Archiv der Kategorie: Craft Beer

Ratsherrn – Weißbier

Nun steht wieder ein Bier aus den Schanzenhöfen in Hamburg vor mir, das Ratsherrn Weißbier. Auf dem Rückenetikett brüstet sich die Brauerei damit, eine Weißbiertradition aus dem 14. Jahrhundert wieder aufleben zu lassen. Wenn dies stimmt ist die Tradition des Weizenbiers in Hamburg noch satte 200 Jahre älter als die Tradition der Herstellung von Rotbier. Ehrlich gesagt habe ich von Weiß- und Rotbier in Hamburg sonst noch nie etwas gehört und ich konnte auch im Internet keinerlei Quellen finden, die diese Traditionen belegen. Aber es geht hier schließlich um die Qualität des heute gebrauten Bieres, nicht um die erstmalige Herstellung der jeweiligen Brauspezialität.

Mir fällt auf, dass Ratsherrn bei seinem Weißbier auf dem Rückenetikett weder die verwendeten Malz- noch die Hopfensorten angibt. Bei anderen Bieren aus dieser Brauerei werden diese Informationen gegeben. Auch im Internet finde ich keine vollständige Auflistung, sondern lediglich die Angabe, dass sechs Malzsorten und der Aromahopfen Topaz aus Neuseeland verwendet werden. Aber gut, damit geben die Brauer aus dem Schanzenviertel schließlich auch schon mehr Informationen heraus als die meisten Brauer in Bayern. Nun will ich aber mich endlich dem Bier zuwenden.

Bernsteinfarben mit einem Schuss Braun und mit einer minimalen Trübung durch die enthaltene Hefe steht das Bier im Glas. Darüber steht ein weißer feinporiger, fast cremiger, Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Dazu sehe ich eine ganze Menge lebhafter Kohlensäure. Ich muss sagen, zumindest optisch haben die Brauer keinen Fehler gemacht.

Das Aroma ist durch das Weizenmalz geprägt, etwas teigig, leicht süßlich mit einem Hauch nach Bananen und Trockenfrüchten. Dem Duft fehlt höchstens etwas der saure Ton, der vielen Weizenbieren zu Eigen ist. Auch hier kann ich nicht meckern.

Der Antrunk ist kaum süß und schnell breitet sich der Geschmack des Malzes zusammen mit einem leichten Röstgeschmack im Mund aus. Dazu kommt eine ausgewogene Menge an Bitterstoffen. Der Abgang ist auffallend mild und er klingt nicht lange nach.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,8 %

Brauerei:

Ratsherrn Brauerei GmbH
Lagerstr. 30a
20357 Hamburg
http://www.ratsherrn.de

BierSelect

Rhönpiraten – Weizen

Drei Biere der Rhönpiraten aus Franken habe ich bereits getestet und ich war von allen drei Kreationen begeistert. Mal sehen, ob sich diese Begeisterung auch beim Weizen hält. Das Etikett verrät wie immer keine Informationen über diese fränkische Brauspezialität, weshalb ich direkt zur Verkostung übergehen kann.

Goldgelb und hefetrüb steht das Weizen im Glas Darüber sehe ich viel feinporigen und reinweißen Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Optisch ist das Bier also absolut gelungen.

Das Aroma wird durch das Getreide bestimmt, es ist leicht säuerlich und auch die Hefe kommt deutlich zum Vorschein. Im Antrunk ist das Bier leicht aber unaufdringlich süß, Malz und Hefe zeigen sich in einem angenehmen Verhältnis. Der Abgang ist leicht bitter, so wie er sein soll, und er klingt lange nach. Leider befindet sich zwischen Antrunk und Abgang ein deutliches geschmackliches Loch. Wenn es der Brauerei gelingt, dieses Loch zu stopfen, hat dieses Bier durchaus das Zeug zu einem absoluten Spitzenprodukt.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Brauerei:

Rhönpiraten
Inh. Stephan Kowalsky
Friedenstr. 25
97645 Ostheim
http://www.rhoenpiraten.de

Riegele – Auris 19

Jetzt will ich mal wieder ein Bier aus der Riegele Braumanufaktur testen, das Auris 19. Woher dieser Name? Das Bier ist mit 19° Stammwürze gebraut. Wenn das Bier dann auch noch als „Goldenes Feuer“ beworben wird, steigen selbstverständlich meine Erwartungen. Im Glas zeigt sich das Bier in einem satten goldgelb mit einer lebhaften Kohlensäure. Der Schaum ist eher sparsam vertreten, dafür aber feinporig. Dass sich der Schaum schnell auflöst, trübt den optischen Eindruck, ist aber noch kein K.O.-Kriterium. Das Aroma wird von Malz und blumigen Noten bestimmt, es ist fruchtig und zeigt auch einen Anklang von Ananas. Da macht es doch gleich Spaß, sich auf den ersten Schluck zu freuen. Der Antrunk ist sehr mild, aber schnell dominiert das Malz den Geschmack. Das Ganze aber durchaus angenehm auf das Bittere des Hopfens abgestimmt. Der Abgang ist mäßig bitter, der Geschmack bleibt aber lange erhalten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener, Steffi), Hopfen (Hallertauer Perle, Opal), Hefe

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Brauerei:

Riegele BierManufaktur
S. Riegele KG
86150 Augsburg
http://www.riegele.de

Welde – Jahrgangsbier 6. Edition

Bei guten Weinen sind wir es ja gewöhnt, auf den Jahrgang zu achten. Beim Bier ist dies dagegen recht selten. Weshalb eigentlich? Bier enthält doch erheblich mehr Grundstoffe aus der Natur, die bei jeder Ernte anders sein können. Wenn nun ein Bier auf dem Etikett den Jahrgang angibt, schraubt das bei mir die Erwartungen kräftig in die Höhe. Mal sehen, ob das Bier diese Erwartungen auch erfüllen kann. Zusätzlich sagt das Rückenetikett aus, dass dieser Lagerbock acht Wochen lang gereift ist. Auffällig ist auch der Naturkorken, mit dem die Flasche verschlossen ist. Diese Art, Bierflaschen zu verschließen, kenne ich sonst nur aus Belgien.

Gelbrot und hefetrüb steht das Bier im Glas, dazu sehe ich eine lebhafte Kohlensäure. Darüber relativ wenig weißer Schaum mit einem leichten Stich ins Beige. Er ist zwar feinporig, löst sich aber trotzdem relativ schnell auf.

Das Aroma ist ein wahrer Reigen an Früchten: Neben Karamell kommt Banane zum Vorschein, der Duft getrockneter Feigen spielt mit, dazu ein leicht säuerlicher Ton… Doch, am Aroma gibt es nichts auszusetzen.

Nun ist es an der Zeit für den ersten Schluck. Zunächst fällt mir auf, dass der Antrunk für ein Bockbier überraschend wenig Süße mit sich bringt. Ein Großteil des Malzzuckers ist wohl zu den immerhin 6,7 % Alkohol vergoren worden. Das ist aber absolut kein Minuspunkt. Der Körper ist sehr kräftig. Eine ausgeglichene Menge Bitterstoffe paart sich mit dem Geschmack von Malz und einem Hauch Banane. Ein wirklich leckeres Bier. Der Abgang ist für dieses kräftige Bier überraschend mild, trotzdem aber lang anhaltend.

Nachdem mich der Jahrgang 2014 nun vollkommen überzeugt hat, bin ich mal gespannt, ob die Brauerei auch im aktuellen Jahr diese Qualität halten kann.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,7 % Vol.

Brauerei:

Weldebräu
68723 Plankstedt-Schwetzingen
http://www.welde.de

Maisel & Friends – Juicy IPA

Letzte Woche war es wieder so weit – die Brauerei Maisel & Friends schickte mir ihren neuen Sondersud, das Juicy IPA. Viele andere Brauereien bringen in der Vorweihnachtszeit dunkle und stärkere Biere auf den Markt. Maisel geht einen anderen Weg und holt uns den Sommer zurück. Auf der Website verspricht die Brauerei viel: „In der Maisel & Friends Brauwerkstatt haben sich unsere Braumeister eingefunden und alles an Hopfen organisiert, was zu bekommen war. Es gab eine regelrechte Explosion an Fruchtaromen und daran nicht ganz unschuldig waren die Hopfensorten Chinook, Citra, Amarillo, Simcoe, Mosaic und Mandarina Bavaria.“ Das klingt doch schon mal gut und ich freue mich darauf, die Flasche aufzumachen und das neue Bier zu verkosten.

In kräftigem Gold, leicht hefetrüb und mit sehr agiler Kohlensäure erstrahlt das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine große und sehr feste Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Optisch hat die Brauerei auf jeden Fall alles richtiggemacht.

Bereits beim Einschenken steigen mir viele fruchtige Aromen in die Nase. Ich rieche Grapefruit, Mango, Pfirsich, Birne und Orange. Nach dem Aroma ist den Brauern in Bayreuth wohl wieder ein Meisterstück gelungen.

Der Antrunk hält, was das Aroma verspricht. Er ist spritzig, frisch und fruchtig. Schnell macht sich ein kräftiges aber freundliches Bitter im Mund breit. Ja, die 50 IBU kommen durchaus hin. Aber jetzt fehlt mir doch die starke Fruchtigkeit, die ich gerade noch gerochen und auf der Zungenspitze geschmeckt habe. Trotzdem – Zitrusfrüchte sind zu schmecken und das Bitter gefällt mir durchaus. Überraschend ist dann der Abgang, der milder als erwartet ist und mittellang nachklingt.

Bis zum Antrunk hat mich das Bier absolut begeistert. Auf der Zunge fehlte mir zunächst die Fruchtigkeit. Ich konnte es jetzt nicht testen, da ich nur eine Flasche hatte, aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass das Juicy IPA sich gut als Begleiter süßer Desserts oder von Fruchtsalat eignet.

Das Juicy Fruit ist ein Sondersud, Sie sollten sich also beeilen, dieses Bier zu bestellen. Wenn es weg ist, ist es weg. Sie erhalten es im Shop an der Brauerei und bei Flaschenfreund.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hafermalz, Hopfen (Chinook, Citra, Amarillo, Simcoe, Mosaic, Mandarina Bavaria), Hefe

Alkoholgehalt:

7,2 % Vol.

Stammwürze:

14,8° Plato

Bittereinheiten:

50 IBU

Brauerei:

Brauerei Gebrüder Maisel KG
Hindenburgstraße 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Braukraft – Choco-Lata

„Eine wunderschöne Prinzessin, sesshaft unweit von Kumasi, wollte heiraten. Aber eben nicht irgendwen… So kamen aus dem ganzen Land die Prinzen und brachten ihr kostbaren Gaben. Als dann ein Sohn eines Bauern aus Nkenkaasu mit seiner Ware auf dem Weg zum Markt am Palast vorbeikam und der Prinzessin einen wunderbaren Kakao anbot, war es um sie geschehen. Der Mann war obendrein noch Brauer und ersann speziell für sie diese Köstlichkeit…“ Die Firma Braukraft ersinnt zu jedem ihrer Biere ein Märchen oder besser gesagt den Anfang davon. Den Rest müssen Sie selbst erfinden. Ist das zu viel verlangt? Ich meine nicht, denn die Brauer sollen ihre Kreativität doch lieber in das Bier stecken als in irgendwelche Märchen.

Ja, ich spreche hier von Bier, auch wenn das Choco-Lata nach dem deutschen Reinheitsgebot überhaupt nicht als Bier verkauft werden darf. In der Zutatenliste stehen auch Kakaobohnen. Der Gesetzgeber mein ja nun, das geht gar nicht. Irgendwelche Enzyme, Extrakte und Kunststoffgranulate dürfen bei der Bierherstellung gerne verwendet werden, aber ein Naturprodukt… Egal, sehen wir uns an, was das Team aus der Nähe von München hier kreiert hat.

Tiefschwarz ist es, das Choco-Lata. Tiefschwarz und Blickdicht. Die Schaumkrone können wir allerdings mit Fug und Recht vergessen. Sie ist sehr klein, besteht aus grobporigem Schaum und löst sich sofort auf. Schade, so kann mich die Optik nicht begeistern.

Bei der tiefen Schwärze des Bieres würde ich auch ein recht kräftiges und komplexes Aroma erwarten. Die Kakaobohnen aus Ghana sorgen auch für ein ordentliches Schokoladenaroma. Leider ist es so kräftig, dass es die anderen Aromen verdrängt. Eventuell wäre da weniger mehr gewesen.

Der Antrunk wird wie von mir erwartet durch die Röstnoten dominiert. Der Geschmack nach Schokolade steht im Vordergrund. Die kräftige Malzsüße passt zur gut dosierten feinperligen Kohlensäure. Von Anfang an schmeckt das Bier kräftig nach Kakao, schnell gesellen sich auch Espressonoten dazu. Säure ist keine zu schmecken, auch Bitterstoffe vermisse ich. Auf mich wirkt das Bier nicht wirklich rund und vollmundig. Auch der Abgang ist ohne Bitter und auch ohne Nachklang.

Die Idee, auch Kakaobohnen mit zu verbrauen ist sicher nicht schlecht. Das Choco-Lata wirkt auf mich aber nicht wirklich rund.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Kakaobohnen

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Stammwürze:

16,5° Plato

Bittereinheiten:

26 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

11° – 13° Celsius

Brauerei:

Braukraft
Münchnerstr. 20
82205 Gilching
www.braukraft.de

Klüvers – Seegang

Auf der Internorga überraschte mich die Brauerei Klüvers im Jahr 2018 mit einem neuen Bier, dem Seegang. Damals hatte das Bier noch keinen Namen und wurde einfach als Algenbier angepriesen. Bei diesem Angebot handelte es sich um einen Probesud und ob dieses Bier in die Produktion geht, sollte davon abhängen, wie das Bier auf der Messe beim Publikum ankommt. Entwickelt hat die Brauerei dieses Bier in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut in Lübeck. Als ich im Sommer dieses Jahres in Neustadt war, habe ich auch Klüvers besucht. Im Laden neben der Brauereigaststätte, in dem Klüvers seine Produkte verkauft, gab es das Seegang nicht, nur in der Gaststätte konnte ich es bestellen, um eine Flasche mit nach Hause zu nehmen. Nun habe ich das Seegang getrunken und mich gewundert, dass die Brauerei dieses Bier nicht auf seiner Website erwähnt, es aber bei mehreren Versandhändlern sowie bei Citti, einer regionalen Supermarktkette, im Angebot ist. Na ja, ich muss auch nicht alles verstehen. Kommen wir zum Bier.

Bernsteinfarben mit leicht überdurchschnittlicher sahniger Schaumkrone strahlt mir das Bier im Glas entgegen. Der Schaum bleibt auch lange erhalten.

Und ich muss sagen, das Bier duftet nach Küste und Hafen. Der Duft der Algen steht im Vordergrund. Unterstützt wird er durch den Malzkörper, dessen Aroma sich aber diskret im Hintergrund hält. Der Duft dieses Bieres ist ungewöhnlich, aber ansprechend.

Der erste Eindruck auf der Zunge sind eine recht kräftige Süße und mein Wunsch nach etwas mehr der sehr feinperligen Kohlensäure. Schnell tritt der Geschmack der Algen in den Vordergrund; begleitet mit etwas Salz sorgt er für ein vollmundiges Mundgefühl. Dieses wird durch den Malzkörper unterstützt. Der Abgang ist sehr mild, ich schmecke kaum bitter und der Geschmack der Algen klingt recht lange nach.

Das Seegang ist kein Bier für jeden Tag, aber zum Fisch oder in der jetzt kommenden kalten Jahreszeit zu Muscheln ist es ein idealer Begleiter. Ich könnte mir auch vorstellen, mit diesem Bier eine Soße zum Fisch zuzubereiten.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Lappentang (Palmaria palmata), Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

2,8 % Vol.

Brauerei:

Klüver’s Delikatessen Manufaktur GmbH & Co. KG
Schiffbrücke 2-4
23730 Neustadt in Holstein
www.kluevers.com

BierSelect

Glaab’s – Hopfenlust

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts besteht bereits die Brauerei Glaabsbräu in Seligenstadt und noch immer befindet sie sich in Familienbesitz, mittlerweile in der neunten Generation. Damit gehört sie zu den ältesten Brauereien im Süden von Hessen.

In diesem Jahr hat Glabsbräu zum zweiten Mal einen Sondersud namens „Hopfenlust“ gebraut. Diese Saisonspezialität steht nur in begrenzter Menge zu Verfügung und wenn sie weg ist, ist sie weg. Das besondere an der Glaabsbräu Hopfenlust ist, dass für diesen Sud ausschließlich Aromahopfen verwendet wurde. Dadurch soll das Bier weniger herb werden und stattdessen wunderbar fruchtige Hopfenaromen erhalten. Verwendet wurden der bekannte aber recht seltene „Sorachi Ace“ und „Citra“ Hopfen aus dem amerikanischen Yakima Valley. Diese Hopfen stehen für sehr fruchtige und frische Aromen. Ich kann mich also auf ein besonderes Bier freuen.

Intensiv goldgelb präsentiert sich die Hopfenlust im Glas. Die Farbe spricht mich wirklich an. Darüber bildet sich viel cremiger Schaum, der sich nur langsam auflöst. Optisch hat die Brauerei schon mal alles richtiggemacht.

Der recht intensive Duft wird durch Zitrusaromen dominiert. Ich rieche Orangen, Limonen und Grapefruit, unterstützt durch das Aroma von Kräutern. Hier zeigt sich bereits die gute Auswahl der Hopfensorten.

Der Antrunk ist mild und deutlich süß. Die reichlich vorhandene sehr feinperlige Kohlensäure macht ihn aber spritzig. Zusammen mit dem eher geringen Alkoholgehalt von 3,8 % ist es also ein sehr schönes Sommerbier. Schnell entfaltet der Hopfenanteil seine Wirkung. Frisch, fruchtig ist es jetzt und auch die Kräuteraromen kommen stärker zum Tragen. Ein freundliches Bitter verdrängt die anfängliche Süße. Süffig und komplex überzeugt mich das Bier immer mehr. Im Abgang kommt die Süße zurück, gut ausgewogen mit dem jetzt stärker werdenden Bitter. Bemerkenswert ist auch der lange Abgang.

Nachdem ich die Hopfenlust verkostet habe, wundert es mich nicht, dass der ProBier-Club es im Mai 2017 zum „Bier des Monats“ gekürt hat.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Caramel Malz), Hopfen (Citra, Cascade, Sorachi Ace, Summit), Hefe

Alkoholgehalt:

3,8 % Vol.

Stammwürze:

10,2° Plato

Bittereinheiten:

25 IBU

Brauerei:

Glaabsbräu GmbH & Co. KG
Wallstr. 1
63500 Seligenstadt
www.glaabsbraeu.de

Maisel & Friends – Teleporter

Nun ist es bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr passiert – ich komme aus dem Urlaub zurück und bekomme als Überraschung ein Paket von Maisel & Friends mit einem Sondersud. Vielleicht sollte ich häufiger mal in den Urlaub fahren.

Der Teleporter ist eine deutsch-amerikanische Gemeinschaftsproduktion. Maisel & Friends hat das Bier gemeinsam mit der Christian Moerlein Brewing Company kreiert. Beide Brauereien verbinden ihre fränkischen Wurzeln. Der Gründer der Christian Moerlein Brewing Company, Christian Moerlein, wurde in Truppach in der Nähe von Bayreuth geboren, war gelernter Brauer, wanderte mit 23 Jahren nach Cincinnati aus und gründete dort im Jahr 1853 seine Brauerei. Genau wie Maisel & Friends braut die Christian Moerlein Brewing Company bis heute nach dem Bayerischen Reinheitsgebot von 1516 und beide Brauereien gehören in ihren jeweiligen Ländern zu den Pionieren der Craft Beer-Bewegung. Daher erscheint es mir nur logisch, dass sich die beiden Brauereien jetzt zu einem Co Brewing getroffen haben. Es wurden zwei Biere gebraut, in den USA das Spacetime, ein kräftig gehopftes Weißbier, in Bayreuth das Teleporter, ein Imperial Porter. Dieses Bier steht jetzt vor mir.

Optisch macht das Bier auf jeden Fall schon mal was her. Tiefschwarz ist es, absolut blickdicht. Er bildet sich eine ungeheure hellbraune und sehr feste Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Das lässt schon mal das beste erwarten.

Wie erwartet wird das Aroma durch die Röststoffe dominiert. Ich rieche Schokolade, Toffee, Vanille sowie einige grasige Noten. Schon jetzt ist das Aroma ungewöhnlich komplex. Nachdem der Schaum in sich zusammengefallen ist, kommen die fruchtigen Aromen zum Vorschein. Zitrusfrüchte und rote Beeren sind jetzt zusätzlich zu riechen. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist süß und weich. Mir gefällt vom ersten Moment an, dass die Menge der sehr feinperligen Kohlensäure perfekt auf die Süße abgestimmt ist. Schnell lässt die Süße nach und der Geschmack von dunkler Schokolade und Espresso kommt in den Vordergrund. Dazu kommen noch rote Früchte. Eine interessante Mischung, die mir sehr gut gefällt. Dazu kommt ein volles cremiges Mundgefühl. Der Abgang erscheint zunächst sehr mild, aber der Geschmack der Schokolade klingt noch sehr lange nach. Und eines fällt mir noch auf – mit jedem Schluck gefällt das Bier besser.

Dieser Sondersud ist mit seiner Komplexität etwas ganz Besonderes. Er überrascht mit jedem Schluck aufs Neue. Schade, dass dieses Bier nur einmal gebraut wird – wenn es weg ist, ist es weg.

Und zum Abschluss: Wollen Sie wissen, was Jeff Maisel und Simon Martin, ein Vidio-Bierblogger aus Wales zu diesem Bier sagen? Unter https://youtu.be/7QNDkm-XNyg können Sie sich ansehen, wie Simon und Jeff während des Craft Brauer Festivals 2017 den Teleporter verkosten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (u.a. Phoenix), Hefe

Alkoholgehalt:

9,0 %

Bittereinheiten:

39 IBU

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Ratsherrn – Nightfall

Das Nightfall stammt aus der Brauerei Ratsherrn im Hamburger Schanzenviertel. Von dort kommen viele gute Biere, die nicht immer nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut sind. Da dort aber mit natürlichen Zutaten gebraut wird und weder demineralisiertes Wasser, das anschließend mit definierten Mineralien versetzt wird, zum Einsatz kommt, noch irgendwelche Konzentrate oder Extrakte und da das Bier nicht mit Plastikgranulat gefiltert wird, das anschließend teilweise in Form von Mikroplastik im Bier enthalten ist, erscheinen mir die Biere aus dieser Brauerei im Grunde reiner als viele Biere, die sich rühmen, dem Reinheitsgebot zu entsprechen. Das Nightfall, ein Chocolate Stout, das ganzjährig verfügbar ist, wurde mit Kakaosplittern und Vanilleschoten gebraut, weshalb Puristen es ablehnen, aber seien wir ehrlich: natürlicher geht es nicht. Dann wollen wir doch mal sehen, was Ian Pyle, der Herr über die Mikrobrauerei im Hamburger Schanzenviertel, hier zustande gebracht hat.

Blickdicht schwarz ist das Nightfall mit einer durchschnittlichen cremigen beigen Schaumkrone, die lange erhalten bleibt.

Das Aroma wird durch den Duft des Malzes sowie dunkler Schokolade dominiert, der durch einige ordentliche Vanillenoten unterstützt wird. An Kakao und Vanille haben die Hamburger also nicht gespart.

Im Antrunk finden sich die Aromen wider, die mir in die Nase gestiegen sind. Eine leichte Süße passt sehr gut zum Geschmack von Schokolade und Vanille, vor allem, weil diese Geschmackseindrücke durch eine sehr feinperlige Kohlensäure unterstützt werden. Schnell kommt eine fein abgestimmte Säure dazu und der Geschmack der Kakaosplitter dominiert zusammen mit dem Malzkörper den Geschmack. Gemeinsam sorgen sie für ein rundes und weiches Mundgefühl. Das Malz bleibt auch im Abgang dominant und der Geschmack geht in der Kehle in ein leichtes Bitter über. Dabei steht erst der Geschmack nach Espresso im Vordergrund, der dann in einen Schokoladengeschmack übergeht. Dieser Eindruck klingt sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Wiener, Biscuit, Chocolate, Röstmalz), Hafermalz, Kakaosplitter, Hopfen (Nugget), Vanilleschoten, Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Bitterwert:

25 IBU

Brauerei:

Ratsherrn Brauerei GmbH
Lagerstr.30a
Schanzenhöfe
20357 Hamburg
www.ratsherrn.de

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