Archiv der Kategorie: Craft Beer

BraufactuM – Roog

Welcher Teufel hat mich eigentlich geritten, dass ich ein Rauchbier gekauft habe? Vermutlich hat mich gereizt, dass es sich um ein Rauchweizen handelt, eine Seltenheit. Außerdem stammt das Bier aus der hessischen Brauerei BraufaktuM, während Rauchbier traditionell aus dem fränkischen Bamberg stammt. In der Regel stört mich der Rauchgeschmack im Bier, der in der Regel sehr hervorstechend ist. Aber egal, jetzt habe ich es vor mir stehen und ich werde tapfer sein und es verkosten. Sehen wir uns zunächst die Etiketten an.

Zunächst fällt die Flaschengröße auf; 650 ml passen in die Flasche. Ebenfalls auffällig ist auch der Alkoholgehalt von 6,6 Volumenprozenten, besonders für Weizenbier ein erstaunlich hoher Wert. Auf dem vorderen Etikett wird auch erklärt, dass das Rauchmalz traditionell über Buchenholz gedarrt wurde, womit geklärt ist, woher die Raucharomen stammen. Das Etikett auf der Rückseite trägt die Zutatenliste, auf die ich gleich noch eingehen werde.

Ein Blick auf die Website des Herstellers informiert mich noch, dass dieses Rauchweizen auf dem World Beer Cup 2012 mit der Silbermedaille ausgezeichnet wurde. Zumindest in diesem Jahr war das Bier also das zweitbeste Rauchbier weltweit. Dementsprechend wachsen jetzt meine Erwartungen; eventuell war der Kauf doch kein Fehler.

Immerhin sechs verschiedene Malzsorten verbraut die Manufaktur in ihrem Rauchweizen. Das helle Weizenmalz ist für Weizenbiere typisch und betont die Frische des Weizenbiers. Durch das dunkle Weizenmalz kommen die Malznoten zum Vorschein. Für das Weizenkaramellmalz wird das Getreide nach speziellen Verfahren vermälzt, verzuckert und anschließend schonend geröstet. Dann folgen noch drei Gerstenmalze. Das Rauchmalz verleiht dem Bier seinen typischen rauchigen Geschmack. Das Wiener Malz sorgt für einen vollmundigen Geschmack und gibt dem Bier eine goldene Farbe, wenn es nicht wie hier mit dunklen Malzen gemischt wird. Das Karamellmalz verbessert die Schaumeigenschaften und die Vollmundigkeit des Bieres wird optimiert, ohne die Farbe zu verändern. Die Hopfensorte Herkules ist eine Neuzüchtung, die seit etwa zehn Jahren auf dem Markt ist und die einen hohen Bitterwert hat. Na ja, eventuell gefällt mir dieses Rauchweizen ja doch. Schenke ich mir also ein.

Dunkelbraun mit einem Rotstich steht das Bier im Glas. Auffällig ist auch die große Menge Hefe, die das Bier enthält. Das gefällt mir, da Biere mit Hefe in der Regel vollmundig sind. Über dem Bier wie für Weizenbier typisch viel Schaum in einem hellen Haselnussbraun. Der Schaum ist feinporig und bleibt lange erhalten. Optisch ist das Bier also perfekt. Der Duft ist durch starke Röstaromen geprägt, ich würde sagen angekokeltes Buchenholz mit einem Hauch gebrannter Mandeln. Das klingt in der Beschreibung nicht so toll, ist aber in der Realität absolut nicht unangenehm.

Der Antrunk ist überraschend mild. Ich hätte ihn aufgrund des intensiven Dufts deutlich heftiger erwartet. Aber so haben wir hier ein mildes Rauchbier mit einer leichten Süße, bei dem die Rauchnoten zwar deutlich wahrnehmbar sind, aber nicht alle anderen Geschmäcker überlagern, wie es bei vielen Rauchbieren aus Bamberg der Fall ist. Hier kommt aber auch der Geschmack der Hefe deutlich durch. Die reichlich vorhandene Kohlensäure sorgt für zusätzliche Frische und Süffigkeit des Bieres. Der Abgang ist bitter und wird von Röstaromen bestimmt, die auch lange nachklingen.

Es ist ein Bier mit Ecken und Kanten, eines der wenigen Rauchbiere, die ich wirklich mag. Ich könnte es mir gut zu einem Wildbraten vorstellen. Aber dieses Bier will nicht jedem gefallen und ich kann durchaus verstehen, wenn jemand dieses Bier nicht mag. Probieren Sie es aus, es lohnt sich.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz (helles Weizenmalz, dunkles Weizenmalz, Weizenkaramellmalz), Gerstenmalz (Rauchmalz, Wiener Malz, Karamellmalz), Hopfen (Herkules), Hefe

Alkoholgehalt:

6,6 % Vol.

Brauerei:

Die Internationale Brau-Manufacturen GmbH
60591 Frankfurt
www.braufactum.de

Rebelse Strop

Das Rebelse Strop, das jetzt vor mir steht, stammt aus der Brouwerij Roman in Oudenaarde. Bei diesem Bier haben sie die Brauer für den Einsatz von Brett entschieden. Diese hartnäckige Hefe sorgt dafür, dass sich das Bier im Laufe der Zeit weiter entwickelt. Zusammen mit der trockenen Hopfung, bei der der Hopfen in der Gärungsphase zugegeben wird, soll diese Eigenschaft dem Bier ein prächtiges Aroma und einen fantastischen Geschmack verleihen. Jetzt bin ich ja mal neugierig, ob das funktioniert hat.

Intensiv goldfarben und mit leichter Trübung fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine sehr große Schaumkrone. Obwohl der Schaum teilweise recht grobporig ist, bleibt er lange erhalten, so dass es an der Optik nichts auszusetzen gibt.

Das Aroma ist interessant. Einerseits kommt der Malzkörper zu seinem Recht, gleichzeitig steigen mir erdige Töne in die Nase und dann liefern die Milchsäurebakterien noch eine diffuse Fruchtigkeit. Damit macht das Aroma einen wirklich guten Eindruck und ich habe wirklich Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk enthält überraschend viel Süße und dabei eine tolle Frische. Die Süße hätte ich bei dem Aroma nicht in dem Maße erwartet. Erst nachdem sich das Bier auf der Zunge verteilt hat, halten sich Säure und Süße die Waage. Offensichtlich habe ein bereits reiferes Bier erwischt, auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum erst in dreieinhalb Jahren erreicht wird. Bitter kann ich so gut wie garnicht feststellen. Trotzdem ist das Mundgefühl rund und voll. Im Abgang wird das Bier trockener, so dass die Säure stärker in den Vordergrund tritt. Und obwohl auch in der Kehle das Bitter eher zu erahnen als zu schmecken ist, klingt der Geschmack lange nach.

Dieses Bier kann ich zu Fischegerichten und Meeresfrüchten uneingeschränkt empfehlen, auch zu fruchtigen Desserts.

Alkoholgehalt:

6,9 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celcius

Brauerei:

Brouwerij Roman
Hauwaart 105
9700 Oudenaarde
Belgien
www.roman.be

Firestone – Pale 31

Nun möchte ich wieder einmal ein Craft-Bier verkosten, erstmals aus den USA. Das von Firestone Walker in Kalifornien gebraute Bier wird in Deutschland durch Braufactum im hessischen Frankfurt vertrieben. Bereits die Angaben auf den Etiketten versprechen, dass dieses Bier eine Menge Spaß machen wird.

Bereits bei der Malzauswahl haben sich die Brauer eine Menge Arbeit gemacht und haben eine Mischung von vier Malzen kreiert. Das enzymreiche Pilsener Malz verleiht dem Bier einen frischen und abgerundeten Geschmack. Das helle Maris Otter-Malz ist das klassische Malz für Ale und soll wohl das Lieblingsmalz sehr vieler englischer Brauer sein. Das Münchner Malz sorgt für eine intensive Farbe des Biers und das Caramelmalz sorgt für eine Vollmundigkeit des Biers und verbessert die Schaumeigenschaften. Dazu noch vier Hopfensorten. Fuggle ist ein milder und zugleich würziger englischer Aromahopfen, der für Ales und Stouts verwendet wird. Cascade ist nach Angaben eines Hopfenhändlers der beliebteste Aromahopfen in den USA und wird aufgrund seiner Zitrus- und Grapefruitaromen häufig in stark gehopften Ales verwendet. Er entstand aus einer Kreuzung von Fuggle mit der russischen Hopfensorte Serebrianka. Centennial ist ein Aromahopfen mit einem hohen Alphasäuregehalt und blumiger Zitrusnote. Chinook ist eine amerikanische Hopfensorte mit starkem Grapefruitcharakter. Die Zutatenliste macht also schon mal viel Lust auf dieses Bier. Schenke ich es also ein.

Bereits beim Öffnen der Flasche steigt mir ein intensiver und leicht säuerlicher Duft von Zitrusfrüchten und Pfirsichen in die Nase. Ein so intensiv duftendes Bier habe ich selten verkostet. Nachdem ich diesen Duft genossen habe ist es an der Zeit, dass das Bier ins Glas kommt. Intensiv gelb mit einem leichten Rotstich steht das Bier im Glas, dazu eine leichte Trübung durch die vorhandene Hefe. Braufactum, der Vertreiber von Firestone in Deutschland, beschreibt die Farbe als Altgold. Und jetzt im Glas kommt noch eine zusätzliche Duftnote hervor, getrocknete Mango. Dazu eine durchschnittliche Menge weißer Schaum, der aber lange erhalten bleibt.

Der Antrunk bringt überraschend wenig Süße mit sich, da hätte ich bei der intensiven Farbe mehr erwartet. Dazu kommt eine frische Säure, die sich mit der ausgeprägten Bitternote und der reichlich vorhandenen Kohlensäure zu einem wunderbar ausgewogenen Bier verbindet. Der Körper ist weich und herrlich süffig. Der Abgang ist überraschend mild, wobei sich der Geschmack dieses Bieres lange im Mund hält. Dieses Bier macht wirklich Spaß.

Braufactum gibt auf seiner Website noch einige weitere Informationen zur Herstellung des Firestone Pale 31: Pale 31 ist ein Cuvée. Es besteht aus herkömmlich gebrautem Bier und Bieren, die im sogenannten „Firestone- Union-Verfahren“ gebraut werden, einer Weiterentwicklung der traditionellen „Burton-Union-Methode“. Als das Verhalten der Hefe durch Temperaturregelung noch nicht steuerbar war, schäumte das Bier oft aus den Fässern. Die überlaufende Flüssigkeit wurde aufgefangen und später wieder ins Fass gefüllt. Durch diese Zirkulation wird eine besonders aktive Hefe gewonnen, die dem Bier seinen einzigartigen Geschmack gibt. Firestone verwendet hierfür Fässer aus amerikanischer Eiche.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz, helles Malz der Sorte Maris Otter, Münchner Malz, Caramelmalz), Hopfen (Fuggle, Cascade, Centennial, Chinook)

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Brauerei:

Firestone Walker Brewery
1400 Ramada Drive
93446 Paso Robles
Kalifornien, USA
www.firestonebeer.com

 

Fuller’s – India Pale Ale

Nun steht mal wieder ein Bier aus Großbritannien vor mir, das Fuller’s India Pale Ale. Die englischen Biere und ganz besonders die aus der Brauerei Fuller haben mit bislang gut gefallen und der Hinweis auf dem Halsetikett der Flasche, dass es sich um ein „award winning ale“ handele, steigert meine Erwartungen selbstverständlich noch weiter. Mal sehen, ob dieses Bier meine Erwartungen erfüllen kann.

Intensiv golden bis bernsteinfarben präsentiert sich das Bier im Glas. Es ist klar und enthält sehr viel Kohlensäure. Trotzdem entwickelt sich beim Einschenken nur eine durchschnittliche Menge cremiger weißer Schaum.

Das Aroma ist fruchtig – ich stelle Düfte von Zitronen, Orangen und Bitterorgangen, unterstützt durch einen deutlichen Duft nach Karamell. Damit unterscheidet sich der Duft dieses IPA von dem vieler anderer IPAs: Das Fuller’s ist nicht gar so intensiv gehopft, daher kommt der Duft des Malzes besser zum Vorschein. Nun bin ich zwar kein Brauer, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es schwieriger ist, ein IPA wie dieses zu entwickeln, bei dem der Aromahopfen nicht alle anderen Geschmacksnuancen überdeckt. Jetzt bin ich mal gespannt, ob sich diese Erwartung auch im Geschmack widerspiegelt.

Der Antrunk ist deutlich weniger süß als ich es erwartet hätte. Das ist aber kein Nachteil. Im Gegenteil – die geringe Süße passt sehr gut zur sanften Kohlensäure dieses Bieres. Der Körper des Bieres wird durch eine frische Säure und deutliche Bitterstoffe bestimmt. Eigentlich müsste mir jetzt die Süße fehlen, denn wirklich ausgewogen ist das Bier nicht. Das müsste mir jetzt eigentlich negativ auffallen – aber verdammt, das Bier schmeckt. Es gefällt mir wirklich. Auch der Abgang weiß zu gefallen. Er ist für ein IPA überraschend mild und dabei angenehm bitter. Dass dieser Geschmack nicht allzu lange erhalten bleibt, wird viele Biertrinker sicher nicht stören.

Dieses IPA ist nicht so wie ich es erwartet hätte, absolut nicht. Wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden, hat der Kandidat einen schweren Stand. Aber dieses Bier ist in der Lage, meinen nicht erfüllten Erwartungen zum Trotz zu gefallen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Brauerei:

Fuller Smith & Turner PLC
Chiswick Lane South
London W4 2QB
England
www.fullers.co.uk

Braukatz – Pussycat

Die beiden Schwestern Stephanie und Kathrin Meyer tüfteln In der kleinen Brau-Manufactur Allgäu in Nesselwang ständig an neuen Bier-Kreationen. Die beiden haben sich vor etwa vier Jahren entschlossen, mit ihrer Marke „Braukatz“ und viel Enthusiasmus den wachsenden Craft Beer-Markt in Deutschland zu bereichern.

Für den Chef der Brau-Manufactur Allgäu ist die Erweiterung des „Braukatz“-Angebots ein konsequenter und notwendiger Schritt, um im Craft Beer-Markt dauerhaft erfolgreich zu sein: „Nachdem die Craftbier-Entwicklung hierzulande in den Anfängen vor allem davon geprägt war, möglichst die Aromengrenzen auszuloten und teilweise extrem aromatische und alkoholstarke Biere anzubieten, merken wir jetzt, dass man auch mit ausgewogeneren Rezepturen und moderatem Alkoholgehalt sehr gut punkten kann. Gerade die drei neuen ‚Braukatzen‘ sind dafür gedacht, jede mit hoher Drinkability und eigenem Charakter.“, erläuterte er gegenüber About Drinks.

Die Pussycat strahlt mir rubinrot und leicht hefetrüb entgegen. Die Farbe ist richtig toll. Weniger gefällt mir die recht kleine Schaumkrone, die auch relativ schnell in sich zusammenfällt.

Das intensive Aroma besticht durch seine Malz- und Karamelldüfte, unterstützt durch Waldhonig- und Rosinenduft. Ja, jetzt kann ich mich mit diesem neuen Bier anfreunden.

Der Antrunk ist erheblich weniger süß als ich erwartet habe. Die großzügig dosierte Kohlensäure verleiht dem Bier eine angenehme Frische. Während sich das Bier im Mund erwärmt wird die Süße und damit der Geschmack nach Rosinen stärker. Dazu kommt eine feine Herbe. Ich glaube, ich bin in Pussycat verliebt. Auch im Abgang dominiert der Geschmack der Trockenfrüchte, unterstützt durch ein leichtes Bitter. Der Nachklang ist verhalten, aber richtig lang.

Das Pussycat ist ein Red Lager, das überrascht und zu begeistern weiß.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Stammwürze:

13,4° Plato

Bittereinheiten:

22 IBU

Brauerei:

Post-Brauerei Nesselwang
Karl Meyer
Hauptstr. 25
87484 Nesselwang
www.brau-manufactur-allgaeu.de

Buddelship – High on Rye

Das Buddelship HIgh on Rye ist ein traditionelles schottisches Bier, das mit Roggen eingebraut wird. Nicht nur die Blütezeit der Hanse, auch die der Heide verbindet Hamburg und Schottland – dieses Roggenbier ist mit beiden eng verwurzelt. Leider ist dieses Roggenbier nur saisonal verfügbar.

Hell bernsteinfarben und hefetrüb ist das High on Rye. Darüber bildet sich sehr viel cremiger elfenbeinfarbener Schaum, der sehr langsam in sich zusammenfällt.

In die Nase steigen mir Düfte nach Biskuit, blumige Noten, etwas Zitrusduft und Pumpernickel. Das komplexe Aroma macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist frisch und spritzig. Der Geschmack nach Orangenschale und Grapefruit macht sich breit. Der fruchtige Geschmack ist voll und sehr angenehm. Im Abgang kommt ein sanftes schmeichelndes Bitter dazu, das relativ lange nachklingt. Im Abgang kommen auch die blumigen Aromen wieder zum Vorschein.

Das High on Rye ist ein überraschendes und spannendes Bier, das sich sehr angenehm trinken lässt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Roggenmalz, Heideblüten, Hopfen (Ella, Bramling Cross), Hefe

Alkoholgehalt:

6,9 % Vol.

Stammwürze:

16,5° Plato

Brauerei:

Buddelship Brauerei GmbH
Warnstedtstr. 16l
22525 Hamburg
www.buddelship.de

Salonsozialist 2017

Die kleine Craft Bier-Brauerei aus Hamburg-Altona, ehemals Hoppe-Bräu, setzt ihre Leidenschaft auf außergewöhnliche Biere, die durchaus Ecken und Kanten haben dürfen. Ihre kreativen Rezepte setzt das Team zwar in kleinen Sudmengen um, aber dafür sind die Zutaten von besonderer Qualität. So hat Braumeister Sascha für das Brauen dieses Bieres eine Champagnerhefe verwendet.

Schon die Farbe dieses Weizen-Doppelbockbiers ist etwas Besonderes. Orangerot strahlt es mir entgegen, wenn auch leider mit wenig gemischtporigem Schaum, der auch schnell in sich zusammenfällt.

Malz und Röstaromen dominieren den Duft. Dazu verwöhnen komplexe Aromen nach getrockneten Bananen, Waldhonig, Birne und Nelke meine Nase. Aber auch die 9,3 Volumenprozent Alkohol finden sich im Aroma wieder. Der alkoholische Duft passt aber gut zu den anderen Aromen.

Der Antrunk ist kräftig und recht süß, wobei aber einige säuerliche Noten verhindern, dass das Bier klebrig wirkt. Jetzt würde ich mir aber wünschen, dass die sehr feinperlige Kohlensäure etwas großzügiger dosiert worden wäre. Schnell gesellt sich noch eine ordentliche Fruchtigkeit dazu, wobei der typische Weizengeschmack erhalten bleibt bzw. sich auf der Zunge weiter ausbildet. Vollmundig und mit wenigen Bitterstoffen wird der Salon-Sozialist beinahe zum Aperitif. Die Aromen werden im Mund immer intensiver bis zum milden Abgang, der allerdings nur kurz nachklingt.

Dieses Bier ist echt der Wahnsinn und eignet sich durchaus, um bei einem Empfang dem Sekt den Rang abzulaufen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen (Bramling Cross, East Kent Golding), Hefe

Alkoholgehalt:

9,3 % Vol.

Bittereinheiten:

15 IBU

Stammwürze:

19° Plato

Brauerei:

Landgang Brauerei
Beerenweg 12
22761 Hamburg
www.landgang-brauerei.de

Hildesheimer Braumanufaktur – London Ale

Und wieder einmal steht ein Bier aus der Hildesheimer Braumanufaktur vor mir, das London Ale. Die Brauerei verspricht mir ein würziges und leicht fruchtiges Bier. Na, dann wollen wir doch mal sehen.

Rot ist es mit einer durchschnittlichen Krone aus feinporigem elfenbeinfarbenem Schaum, die durchschnittlich schnell in sich zusammenfällt.

Der Antrunk ist schlank und frisch. Auf der Zunge meldet sich ein leichter Malzkörper, der wenig Hopfen mitbringt. Erst im Abgang kann ich ein leichtes Bitter feststellen, das nur kurz nachklingt.

So sehr ich die anderen Biere der Hildesheimer Braumanufaktur gemocht habe, kann mich das London Ale wirklich nicht begeistern.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Fuggles, East Kent Goldings), Hefe

Alkoholgehalt:

4,7 % Vol.

Brauerei:

Jan Preiffer & Malte Feldmann GbR
Goslarsche Landstr. 15
31135 Hildesheim
www.hildesheimer-braumanufaktur.de

Klosterbrauerei Neuzelle – Urcraft Pilsener

Nun steht wieder einmal eines der UrCraft-Biere aus der Klosterbrauerei Neuzelle vor mir – diesmal das Pilsener. Die Informationen auf den Etiketten sind wie bei dieser Brauerei üblich etwas spärlich und verraten nicht viel über das Bier. Aber da ich bislang von noch keinem Produkt aus Neuzelle enttäuscht war, habe ich doch recht hohe Erwartungen an den Inhalt dieser Flasche. Beginne ich also gleich damit, das Bier einzuschenken.

In einem hellen goldgelb und hefetrüb steht das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist klein, recht grobporig und fällt recht schnell in sich zusammen. Schade, dadurch wird das eigentlich gute Aussehen des Bieres doch etwas getrübt. Aber ich will ja keine Schönheit beurteilen, sondern in erster Linie den Geschmack. Der Duft ist hefebetont und getreidig, etwas süßlich und bringt nur wenige Hopfennoten mit sich.

Der Antrunk begrüßt mich mit der feinen Süße des Malzzuckers, ohne zu süß zu werden. Anschließend kommt der Geschmack der Hefe durch, was schon mal einen angenehmen Kontrast darstellt. Die fein perlende Kohlensäure sorgt für eine angenehme Spritzigkeit und macht das Bier süffig. Erst im Anschluss kommt der Hopfen überraschend stark durch und sorgt für einen relativ langen Abgang.

Doch, es ist durchaus ein wirklich gutes Bier.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Klosterbrauerei Neuzelle GmbH
Brauhausplatz 1
15898 Neuzelle
www.klosterbrauerei.com

Klüvers – Amber Mandarina Bock

Als ich kürzlich in Neustadt/Holstein war, habe ich selbstverständlich auch Klüvers Brauerei besucht. Neben der Brauereigaststätte ist auch ein kleiner Laden, in dem die Brauerei neben Fischbrötchen auch ihre Biere verkauft. Und dort fiel mir sofort der Amber Mandarina Bock auf. Die Flasche sieht ja auch schon mal edel aus. Die Beschriftung der Flasche ist direkt auf das Glas aufgedruckt, statt eines Etiketts sind die Angaben zum Bier auf einem kleinen Anhänger vermerkt, der mit einem Gummiband am Flaschenhals hängt. Offensichtlich handelt es sich also um einen Sondersud und gerade Sondersude ziehen mich immer an, da es sich dabei meist um besondere Biere handelt. Und auch die Beschreibung ist ansprechend: „Hellgoldene Farbe, fester, weißer bis cremefarbener Schaum kombiniert mit leichten fruchtigen Noten von Orange und Mandarine prägen den kräftigen und vollmundigen Geschmack dieses Bieres.“ Da konnte ich einfach nicht anders als dieses Bier zu kaufen und mit nach Hause zu nehmen.

Nicht hellgelb wie angegeben, sondern bernsteinfarben und leicht hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine recht voluminöse weiße Schaumkrone, die anfangs recht schnell in sich zusammenfällt. Das letzte Drittel bleibt aber lange erhalten.

Das Aroma ist malzbetont und intensiv. Leichte Röstaromen steigen mir in die Nase, zusammen mit einigen fruchtigen Noten, die ich aber nicht näher definieren kann. Orange und Mandarine kann ich nicht feststellen. Jetzt fällt mir auch auf, dass auf dem Anhänger kein Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben ist. Eventuell hat das Bier bereits länger im Laden gestanden, so dass sich die Hopfenaromen bereits zum großen Teil abgebaut haben.

Der Antrunk ist stiltypisch recht süß und für meinen Geschmack könnte die feinperlige Kohlensäure etwas großzügiger dosiert sein. Trotzdem ist das Bier angenehm und rund und obwohl der Zitrusgeschmack recht verhalten ist, ist das Bier vollmundig und kann mich begeistern. Die Fruchtigkeit bleibt auch im Abgang erhalten und wird von nur wenigen Bitterstoffen begleitet. Der Geschmack klingt mittellang nach.

Der Amber Mandarina Bock ist sicherlich ein großes Bier, das seinen Preis von 7,50 Euro auf jeden Fall wert ist. Würde ich wie andere Blogger an dieser Stelle Sterne oder Kronkorken verteilen, würde ich es aber trotzdem abwerten, da die fruchtigen Aromen zu verhalten sind und das Bier auch nicht hellgelb, sondern bernsteinfarben ist. Dieses Bier würde mit Sicherheit auch bei der Beschreibung auf dem Anhänger etwas mehr Sorgfalt verdienen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,8 %

Stammwürze:

15,9° Plato

Brauerei:

Klüvers Delikatessen Manufaktur GmbH & Co. KG
Schiffbrücke 2-4
23730 Neustadt in Holstein
www.kluevers.com

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