Archiv der Kategorie: Craft Beer

Super des Fagnes – Griottes

Belgien ist unter anderem für seine Fruchtbiere bekannt. Die meisten dieser Spezialitäten kommen eher aus dem flämischen Teil Belgiens, aber jetzt steht ein mit Kirschen gebrautes Fruchtbier aus der Wallonie vor mir. Aber nicht nur die Herkunft des Bieres ist eine Besonderheit, sondern auch, dass es wohl mit 7 % ganzen Früchten gebraut wurde, nicht wie die Fruchtbiere aus Flandern mit Fruchtsaft oder mit Sirup. Zumindest ist auf dem Rückenetikett ausschließlich von Kirschen die Rede. Mal sehen, ob sich dieser Unterschied auch im Geschmack widerspiegelt.

Satt rubinrot ist das Bier, dabei klar und mit sehr viel Kohlensäure. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge cremiger Schaum, hell rosafarben, der lange erhalten bleibt. Optisch hat die Brauerei alles richtiggemacht.

Das Aroma wird durch die Düfte vollreifer Kirschen zusammen mit Marzipan dominiert, hinter denen die Aromen von Malz und Hopfen fast verschwinden.

Der Antrunk ist süß und fruchtig. Bei aller Vollmundigkeit ist er aber aufgrund der reichlich vorhandenen Kohlensäure spritzig. Im Körper tritt mehr und mehr der Geschmack von Marzipan in den Vordergrund. Offensichtlich wurde hier wirklich mit ganzen Kirschen gearbeitet, so dass auch der Geschmack bitterer Mandeln aus dem Inneren der Kirschkerne durchkommt. Damit wird dieses Bier eigenwilliger als die Fruchtbiere aus dem Norden Belgiens, es hat einfach mehr Persönlichkeit. Dabei gefällt dieses sehr intensive Bier sicherlich nicht jedem, aber ich bin wirklich begeistert. Lediglich der Abgang ist kurz und er fällt gegenüber der Geschmacksexplosion des Antrunks und des Körpers ziemlich ab. In diesem speziellen Fall sehe ich das aber nicht einmal als Nachteil an.

Es ist sicher kein Bier, das ich den ganzen Abend so nebenbei trinken könnte. Aber es ist ein guter Aperitif vor Speisen, die etwas Süße vertragen, beispielsweise vor Wildgerichten. Dieses Bier ist auch eines der wenigen, die ich zu Desserts empfehlen kann, beispielsweise zu Vanillepudding oder Nusseis. Ich könnte mir auch vorstellen, dass dieses Bier mit einem Geliermittel wie Pektin aufgekocht ein wirklich leckeres Gelee ergibt. Aber das habe ich nicht getestet.

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Brasserie des Fagnes
Route de Nismes 26
5660 Mariembourg
Belgien
www.fagnes.com

Erhard Original

Aus Franken stammt dieses Kellerbier. Gebraut und abgefüllt wird es in Hallerndorf bei Bamberg. Sofort fällt die durchsichtige Flasche auf, die recht ungewöhnlich ist. Um das Bier vor dem Einfluss des Lichts zu schützen, ist sie aber mit einem UV-Schutz versehen. Für diese Flasche wurde St. Erhard mit dem German Design Award 2014 ausgezeichnet.

Bereits in der Flasche ist die klare bernsteinartige Farbe des St. Erhard zu sehen. Beim Einschenken steigt mir das intensive Hopfenaroma in die Nase. Das Bier enthält keine sichtbare Kohlensäure und es bildet sich eine durchschnittliche Krone aus sahnigem Schaum, der lange erhalten bleibt.

Das Aroma des Bieres ist malzbetont. Düfte nach Toffee steigen mir in die Nase. Der Hopfen kommt mit einigen fruchtigen Noten ebenfalls zu seinem Recht, er bleibt aber im Hintergrund.

Der leicht süße Antrunk zeigt, dass das Bier nur wenig Kohlensäure enthält, die aber sehr feinperlig ist. Trotzdem macht das Bier einen angenehmen frischen Eindruck. Der Geschmack des Malzes ist ausgewogen mit dem des Hopfens. Damit macht das Bier einen angenehm süffigen Eindruck. Schnell gesellt sich noch ein angenehmes und recht intensives Bitter dazu. Auch der Abgang ist durch ein freundliches Bitter geprägt, das lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener, Wiener, Cara-Münch®), Hopfen (Tettnanger)

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Stammwürze:

13° Plato

Brauerei:

St. Erhard GmbH
Hafenstraße 13
96052 Bamberg
www.bierothek.de

Klüvers – Dunkel

Der Versandhändler bierselect.de hat auf seiner Website einmal die Zukunftspläne der Inhaber der kleinen Brauerei im Hafen von Neustadt beschrieben: „Die Inhaber der Klüver’s Delikatessen Manufaktur GmbH & Co. KG planen Großes für die Zukunft. Aus dem kleinen Familienunternehmen, gegründet von Jutta und Detlev Klüver, ist mittlerweile ein regionaler Wirtschaftsfaktor geworden, der ca. 80 Mitarbeiter beschäftigt. Aus einer lokalen Brauerei soll bald schon eine regionale Brauerei werden. Seit 2013 sind sowohl die benötigten Kapazitäten als auch eine eigene Etikettierstraße vorhanden. Dadurch soll die Versorgung mit den handgemachten Bierspezialitäten, hergestellt auf höchstem Niveau, bald flächendeckend möglich sein.“

Das Dunkel aus der kleinen Manufaktur bewirbt die Brauerei als süß und malzig mit Karamellnote. Wenn es mit der Süße nicht übertrieben wurde könnte mir das Bier sicher gefallen.

Das Aussehen des Bieres ist schon mal bestechend. Dunkel bernsteinfarben ist es mit einer durchschnittlichen Menge feinporigen Schaums, der nur langsam in sich zusammenfällt. Für ein Dunkles ist es recht hell.

Das Aroma ist durch das Malz dominiert. Ich rieche Karamell und einige Schokoladennoten. Dass das Bier süß ist steht bereits auf dem Etikett. Aber ansonsten hätte ich die Süße spätestens in der Nase geahnt.

Und tatsächlich, der Antrunk ist süß, was aber mit der gut portionierten und sehr feinperligen Kohlensäure harmoniert. Schnell kommt der Geschmack von Kaffee dazu, gepaart mit einer leichten Säure. Der Abgang ist ebenfalls mild mit nur geringen Bitterstoffen und einem durchschnittlichen Nachklang.

Das Bier ist gut trinkbar, aber ihm fehlt in meinen Augen etwas, das es wirklich aus der Masse der Münchner Dunklen heraushebt. Aber wenn ich einmal in Neustadt sein sollte, werde ich sicher am Hafen bei Klüvers einkehren (das Internet ist sich einig wie selten: Neben den Bieren sind auch die Speisen bei Klüvers von guter Qualität) und es ist gut möglich, dass ich zum Essen ein Dunkles trinke.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Stammwürze:

12,6° Plato

Bittereinheiten:

20 IBU

Brauerei:

Klüvers Delikatessen Manufaktur GmbH & Co. KG
Schiffbrücke 2-4
23730 Neustadt in Holstein
www.kluevers.com

BierSelect

Brasserie Uberach – Doigt de Dieu

Jetzt teste ich erstmals ein Bier aus Frankreich, das bière ambrée aus der Brasserie Uberach. Auf dem Etikett verspricht das Bier ein würziges Erlebnis aufgrund der verwendeten Malze und der sorgfältig ausgewählten Hefestämme. Mal sehen, ob das Bier diese Versprechungen einhalten kann.

Bernsteinfarben und hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas, darüber sehr viel feinporiger Schaum, der anfangs schnell zusammenfällt, aber ein Rest bleibt lange erhalten. Dazu sehe ich jede Menge Kohlensäure. Ich erwarte also ein spritziges Bier.

Das Aroma verrät, dass die Malze den Geschmack dieses Biers dominieren. Es wird durch Röstaromen mit einer deutlichen Toffeenote geprägt, unterstützt durch den zarten Duft von Rosinen.

Der Antrunk ist mäßig süß, auf jeden Fall weniger süß als ich aufgrund des Dufts erwartet hätte. Die viele Kohlensäure wirkt fast schon störend. Schnell beginnen die reichlich vorhandenen Bitterstoffe, den Geschmack zu dominieren. Bei diesem intensiven bitteren Geschmack würde ich mir etwas mehr Süße wünschen und käme auch noch etwas mehr Säure dazu, wäre dieses Bier ausgewogen. So wirkt es fast wie gewollt aber nicht gekonnt. Der Abgang ist trotz der reichlich vorhandenen Bitterstoffe erstaunlich mild.

Dieses Bier trifft meinen Geschmack nicht wirklich. Wenn ich aus Frankreich nicht noch bessere Biere bekomme, sollte die Franzosen lieber beim Wein bleiben. Das können die nämlich wirklich.

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Brasserie Uberach
5 rue de cerf
67350 Uberach
Frankreich

Auf der Website wird abweichend folgende Adresse angegeben:

Brasserie Uberach
30 Grand Rue
67350 UBERACH
Frankreich
www.brasserie-uberach.fr

Liebhart‘s – Bio Malz

Normalerweise trinke ich kein Malzbier, aber bei diesem Erzeugnis aus Ostwestfalen mache ich doch mal eine Ausnahme. Bislang haben mir alle Biere aus der Brauerei in Detmold recht gut gefallen und wenn die Brauer sich die zusätzlichen Kosten für Biozutaten aufbürden, geben sie sich meist mehr Mühe mit dem Bier, was der Qualität eindeutig zugutekommt. Und letztendlich macht mich die Süßung dieses Malzbiers neugierig. Liebharts Bio Malz wird nicht mit weißem Industriezucker gesüßt, sondern mit Rohrzucker und Reissirup. Diese Süßungsmittel sind zwar nicht unbedingt gesünder als Industriezucker, aber da sie nicht chemisch gereinigt wurden enthalten sie noch Geschmackstoffe, weshalb ich mir durchaus vorstellen kann, dass dieses Bier gut trinkbar ist.

Dunkel-rotbraun ergießt sich das Malzbier ins Glas. Schaum bildet sich fast nicht, und das bisschen Schaum, das sich aufbaut, verschwindet auch fast sofort wieder. OK, das ist bei einem solchen Getränk auch nicht anders zu erwarten.

Das Aroma ist malzig-süß, etwas Karamell kommt dazu und der Hopfen ist bestenfalls zu ahnen. Die Süße war bei dieser Zutatenliste zu erwarten, denn Wasser steht an erster Stelle, danach kommen Malz, Rohrzucker und Reissirup. Aber immerhin ist die Süße nicht so penetrant wie bei einer Limonade oder den Malzgetränken der Industrie.

Auch im Geschmack ist die Süße der vorherrschende Eindruck. Nicht so sehr wie bei Industrieprodukten oder beim Kinderbier, das ich aus der Brauerei Super des Fagnes im belgischen Mariembourg mitgebraucht habe, aber auch das Malzbier von Liebharts ist mir deutlich zu süß. Außerdem enthält es kaum Kohlensäure, so dass es von Anfang an etwas abgestanden wirkt. Eventuell war aber auch das Gummi des Bügelverschlusses porös und bei einem heilen Gummi würde das Bier mehr Kohlensäure enthalten und damit erfrischender sein.

Mein Bier ist das nicht, aber es hat sicher auch seine Liebhaber, denn ansonsten würde es sich nicht verkaufen und in der Folge nicht weiter hergestellt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Rohrzucker, Reissirup, Hopfen

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Brauerei:

Liebhart’s Privatbrauerei GmbH & Co. KG
Am Geldkamp 6
32758 Detmold
www.residenz-biere.de

Veto – Weißer Hai

Bereits bevor ich die Flasche, die jetzt vor mir steht, öffne, weiß ich, dass mir der Weizenbock gefallen wird. Bislang haben mir alle Biere aus der Hopferei Hertrich, die ich bislang getrunken habe, sehr gut gefallen. Außerdem Ich hatte den Weißen Hai bereits einmal getrunken; damals war er allerdings vom Fass. Und letztendlich hat dieser Weizenbock bei Meininger’s International Craft Beer Award 2018 die Goldmedaille gewonnen. Was soll da schon schiefgehen?

Bevor ich die Flasche öffne will ich aber noch einige Worte zum Bierstil des Weißen Hai verlieren. Der Weizenbock ist ein Weizenbier, das mindestens 16° Plato Stammwürze hat, also ein stärker eingebrautes Weizenbier. Als Weizenbier werden Biere bezeichnet, die mit mindestens 50% Weizenmalz gebraut wurden. Häufig wird Weizenbier auch als Weizen, Weißes oder Weiße bezeichnet. „Weizen“ und „weiß“ besitzen denselben etymologischen Ursprung. Weizenbiere werden obergärig gebraut. Jetzt ist es aber an der Zeit, mit dem Test zu beginnen.

Orange-gelb mit einem Rotstich präsentiert sich das Bier im Glas. Sofort fällt mir auch auf, dass dieses Bier sehr viel Hefe enthält. Es bildet eine durchschnittliche Blume aus sahnigem Schaum, der sehr lange erhalten bleibt. Ein Weizenbock wie gemalt.

Das Aroma gefällt mir genauso gut wie die Optik. Düfte nach Hefe, Sauerteig, überreifer Banane, Nelken und roten Früchten steigen mir in die Nase. Dieses komplexe Aromaprofil macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Bereits der erste Kontakt mit der Zunge ist fruchtig und spritzig. Banane und Hefe prägen den ersten Eindruck. Aber das ist erst der Anfang. Auf der Zunge bildet sich die angenehme Süße der Banane, dazu eine fruchtige Säure. Aber da ist noch mehr. Die komplexen Geschmacksnuancen sind aber so subtil, dass ich sie nicht genau identifizieren kann. Ich denke, das muss jeder für sich selbst herausfinden. Auf jeden Fall ist der Weiße Hai sehr mild und mit wenigen Bitterstoffen. Auch der Abgang ist mild. In der Kehle zeigt sich eine leichte Fruchtigkeit, die ich jetzt als die dunklen Früchte identifiziere, die mir bereits im Aroma aufgefallen sind. Ich meine, Blaubeeren und Brombeeren zu erkennen. Der Geschmack klingt am Gaumen noch lange nach.

Zutaten:

Brauwasser, Weizenmalz, Gerstenmalz ((Münchner, Pilsner, Caramelmalz), Hopfen (Hallertauer Comet, Hallertauer Mittelfrüh), Hefe

Alkoholgehalt:

6,8 % Vol.

Stammwürze:

16,6° Plato

Bittereinheiten:

35 IBU

Brauerei:

Hopferei Hertrich
Brückkanalstr. 33
90537 Feucht
www.hopferei.de

Friedensreiter Bräu – Dunkel

Das dunkle Lager, das jetzt vor mir steht, wird von der Brauerei vollmundig beworben: „Friedensreiter Dunkel ist eine malzig-würzige Bierspezialität. Durch den hohen Einsatz von Karamellmalzen entsteht ein einzigartig aromatischer Geschmack. Die dunkle Bernsteinfarbe wird durch den Einsatz von Röstmalzen erzielt, leichte Röst- und Kaffeearomen prägen den Geschmack. Eine dezente Hopfennote rundet das Geschmackserlebnis ab, die leichte Kohlensäure macht das Bier rezent-prickelnd und süffig. Ein Traum von einem dunklen Bier.“ So weit, so gut. Zusätzlich sind die Biere von Friedensreiter nicht nur aus Zutaten gebraut, die aus kontrolliert biologischem Anbau stammen, sondern bei der Auswahl der Rohstoffe achtet die Brauerei auch darauf, dass es sich um alte Sorten handelt. Den Grund dafür teilt die Brauerei in einer Pressemitteilung mit: „Durch den Einsatz historischer Sorten wie z. B. Dr. Franks grannenabwerfender Imperialgerste, Chevallier von Neuhaus oder Heines Goldthorpe wirkt Friedensreiter® Bräu der zunehmenden Verarmung der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft entgegen. Die einzigartige Aromen- und Geschmacksvielfalt der Inhaltsstoffe wird auf die handgemachten Biere übertragen.“ Dann will ich mal testen, ob sich diese Auswahl wirklich auf das Bier auswirkt.

Dunkel bersteinfarben bis rubinrot präsentiert sich das Lager im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittlich große feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt.

Röstaromen und auch ein Hauch des Hopfens steigen mir in die Nase. Ich rieche Karamell und Trockenfrüchte, die an Rosinen erinnern.

Der Antrunk ist recht süß, was aber zu der reichlich vorhandenen sehr feinperligen Kohlensäure passt. Dabei ist der Geschmack angenehm frisch. Süße und Frische bleiben auch auf der Zunge bestehen und sorgen für ein rundes und vollmundiges Mundgefühl. Der Abgang ist mild und die Röststoffe kommen in den Vordergrund. Bitterstoffe sind nur gering vorhanden. Trotzdem klingt der Geschmack lange nach.

Das Friedensreiter Bräu gefällt mir gut. Es ist ein unkompliziertes Craft Beer, das ohne Experimente auskommt, sondern einen bewährten Bierstil bestens umsetzt. Damit dürfte es nicht nur ausgesprochenen Craft Beer-Trinkern gefallen, sondern auch der durchschnittliche Biertrinker, für den Bier halt nach Bier schmecken soll, dürfte Gefallen an diesem Lager finden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11,8° Plato

Bittereinheiten:

26 IBU

Brauerei:

Nudge products GmbH
Altenberger STr. 38
48565 Steinfurt
www.friedensreiterbraeu.de

Fullers – Honey Dew

Nun will ich mal wieder ein Bier aus England verkosten, das Fuller’s Honey Dew. Das Golden Ale, das auf dem Etikett am Hals als erfrischend angepriesen wird, soll zu den meistverkauften Bieren auf der Insel gehören. Mal sehen, ob dies zu Recht so ist. Ausgezeichnet ist das Bier mit dem EU-Biosiegel. Nachdem mir andere Biere aus diese Brauerei bereits sehr gut gefallen haben, kann ich in diesem Fall wohl meine Erwartungen etwas höher ansetzen.

Goldgelb ist das Bier und entwickelt nur relativ wenig feinporigen Schaum, der aber recht lange erhalten bleibt. Dazu sehe ich vergleichsweise wenig Kohlensäure.

Auch wenn das Bier hell ist, wird das Aroma durch den Duft nach Waldhonig dominiert. Die Differenz zwischen der hellen Farbe und dem Duft nach Waldhonig, der bekanntlich eher herb und dunkel ist, kommt vermutlich daher, dass ein guter Teil des Zuckers während des Brauprozesses vergoren und in Alkohol und Kohlensäure aufgespalten wurde. Unterstützt wird der Honigduft durch eine Karamellnote. Der Antrunk ist sehr süß und der Honiggeschmack kommt deutlich durch. Aber die kräftige Süße ist zusammen mit der Kohlensäure nicht unangenehm. Auch im Körper dominiert der Honig, dazu kommt die Würzigkeit des Hopfens, die sich zwar gut mit dem Geschmack des Honigs verbindet, sich aber nicht wirklich entfalten kann. Dabei sorgt das Malz aber für eine recht gute Süffigkeit. Der Abgang ist sehr mild, die Süße spielt weiterhin mit und es gibt nur wenige Bitterstoffe. Der Geschmack klingt nur kurz nach.

Dieses Bier macht mir den Eindruck, dass es nicht jedem gefallen will. Mir persönlich ist es zu süß, während es meiner Frau aufgrund der wenig dominanten Bitterstoffe recht gut gefallen hat. Aber auch ich muss zugeben, dass dieses Bier besser schmeckt als die Biermischgetränke, die auf den Mittelaltermärkten in Deutschland angeboten werden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Honig, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Fuller Smith & Turner PLC
Chiswick Lane South
London W4 2QB
Großbritannien
www.fullers.co.uk

Barcelona Beer

Barcelona ist die Stadt der Inspiration, des mediterranen Klimas und der Küche. Kreativ, freundlich, unternehmerisch und weltoffen…. So wird Barcelona allgemein wahrgenommen und die Brauerei hat sich vorgenommen, ein Bier zu brauen, das zu dieser Stadt passt. Dafür geben die Brauer sich viel Mühe: das Brauwasser kommt aus dem Naturschutzgebiet Montseny, aus der Region Font de Regás, die verschiedenen Malzsorten werden von den Braumeistern noch persönlich abgeholt und der beste Hopfen aus vielen verschiedenen Ländern importiert.

Golden und nur wenig hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas. Ich sehe sehr viel Kohlensäure, die für extrem viel feinporigen Schaum sorgt, der sehr lange erhalten bleibt. Es ist also angeraten, dieses Bier vorsichtig und langsam einzuschenken.

Das Bier duftet verführerisch nach Zitrone, Grapefruit und Ananas. So soll ein Pale Ale duften.

Der Antrunk ist recht trocken, wobei die reichlich vorhandene Kohlensäure für eine angenehme Frische sorgt und die von Anfang an vorhandene Fruchtigkeit hervorragend unterstützt. Schnell kommt ein leichtes Bitter hinzu, das aber die sich widerspiegelnden Aromen nicht überdeckt. Im Abgang wird das Bitter kurz kräftiger und es klingt sehr lange nach.

Das Bier passt gut zu mediterranen Gerichten, besonders zu Fisch, Meeresfrüchten und Geflügel.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pale Ale, Caramunich T2), Hopfen (Magnum, Perle, Cascade), Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Stammwürze:

12° Plato

Bittereinheiten:

20 IBU

Brauerei:

Goodbeer S.L.
Santander 49
08020 Barcelona
Spanien
www.barcelonabeercompany.com

Friedensreiter Bräu – Helles

Am Ende des Dreißigjährigen Krieges wurden die Friedensverhandlungen an zwei Orten geführt – in Münster und Osnabrück. Um die Verhandlungen koordinieren zu können, wurde eine historische Nachrichtenverbindung eingerichtet. Die 170 Kilometer zwischen den beiden Städten überbrückten die sogenannten „Friedensreiter“, welche die Botschaften und Depeschen zwischen den beiden Städten überbrachten. Die Verhandlungen führten letztendlich zum Westfälischen Friede von 1648. Heute erinnert die Friedensroute, ein 170 km langer Radweg zwischen Münster und Osnabrück, noch an diese Verhandlungen und die in Steinfurt beheimatete Brauerei Nudge hat in Erinnerung an die historischen Friedensverhandlungen die Marke Friedensreiter Bräu aus der Taufe gehoben. Unter dieser Marke produziert die Brauerei drei Biere – das Helle, das Dunkle sowie ein Pale Ale. Wilhelm, der Braumeister, war auf dem Hopfenfest in Essen vor Ort und hat mir sowohl das Helle und das Dunkle mitgebracht; das Pale Ale stand zu diesem Zeitpunkt kurz vor der Abfüllung, so dass ich dieses Bier erst zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen kann. Jetzt geht es aber erst einmal um das Helle.

Intensiv goldgelb galoppiert der Friedensreiter ins Glas. Dabei bildet er eine durchschnittlich große und größtenteils feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Die Optik gefällt mir schon mal. Ein Helles wie gemalt.

Der Malzkörper dominiert das Aroma. Es ist leicht süßlich, bringt aber auch einige würzige Noten mit. Damit ist es stiltypisch.

Der Antrunk ist minimal süß. Dabei ist die feinperlige Kohlensäure recht knapp dosiert. Da hätte ich mir etwas mehr gewünscht. Aber das ist ja Geschmackssache. Auf der Zunge entwickelt sich eine erstaunliche Würzigkeit mit einem leichten Bitter, das auch eine geringe Säure mitbringt. Damit wird der Friedensreiter wunderbar süffig. Obwohl der Abgang wirklich mild ist, klingt er doch lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11,5° Plato

Bittereinheiten:

24 IBU

Brauerei:

Nudge GmbH
Altenberger Str. 38
48565 Steinfurt
www.friedensreiterbraeu.de