Archiv der Kategorie: Craft Beer

Camba – Amber Ale

Nun will ich mich einmal dem Amber Ale aus der Brauerei Camba Bavaria zuwenden. Die Brauerei selbst beschreibt sich auf ihrer Website wie folgt: „Tief verwurzelt im Chiemgau steht die Camba Bavaria für die beste Kombination aus heimatlichen Werten und innovativen Ideen. Drei der besten Braumeister Deutschlands verbinden Tradition, Kreativität und Expertise, um Biere zu brauen, die über der Norm stehen.“ Ein hoher Anspruch, den die Brauerei da formuliert. Aber dieser Anspruch hat wohl auch seine Berechtigung, denn nicht zu Unrecht wurde Camba im Jahr 2014 bei Meiningers International Award als Craft-Brauer des Jahres ausgezeichnet. Irgendwas müssen die da in Bayern wohl richtigmachen.

Bleibt nur noch zu untersuchen, was der auf den ersten Blick etwas merkwürdig anmutende Name Camba bedeutet. Ich hätte ja eigentlich auf eine Abkürzung getippt oder dass der Inhaber diesen Namen hat. Damit lag ich aber vollständig daneben. Tatsächlich hat das Wort Camba sogar zwei Bedeutungen. Zum einen wurden die Back- und Braustätten in den Klöstern Camba genannt, und im Keltischen bedeutet Camba Braupfanne, der heutige Sudkessel.

Ganz nebenbei bemerkt ist Camba in Truchtlaching im oberbayerischen Landkreis Traunstein ansässig und damit in einer Gegend, in der andere Menschen nicht arbeiten, sondern nach dem Urlaub wieder verschwinden müssen. Allein dafür kann ich die Beschäftigten in der Brauerei beneiden.

Ursprünglich wurde Camba als Forschungs- und Versuchsanlage des Brauanlagenherstellers BrauKon gegründet. Das ist selbstverständlich die optimale Voraussetzung für hervorragende Craft-Biere. Hier steht nicht der Ausstoß im Mittelpunkt, auch nicht der Profit durch den Verkauf des Bieres. Vielmehr ist es unter diesen Voraussetzungen oberstes Ziel, die Anlagen so zu optimieren, dass möglichst hochwertige Biere erzeugt werden, auch wenn dabei die Grenzen der Anlagen erreicht und eventuell auch überschritten werden. Dementsprechend hoch sind meine Erwartungen an das Amber Ale vom Chiemsee.

Bernsteinfarben und leicht hefetrüb präsentiert sich das obergärige Starkbier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge fester weißer Schaum, der recht lange erhalten bleibt.

Zunächst duftet das Bier nach roten Früchten, nach Kirschen und roten Johannisbeeren, dazu etwas Vanille. Etwas später gesellt sich auch der Duft von Pflaumen dazu.

Auf der Zungenspitze zeigt sich die intensive Malzsüße des Bieres. Ohne die viele sehr feinperlige Kohlensäure wäre mir das Bier vermutlich zu süß. Aber sobald sich das Bier im Mund verteilt, entwickelt sich ein ausgewogener und runder Geschmack mit Noten roter Sommerfrüchte. Dazu kommt ein leichtes Bitter. Der Abgang enthält nur wenige Bitterstoffe und er klingt nur kurz nach.

Dieses komplexe Bier überrascht. Es ist komplex und gut gehopft, dabei aber wirklich mild. Es passt gut zu gegrilltem Fisch oder Meeresfrüchten. Auch zu einem Sauerbraten kann ich mir das Amber Ale von Camba gut vorstellen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen (Monroe, Select, Saphir), Hefe

Alkoholgehalt:

7,2 % Vol.

Stammwürze:

16,4° Plato

Bittereinheiten:

20 IBU

Brauerei:

Camba Bavaria GmbH
83376 Truchtlaching
www.camba-bavaria.de

Hildesheimer Braumanufaktur – Brunhilde

Nachdem mit das Moritzberger Felsenkeller-Pils wirklich gut gefallen hat, will ich gleich ein weiteres Bier aus der erst in diesem Jahr gegründeten Hildesheimer Braumanufaktur verkosten. Das Brunhilde, ein India Brown Ale, verspricht auf dem Etikett „ein wohlgeformtes dunkles Ale von intensivem ausgewogenem Charakter“. Dieses vollmundige Versprechen sowie meine positiven Erfahrungen mit dem Pils schrauben meine Erwartungen selbstverständlich kräftig nach oben und ich bin jetzt gespannt, ob das Bier meine Erwartungen erfüllen kann. Probieren wir es aus.

Schwarz und praktisch blickdicht präsentiert sich das Bier. Erst als ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert etwas Rubinrot durch. Darüber eine durchschnittliche Menge haselnussbrauner cremiger Schaum, der für ein so intensiv gefärbtes dunkles Bier recht lange erhalten bleibt.

Das Aroma bietet ein Potpourri verschiedenster Düfte: Röstaromen bestimmen den Duft, bepaart mit Toffee, Karamell, roten Beeren und Blumen. Der Antrunk ist dann auch wie erwartet ziemlich süß, wird aber durch die sanfte Kohlensäure abgemildert. Aber das ist erst der Anfang. Während sich das Bier im Mund ausbreitet kommt zunächst eine milde Säure hinzu, bevor die Röststoffe durchschmecken und einen Hauch Schokolade mitbringen. Auch der Abgang wird durch die Röststoffe geprägt, zusammen mit einer angenehmen Bittere, die lange erhalten bleibt.

Brunhilde ist eine gelungene Komposition von kräftig und mild, ein Bier mit nur einem Nachteil: es wird nur in der Region Hildesheim vertrieben.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (East Kent Goldings, Hallertauer Tradition, Enigma, Summit), Hefe

Alkoholgehalt:

6,3 % Vol.

Brauerei:

Jan Pfeiffer und Malte Feldmann GbR
Goslarsche Landstr. 15
31135 Hildesheim
www.hildesheimer-braumanufaktur.de

Christoffel – W-IPA

Für dieses Bier hat die im Jahr 1986 gegründete Brauerei St. Christoffel aus JB Breda in den Niederlanden ein Witbier mit einem milden IPA gekreuzt. Außerdem wurde das Bier einer Nachgärung in der Flasche unterzogen, eine Methode, die in der Regel zu komplexen Aromen und Geschmäckern führt. Außerdem wurde der Würze Hafer zugesetzt, der für einen milderen Geschmack sorgen soll. Dieses Bier wird seit 2001 gebraut. Jetzt will ich herausfinden, ob die Kombination gelungen ist.

Bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone ist durchschnittlich groß und fällt auch durchschnittlich schnell in sich zusammen. Die Optik ist angenehm und ohne Besonderheiten.

Düfte nach Toffee, Grapefruit, Mango und harzigem Holz steigen mir in die Nase. Jetzt wird mir das Bier bereits sympathischer.

Der Antrunk weist eine leichte Süße auf und wirkt frisch und spritzig. Schnell spiegeln sich die fruchtigen Aromen auf der Zunge wider, unterstützt durch ein passendes Bitter. Auch der Nachklang ist durch ein mildes und freundliches Bitter mit langem Nachklang geprägt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hafer, Hopfen (Mandarina Bavaria, Merkur, Centennial), Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

St. Christoffel Speciaalbieren BV.
Raadhuisstraat 28
4835 JB Breda
Niederlande
www.christoffelbieren.com

Belhaven – Black

Sie sehen es bereits auf dem Bild – dieses Stout aus Schottland ist schwarz – wirklich schwarz. Bereits die Farbe verspricht ein intensives Geschmackserlebnis. Das Rückenetikett verrät aber noch mehr. Die Brauerei Belhaven im schottischen Dunbar blickt auf eine fast dreihundertjährige Tradition zurück und braut ihre Craft Beers mit Malz aus regional angebauter Gerste. Das klingt doch schon mal vielversprechend. Sorgen macht mir nur die Flasche, die aus klarem Glas gefertigt wurde. Hoffentlich hat das Bier nicht zu viel Licht abbekommen, wodurch der Geschmack beeinträchtigt würde.

Wie bereits erwähnt ist das Bier fast blickdicht schwarz. Nur wenn ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert etwas Mahagoni durch. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge elfenbeinfarbener Schaum, der sich nur langsam auflöst.

Das Aroma wird durch Röststoffe und dunkle Schokolade geprägt, dazu ein leichter Hauch Kaffee. Das ist schon mal sehr angenehm. Ich hoffe, dass der Geschmack mir ebenso gefällt. Der Antrunk ist recht süß; das hatte ich nach dem Aussehen und dem Aroma auch erwartet. Die Kohlensäure ist sehr feinperlig, aber leider ist sehr wenig davon vorhanden. Mit mehr Kohlensäure würde das Bier sicher noch gewinnen. Der Körper ist nicht so intensiv wie erwartet, aber die Geschmacksnoten nach Röststoffen, dunkler Schokolade und Kaffee sind ausgewogen und sehr angenehm. Unerwartet mild ist der Abgang, bei dem die Kaffeenote noch stärker durchkommt. Der Geschmack klingt lange nach.

Insgesamt habe ich hier ein wirklich gutes Bier vor mir, das aber durchaus noch die eine oder andere Korrektur vertragen könnte. Es ist als Begleitung zu Wildgerichten und Desserts geeignet.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pale, Chocolate, Crystal, Roasted Barley), Hopfen (Challenger), Hefe

Alkoholgehalt:

4,2 % Vol.

Bittereinheiten:

20 IBU

Brauerei:

Belhaven Brewery
Brewery Lane
Dunbar
EH42 1PE
www.belhaven.co.uk

Hancock – Black Lager

Nun steht erstmals ein Bier aus Dänemark vor mir, das Hancock Black Lager. Da ich aus Dänemark bislang nur Industriebiere wie das Faxe kennengelernt habe und in der Vergangenheit noch keinen Kontakt zu Craft Beer von unseren nördlichen Nachbarn hatte, bin ich auf dieses Bier besonders gespannt.

Dunkel bernsteinfarben zeigt sich das Bier im Glas. Das Bier ist so intensiv gefärbt, dass keine Kohlensäure zu sehen ist, was schon mal auf ein Bier mit einem kräftigen Geschmack schließen lässt. Darüber viel cremiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Optisch hat die Brauerei also schon mal alles richtiggemacht.

Das Aroma ist süß mit Düften nach Trockenfrüchten und Whiskey. Der Antrunk ist sehr süß und wird durch die sehr feinperlige Kohlensäure aufgewertet. Der sehr kräftige Körper ist bitter, was aber durch den Geschmack von Whiskey abgemildert wird. Dadurch ist dieses Bier, genossen in kleinen Schlucken, zu einem echten Highlight. In der Kehle ist das Bier dann überraschend mild, wobei die Bitterstoffe und der Whiskeygeschmack aber lange erhalten bleiben.

Dieses charakterstarke Bier will nicht jedem gefallen. Wessen Geschmack aber getroffen wird, dem wird dieses Bier sicher lange in guter Erinnerung bleiben.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Kohlendioxid (E290), Antioxidanz (Ascorbinsäure E300)

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Hancock Bryggerierne A/S
Humlevej 32
7800 Skive
Dänemark
www.hancock.dk

Super des Fagnes Blonde

Jetzt ist mal wieder ein Bier aus dem belgischen Marienbourg an der Reihe. Bislang haben mir alle Biere aus dieser kleinen Brauerei gut gefallen und ich vermute mal, dass es diesmal auch der Fall sein wird.

Kräftig rotblond und leicht hefetrüb ist dieses Bier. Nur sehr wenig Kohlensäure ist zu sehen und es bildet sich eine durchschnittliche Menge weißer großporiger Schaum, der schnell in sich zusammenfällt.

Das Aroma ist ein ganzer Strauß von Düften – Karamell, grüne Früchte wie Äpfel und Bananen und dazu noch ein Hauch Zitrusfrüchte. So macht Bier doch richtig Spaß.

Der Antrunk ist nicht allzu süß und es stellt sich heraus, dass im Bier viel Kohlensäure gebunden ist, die zwar im Glas nicht sichtbar war, jetzt aber im Mund ihr Werk verrichtet. Der Körper ist intensiv; Süß und Bitter dominieren. Sauer ist nicht zu schmecken. Trotzdem wirkt das Bier ausgeglichen. Der Abgang ist mild bitter und klingt durchschnittlich lange nach.

Nun habe ich in dieser Beschreibung zweimal das Wort durchschnittlich verwendet. Eigentlich passt dieses Wort nicht zu diesem Bier. Es hat Charakter ohne extravagant zu sein, es ist lecker und es passt genau in die Gegend, aus der es kommt. Weshalb? Die Wallonie liegt direkt neben dem Elsass, von wo die Flammkuchen kommen. Flammkuchen passen gut als Begleitung zu diesem Bier, genau wie auch Fischgerichte mit diesem Bier harmonieren. Ach ja, wenn Sie einmal in der Nähe von Mariembourg sein sollten, versäumen Sie nicht, die Brauerei mit ihrer Gaststätte zu besuchen. Die Flammkuchen dort sind sensationell.

Alkoholgehalt:

7,5 %

Brauerei:

Brasserie des Fagnes
Route de Nismes 26
5660 Mariembourg
Belgien
www.fagnes.com

Veto – Lammbock

Wieder einmal steht ein Bier von Ralph Hertrich vor mir. Diesmal hat er ein dunkles Bockbier kreiert. Da die anderen Biere aus Feucht alle von hervorragender Qualität waren, gehe ich an diese Verkostung mit sehr hohen Erwartungen. Die Erwartungen werden noch weiter gesteigert, als ich auf das Rückenetikett der Flasche sehe. Obwohl Bockbiere eigentlich ihren Geschmack aus dem Malz gewinnen, hat Ralph auch bei diesem Bock richtig gute Hopfensorten verwendet. Zusammen mit den drei verwendeten Malzen wird das wohl ein richtig guter Bock sein. Jetzt ist aber an der Zeit, die Flasche zu öffnen.

Mahagonifarben und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist durchschnittlich groß, sahnig, hellbraun und bleibt lange erhalten. Optisch ist der Lammbock ansprechend.

Düfte nach Karamell, frischem Brot und Waldhonig steigen mir in die Nase. Dabei ist das Aroma recht süß und verdrängt die Röststoffe des dunklen Malzes weitgehend. So weit ist es ziemlich normal für ein dunkles Bockbier. Herausragend aus der Masse der dunklen Böcke ist aber der Duft nach Trockenfrüchten, vornehmlich Rosinen sowie einem Hauch Haselnuss, der vom Hopfen stammt.

Wie erwartet fällt der Antrunk ziemlich süß und auch recht intensiv aus. Die extrem feinperlige Kohlensäure nimmt dem Lammbock aber die Schwere und sorgt für eine angenehme Frische. Auf der Zunge kommen dann die Röststoffe leicht in den Vordergrund und sorgen mit einer leichten Fruchtigkeit für ein volles Mundgefühl. Fast meine ich, den Geschmack von Rübenkraut festzustellen. Der Abgang ist leicht rauchig und mild, die leichte Fruchtigkeit bleibt bestehen und klingt lange nach.

Der Lammbock ist ein ungewöhnliches Bier, das sich wohltuend aus der Masse der Bockbiere abhebt. Am Bier, das sich sehr gut als Begleitung zu Wild eignet, ist in meinen Augen nichts auszusetzen. Aber Ralph hat bei der Beschreibung des Lammbock auf seiner Website doch glatt noch einen Bock geschossen: „Dieser Bock ist die Deluxe-Version. Dieser Bock ist die „Jakobs Krönung“ des Bockbiers“ Ja, was den nun? Deluxe oder Jakobs Dröhnung? Ich tendiere zu ersterem. Zu Jakobs-Kaffee gibt es mit Sicherheit bessere Alternativen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Münchner, Pilsner, Wiener, Karamell, Rauch), Hopfen (Hallertauer Mittelfrüh, Hersbrucker Spät, Spalter Select, Enigma, Merkur), Hefe

Alkoholgehalt:

7,3 % Vol.

Stammwürze:

17,9° Plato

Bittereinheiten:

33 IBU

Brauerei:

Hopferei Hertrich
Brückkanalstraße 33
90537 Feucht bei Nürnberg
www.hopferei.de

Klüvers – Lager

Ich kann mich noch an die Zeiten erinnern, als es in Deutschland nur Pils und Export gab. Andere Bierstile waren zumindest im Norden nicht bekannt. Nur selten fand sich im Supermarkt ein Guinness, das dann als Exot ganz schnell gekauft wurde. Heute gehört das Lager in Deutschland zu einem der bekanntesten Bierstile. Kein Wunder, reicht doch sein Ursprung bis weit ins Mittelalter zurück. Das größte Problem vieler Brauereien zu dieser Zeit waren die schlechten hygienischen Bedingungen. Große Biermengen verdarben, da sich Mirkoorganismen, wie Lactobazillen schnell verbreiteten. Doch Not macht ja bekanntlich erfinderisch, so wurde Ende des 14. Jahrhunderts in Bayern die untergärige Brauart entwickelt, mit der die Haltbarkeit des Bieres verlängert werden konnte. Das Lagerbier war geboren. Jedoch besitzt die untergärige Brauweise auch eine Kehrseite, zwar verlängert sich die Lagerfähigkeit des Bieres, aber für untergärige Hefe sind kalte Temperaturen notwendig. Bierbrauen war demnach frühestens ab dem späten Herbst und eher in den kalten Wintermonaten möglich. Dazu wurde 1553 die bayrische Verordnung erlassen, Bier lediglich in der Zeit vom 29. September bis zum 23. April zu brauen. Um aber auch in den warmen Sommermonaten die Nachfrage nach Bier zu nutzen, produzierten die Brauereien daher ihr Bier in großen Mengen und lagerten es in kühlen Räumen. So entstand die Bezeichnung Lager oder Lagerbier für untergärige Bierarten (diesen Absatz habe ich mir Material von bierselect.de geschrieben).

Hell-goldgelb ist das Lager aus dem schleswig-holsteinischen Neustadt, dabei hefetrüb und mit einer durchschnittlich voluminösen Krone aus feinporigem Schaum, die lange erhalten bleibt. Mir fällt auf, dass ich keinerlei Kohlensäure entdecken kann.

Das Aroma ist blumig, leicht fruchtig und frisch und es präsentiert auch eine gute Portion Malz. Auch wenn keine der Duftnoten heraussticht gefällt mir der Duft.

Der Antrunk ist frisch und süß und er zeigt, dass die Kohlensäure in guter Dosierung vorhanden ist. Schnell kommen ein leichtes Bitter und ein wenig Säure dazu, wodurch das Bier eine gewisse Fruchtigkeit erhält und einen ausgewogenen, harmonischen und vollmundigen Eindruck macht. Der Abgang ist sehr mild, leider aber auch praktisch ohne Nachklang.

Bei diesem Bier hat Klüver alle Ecken und Kanten entfernt. Herausgekommen ist ein süffiges Bier, das zwar keine Fehler enthält, bei dem ich aber auch etwas den Charakter vermisse.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Sauermalz), Hefe, Hopfen (Northern Brewer)

Alkoholgehalt:

5,2 %

Stammwürze:

12,7° Plato

Bittereinheiten:

10 IBU

Brauerei:

Klüvers Delikatessen GmbH & Co. KG
Schiffbrücke 2-4
23730 Neustadt in Holstein
www.klüvers.com

BierSelect

Emelisse – BIPA

Der Name des jetzt vor mir stehenden Craft Beers aus den Niederlanden klingt auf den ersten Blick etwas merkwürdig. Dabei ist die Lösung ganz einfach: BIPA ist die Abkürzung für Black IPA.

Das Bier stammt aus dem beliebten Ferienort Kamperland in der niederländischen Provinz Zeeland, wo die Brauerei Emelisse seit dem Jahr 2005 ihren Sitz hat. Der Name stammt aus dem Mittelalter. Damals wurde ein Dorf in Nord-Beveland so genannt. In der Neuzeit wurde es mit elf anderen Dörfern zur Gemeinde Nord-Beveland zusammengefasst. Fre Buijze, ursprünglich Hobbybrauer, war einer der Gründer der Brauerei. Ende der neunziger Jahre ließ er in der „Scheldebrouwerij“ ein Bier Namens „Emelisse Abdijbier“ brauen. Als 1998 dann eine Stiftung zur Förderung der Gemeinde Nord-Beveland gegründet wurde, kam sein Bier wie gerufen. Das traditionell gebraute Bier mit lokal angebauter Braugerste sollte als Aushängeschild und Finanzmittel der Stiftung dienen.

Zunächst wurde das Bier von der Bierbrouwerij De Halve Maan gebraut, bis 2005 dann schließlich eine eigene Privatbrauerei gebaut wurde. Weiterhin arbeitet man aber eng mit der Scheldebrouwerij zusammen, die beispielsweise die Abfüllung übernimmt. Aufgrund des großen Erfolgs der Brauerei und ihren Bieren wird seit 2010 ein Teil der Produktion in der Vertragsbrauerei Proefbrouwerij in Hiftje (Belgien) gebraut. Die Hälfte der jährlichen produzierten 2000 hl Bier werden exportiert. Nachdem wir uns mit der Brauerei beschäftigt haben, ist es nun aber an der Zeit, mit der Verkostung zu beginnen.

Blickdicht schwarz ist das Bier mit viel hellbraunem und größtenteils feinporigem Schaum, der lange erhalten bleibt. Die Optik gefällt mir schon mal.

Zunächst duftet das BIPA nach Grapefruit. Dieser Duft verfliegt aber schnell und die Röststoffe dominieren mit ihrem Espressoaroma und einem leichten Duft nach Lakritz.

Der Antrunk ist süß und dabei recht fruchtig. Dazu passt die sehr milde und feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge sticht die Frucht hervor. Zu diesem Grapefruitgeschmack kommen freundliche Bitterstoffe dazu. Im Abgang sind zunächst nur die Röststoffe und das Bitter zu schmecken. Dieser Geschmack ändert sich noch und im Nachklang ist nur reines Lakritz zu schmecken. Wirklich reines Lakritz ohne Zucker. Diesen Geschmack muss man schon mögen. Genau dieser Lakritzgeschmack ist ein Alleinstellungsmerkmal des BIPA.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Bittereinheiten:

60 IBU

Brauerei:

Emelisse
Singelstraat 5
4461 HZ Goes
www.emelisse.nl

Forestinne – Primoria

Jetzt steht die süße Waldelfe, die auf jedem Etikett dieser Serie zu sehen ist, an einem Bach im See und verspricht wieder einmal ein leckeres Bier. Ob sie dieses Versprechen halten kann? Probieren wir es aus.

Bereits beim Öffnen der Flasche quillt der Schaum aus der Flasche. Dabei habe ich sie doch überhaupt nicht geschüttelt. Bereits vor dem Einschenken werde ich etwas misstrauisch.

Rotblond und leicht hefetrüb steht das Bier im Glas. Ich sehe die reichlich vorhandene hyperaktive Kohlensäure. Ich glaube, so viel Kohlensäure habe ich bei noch keinem Bier gesehen. Über dem Bier bildet sich eine durchschnittliche Menge gemischtporiger Schaum, der sich allerdings recht schnell auflöst.

Das Aroma ist sehr fruchtig. Ich stelle Pfirsiche fest, Hefe und Gewürze. So intensiv wie der Duft ist, könnte es sich fast um Likör handeln. Der Antrunk ist nicht so süß wie ich es erwartet habe. Eventuell liegt es auch den Unmengen Kohlensäure, die den anderen Geschmack an den Rand drängt. Der Körper ist vergleichsweise sauer, dabei likörartig und nicht sonderlich ausgewogen. Auch der nichtssagende Abgang gefällt mir nicht sonderlich.

Nein, das ist nicht mein Bier. Aber offensichtlich gibt es andere Konsumenten, denen dieses Bier gefällt, sonst würde es schließlich nicht mehr gebraut.

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Brauerei:

Brasserie Caracole
5500 Falmignoul (Dinant)
Belgien
www.forestinne.be