Archiv der Kategorie: Craft Beer

Corsendonk – Christmas Ale

Auch die Familienbrauerei Bocq braut ein Weihnachtsbier, das Corsendonk Christmas Ale. Bis 1982 wurden die Corsendonk-Biere von der Brewery Corsendonk in Oud-Tournhout im ehemaligen Augustiner-Kloster hergestellt. Seitdem werden die Corsendonk-Biere in der Brauerei du Bocq gebraut, die sich vollständig im Besitz der Familie Keersmaker befindet. Das Corsendonk Christmas Ale wird nur für die Weihnachtszeit gebraut.

Im Glas präsentiert sich das Bier tiefschwarz, nur wenn ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert es kastanienbraun. Darüber bildet sich ein hellbrauner und sehr haltbarer Schaum. Optisch spricht mich das Bier sehr an.

Das Aroma wird durch die Röststoffe des Malzes dominiert. Ich rieche Schokolade sowie Trockenfeigen und auch einige würzige Noten.

Der Antrunk ist ziemlich süß. Außerdem stelle ich fest, dass das Corsendonk Christmas Ale nur sehr wenig feinperlige Kohlensäure enthält, wodurch diesem Bier die Frische fehlt. Trotzdem ist der Geschmack recht angenehm, da er viel Geschmack von Feigen sowie von Koriander, Lakritze und Vanille enthält. Offensichtlich kommt ein großer Teil der Süße von Kandiszucker. Der kräftige wärmende Körper ist ausgewogen und vollmundig. Der Alkohol ist gut eingebunden in die weiterhin vorhandenen Frucht- und Gewürznoten. Jetzt meine ich, auch etwas Orangenschale zu schmecken. Der Abgang ist erstaunlich mild, auch wenn hier die ersten Bitterstoffe auftauchen. Jetzt erinnert das Bier an einen guten Likör.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hefe, Zucker, Hopfen

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Brauerei:

Brewery Corsendonk
Steenweg op Mol 118
2360 Oud-Turnhout
Belgien
www.corsendonk.com

Craftwerk – Grünhopfen-Ber

Craftwerk beschreibt die Besonderheit dieser Bierspezialität auf ihrer Website so gut, dass ich es nicht besser kann. Daher übernehme ich den Text hier: „Ein Grünhopfen-Bier kann nur einmal im Jahr zur Hopfenernte im August und September gebraut werden. Da der feldfrische Hopfen, wenn er nicht getrocknet wird, nicht lange frisch bleibt, muss er schnellstmöglich vom Hopfengarten in die Brauerei gebracht und verwendet werden. Für unser Grünhopfenbier verwenden wir die Hopfensorte Cascade aus unserem exklusiven Hopfenanbaugebiet in Holsthum bei Bitburg und schaffen es, den Hopfen in weniger als vier Stunden vom Hopfengarten in den Sudkessel zu bringen. So erhalten wir das besonders frische, grasig-grüne Aroma des Hopfens.“ Intensiv golden fließt das Bier ins Glas. Dabei bildet sich eine große feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Das Aroma ist hopfenbetont. Düfte nach frischem Gras und Heu steigen mir in die Nase, abgerundet durch den Duft nach Zitrusfrüchten. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck. Der erste Eindruck ist spritzig und die Zitrusaromen sorgen für eine ordentliche Frische. Das Bier gleitet die Kehle hinunter und man spürt eine intensive frisch-grasige Hopfenaromatik, gut gepaart mit der diskreten Süße des Malzes. Im Abgang wird das Bier etwas trockener, ergänzt durch eine moderate Bitterkeit. Ich kenne einige Konsumenten, die die Grasigkeit nicht so toll finden, aber wer diese Bierspezialität mag, die nur einmal im Jahr gebraut werden kann, ist mit diesem Wet Hop Session Lager wirklich gut bedient.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Karamellmalz), Hopfen (Cascade), Hefe

Alkoholgehalt:

4,1 % Vol.

Stammwürze:

10,1° Plato

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

Bitburger Braugruppe
GmbH Römermauer 3
54634 Bitburg
www.craftwerk.de

Aecht Schlenkerla Rauchbier – Märzen

Lange Zeit waren Rauchbiere fast ausgestorben. Lediglich in Bamberg wurde die Tradition noch hochgehalten und im Weltkulturerbe wurde weiterhin das Malz durch die Brauereien über offenem Buchenholzfeuer geröstet. Nicht umsonst wurde das Rauchbier im Jahr 2006 aus Bamberg von Slowfood in als Passagier in die Arche des guten Geschmacks aufgenommen. Auch wenn es inzwischen einige Craft Brauer gibt, die sich des Rauchbiers angenommen haben, kommt das Original weiterhin aus Franken.

Rauchbier ist vermutlich der umstrittenste Bierstil. Vielen Konsumenten gefällt der meist kräftige Rauchgeschmack nicht. Und auch ich muss zugeben, dass die ersten Schlucke jedes Mal dazu dienen, sich wieder an den Geschmack zu gewöhnen. Aber ab dem dritten oder Vierten Schluck finde ich wieder Gefallen am rauchigen Bier. Ich meine, alleine für die Einkehr in den Brauereigaststätten lohnt sich ein Besuch in Bamberg.

Aber kommen wir jetzt zum Märzen von Aecht Schlenkerla Rauchbier. Die Brauerei bewirbt es als „das Original und Bambergs Spezialität seit Jahrhunderten.“ Und wir wollen auch nicht vergessen, dass diese fränkische Spezialität mit einer Unmenge an Preisen überhäuft wurde, alleine von 2012 bis heute mit 20 Auszeichnungen. Aufgrund der Menge will ich sie hier nicht alle aufzählen. Wenn Sie an der Liste der Ehrungen interessiert sind, lesen Sie bitte auf der Website der Brauerei. Jetzt ist es aber an der Zeit, dass ich die Flasche öffne und mit dieses spezielle Märzen einschenke.

Schwarz ist es, wirklich schwarz. Nur wenn ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert ein leichtes Rubinrot durch. Über dem Bier bildet sich eine voluminöse Krone aus hellbraunem Schaum, die sehr lange erhalten bleibt.

An dieser Stelle beschreibe ich in der Regel das Aroma des Biers. Damit tue ich mich in diesem Fall etwas schwer. Das Bier duftet intensiv nach Buchenrauch, durchaus vergleichbar mit einem handwerklich geräucherten Schinken. Der Rauchgeruch ist so kräftig, dass ich zunächst keinen anderen Duft feststellen kann. Erst als ich die Flasche zur Hälfte getrunken habe, kann ich feststellen, dass noch weitere Aromen vorhanden sind, allerdings so zurückhaltend, dass ich sie nicht identifizieren kann. Das ist vermutlich auch der Grund, weshalb die Brauerei auf dem Rückenetikett schreibt: „Dieweilen aber das Gebräu beim ersten Trunk etwas fremd schmecken könnt, laß Dir’s nicht verdrießen, denn bald wirst du innehaben, daß der Durst nit nachläßt, sintemalen Dein Wohlbehagen sichtlich zunimmt.“

Der Antrunk ist einigermäßen trocken, weshalb es mich auch nicht stört, dass die sehr feinperlige Kohlensäure recht knapp dosiert ist. Dann kommt der Rauchgeschmack mit Macht. Er dominiert dieses Bier eindeutig. Nach dem dritten oder vierten Schluck lukt noch eine leichte Fruchtigkeit hervor, allerdings so schwach, dass ich sie nicht näher definieren kann. Auch der Abgang ist rauchig, aber er bringt noch ein leichtes Bitter hervor, verbunden mit einem Hauch dunkler Schokolade. Wie erwartet klingt der Geschmack noch lange nach. Nachdem ich mich mit dem Bier einige Zeit beschäftigt und mich an den Rauchgeschmack gewöhnt habe, kommt im Abgang das Bitter stärker hervor.

Ich mag das Bier, aber ich kann auch verstehen, wenn jemand dieses Bier ablehnt. Geeignet ist das Bier zu sehr deftigen Speisen und ich kann mir auch vorstellen, dass sich mit dem Rauchgeschmack und der zurückhaltenden Bitteren dieses Bier eine gute Grundlage für eine Soße zum Schweinsbraten bilden kann.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Stammwürze:

13,5° Plato

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

Brauerei Schlenkerla
Dominikanerstraße 6
96049 Bamberg
www.schlenkerla.de

 

Maisel & Friends – Hoppy Amber Mosaic

Wieder einmal kam bei mir ein Paket aus Bayreuth an. Inhalt: eine Flasche Hoppy Amber Mosaic, ein Imperial Amber Ale. Und zu diesem Bier gibt es auch eine Geschichte, die die Brauerei auf ihrer Website erzählt und die ich hier unverändert übernehme: „Das Licht der Welt erblickte dieses Bier eigentlich durch Zufall. Ursprünglich wollten unsere Braumeister ein helles Bier mit deutlicher Bittere brauen, das ist aber nicht so ganz gelungen. Zum Glück!

Also lag das Bier im Tank und wartete auf seine weitere Bestimmung. Zum Tag des Bieres im April 2016 wollten wir in unserer Gastronomie Liebesbier ein besonderes Bier an den Hahn bringen und so haben wir dem „missglückten Bier“ eine neue Chance gegeben und es doch noch einmal verkostet. Die lange Reifezeit hat unserem Hoppy Amber Ale mehr als gut getan, denn plötzlich schmeckte es uns fantastisch!

Das Hoppy Amber Ale bekam auch von allen Verkostern einen so überragenden Zuspruch, dass wir es selbst kaum fassen konnten. Nicht nur die Gäste im Liebesbier fanden es toll, wir hatten es auch bei den CRAFT BEER DAYS 2016 in Hamburg dabei und es war binnen kürzester Zeit der Festival-Geheimtipp. Also haben wir es 2017 nochmals gebraut und wieder kam es supergut an. Seitdem ließen die Fans des Bieres nicht locker und baten uns, das Hoppy Amber doch bitte auch mal in die Flasche zu bringen. Tadaaaaa! Hier ist es also in der 0,33 l Flasche, aber auch bei der Neuauflage streng limitiert.“ Na, da muss der Braumeister ja mal wieder etwas ganz Besonderes gezaubert haben. Mal sehen, ob ich das auch so empfinde.

Seinen Namen hat das Bier zu Recht. Wunderbar bernsteinfarben strahlt es mir aus dem Glas entgegen mit einer großen dichten und stabilen Schaumkrone, die auch sehr lange erhalten bleibt.

Das Aroma tropischer Früchte steigt mir in die Nase. Ich rieche Düfte nach tropischen Früchten, Mango und roten Früchten. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der erste Kontakt mit der Zunge zeigt die Süße und Spritzigkeit des Bieres. Aber erst als sich das Bier im Mund verteilt und erwärmt lässt es seine Muskeln spielen. Im cremigen Mundgefühl spiegeln sich die Aromen wider, die bereits meine Nase verwöhnt haben. Fast wie Marmelade präsentiert sich das Bier jetzt mit dem Geschmack nach Karamell, Grapefruit, Mango und Himbeeren. Die Intensität ist beeindruckend. Im Abgang wird das Bier trockener und das Bitter verstärkt sich. Der Abgang klingt lange nach.

Zum Hoppy Amber Mosaic passt gut ein süßer Pfannkuchen mit Blaubeeren. Aber auch dieses Bier sollte schnell gekauft werden, denn: wenn weg, dann weg.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Citra, Amarillo, Columbus, Perle, Ella, Wai-iti, Bramling Cross, Herkules, Mosaic), Hefe

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Stammwürze:

18,5° Plato

Bittereinheiten:

50 IBU

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Brooklyn – Lager

Nach langer Zeit habe ich jetzt mal wieder ein Bier aus den USA vor mir stehen. Mal sehen, ob die Amerikaner besser brauen als wählen können. Jedenfalls hat die Brauerei auf dem Rückenetikett eine kurze Darstellung der Geschichte der Brauerei veröffentlicht, die ich hier mal kurz übersetzen möchte.

„Die Brooklyn Brewery ist seit dem Beginn der Craft Beer-Revolution ein Leuchtfeuer guten Biers. Der erste Sud Brooklyn-Bier entstand im Jahr 1988 und wurde von den Gründern der Brauerei Steve Hindy und Tom Potter von Tür zu Tür verkauft. Eine neue Brauerei bedeutete ein großes Risiko und die Gründer waren der Meinung, dass die Kunden das beste Bier weltweit verdient hätten.

In unserem Brauhaus in Brooklyn kreieren Baumeister Garrett Oliver und sein Team bis heute hervorragende traditionelle Bierstile sowie Biere, die sich einer Definition widersetzen und die Grenzen der Braukunst hinausschieben. Unsere Biere werden jetzt in mehr als der Hälfte der Vereinigten Staaten sowie in anderen Ländern verkauft. Wir hoffen, Sie genießen dieses Bier aus der Brooklyn Brewery und möchten Sie in unseren Verkostungsraum einladen.“ Unterschrieben ist dieser von mir frei übersetzte Text von Garrett Oliver.

Die Brauerei geht in der Werbung also ziemlich vollmundig zur Sache. Mal sehen, ob das Bier mit der Werbung mithalten kann.

Bernsteinfarben und mit relativ wenig weißem gemischtporigem Schaum präsentiert sich das American Amber Lager im Glas. Der Schaum bleibt aber recht lange erhalten. Mir fällt auf, dass nur wenig Kohlensäure zu sehen ist.

Das Aroma steigt mir bereits beim Einschenken in die Nase. Fruchtig und floral ist es. Ich stelle Düfte von Banane, Zitrone, Rosinen und einer Blumenwiese fest. Bei der Hopfenauswahl hat sich die Brauerei ganz offensichtlich Mühe gegeben. Dabei fällt mir noch auf, dass jetzt mehr Kohlensäure freigesetzt wird als ich optisch feststellen konnte. Dadurch wirkt das Bier angenehm frisch.

Beim Körper fällt die kräftige Hopfung auf. Na ja, bei dem Duft war das auch nicht anders zu erwarten. Aber trotzdem ist das Bier erstaunlich mild und süffig. Dabei ist es aber auch mild. Es erinnert an ein wirklich gutes Pale Ale. Der kräftige Geschmack nach den Früchten ist wirklich gut ausgewogen, auch wenn die Säure etwas in den Vordergrund kommt. Der Abgang ist erstaunlich mild, er klingt aber trotzdem langanhaltend nach.

Ich meine, dass dies das beste Lager ist, das ich bislang verkostet habe. Es passt gut zu Geflügel oder Fisch.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (American 2.Row, Münchner Malz), Hopfen (Hallertauer Mittelfrüh, Vanguard, Cascade, Saphir, Willamette)

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

13° Plato

Brauerei:

Brooklyn Brewery
79 North 11th Street
11249 Brooklyn
NY
USA
www.brooklynbrewery.com

Ratsherrn – Coast Guard

Nun steht mal wieder ein Bier aus der kleinen Brauerei in den Hamburger Schanzenhöfen vor mir, das Ratsherrn Westküsten IPA. Über meine Erwartungen an Biere aus dem Schanzenviertel habe ich an anderer Stelle bereits ausführlich geschrieben. Deshalb spare ich mir hier die Wiederholung, nur so viel: meine Erwartungen sind hoch.

Rotgolden und mit lebhafter Kohlensäure zeigt sich das Bier im Glas, dazu eine lebhafte Kohlensäure. Darüber ein feinporiger weißer Schaum, der aber leider nicht lange erhalten bleibt.

Das Aroma wird von den sechs Hopfensorten bestimmt, die in diesem Bier verbraut wurden. Wie bei einem guten Ale zu erwarten dominieren Zitrusnoten und einige Bitterstoffe, das Aroma erinnert vor allem an Zitronenschalen, eventuell an Grapefruit.

Der Antrunk ist nur leicht süß und die lebhafte Kohlensäure verleiht ihm bereits einige Spritzigkeit. Der Körper ist eher bitter und bringt einiges an Zitrusnuancen mit sich. Zusammen mit der Kohlensäure ergibt sich aber ein rundes Geschmacksbild. Nachdem der Körper viele Bitterstoffe zum Vorschein brachte ist der Abgang überraschend mild. Trotzdem hält sich die bittere Note recht lange.

Zu einem guten chinesischen oder indischen Essen ist dieses Bier der ideale Begleiter.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Wiener, Chateau Biscuit, Caramünch), Hopfen (Herkules, Saphir, W. Goldings, Cascade, Simcoe, Amarillo), Hefe

Stammwürze:

14,3 % Vol.

Bittereinheiten:

60 IBU

Brauerei:

Ratsherrn Brauerei GmbH
Lagerstr. 30a
20357 Hamburg
http://www.ratsherrn.de

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Buddelship – Rote Grütze

Fruchtbiere kennen wir ja bereits aus Belgien, aber dieses Mal steht erstmals ein Fruchtbier aus Deutschland vor mir, genauer gesagt aus der Brauerei Buddelship in Hamburg. Ich erinnere mich noch daran, dass die dortigen Brauer nach Norwegen gefahren sind, um dort ein Sauerkraut-Bier zu brauen, das dann in Deutschland als Bier verkauft werden darf, obwohl es nicht dem deutschen Reinheitsgebot entspricht. Ob das Team bei der Roten Grütze auf die gleiche Weise vorgegangen ist, weiß ich nicht, aber ich vermute es, da das Bier unter dem Label Sauerbier verkauft wird. Und den Namen Rote Grütze trägt das Bier schon mal zu Recht, denn es enthält einen ganzen Korb voll verschiedener Früchte, die in der Regel auch wirklich für das Kochen einer Roten Grütze verwendet werden: Himbeeren, Erdbeeren, Kirschen, Johannisbeeren und Blaubeeren. Nun bin ich aber mal gespannt, ob dieses Bier mir genauso gut gefällt wie die meisten Fruchtbiere aus Belgien.

Hell bernsteinfarben steht das Bier im Glas, dabei hefetrüb und mit reichlich Kohlensäure, die zu recht viel cremigem weißen Schaum führt, der auch lange erhalten bleibt. Mich wundert kurz die recht helle Farbe. Bei den vielen unterschiedlichen Früchten hätte ich wirklich mehr Farbe erwartet. Insbesondere Johannisbeeren und Blaubeeren färben schließlich sehr gut und die anderen Früchte haben eigentlich auch eine recht intensive Farbe. Aber die helle Farbe beweist zumindest, dass die Brauer hier nicht mit irgendwelchen Farbstoffen gearbeitet haben. Damit wird die Farbe eindeutig zum Pluspunkt für dieses Bier.

Das Aroma gibt schon mal einen Eindruck von der Berechtigung, dieses Bier als Sauerbier zu verkaufen. Säuerliche Düfte herrschen vor und drängen alle anderen Geruchseindrücke zur Seite. Beerig ist ein Wort, das es im Deutschen nicht gibt, dass aber den Duft bestens beschreibt. Er erinnert mich an die Kindheit, wenn meine Großmutter im Sommer Marmelade gekocht hat. Aber hier kommt noch eine leichte herbe Note im Hintergrund dazu.

Der Antrunk ist sauer, wirklich sauer. Das zieht einem zunächst alles zusammen. Beim zweiten oder dritten Schluck habe ich mich dann etwas an die Säure gewöhnt und ich kann noch etwas mehr schmecken. Jetzt kann ich rote Johannisbeeren feststellen. Dieser Geschmack verdrängt alle anderen Früchte. Aber gut, irgendetwas muss ja im Vordergrund stehen.

Kann ich dieses Bier empfehlen? Ich weiß es nicht so richtig. Mir ist es erheblich zu sauer, zumindest ist es zu sauer, um es pur zu trinken. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass es sich sehr gut zum Mixen von Biercocktails eignet. Oder auch zum Bereiten von Desserts. Wenn ich mit diesem Bier ein Gelee bereiten würde, in das ich süße Früchte einbette, beispielsweise Ananas und Banane – doch, ich könnte mir durchaus vorstellen, dass das ein leckeres Dessert werden könnte. Oder ich mache ein Gelee, das ich pikant abschmecke, um es zu Wild, Geflügel oder Fisch zu reichen… So wie dieses Bier aus der Flasche kommt möchte ich es nicht trinken. Aber es regt eindeutig meine Phantasie an.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Himbeeren, Erdbeeren, Kirschen, Johannisbeeren, Blaubeeren, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Brauerei:

Buddelship GmbH
22525 Hamburg
www.buddelship.de

Riegele – Bayerisch Ale 2

Als ich das Bayerisch Ale 2 erstmals gesehen habe, stellte ich mir die Frage, was denn wohl die 2 im Namen bedeutet. Dabei war die Antwort ganz einfach. Beim Bayerisch Ale 2 handelt es sich um einen Gemeinschaftssud zwischen der Riegele BierManufaktur in Augsburg und der Brauerei Sierra Nevada in Kalifornien. Beide Brauereien befinden sich im Familienbesitz und sind für ihre handwerklich hergestellten Biere bekannt. Wenn diese beiden Brauereien sich zusammentun, kann doch vermutlich nur ein hervorragendes Bier dabei herauskommen. Jetzt will ich prüfen, ob dieses Vorurteil auch zutrifft.

Leuchtend sonnengelb und hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine leicht überdurchschnittlich voluminöse feinporige Schaumkrone, die auch lange erhalten bleibt. Bereits beim Einschenken steigen mir fruchtige Aromen in die Nase.

Der Antrunk ist frisch, süß, fruchtig und spritzig. Das Aroma spiegelt sich auf der Zunge wider; ich schmecke Pirsich, Aprikose und Maracuja. Dazu kommt ein kräftiges Bitter, das aber nicht übertrieben ist. Auch der Abgang ist fruchtig und bitter und er klingt lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Steffi), Weizenmalz, Hopfen (Hallertauer Mittelfrüh, Citra, Cascade, Simco, Amarillo, Mosaik), Hefe (Riegele Irish Ale)

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Riegele BrauManufaktur
S. Riegele KG
Frölichstraße 26
86150 Augsburg
www.riegele.de

 

Brasserie des Fagnes – Blanche

Wieder steht ein Bier aus der kleinen Brasserie des Fagnes vor mir. Es heißt Blanche. Der Name sagt nicht allzu viel über darüber aus, was ich von dem Bier erwarten kann und da die belgischen Brauereien häufig kaum Informationen auf die Etiketten drucken und oft wie in diesem Fall nicht einmal den Bierstil verraten, sind belgische Biere immer wieder wie eine Wundertüte. Manchmal gut, manchmal gefällt das Bier nicht so richtig, vor allem aber wüsste ich in der Regel schon gerne, was ich da kaufe. Bei diesem Bier war es wieder einmal Überraschung. Na gut, eventuell nicht so ganz, denn bekanntlich bedeutet Bière Blanche Weißbier. Wobei zumindest im flämischen Teil Belgiens Weißbier etwas anderes ist als in Bayern. Aber jetzt will ich mich endlich dem Bier zuwenden.

Golden und stark hefetrüb ist das Bier im Glas. Darüber bildet sich recht wenig feinporiger Schaum, der sich auch schnell auflöst. Zumindest im Hinblick auf den Schaum ist das Blanche kein typisches Weizenbier. Aber das war ja auch lediglich eine Annahme meinerseits.

Das Aroma wird durch grüne Äpfel geprägt, unterstützt durch den Duft von weißem Pfeffer sowie einem Hauch Hefeduft.

Der Antrunk ist recht süß, mit der Kohlensäure aber durchaus angenehm. Der Körper ist intensiv, freundlich säuerlich und süffig. Im Abgang ist das Blanche leicht bitter, wobei der Geschmack sich nicht lange hält.

Wichtig ist, dass das Bier gut gekühlt getrunken wird. Es gehört zu den Bieren, die absolut nicht schmecken, wenn sie zu warm sind.

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Brasserie des Fagnes
Route de Nimes 24
5660 Mariembourg
Belgien
www.fagnes.com

Welde – Bourbon Barrel Bock

In Holzfässern gereiftes Bier ist immer etwas Besonderes, da das Bier die Aromen des Holzes sowie der Flüssigkeiten aufnimmt, die vorher in dem Fass gelagert wurden. Das fassgereifte Bier der Brauerei Welde, der Bourbon Barrel Bock, wurde in Bourbon-, Rum- und Tequila-Fässern gelagert. Es ist eines von sechs Craft-Bieren, die von der Biermanufaktur in Plankstadt angeboten wird. Aber Stephan Dück, Braumeister und Biersommelier bei Welde, hat sich noch etwas anderes einfallen lassen und das Bier einer Kalthopfung mit Green Bullet-Hopfen unterzogen.

Intensiv goldfarben mit einem orangenen Stich zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine voluminöse beige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Bei der Optik hat die Brauerei schon mal alles richtig gemacht.

Auch das malzbetonte und dabei vielschichtige Aroma begeistert mich. Im Vordergrund sind die für ein Bockbier typischen süßen und süffigen Aromen. Düfte nach Karamell, Kandis und Brotrinde steigen mir in die Nase, unterstützt durch die Düfte des Hopfens nach Zitrusfrüchten und Trockenfrüchten. Auch einige würzige Aromen sind festzustellen.

Süß und fruchtig halten sich beim ersten Kontakt des Bieres mit der Zunge die Waage. Weich und mit wenig Kohlensäure schmeichelt das Bier der Zunge. Der Geschmack nach Karamell breitet sich im Mundraum aus und sorgt für einen vollen intensiven und ausgewogenen Geschmack. Im Abgang wird das Bier trockener. Der Geschmack klingt noch einige Zeit nach.

Der Bourbon Barrel Bock ist stiltypisch und trotzdem mit seiner Komplexität etwas ganz Besonderes. Er passt gut zu Wildgerichten und Kaninchenbraten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Green Bullet), Hefe

Alkoholgehalt:

6,6 % Vol.

Stammwürze:

16,0° Plato

Brauerei:

Weldebräu GmbH & CO. KG
Brauereistraße 1
68723 Plankstadt/Schwetzingen
www.welde.de

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