr 2016 von Jan Pfeiffer und Malte Feldmann gegründet wurde, verkauft ihr Bier nur in der näheren Umgebung, außerdem jeden Donnerstag von 15:00 Uhr bis 21:00 Uhr im Brauereiverkauf. Zu diesem Termin kommt auch ein Biohof, der seine Produkte anbietet, es lohnt sich also für die Hildesheimer, sich dort ihr Bier zu holen. Für mich war es nicht einfach, an das Bier zu kommen. Hildesheim liegt recht weit entfernt, aber jetzt ist es mir endlich gelungen.

Hell golden präsentiert sich das Bier im Glas. Es ist nur wenig hefetrüb, dafür bildet sich aber recht viel feinporiger Schaum, der durchschnittlich lange erhalten bleibt.

Das Malz dominiert das Aroma und ich rieche erstaunlich wenig Fruchtigkeit. Das kann aber auch daran liegen, dass das Bier bereits kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum war, als ich es in einem Supermarkt in Hildesheim gefunden habe. Die Aromen des Hopfens bauen sich im Laufe der Zeit ab, weshalb gerade Pale Ales eigentlich recht frisch getrunken werden sollten. Dementsprechend war das Bier auch bei mir auf der Zunge recht schlank. Der Abgang war Bier aber ordentlich bitter und mit langem Nachklang. Das überzeugt mich davon, dass dieses Bier noch einmal einer Nachprüfung bedarf. Dafür muss ich aber erst einmal nach Hildesheim kommen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Citra, Chinook, Summit), Hefe

Alkoholgehalt:

5,6 % Vol.

Brauerei:

Jan Pfeiffer & Malte Feldmann GbR
Goslarsche Landstr. 15
31135 Hildesheim
www.hildesheimer-braumanufaktur.de

Pina Colada Cream Ale

ERSTER!!! Das Pina Colada Cream Ale aus der Ratsherrn-Brauerei in den Hamburger Schanzenhöfen wird seit letztem Freitag, dem 1. Juni 2018, verkauft und bislang hat noch niemand etwas über dieses spezielle Bier geschrieben. Nicht einmal auf den Webseiten von Ratsherrn und von Otto’s Burger, einer kleinen Burgerkette, mit der zusammen Ratsherrn dieses Bier entwickelt hat, steht etwas darüber. Bei Otto’s Burger wundert mich das ehrlich gesagt auch, denn dort findet sich jetzt – im Juni – noch Hinweise auf das Autumn Special und das Winter Special. Oder bereiten die sich schon im Frühsommer auf die kalten Jahreszeiten vor? Ich weiß es nicht. Vermutlich werden dort alle Ressourcen in die Burger gesteckt. Das macht schon Sinn.

Es ist aber nicht das erste Pina Colada Cream Ale. Die Funky Buddha Brewery aus Florida hat sogar ein Imperial Pina Colada Cream Ale mit satten 10,2 Volumenprozenten Alkohol gebraut. Im Vergleich dazu ist das Bier aus Hamburg mit seinen 5,8 Umdrehungen noch recht moderat.

Leuchtend golden und hefetrüb strahlt mir das Bier entgegen. Darüber bildet sich eine durchschnittliche feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt.

Das Aroma wird durch die Ananas dominiert, unterstützt durch die Kokosraspeln und einen leichten Hauch Orangenschale, die sich aber diskret im Hintergrund hält. Damit duftet das Bier ungewöhnlich, aber das Aroma macht neugierig auf den Geschmack.

Der erste Eindruck auf der Zunge ist die ungeheure Frische dieses Bieres, die aber schnell durch die extreme Fruchtigkeit abgelöst wird. Kokos und Ananas halten sich dabei die Waage und die Orangenschale liefert noch einige herbe und bittere Noten, wodurch der Geschmack gut abgerundet wird, dabei aber auch sehr mild bleibt. Das Mundgefühl ist cremig. Der Abgang ist mild, wobei die Ananas und besonders der Geschmack der Kokosraspeln lange nachklingen.

Das Bier hält, was sein Name verspricht. Der Geschmack der Pina Colada ist gut getroffen, die Cremigkeit des Mundgefühls passt… Braucht die Welt dieses Bier? Gut gekühlt erfrischt es wirklich, aber ich glaube, eine Flasche reicht erst einmal. Die Ausnahme ist, wenn ein passendes Essen dazu gereicht wird. Zu Fisch oder Geflügel dürfte es gut passen. Auch zu einem Burger, wie es die Brauerei empfiehlt, kann ich mir das Pina Colada Cream Ale vorstellen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz, Hafermalz, Weizenspitzmalz), Ananaspüree, Kokosnussraspeln, Hopfen (Tradition), Zitronenschale, Hefe

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Brauerei:

Ratsherrn Brauerei GmbH
Lagerstr. 30a
20357 Hamburg

In Zusammenarbeit mit Otto’s Burger.

Kreativsud #1

Das Bier, das ich jetzt testen will, ist ein Novum für mich. Als Hersteller steht kein einzelner Brauer, sondern als Hersteller fungiert der Bundesverband der Kreativbrauer e.V. Auf den ersten Blick scheint es so, als ob dieser Verein das deutsche Reinheitsgebot bekämpft. Liest man sich die Website des Vereins durch, ist schnell zu erkennen, dass die in dem Verein zusammengeschlossenen Brauer eigentlich genau die Regeln leben, die beim deutschen Reinheitsgebot immer betont werden, die aber in der Realität nicht oder zumindest nicht immer eingehalten werden. Reinheit sollte bei Lebensmitteln eigentlich ein Synonym für Natürlichkeit sein, was aber bei industriell gebrautem Bier nicht wirklich zutrifft. Außerdem fordern die Brauer, dass auch andere natürliche Zutaten im Bier verarbeitet werden dürfen, die im Reinheitsgebot oder besser gesagt im vorläufigen Biergesetz nicht vorgesehen sind. Aber beschäftigen wir uns jetzt mit dem Bier.

Bernsteinfarben und ungefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt.

Das Aroma wird durch das Malz dominiert. Die feine Süße wird durch den Kümmel und besonders durch den Wacholder unterstützt. Ich weiß ja nicht, wann das Bier genau eingebraut wurde, aber bereits jetzt taucht vor meinem inneren Auge ein leckerer Hirsch-Sauerbraten auf. Ganz offensichtlich ist das Bier für den Winter gedacht.

Der erste Eindruck beim Antrunk ist die Süße des Bieres. Leider ist die sehr feinperlige Kohlensäure nur sparsam dosiert. Schnell drängen sich die Gewürze, in erster Linie der Wacholder, in den Vordergrund und verdrängen die Süße. Im Abgang flackert kurz etwas Säure auf, die aber schnell wieder dem Wacholder Platz macht, der sehr lange nachklingt.

Dieses Bier eignet sich gut als Begleiter zu Wildgerichten oder zum Kochen einer winterlichen Soße. Die Gewürze stehen im Vordergrund und lassen dem ebenfalls enthaltenen Hopfen keinen Platz im Geschmack.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Kümmel, Wacholder, Salz, Hefe

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Brauerei:

Bundesverband der Kreativbrauer e.B.
Rathgeberstr. 7
97656 Oberelsbach
www.deutschekreativbrauer.de

Maisel & Friends – dirty 30

Ein runder Geburtstag ist für viele Menschen etwas Besonderes und aus diesem Grund werden diese Geburtstage häufig auch ganz besonders begangen. Einmalig ist aber wohl das Geburtstagsgeschenk, das sich Markus Briemle, der Braumeister von Maisel&Friends, zu seinem 30. Geburtstag gemacht hat. Er braute sich ein Bier mit 30 unterschiedlichen Malzen und ebenfalls 30 unterschiedlichen Hopfensorten, das Dirty 30.

Das Sprichwort sagt ja aus, dass viele Köche den Brei verderben. Verderben auch viele Rohstoffe das Bier oder kommt dabei etwas ganz Spezielles mit einem ungeheuer komplexen Aromaprofil heraus? Ich habe jetzt das Bier vor mir stehen und bin wirklich gespannt, was dabei herausgekommen ist.

Wenn 30 Malze auf 30 Hopfensorten treffen, dann knallt es auf jeden Fall so richtig. Zwei skelettierte Widder treffen aufeinander, einer mit Hopfen, einer mit Malz beladen. Wenn mir das Bier so gut gefällt wie das Etikett, das von Markus Schwester gestaltet wurde, dann werde ich sicher begeistert von dem Ergebnis sein.

Rein optisch macht das Black IPA schon mal seinem Bierstil alle Ehre. Tiefschwarz und praktisch blickdicht präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine leicht überdurchschnittliche Krone aus festem hellbraunem Schaum, der sehr lange erhalten bleibt.

Das Aroma droht, die Wahrnehmungsfähigkeit meiner Nase zu überfordern. Der Duft nach Ananas steht im Vordergrund, dicht gefolgt von anderen Aromen. Ich rieche einen ganzen tropischen Obstsalat, dazu den Duft roter Früchte und von Rosinen, dazu einen Hauch schwarzer Pfeffer. Erst mit der Zeit kommt auch das Aroma des Malzes mit den Düften nach Toffee und dunkler Schokolade hervor. Ich bin davon überzeugt, dass andere Konsumenten noch weitere Duftnoten feststellen werden.

Jetzt ist es aber Zeit für den ersten Schluck. Und der erste Eindruck auf der Zunge ist, dass es sich beim Dirty 30 um ein frisches prickelndes Bier handelt. Es ist nichts zu spüren von der Schwere vieler dunkler Biere. Damit qualifiziert sich dieser Sondersud als ein hervorragendes Sommerbier. Das wird durch die ungeheure Fruchtigkeit des Bieres unterstützt. Zunächst schmecke ich Kumquats, bevor sich alle Aromen, die ich bereits in der Nase wahrgenommen habe, auf der Zunge widerspiegeln. Aber dabei bleibt es nicht. Auch Mandarine, Grapefruit und Banane kommen zum Vorschein. Die 8,2 Volumenprozent Alkohol sind dabei so gut in das Bier integriert, dass sie nicht hervorschmecken, sondern den Geschmack des Hopfens sowie des Malzes unterstützen. Überraschend ist auch der Abgang. Er ist deutlich weniger bitter als der Geschmack auf der Zunge, dafür tritt die Fruchtigkeit noch einmal klar hervor und sie klingt auch lange nach.

Das Dirty 30 ist ein Brauexperiment, das auf Anhieb überzeugen kann.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Roggenmalz, Dinkelmalz, Hopfen (Amarillo, Ariana, Bramling Cross, Callista, Cascade, Celeia, Centennial, Chinook, Citra, Crystal, Ella, Enigma, Hallertauer Blanc, Hallertauer Herkules, Hallertauer Perle, , Hallertauer Saphir, Hallertauer Tradition, HBC431, Hersbrucker, Hüll Melon, Mandarina Bavaria, Mittelfrüh, Relax, Saazer, Spalter Select, Styrian Fox, Styrian Golding, Tettnanger, Triskel, Vic Secret), Hefe

Alkoholgehalt:

8,2 % Vol.

Stammwürze:

17,5° Plato

Bittereinheiten:

62 IBU

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Klosterbrauerei Neuzelle – UrCraft Porter

Dieses Bier finden Sie nicht beim Discounter, nicht im Supermarkt und auch im Getränkemarkt suchen Sie nach dem UrCraft Porter aus der Klosterbrauerei Neuzelle vergebens. Selbst in diversen Internetshops und im Internetshop der Brauerei werden Sie keinen Erfolg haben. Um dieses Bier zu erwerben müssen Sie sich qualifizieren. OK, die Qualifizierung ist nicht allzu schwierig. Sie müssen lediglich unter http://www.ur-craft.com/ den wöchentlichen Newsletter der Brauerei bestellen und schon dürfen Sie die drei Craft-Biere der Klosterbrauerei bestellen. Dafür hat das Etikett aber ein sehr stylisches Design.

Sehen wir uns aber erst einmal die Flasche an. Die Angaben sind wie in Klosterzelle üblich recht minimalistisch gehalten. Wir finden die Zutatenliste, die Angabe des Alkoholgehalts, dass es sich um Porter handelt, dass es naturtrüb, mit der Hand abgefüllt und auch per Hand etikettiert wurde. Dazu noch an zwei Stellen der Hinweis, dass die Biere der Klosterbrauerei in Neuzelle per Internet oder Telefon bestellt werden können und dass die Bestellungen anschließend kostenfrei nach Hause geliefert werden. Auch ein Blick ins Internet bringt keine tiefgreifend neuen Erkenntnisse. Dort erfahre ich aber zusätzlich, dass das UrCraft Porter, wie die beiden anderen Biere aus der UrCraft-Reihe auch, erst nach Eingang der Bestellung von Hand abgefüllt und etikettiert wird. Ob die Handarbeit dem Konsumenten etwas bringt ist ungewiss, aber in Brandenburg, so kurz vor der polnischen Grenze, ist dieser Arbeitsplatz sicher heiß begehrt.

Nachdem wir in der Theorie nicht weiterkommen machen wir uns nun an die praktische Prüfung des UrCraft Porter. Tiefschwarz und vollkommen undurchsichtig fließt das Bier ins Glas. Dass es nicht filtriert ist und daher noch die Hefe der Gärung enthält kann ich nicht feststellen, eine Trübheit sieht man schließlich nur, wenn etwas durchsichtig oder zumindest durchscheinend ist. Ich glaube es jetzt aber einfach mal. Auf dem Bier recht wenig feiner haselnussbrauner Schaum, der leider relativ schnell verschwindet.

Der Duft wird deutlich vom Röstaroma des Malzes dominiert. Dazu kommt ein dezenter Duft nach dunkler Schokolade. Insgesamt ein angenehmer und intensiver Duft, auch wenn er nicht so viele Nuancen aufweist wie ich erwartet hätte. Eventuell könnte ein Spiel mit weiteren Hopfensorten hier noch eine Steigerung des Genusses bringen. Aber jetzt ist es an der Zeit für den ersten Schluck.

Der Antrunk ist überraschend mild, aber dann explodiert der Geschmack förmlich im Mund. Der intensive Geschmack des stark gerösteten Malzes, dazu die angenehme und zurückhaltende leichte Süße des Malzzuckers. Das ganze wird durch eine feinperlige Kohlensäure perfektioniert. Es wird schwer sein, für den Preis dieses Bieres etwas Besseres zu bekommen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

8,1 % Vol.

Brauerei:

Klosterbrauerei Neuzelle GmbH
Brauhausplatz 1
15898 Neuzelle

Red Castle Brew – Kellerbier

Jetzt habe ich ein Bier vor mir stehen, das ich von meinem letzten Aufenthalt in Nürnberg mitgebracht habe. Die kleine Brauerei verkauft ihr Bier und die anderen Produkte, die sie aus dem eigenen Bier herstellt, auf dem Hauptmarkt in Nürnberg. Als ich die Brauerei vor einigen Jahren kennenlernte, war sie ein Ein-Mann-Unternehmen. Ob das heute noch so ist entzieht sich meiner Kenntnis, aber groß ist sie nicht geworden, aber offensichtlich trotzdem erfolgreich. Immerhin hat Michael Bellair, der Brauer und Inhaber, vor einiger Zeit seine Website abgeschaltet, nach eigenen Angaben war die Pflege zu aufwändig und auch der Versand des Bieres war einfach nicht mehr leistbar. Außerdem ist die Brauerei vor einiger Zeit in größere Räumlichkeiten umgezogen. Die Brauerei ist im Internet inzwischen nur noch über Facebook zu erreichen.

Kräftig rot ist es, das Kellerbier aus Gräfenberg. Dazu kommen eine sehr lebhafte Kohlensäure und etwas Hefe. Auf dem Bier bildet sich eine leicht überdurchschnittliche Krone aus sahnigem weißem Schaum. Optisch macht das Bier schon mal einen sehr guten Eindruck.

Leichte Röstaromen sind der erste Eindruck des Aromas, unterstützt durch den Duft von Trockenfeigen und Rosinen. Dazu kommen noch leichte würzige Noten.

Der Antrunk ist intensiv, recht süß und durch die reichlich vorhandene Kohlensäure auch frisch. Ein Geschmack nach Banane mischt sich noch darunter. Schnell taucht noch eine leichte angenehme Säure und Fruchtigkeit auf, die den Geschmack abrunden. Mir persönlich fehlt noch etwas Bitterkeit, von der ich erwarten würde, dass sie dem Geschmack noch etwas mehr Komplexität verleihen würde. Auch der Abgang bringt nur ein leichtes Bitter hervor, das aber gut mit der Süße und Säure auf der Zunge spielt. Im Nachklang meine ich noch einen leichten Geschmack von Cognac zu bemerken.

Das Red Castle Kellerbier ist seinen Preis auf jeden Fall wert und wenn Sie einmal den Hauptmarkt von Nürnberg besuchen, sollten Sie sich die eine oder andere Flasche mitnehmen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Brauerei:

Red Castle Brew
Gewerbepark Hüll 17
91322 Gräfenberg