Archiv der Kategorie: Craft Beer

Binkert – Porter

Unter dem Motto „Wir lieben Bier“ braut das Team des Brauhauses Binkert das allseits beliebte Mainseidla. Ein Bier, das regionaler nicht sein könnte. Anlässlich der 1200-Jahr-Feier der beschaulichen Gemeinde Breitengüßbach bei Bamberg wurde 2010 das Brauhaus Binkert gegründet. Binkerts Biere sind zeitgenössische Interpretationen und punkten mit vielfältigen Aromen und hochwertigen Zutaten. Der eigentlichen Plan, Craftbiere zu brauen, bekam erst einmal ordentlich Gegenwind von den Lokalgrößen Breitengüßbachs. Man war sich sicher, dass die Bevölkerung den Bieren der Craftbier Bewegung noch nicht gewachsen war. Jörg Binkert, Gründer der Brauerei und Chefbrauer, reagierte diplomatisch und startete langsam. Er eroberte die Region im Sturm und war bereits nach kurzer Zeit so beliebt, dass die Kunden ihm vertrauten. So weit, dass er ihnen irgendwann quasi unbemerkt Craftbier vorsetzen konnte und mit Begeisterung belohnt wurde.

Das Mainsaidla Porter präsentiert sich in einem portertypischen tiefdunklen Mahagoniton. Ein feinporiger, haselnussbrauner Schaum, der sehr standfest ist, krönt das Bier. Mehr kann ich von der Optik eines Porter nicht erwarten.

Düfte nach frisch gemahlenem Espresso und gerösteten Nüssen steigen mir in die Nase, abgerundet durch den Duft von Karamell und Schokolade. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk verrät eine leichte Süße, verbunden mit einer sehr angenehmen Kohlensäure. Dazu kommen schnell die Kaffeenoten zusammen mit einem passenden Bitter. Das Karamellaroma steuert die Süße bei. Die Aromenkomposition wird durch etwas Vanillearoma sowie den diskreten Duft getrockneter Früchte vervollständigt. Das Mundgefühl ist voll und überraschend schwer. Im Abgang gewinnt das Bitter noch einmal an Kraft und die Aromen nach Mokka und dunkler Schokolade klingen lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Röstmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt.

5,3 % Vol.

Brauerei:

Brauhaus Binkert GmbH & Co. KG
Westring 5
96149 Beitengüssbach
www.Mainseidla.de

BRLO – C4PO

C4PO – dieser Name hat mir zunächst einige Rätsel aufgegeben, aber nachdem ich die Lösung gefunden hatte, erschien mir der Name durchaus logisch. C4 steht für die vier verwendeten Hopfensorten Citra, Chinook, Centennial und Cascade, die alle mit einem „C“ beginnen und die alle hocharomatisch und mit viel Geschmack daherkommen.

Dieses IPA des Berliner Labels BRLO besteht ausschließlich aus deutschen Zutaten. Das Rezept orientiert sich am amerikanischen Craft-Beer-Stil India Pale Ale von der West Küste, wobei eine starke Hopfenbitterkeit mit einem fruchtigen Arome und einem relativ hohen Alkoholgehalt kombiniert werden.

Intensiv goldfarben und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die durchschnittlich große feinporige Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten.

Das Aroma ist mild, aber intensiv. Düfte nah Orangenschale, Banane, Melone und Vanille steigen mir in die Nase. Auch einige dunkle Früchte spielen in diesem Reigen mit. Fruchtig und süß – das sind die Attribute, die mir zu diesem Aroma einfallen.

Als das Bier erstmals meine Zunge erreicht hällt mir vor allem die feinperlige Kohlensäure auf, die dem Bier eine angenehme Frische verleiht. Dabei erscheint das Bier zunächst auch recht süß. Dieser Eindruck relativiert sich aber schnell, als sich auf der Zunge ein überraschend kräftiges Bitter bildet. Das hätte ich bei dem Aroma eigentlich nicht erwartet. Jetzt ist die Süße des Malzes gefragt, die sich gegen das Bitter durchsetzen muss. Auch die Aromen kommen durch und spiegeln sich auf der Zunge wider. Das Mundgefühl ist angenehm weich. Im Abgang wird das Bier trockener, das Bitter verstärkt sich und klingt lange nach.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen (Citra, Cascade, Centennial, Chinook), Hefe

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Bittereinheiten:

60 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

BRLO GmbH
Schöneberger Str. 16
10963 Berlin

www.brlo.de

More Complicated than Your Girlfriend

Ronald de Waal begann 2015 in Belgien sein eigenes Bier als Gypsy-Brauer zu brauen. Dies ist ein Brauer ohne eigene Brauerei, der aber nur einzigartige Biere in einer Brauerei braut, von der er derzeit die Anlagen nutzt. Dieser kreative Mann ist Niederländer, lebt aber in Finnland. Und ja … er braut seine Biere in Belgien. Auf www.flyingdutchmancompany.com können Sie alles über Ronald lesen.

Dieses Bier hat die Besonderheit, dass es auf Kaffeebohnen, Kakaobohnen sowie auf Bourbon- und Tahiti-Vanilleschoten reift. Wenn das mal nicht ein ganz besonderes Bier verspricht.

Blickdicht schwarz mit einer reichlichen mittelbraunen und festen Schaumkrone, die extrem lange erhalten bleibt, präsentiert sich das Bier im Glas.

Das Aroma ist röstig und süß. Düfte nach dunkler Schokolade, Espresso und Vanille steigen mir in die Nase.

Wie erwartet ist auch der Antrunk süß. Mich überrascht, dass das Bier mit recht wenig Kohlensäure aufwartet, die dafür aber sehr feinperlig ist. Auf der Zunge spiegeln sich die Aromen wider, dazu kommt ein leichtes Bitter. Das Mundgefühl ist weich und voll. Im Abgang wird das Bitter etwas kräftiger und gemeinsam mit dem Geschmack von dunkler Schokolade bleibt der Geschmack sanft und mit langem Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hafer, Zucker, Hopfen (Galena), Kaffee, Kakao, Vanille, Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Bittereinheiten:

85 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

12° Celsius

Brauerei:

The Flying Dutchman Brewing Co.
Tapolanku 2
Vantaa
Finnland
www.flyingdutchmanbrewingcompany.com

gebraut bei

Proef Brouwerij
Doornzelestraat 20
Lochristi-Hijfte
Belgien

Brewdog – Kiez Keule

Um die Eröffnung ihres neuen Brauereistandortes in Berlin-Mariendorf standesgemäß zu feiern, haben es sich die Brauer von Brewdog nicht nehmen lassen, gleich mehrere Testbiere zu brauen. Die Besucher des Fests und die Fans der Brauerei konnten unter diesen Prototypen abstimmen und haben Kiez Keule zum Sieger gewählt.

Kiez Keule ist ein dryhopped Dortmunder Export mit 5,8% Alkoholgehalt und einer Tradition, die weit zurückreicht. Ursprünglich wurde das Bier – wer hätte es gedacht – für den Export gebraut. Um den Freunden Dortmunder Biere auch fernab der Stadtgrenzen Dortmunds ein frisches, gutes Produkt bieten zu können, haben die ortsansässigen Brauer beschlossen, ihrem Bier eine Extraportion Alkohol zu verpassen. Ergebnis war ein Bier, das nicht nur hochprozentiger sondern auch haltbarer und geschmacksintensiver war. In der Tat war es so lecker, dass es bald nicht mehr nur zu Exportzwecken sondern auch für den Verkauf in der Stadt gebraut wurde. Jetzt will ich einmal überprüfen, wie die Berliner diesen Bierstil interpretiert haben.

Golden wie die untergehende Sonne läuft das Bier ins Glas. Die durchschnittlich große feinporige Schaumkrone bleibt lange erhalten. Die Optik gefällt mir schon mal.

Im Aroma mischen sich würzige Noten mit Zitrusfrüchten, grünem Apfel und Südfrüchten.

Der Antrunk ist überraschend süß, dabei aber durch die reichlich vorhandene Kohlensäure frisch.Auf der Zunge dominieren die würzigen Noten, die Aromen spiegeln sich wider. Das Mundgefühl ist voll und rund. Der Abgang zeichnet sich durch ein leichtes freundliches Bitter mit einem mittleren Nachklang aus.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Simco, Cascade, Attanum, Chinook), Hefe

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Stammwürze:

13° Plato

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

BrewDog plc
Balmcassie Industial Estate
Balmcassie Crive
AB418BX
Ellon
Großbritannien

für

BrewDog GmbH
Im Marienpark 23
12107 Berlin
www.brewdog.com

Raspberry Dipping, Chocolate Dripping, Super Trouper Sour Porter

Ronald de Waal alias der Fliegende Holländer ist ein echter Gypsy-Brauer. Mit über 25 Jahren Brauerfahrung ist Ronald einer der Fackelträger der Craft-Bier-Bewegung in den Niederlanden. Er hat Biere in Finnland, den Niederlanden und Belgien gebraut und arbeitet mit den besten Craft-Brauereien zusammen. Er liebt es, von einer Brauerei zur anderen zu reisen und von spannenden neuen Bierrezepten zu träumen. Er liebt die Freiheit der Wahl und die Freiheit der Straße. Vielen Dank dafür!

Wenn es jemals einen Mann gegeben hat, der zum Braunomaden geeignet war, dann ist es Ronald de Waal. Er ist ein Seelensucher, ein Reisender der Erde, ständig in Bewegung, forschend und beobachtend. Ronald ist ein echter Braunomade. Oder genauer gesagt, ein NoMad-Brauer. Wenn Sie Ronald das erste Mal treffen, sind Sie von seiner zenartigen Aura beeindruckt. Er lächelt, schaut Ihnen in die Augen und Sie fühlen sich sofort wohl. Er ist ein zufriedener, glücklicher Mann, der das tut, was er am meisten liebt: große Biere mit großer Freiheit zu brauen.

Ende der 1980er Jahre studiert Ronald Lebensmitteltechnologie in den Niederlanden und bekommt ein Praktikum bei der Craft-Brauerei De Raaf. Er wird dann gebeten, als Brauer in die Firma einzusteigen und verbringt dort einige fruchtbare Jahre. Dann kreuzt eine schöne finnische Blondine seinen Lebensweg. Ronald wirft alles hin und zieht nach Finnland. Leider sind es die frühen Neunziger und von Spezialbieren hat dort noch niemand etwas gehört. Es gibt keinen Job für einen niederländischen Brauer. Zum Glück ist Ronald ein hübscher Kerl mit ziemlich langen Haaren, und so bekommt er einen Job als Meerjungfrau in einem Vergnügungspark. Kein feuchter Traum für einen Brauer, aber es bezahlt die Rechnungen. Es gibt keine interessanten Biere auf dem Markt, also beschließt Ronald, eines zu brauen. Wir schreiben das Jahr 1994 und das Bier, an das sich die Fans immer noch gerne erinnern, heißt Bergzigt. Es ist stärker und hopfiger als jedes andere Bier auf dem finnischen Markt. Die Finnen sind erstaunt, kann Bier so schmecken? Bergzigt wird in den Brauereien De Raaf und De Hemel in den Niederlanden gebraut, was Ronald einen ersten Vorgeschmack auf die Wanderbrauerei gibt. Wir schreiben das Jahr 1997 und Ronald arbeitet für eine kleine Handwerksbrauerei in Espoo, Finnland, und entwickelt neue Rezepte. Er fühlt sich bereit, den Sprung zu wagen und gründet die Diamond Beer Brewing Company. Das Brauen in fremden Brauereien geht weiter, dieses Mal in Belgien. Ronald wird zum Trendsetter bei der Entwicklung und Einführung neuer Bierstile bei den Finnen. Er erhält sogar eine offizielle Auszeichnung für seine Arbeit und seinen Einfluss auf die finnische Bierkultur. Neben der Kreation eigener Produkte wird Diamond Beer zum größten Importeur von Bierspezialitäten, indem es mehr als 1000 neue Biere aus der ganzen Welt den nach neuen Erfahrungen dürstenden Finnen vorstellt. Diamond Beer wird erfolgreich und wird im Jahr 2008 verkauft. Ronald arbeitet anschließend als Unternehmensberater.

Das Leben wird zu geschäftsmäßig und der Ruf der Straße wird immer stärker. Ronald springt in sein Wohnmobil und folgt seinem Herzen durch Europa und Nordafrika. Es ist Zeit, in die Sterne zu schauen und das Leben zu genießen. Einige Jahre vergehen und ein Plan beginnt sich zu entwickeln. Ronald beschließt, das zu tun, was er am meisten liebt: große Biere in Freiheit zu brauen. Er wird ein echter Braunomade.

Der Fliegende Holländer ist ein legendäres Geisterschiff, das niemals den Hafen erreichen kann und dazu verdammt ist, für immer über die Weltmeere zu segeln. Ronald de Waal ist ein nomadischer Brauer, der nie ein langweiliges Bier machen kann und dazu verdammt ist, ewig durch die Brauereien zu ziehen. Kommen wir abber nun zum ersten Bier von ihm, das ich verkoste.

Blickdicht schwarz präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine mittelbraune feinporige Schaumkrone, die auch lange erhalten bleibt.

Intnsiv steigt mir der Duft der Himbeeren in die Nase, dazu kommt der Duft nach dunkler Schokolade. Obwohl ich normalerweise die Mischung Schokolade und Früchte nicht schätze, passt diese Kombination in diesem Fall überraschend gut.

Der Antrunk ist durch die reichlich vorhandene Kohlensäure überraschend frisch und die Süße macht einen angenehmen Eindruck. Auf der Zunge kommen zunächst die Himbeeren zu ihrem Recht, bevor sich der Geschmack nach Schokolade entwickelt und sich anschließend mit der Fruchtigkeit der Himbeeren vereint. Das Mundgefühl ist voll und beinahe samtig. Im Abgang kommen die Himbeeren erneut in den Vordergrund und deren Geschmack klingt lange nach. Ansonsten ist der Abgang wirklich mild.

Zutaten:

Eine vollständige Zutatenliste hat Ronald nicht veröffentlicht, aber an unterschiedlichen Stellen konnte ich doch so einiges finden.

Wasser, Gerstenmalz, Hafer, frische Himbeeren, Hopfen (Amarillo), Hefe

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Bittereinheiten:

55 Ibu

Empfohlene Genusstemperatur:

10° Celsius

Brauerei:

The Flying Dutchman Brewing Co.
Tapolanku 2
Vantaa
Finnland
www.flyingdutchmanbrewingcompany.com

gebraut bei

Proef Brouwerij
Doornzelestraat 20
Lochristi-Hijfte

30167 Bock

Seit dem Sommer 2017 gibt es in Hannover die Genossenschaft „Nordstadt braut“. Bislang hat die etwa 500 in der Genossenschaft zusammengeschlossenen Bierliebhaber aus Hannover und Umgebung vier Biere, ein Mischgetränk und zwei Limonaden im Angebot. Eines der Biere ist der 30167 Bock, ein helles Bockbier, das in Zusammenarbeit mit Strecks Brauhaus aus Ostheim vor der Rhön produziert wurde.

Auffällig sind die in diesem Fall minimalen Angaben auf den Etiketten, es wird nicht einmal angegeben, ob es sich um einen hellen oder einen dunklen Bock handelt. Na ja, das werde ich ja gleich feststellen.

Intensiv goldfarben und leicht opalisieren strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Darüber steht eine durchschnittlich große Krone aus sahnigem Schaum, die sehr lange erhalten bleibt. Ein Bier wie gemalt.

Wie die Optik, so ist auch das Aroma. Stiltypisch malzbetont duftet es nach Biskuit, abgerundet durch würzige Aromen nach weißem Pfeffer sowie einigen blumigen Noten. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist leicht süß, die Rezenz ist gut abgetimmt. Auf jeden Fall macht das Bier einen sehr frischen Eindruck. Auf der Zunge überrascht das Bier mit einer ordentlichen Portion Bitter, die sich zur Süße im Vordergrund gesellt. Die Frische bleibt die gesamte Zeit erhalten. Obwohl der Abgang recht mild ist, klingen die Bitterstoffe noch lange nach.

Dieses Bockbier gehört zu den besten Böcken, denen ich bislang gegegnet bin. Zu Wildgerichten ist es ein sehr guter Begleiter.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,3 % Vol.

Stammwürze:

16,2 %

Brauerei:

Nordstadt braut eG
Engelbosteler Damm 126
30167 Hannover
www.nordstadt-braut.de

in Zusammenarbeit mit

Streck-Bräu GmbH & Co. KG
Ludwig-Jahn-Straße 11
97645 Ostheim/Rhön
www.strecks-brauhaus.de

Bamberger Heinzlein Helles

Die Brauerei Hellerbräu aus Bamberg werde ich nicht vorstellen. Das macht sie besser selber im Interview mit Slowfood. Die Besonderheit des Hellen, das jetzt vor mir steht, ist nicht nur, dass es nach einem alten Familienrezept gebraut wurde, sondern dass es nur 0,9 Volumenprozent Alkohol enthält.

Braumeister Matthias Trum ist eine wahre Bamberger Legende. Er ist der Chef des Hellerbräus, das das bekannteste aller Bamberger Biere braut. Das Schlenkerla ist eine Bamberger Institution und wird auf der ganzen Welt getrunken. Über das Heinzlein erzählt er folgendes: „Für das Heinzlein verwenden wir feinsten Aromahopfen aus Spalt bei Nürnberg. Nach uraltem Brauverfahren kommt davon extra viel zum Einsatz. Kein Wunder also, dass das helle Heinzlein besonders hopfig und voll schmeckt. Die goldene Farbe ist ein Augenschmaus und erfrischt auf den ersten Blick. Das helle Heinzlein ist ein unfiltriertes und damit gewollt naturtrübes, helles Bier mit niedrigem Stammwürzegehalt. Unkompliziert, geschmackvoll und leicht – wie ein Sommertag in Bamberg.“ Dass ein Sommertag in Bamberg etwas Besonderes ist, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Ob das Heinzlein Helles da mithalten kann, will ich jetzt herausfinden.

Die Wurzeln des Heinzleins liegen in einer Zeit, in der es wesentlich sicherer war Bier zu trinken, anstatt zum oftmals gefährlich verschmutzten Wasser zu greifen. Das fast alkoholfreie Heinzlein stillte den Durst der arbeitenden Bevölkerung und wurde auch Kindern kredenzt. Das wird heute aus gutem Grund nicht mehr gemacht, für alle anderen kann das Heinzlein eine gute Alternative zu alkoholhaltigeren Bieren sein.

In sehr hellem Gold und opalisierend strahlt mir das Heinzlein aus dem Glas entgegen. Die durchschnittlich große feinporige Schaumkrone bleibt lange erhalten. An der Optik lässt sich nun wirklich nichts aussetzen.

Das Bier duftet nach Karamell und Brotkruste, dazu kommen neben grasigen Noten und Zitrusduft auch deutliche würzige Noten des verwendeten Spalter Hopfens.

Der Antrunk ist frisch und spritzig. Auf der Zunge kommt das Bitter in den Vordergrund. Auch wenn der Körper eher schlank ist, wirkt das Bier nicht wässrig und es bleibt süffig. Beinahe kann ich vergessen, dass ich es hier mit einem Lightbier mit weniger als einem Volumenprozent Alkohol zu tun habe. Im Abgang wird das Bitter milder und der Geschmack klingt tatsächlich durchschnittlich lange nach.

Das Heinzlein ist ein Bier, das mich staunen lässt. Fast alkoholfrei und doch sehr gut zu trinken.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

0,9 % Vol.

Stammwürze:

3 ° Plato

Brauerei:

Heller-Bräu Trum GmbH
Dominikanerstraße 6
96049 Bamberg
www.heinzlein.de

 

Libertus – Böhmischer Traum

Nun steht „Böhmischer Traum“ vor mir, ein Pilsener nach böhmischer Brauart. Dieser Bierstil ist in Deutschland selten, auch wenn ich nicht so genau weiß, weshalb das so ist. Das böhmische Pilsener ist vollmundiger als das deutsche, weist aber auch weniger Hopfenbitter auf. Außerdem ist beim Pils aus Bühmen eine gringe Menge Diacetyl im Bier erlaubt, was beim deutschen Pils als Fehler gilt. Das Diacetyl sorgt für einen buttrig-sahnigen Geruch und Geschmack. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb machen die Pilsener Biere aus Böhmen einen ausgewogenen Eindruck.

Rotgolden und gefiltert strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Darüber prangt eine stabile sahnige Schaumkrone. Die Optik gefällt mir schon mal sehr gut.

Das Aroma ist malzbetont nach Karamell. Der Hopfen hält sich diskret im Hintergrund, bringt aber einen würzigen und leicht buttrigen Ton ins Aroma.

Der Antrunk ist für ein Pilsener Bier recht süß, was aber durch die reichlich vorhandene Kohlensäure ausgeglichen wird. Auf der Zunge erscheint zusätzlich ein geringes freundliches Bitter, das sich mit der Süße, die an Honig erinnert, gut vereint. Das Mundgefühl ist voll und weich, fast samtig. Im Abgang lässt die süße nach und das Bitter wird kräftiger. Dazu kommt ein Kräutergeschmack, der lange nachklingt.

Der Böhmische Traum von Libertus Craft Brewing ist ein ungewöhnliches Pils und absolut empfehlenswert für alle, die auf unkonventionelles Pils stehen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol

Stammwürze:

13 ° Plato

Bittereinheiten:

35 IBU

Brauerei:

Libertus Craft Brewing UG
Am Hahn 3,
97762 Untererthal
www.libertus.beer

Brouwerij Ruimtegist – Obsquur Quadrupel

Das Obquur, das jetzt vor mir steht, ist ein Quadrupel aus Kortrijk, einer Stadt, die es bereits im Altertum gab. Dass in Kortrijk gebraut wird lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Seit dem Mittelalter gab es auch die bekannteste Brauerei Tack auf der Buda-Insel, die aber im Jahr 1962 ihre Pforten schloss, so dass in Kortrijk nicht mehr gebraut wurde, bis 58 Jahr später Arn und Egbert wieder eine neue Brauerei eröffneten. Finanziert wurde die Brauerei über ein Crowdfunding und derzeit planen die beiden eine neue Crowdfunding-Aktion, die dazu dienen soll, die Brauerei zu vergrößern.

Bevor ich die Flasche öffne, sehe ich mir erst einmal die Etiketten an. Ich muss sagen, dass ich vermutlich noch nie ein Bier vor mir hatte, das so wenige Informationen über sich preisgibt. Ich erfahre den Namen des Bieres, Namen und Adresse der Brauerei, den Bierstil, den Alkoholgehalt, die Allergene sowie die Menge des Inhalts der Flasche. Sonst nichts. Keine Zutatenliste – nichts. Das finde ich schon erstaunlich. Aber gut, jetzt will ich mit der Verkostung beginnen.

In sehr dunklem rubinrot fließt das Bier ins Glas, es ist fast schwarz. Die feinporige Schaumkrone ist durchschnittlich groß und bleibt sehr lange erhalten.

Das Bier duftet nach dunkler Schokolade, nach Karamell und Kaffee. Abgerundet wird das Aroma durch einige fruchtige Noten, insbesondere nach roten Äpfeln und Rosinen.

Wie erwartet ist der Antrunk recht süß, was aber gut zur reichlich vorhandenen Kohlensäure passt, die durch die Nachgärung in der Flasche entstanden ist. Auf der Zunge spiegeln sich die Röstaromen wider. Ich schmecke Schokolade und Espresso. Die neun Volumenprozent Alkohol wärmen. Dabei ist das Mundgefühl weich und voll. Erst im Abgang kommen deutliche Bitterstoffe zum Vorschein, der Geschmack nach Schokolade wird kräftiger und er klingt lange nach.

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij Rumtegist
Budastraat 12
Bus 1B
8500 Kortrijk
Belgien
www.ruimtegist.be

Maisel & Friends – Bocklicate

Grillen und Bier passen bekanntlich gut zusammen, so dass es mich im letzten Jahr auch nicht verwunderte, als Maisel & Friends ankündigte, in jedem Jahr mit einem anderen bekannten Griller einen Sondersud kreieren zu wollen. Die Reihe sollte BrewBQ-Bier heißen. Im letzten Jahr brauten die Franken das Bier mit dem dreifachen Grillweltmeister Don Caruso. Und das jetzt erschienene Bier wurde gemeinsam mit dem bekannten Griller Marcel von BBQlicate entwickelt. Marcels Künstlername BBQlicate setzt sich aus den beiden Worten „BBQ“ und „deLICATE“ zusammen, frei übersetzt „köstliches Grillen“. So lag es denn auch nahe, das diesjährige BrewBQ-Bier mit dem Namen Bocklicate auszustatten, also „köstlicher Bock“. Gebraut wurde es am 25. Februar, was unter Einhaltung der Corona-Regeln sicherlich nicht einfach war und jetzt steht das Bier vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Leuchtend goldgelb und gefiltert fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittlich große feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Wäre nicht das Etikett auf der Flasche, würde ich nicht glauben, dass dieses Bier aus Bayreuth stammt. Ein Bockbier ohne Weizenmalz und dann noch gefiltert – da hat sich Braumeister Markus Briemle wirklich mal an etwas neues gewagt.

Die erste richtige Überraschung ist aber das Aroma. Bereits beim Einschenken steigen mir Düfte nach Zitrusfrüchten, Ananas, Orange und Waldhonig in die Nase. Diese Fruchtigkeit ist für ein Bockbier absolut nicht üblich. Weshalb eigentlich nicht? Die fruchtigen Noten passen doch hervorragend zum deutlich feststellbaren Malzkörper. An so ein Bockbier könnte ich mich doch glatt gewöhnen.

Der Antrunk ist stiltypisch recht süß und mir fällt positiv die reichlich dosierte Kohlensäure auf. Auf der Zunge spiegeln sich die Aromen wider. Dazu erscheint ein leichtes Bitter, das sich gut mit der Fruchtigkeit verbindet. Das Mundgefühl ist cremig und voll. Der Abgang wird durch ein freundliches und diskretes Bitter mit langem Nachklang geprägt.

Das Bocklicate kann mich wirklich begeistern. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es zu einem Steak oder einer Bratwurst vom Holzkohlengrill passt. Eher kann ich es mir zu mariniertem Gemüse vorstellen, das anschließend gegrillt wurde. Vielleicht inspiriert dieses tolle Bockbier ja den einen oder anderen, beim Grillen nicht nur den Fleischer reich zu machen.

Und wie bei allen Sondersuden aus Bayreuth gilt: von diesem Bier gibt es nur diesen einen Sud. Wenn er weg ist, ist er weg und das Bier wird auch nicht nachgebraut. Erhältlich ist das Bier im Brauereishop von Maisel sowie im Versand bei Lunas Flaschenfreund.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Sorachi Ace, Mandarina Bavaria, Cascade, Callista, Citra), Hefe

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Bittereinheiten:

37 IBU

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com