Archiv der Kategorie: Craft Beer

Ratsherrn – Rotbier

Nun steht das Ratsherrn Rotbier vor mir. Ein Rotbier aus Hamburg? Eigentlich kenne ich diese Brauspezialität hauptsächlich aus Nürnberg und Belgien. Laut dem Etikett soll hamburgisches Rotbier eine Tradition seit 1536 haben. Auf ihrer Website schreibt die Ratsherrn-Brauerei sogar von einer Rotbiertradition auf St. Pauli seit dem frühen 13. Jahrhundert. Auch eine intensive Recherche im Internet und der Literatur hat ansonsten keine Hinweise darauf gebracht. Aber das nur mal nebenbei; schließlich geht es um das Rotbier von heute.

Das Etikett verrät aber noch mehr über das Bier, nämlich die Hopfensorten. Verarbeitet wurden die drei Hopfensorten Herkules, Tradition und Saphir. Herkules ist eine relativ neue Bitterhopfensorte mit den Düften von Paprika und grünen Früchten. Tradition hat er ein feines und fast süßes Aroma. Das Aroma von Saphir wird durch die würzig-holzigen Noten von Wacholder und roten Früchten wie Erdbeere geprägt. Diese Mischung macht mich dann doch neugierig. Schenke ich mir also das erste Bier ein.

Dunkelrot steht das Bier im Glas, darüber ein nicht üppiger hellbrauner Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Die Farbe fasziniert mich. Sie erinnert mich an die Farbe eines roten Traubensaftes. Bereits die Farbe zeigt an, dass hier ein ganz besonderes Bier vor mir steht. Der Duft wird durch Karamellnoten bestimmt, begleitet vom Duft nach Trockenpflaumen.

Der Antrunk ist leicht süß und bringt auch gleich einen intensiven Karamellgeschmack mit sich. Ein aromatischer Malzgeschmack breitet sich dann gleich im gesamten Mundraum aus, unterstützt durch Noten von Karamell, eine milde Kohlensäure, eine leichte Bitterkeit und einen Hauch von Säure. Der Geschmack ist genauso intensiv wie die Farbe. Wirklich gut. Der Abgang ist erstaunlich mild, aber trotzdem lang anhaltend. Dieses Rotbier ist wirklich herausragend.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Herkules, Tradition, Saphir)

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

11,9 %

Brauerei:

Ratsherrn Brauerei GmbH
Lagerstr. 30a
20357 Hamburg
http://www.ratsherrn.de

BierSelect

Riegele – Simco 3

Nun habe ich mal wieder ein Bier aus der Riegele Braumanufaktur vor mir stehen, das Simco 3. Es wirbt für sich mit dem Slogan „Hopfiges Lebensglück“. Das schraubt die Erwartungen doch schon mal richtig hoch. Aber sehen wir uns erst einmal die Etiketten an, die wie bei Riegele üblich eine Menge über das Bier verraten.

Auf dem hinteren Etikett schreibt die Brauerei: „Genießen Sie das Aromaspiel der Brauspezialität Simco 3. Dieses Bier verdankt seinen Geschmack dem Hopfendreiklang von Hallertauer Perle, Hallertauer Opal und dem amerikanischen Simcoe Hopfen, der bei Null Grad kaltgestopft das Bier im Reifekeller verfeinert. Entdecken Sie in einem schönen Augenblick mit Auge, Nase, Mund und Gefühl diese weltmeisterliche Brauspezialität.“

Na, das sagt doch schon mal eine Menge aus. Sehen wir uns zunächst einmal die Hopfensorten an.

Die Hallertauer Perle ist bei Hopfenbauern und Brauern gleichermaßen beliebt. Sie hat ein gutes Aroma und gibt dem Bier einen vollen fruchtigen Geschmack. Das Aroma ist würzig nach Zeder und Orange. Hallertauer Opal ist eine relativ neue Hopfensorte mit einem würzigen Aroma nach Zitrusfrüchten und Kräutern. Der Simcoe-Hopfen ist unter den Brauern der Craft-Bier-Szene sehr beliebt. Nach meinen Recherchen im Internet ist die Ernte des letzten Jahres derzeit ausverkauft und in Deutschland nicht erhältlich. Er verströmt Aromen nach Kiefer, Grapefruit und Maracuja. Jetzt können wir uns schon einmal vorstellen, wie dieses Bier schmecken wird.

Am Fuß des Rückenetiketts steht die Zutatenliste. Dort verrät Riegele auch noch, welche Malzsorten verwendet wurden. In erster Linie wurde drei Sorten Gerstenmalz eingesetzt. Das Pilsener Malz ist ein helles Malz und wird in Deutschland am häufigsten verwendet. Steffi ist eine historische Malzsorte. Das Münchner Malz hat ein malziges bis leicht nussiges Aroma. Dazu kommt noch eine geringere Menge Weizenmalz.

Als Hefetyp wird der Riegele Alehefestamm 306 angegeben. Offensichtlich züchtet Riegele seine Hefen selbst. In diesem Bier steckt wirklich viel Herzblut.

Nun aber genug der Theorie, schenken wir das Bier ein. Mit einem hellen orangerot steht das naturtrübe Bier im Glas, darüber eine üppige feinporige Schaumkrone, die auch recht lange stehenbleibt. Das Bier duftet intensiv nach Aprikosen und Zitrusfrüchten, dazu ein herberer Duft nach Holunder. Bereits der Antrunk ist intensiv und die Fruchtaromen des Simoe-Hopfens kommen zum Tragen. Die reichlich vorhandene Kohlensäure gibt dem Bier eine zusätzliche Frische. Der Körper ist vollmundig und komplex. Im Abgang kommt noch das angenehme Bittere des Hopfens dazu. Alle Duft- und Geschmackskomponenten sind perfekt aufeinander abgestimmt.

Zutaten:

Wasser. Gerstenmalz (Pilsener Malz, Steffi, Münchner Malz), Weizenmalz, Hopfen (Hallertauer Perle, Opal, Simcoe). Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 %

Brauerei:

Riegele BierManufaktur
S. Riegele KG
Augsburg
http://www.riegele-biermanufaktur.de

BraufactuM – Palor

Nun steht ein Pale Ale aus der Internationalen Braumanufacturen GmbH in Frankfurt vor mir – das Palor. Den Namen hat das Bier von der Hopfensorte Polaris, die von Braufactum als erster Brauerei verwendet wurde. Dazu aber gleich mehr. Sehen wir uns erst einmal die Etiketten an.

Das Bier wird in einer Einweg-Pfandflasche mit 355 ml Inhalt verkauft. Normal sind 0,3 l. Ich bin mir nicht sicher, ob in diesen Flaschen immer etwas mehr drin ist, quasi als Sicherheitspuffer oder ob Braufaktum tatsächlich spezielle Flaschen verwendet. Aber das nur mal so nebenbei.

Für das Palor verwendet die Brauerei eine Mischung aus drei Malzsorten. Pale Ale Malz ist vor allem im angelsächsischen Raum verbreitet und wurde, wie der Name bereits aussagt, speziell auf die Herstellung von Pale Ale abgestimmt und sorgt für einen vollmundigen Geschmack des Bieres. Durch das Pilsener Malz erhält das Bier einen frischen und runden Geschmack. Karamellmalz sorgt für einen angenehmen Malzgeschmack und damit für eine Vollmundigkeit des Bieres. Außerdem färbt es das Bier dunkler.

Kommen wir zu den beiden verwendeten Hopfensorten. Polaris ist die Neuzüchtung eines Spezial-Bitterhopfens. Diese Sorte ist erst seit 2013 im Handel. Braufaktum verwendet diesen Hopfen aber bereits seit 2012, ein Zeichen für eine wirklich innovative Brauerei. Sie bringt eine erfrischende Note ins Bier und wird in erster Linie für das Stopfen des Ales verwendet. Die Hopfensorte Cascade stammt ursprünglich aus England und ist typisch für Ales und englische Bitterbiere. Aber kommen wir nun zum fertigen Produkt, dem Bier.

Das Bier hat die Farbe hellen Bernsteins. Es bildet relativ wenig Schaum, der durchschnittlich lange stehenbleibt. Dabei duftet es frisch nach Heu, dunklem Honig und Zitronenmelisse. Damit macht das Bier vor dem ersten Schluck schon mal einen sehr guten Eindruck.

Der Antrunk macht schon mal einen sehr spritzigen Eindruck. Eine lebhafte Kohlensäure verbindet sich mit einer leichten Süße. Der Körper ist vollmundig und verbindet eine nahezu perfekt ausgewogen Süße mit kräftigen Bitternoten und einer leichten Säure. Dabei ist der Geschmack angenehm intensiv. Der Abgang ist mild und hält sich trotzdem recht lange. Dieses Bier ist seinen Preis absolut wert.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pale Ale Malz, Pilsener Malz; Karamellmalz), Hopfen (Polaris, Cascade)

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Brauerei:

Die Internationale Brau-Manufacturen GmbH
60591 Frankfurt/Main
www.braufactum.de


Liefmans – Yell’ow on the Rocks

Die Brauerei Liefmans in Oudenaarde gibt es bereits seit dem Jahr 1679. Heute ist sie die einzige Brauerei in dem 30.000 Einwohner-Ort. Seit Jahrhunderten ist Oudenaarde berühmt für seine Fruchtbiere und Liefmans ist die letzte von ehemals 20 Brauereien in Oudenaarde. Das Besondere an Liefmans ist, dass sich dort eine Mikroflora gebildet hat, die Liefmans ermöglicht, mit den wilden Hefen zu brauen. Liefmans behauptet sogar, dass es nirgendwo sonst auf der Welt eine so perfekte Umgebung für das Brauen von Bier gibt.

Die Brauerei empfiehlt, dieses Bier wie im Namen bereits angegeben aus einem Glas mit Eiswürfeln zu genießen. Die ideale Temperatur wird mit 3°C angegeben.

Intensiv golden erstrahlt das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist durchschnittlich voluminös und gemischtporig. Leider fällt sie wie bei wilden Hefen üblich recht schnell in sich zusammen.

Intensive Düfte nach Karamell und Zitrusfrüchten steigen mir in die Nase. Dazu meine ich auch, den Duft reifer Äpfel wahrzunehmen. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der erste Eindruck ist, dass es sich um ein recht süßes Bier handelt, das aber durch die reichlich vorhandene Kohlensäure frisch und durstlöschend ist. Aber dann kommt diese Fruchtbombe mit Macht: Ananas, Limetten, Äpfel und Holunderblüten verwöhnen meinen Gaumen. Wow, daran könnte ich mich gewöhnen. Der Abgang ist ebenfalls sehr fruchtig und nur gering bitter.

Das Liefmans Yell’oh on the Rocks ist ein Bier für den Sonnenanbeter, Cocktailliebhaber, Neugierige und sogar für Nicht-Biertrinker. Es ist ein wirklich einmaliges Fruchtlambic.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Glukosesirup, Fruktosirup, Apfel, Limette, natürliche Aromen

Alkoholgehalt:

3,8 % Vol.

Brauerei:

Brewery Liefmans
Aalststraat 200
9700 Oudenaarde
Belgien
www.liefmans.be

Altstadtbrauerei – 500 SL 2017

Nun steht ein Sondersud aus der Hausbrauerei Altstadthof in Nürnberg vor mir. Das 500 SL wurde 2016 erstmals im Gedenken an das 500jährige Bestehen des Reinheitsgebots gebraut und in diesem Jahr gab es einen Sondersud dieser Kreation, der auf 500 Flaschen limitiert ist.

Auf dem Etikett verspricht dieses Bier schon mal viel: „Das 500 SK besticht durch Eleganz und eine fantastische fruchtige Note. Es entwickelt eine Dynamische Aromatik und entführt Sie auf eine Fahrt mit offenem Verdeck durch die Hopfenlandschaft Eckental-Herpersdorf. Das rote Spezialmalz sorgt für den Kraftvollen Körper, der durch eindrucksvolle fünf Flavour-Hopfen veredelt und getunt wird. Unser B®aumeister hat einen Typus geschaffen, der traditionell gebraut und doch zeitgemäß anmutet und alle gehobenen Ansprüche im Detail erfüllt. Spritzig, geschmeidig, kraftvoll und erfrischend anders.“

Die Brauerei verspricht also ziemlich viel und jetzt will ich mal prüfen, ob die Versprechungen auch eingehalten werden.

Zumindest was die Optik betrifft hat die Brauerei nicht zu viel versprochen. Kupferrot und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich sehr viel weißer sahniger Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Wenn der Geschmack genauso gut ist wie die Optik, hat die Brauerei wirklich nichts falsch gemacht. Irgendwie war das ja auch zu erwarten, denn Rotbier können die Nürnberger ja wirklich brauen.

Im Aroma kämpft der Duft des Malzes mit dem Duft roter Johannisbeeren und von Vanille. Die Brauerei verspricht auch das Aroma wilder Stachelbeeren, die ich allerdings nicht riechen kann. Das mag auch daran liegen, dass ich Stachelbeeren ausschließlich als Kulturpflanze kenne. Aber auf jeden Fall duftet das Bier intensiv und sehr fruchtig. Ich kann den ersten Schluck kaum erwarten.

Auch der Antrunk ist sehr fruchtig und dabei recht süß. Dazu kommt die sehr feinperlige Kohlensäure, von der ich mir aber doch etwas mehr erhofft hätte. Die Fruchtigkeit bleibt auch erhalten, während sich das Bier auf der Zunge verteilt. Jetzt kommt neben den Johannisbeeren noch eine andere, süßere Frucht zum Vorschein, die ich allerdings nicht identifizieren kann. Ob das die wilde Stachelbeere ist? Egal, auf jeden Fall macht das Bier einen vollen und runden Eindruck. Der Abgang ist kurz bitter. Der bittere Eindruck lässt aber sehr schnell nach und wird durch einen leichteren milden Nachklang abgelöst, der lange erhalten bleibt.

Im 500 SL 2017 zeigt sich die fränkische Braukunst von ihrer schönsten Seite.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Naturhopfen (Tradition, Saphir, Blanc, Select), Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Hausbrauerei Altstadthof
Bergstr. 19/21
90403 Nürnberg
https://www.hausbrauerei-altstadthof.de/

Überquell – Supadupa IPA

Im Herzen Hamburgs in den Hamburger Riverkasematten zwischen den Landungsbrücken und dem Fischmarkt befindet sich direkt an der Elbe die ÜberQuell-Brauerei, die von den beiden Bierexperten Patrick Rüther und Axel Ohm mitten in St. Pauli betrieben wird. Die beiden sind längst keine Unbekannten mehr in der Hamburger Craft Beer-Szene, denn sie haben früher das Braugasthaus „Altes Mädchen“ betrieben und die beliebten „Craft Beer Days“ veranstaltet. Jetzt haben sie ihre eigene Brauerei eröffnet, und weil Pizza und Bier so gut zusammenpassen, wurde diese gleich noch um eine Pizzeria ergänzt, sodass der geneigte Gast nicht nur gutes Craft Beer, sondern auch echte neapolitanische Steinofenpizza direkt vor Ort genießen kann. Wer also mal wieder die schöne Hansestadt besuchen kommt, der sollte unbedingt einen Abstecher zum ÜberQuell einplanen. Neben bester Pizza und kreativem Bier, lädt auch ein schöner Blick auf die Elbe ein – zumindest von der Dachterrasse aus. Zudem werden Braukurse und Brauereiführungen angeboten, sodass auch ein Blick hinter die Kulissen möglich ist. Das Supadupa IPA ist eines der ständigen Angebote von ÜberQuell.

Dunkel bernsteinfarben ist die Hopfenbombe mit leicht überdurchschnittlich viel größtenteils feinporigem Schaum, der sehr lange erhalten bleibt. An der Optik kann ich wirklich nichts aussetzen.

Bei einem IPA erwarte ich in erster Linie Hopfenaromen. Umso mehr überrascht mich das Supadupa mit einem Karamellduft, der durch Limonen- und Grapefruitdüfte sowie einigen würzigen Noten nach Nelke und Vanille unterstützt wird. Überraschend aber gut.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Supadupa auch im Antrunk überrascht. Der allererste Eindruck auf der Zungenspitze ist Frische mit einem angenehmen Malzkörper. Im Anschluss überzeugt das Bier durch seine fruchtigen Zitrusnoten sowie mit Anklängen von Grapefruit sowie würzigen und blumigen Noten, die durch ein ordentliches Bitter begleitet werden. Der Abgang ist überraschend mild und ich frage mich, wo dieses Bier seine 50 Bittereinheiten versteckt hat. Trotzdem klingt der Geschmack noch lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner, Münchner, Caramel), Weizenmalz, Hopfen (Centennial, Mosaic), Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Stammwürze:

15° Plato

Bittereinheiten:

50 IBU

Brauerei:

ÜberQuell Brauwerkstätten
St. Pauli Fischmarkt 28-32
20359 Hamburg
www.ueberquell.com

Riegele – Augustus 8

Und wieder steht eine Brauspezialität aus Franken vor mir, der Weizenbock Augustus 8 aus der Biermanufaktur Riegele in Augsburg. Schon das Etikett macht neugierig, wirbt es doch mit einem „fruchtigen Aromenspiel“ und der Empfehlung des Weltmeisters der Biersommeliers Sebastian B. Priller. Ungewöhnlich sind auch die Flaschengröße von 0,66 l und der hohe Alkoholgehalt von 8 %. Interessanter ist aber das Rückenetikett, auf dem das Bier genau beschrieben wird. Sogar die beiden verwendeten Hopfensorten werden genannt. Die Sorte Hallertauer Perle ist sowohl bei den Brauern als auch bei den Hopfenbauern beliebt (so schreibt zumindest ein Hopfenhändler im Internet). Sie verbindet einen ordentlichen Alphasäuregehalt mit gutem Aroma und gibt dem Bier einen vollen und fruchtigen Geschmack. Die Aromen sind würzig und enthalten Zeder und Orange. Die Sorte ist eine relativ neue Aromasorte mit einem guten Aroma, würzig und mit feiner Zitrusnote. Würzige und Zitrusaromen sind hervorstechend. Diese Hopfensorte empfiehlt der Handel für Lagerbiere, Ales, Weizen und Kölsch. Dann noch zwei unterschiedliche Malzsorten, das Pilsener Malz (der Name sagt wohl bereits alles über die Verwendung dieses Malzes) und das Münchner Malz, ein Gerstenmalz, das eine stärker färbt als Pilsener Malz. Es wird für malzige dunklere Biere verwendet. Zusätzlich bringt das Münchner Malz ein ausgeprägteres Aroma mit und sorgt auf diese Weise für einen intensiveren Geschmack. Aber genug der Theorie, schenken wir das Bier ein.

Rotbraun und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die Farbe wird vermutlich nicht meine Lieblingsfarbe werden, aber wichtiger als die Farbe sind beim Bier bekanntlich Duft und Geschmack. Über zeigt sich eine feinporige und üppige Schaumkrone, die ihresgleichen sucht. Der Duft ist einfach umwerfend. Das war aber auch nicht anders zu erwarten, da sich hier gleich zwei Aromahopfen die Ehre geben. Aus der üppigen Fruchtigkeit des Duftes stechen vor allem die Zitrusaromen heraus, unterstützt vom Duft reifer Bananen und der Malzaromen. Dass mir die Farbe des Bieres nicht ganz so gefallen hat, ist an dieser Stelle bereits vergessen.

Jetzt ist es aber Zeit, dass auch die Zunge ihre Eindrücke mitteilen kann. Nehme ich also den ersten Schluck. Der Antrunk überzeugt mit einer feinen Süße, die eine ungeahnte Fruchtigkeit mit sich bringt. Es ist kaum vorstellbar, dass dies ein Bier ist, das den Beschränkungen des deutschen Reinheitsgebots unterliegt. Bereits der erste Gechmackseindruck weist darauf hin, dass ich es hier mit einem der ganz großen deutschen Biere zu tun habe. Der Körper ist von reichhaltigen Aromen geprägt, dabei sehr vollmundig. Die Süße, eine leichte Bitterkeit und der Geschmack der 8.0 % Alkohol sind hervorragend aufeinander abgestimmt.

Das Bier ist seinen Preis auf jeden Fall wert; es ist zu schade, um einfach „hinter die Binde gekippt“ zu werden, sondern es muss wirklich Schluck für Schluck genossen werden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 %

Brauerei:

Riegele BierManufaktur
S. Riegele KG
Augsburg
http://www.riegele-biermanufaktur.de

Brasserie de la Senne – Stouterik

Stouterik stammt aus Brüssel, der heimlichen Hauptstadt der belgischen Bierkultur, die bekanntlich zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehört. Der Brasserie de la Senne reicht das aber noch nicht. Das Team hat sich zum Ziel gesetzt, die belgische Biervielfalt nicht nur zu erhalten, sondern auch zu modernisieren und sie so auf den aktuellen Stand zu bringen. Dabei gehen die Brauer nicht schüchtern vor. Biere werden in Eichenfässern gereift, mit lokalen Brettanymices vergoren, Rohstoffe werden teilweise aus bilogischem Anbau ausgewählt und die verschiedenen qualitätssteigernden Methoden werden kombiniert. Daher ist die Brauerei für ihre Biere bekannt und es wundert mich etwas, dass sie in Deutschland recht unbekannt sind.

Nun steht das Stouterik vor mir, wie der Name schon aussagt ein Stout. Es handelt sich nach den Angaben der Brauerei um ein klassisches „Dry Stout“ nach irischer Tradition, leicht zu trinken, aber mit einem ausgeprägten Charakter. Na, dann kann ja wohl nichts mehr schiefgehen.

Blickdicht schwarz mit sehr viel hellbraunem Schaum präsentiert sich das Bier im Glas. Der Schaum ist fest und bleibt sehr lange erhalten. Ein Stout wie gemalt.

Auch das Aroma ist ansprechend. Im Vordergrund stehen Röstaromen mit dem Duft nach frisch geröstetem Kaffee. Dazu etwas Vanille und ein Hauch Haselnuss und die Verführung ist fast perfekt. Denn auch die fünf Volumenprozent Alkohol melden sich, ohne dabei dominiant zu werden. Im Gegenteil ordnet sich der Alkoholduft den anderen Aromen unter und verbindet sich mit ihnen zu einem Gesamtkunstwerk.

Der Antrunk ist recht süß. Normalerweise würde ich das bei einem Stout auch erwarten, aber nachdem das Bier auf dem Etikett als Belgian Dry Stout angepriesen wurde hätte ich doch etwas anderes erwartet. Dafür entschädigt mich aber die sehr feinperlige Kohlensäure, die auf die Süße gut abgestimmt ist. Auf der Zunge entwickelt sich ein kräftiges kaffeeartiges Bitter, das ebenfalls in der Stärke mit der Süße harmoniert. Das Mundgefühl ist weich und samtig, rund und voll. Im Abgang verstärkt sich das Bitter noch einmal und das Bier wird trockener. Auch wenn sich das Bitter jetzt zurückhält klingt es doch lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Zucker, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Brasserie de la Senne
Drève Anna Boch 19-21
1000 Brüssel
Belgien
www.brasseriedelasenne.be

Ratsherrn – Beef!

Zwei Unternehmen aus Hamburg haben sich zusammengetan, um den Lieblings-Bierstil der Deutschen neu zu interpretieren – die Ratsherrn Brauerei und das Kochmagazin BEEF! aus dem Verlag Gruner & JahrDabei herausgekommen ist ein Craft-Pilsener: das BEEF! Dry Hopped Pilsener. Und genau dieses Bier steht jetzt vor mir. Rund ein Jahr hat es von der ersten Idee bis zum fertigen Bier gedauert. Zusammen mit dem Braumeister Ian Pyle von Ratsherrn sammelte die BEEF! Redaktion Ideen und entwickelte das Braurezept. Dabei wollte die Ratsherrn Brauerei nicht ein weiteres IPA oder Pale Ale brauen, sondern zeigen, dass man auch beim Pilsener neue Aromaimpulse setzen kann, ohne den ursprünglichen Bierstil zu verfälschen.

In hellem Goldgelb strahlt mich das Beef! an. Darüber bildet sich leicht überdurchschnittlich viel feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist ordentlich kräftig hopfenbetont. Düfte nach Blumen, Zitronenschalen und überreifen gelben Früchten steigen mir in die Nase. Für ein Pilsener ist das Aroma wirklich gut.

Der Antrunk ist leicht süß und die Dosierung der Kohlensäure ist gut auf die Süße abgestimmt. Leider lässt das Bier dann aber stark nach. Zwar ist eine Fruchtigkeit nach Limonen und Grapefruit zu schmecken, zusammen mit einem leichten Bitter, aber insgesamt ist der Geschmack nicht intensiv genug. Von der Ratsherrn Brauerei bin ich wirklich anderes gewöhnt. Jungs, das könnt ihr besser. Der Abgang erinnert mit seinem milden Bitter und einer gewissen Fruchtigkeit eher an ein Helles als an ein Pilsener.

Ich kann nicht sagen, dass das Beef! ein schlechtes Bier ist, aber es dürfte das Bier aus der Brauerei in der Schanze sein, das mir am wenigsten gefällt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz, Karamellmalz hell), Hopfen (Citra, Saphir)

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11,4° Plato

Bittereinheiten:

38 IBU

Brauerei:

Ratsherrn Brauerei GmbH
Lagerstr. 30a
Schanzenhöfe
20357 Hamburg
www.ratsherrn.de

BierSelect

Eulchen – Weißbier

Nun steht mal wieder ein Eulchen-Bier aus Mainz vor mir. Es ist das letzte Bier, das ich von der jungen Brauerei zur Verkostung habe. Es ist auch das letzte Bier, das ganzjährig verkauft wird.

Golden wie ein Weizenfeld präsentiert sich das Bier im Glas, dazu ist es hefetrüb. Für ein Weizenbier bildet sich vergleichsweise wenig gemischtporiger Schaum, der aber lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist fruchtig. Düfte tropischer Früchte steigen mir in die Nase. Neben Ananas und Mango sowie überraschend wenig Bananenduft des Weizens kommt auch der Malzkörper zu seinem Recht.

Auf der Zunge ist mein erster Eindruck, dass das Bier recht dünn ist und auch nur wenig Kohlensäure enthält. Auch als sich das Bier im Mund verteilt, bleibt das dünne Gefühl erhalten, auch wenn sich die Aromen auf der Zunge widerspiegeln. Trotzdem macht das Bier keinen runden Eindruck; ich würde mir einige Bitterstoffe wünschen, die aber leider vollständig fehlen. Auch im Abgang bleibt lediglich der fruchtige Geschmack, von Bitterstoffen oder einem Nachklang ist leider nichts festzustellen.

Die anderen Biere von Eulchen hatten mir eigentlich recht gut gefallen, nur das Weißbier, das ich ganz zum Schluss getrunken habe, enttäuscht mich.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,1%

Stammwürze:

12,5° Plato

Brauerei:

Eulchen GmbH
Hindenburgstr. 7
55118 Mainz
www.eulchen-bier.de