Archiv der Kategorie: Craft Beer

elbPaul Das naturtrübe Stadtpils

Braumeister Dirk Paul ist der Elbe besonders verbunden. Nach einigen Anstellungen bei Lammsbräu und in der Brauerei Altstadthof in Nürnberg ist er in seine Heimatstadt zurückgekehrt und hat sich dort selbstständig gemacht. Das Stadtpils war das erste Bier, das er in eigener Regie gebraut hat und das in Hamburger Restaurants und Kneipen, aber auch im lokalen Handel und in Onlineshops angeboten wird. Und genau dieses naturtrübe Pils steht jetzt vor mir und wartet darauf, von mir verkostet zu werden.

Die Optik ist so, wie es das Etikett verspricht: ein helles und trübes Gold mit durchschnittlich viel feinporigem Schaum, der durchschnittlich lange erhalten bleibt.

Erst das Aroma hebt das Bier aus dem Durchschnitt heraus. Teigig duftet es, nach Gras und Blumen. Für ein Pils ist das Aroma durchaus ansprechend.

Der Antrunk ist spritzig frisch und recht trocken. Schnell gesellt sich ein angenehmes leichtes Bitter dazu, die auch etwas Fruchtigkeit mit sich bringt, allerdings so diskret, dass auch ein durchschnittlicher Verbraucher nicht abgeschreckt wird, für den „Bier wie Bier schmecken“ muss. Im Abgang verstärkt sich das Bitter noch einmal, es bleibt aber angenehm und klingt lange nach.

Zutaten:

Wasse, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11,3 %

Brauerei:

Pauls Spezialitätenbrauerei & Destille GmbH
Jaffestr. 8
21109 Hamburg
www.elbpaul.de

Tongerlo Prior

Die Brauerei Haacht aus dem belgischen Boortmeerbeek war auf der Internorga und von dort habe ich auch das Tongerlo Prior mitgebracht. Das Triple wurde im Jahr 2011 bei den World Beer Awards als bestes helles Abteibier ausgezeichnet. Ich kann mich also auf ein sehr gutes Bier freuen. Wie viele Biere aus Belgien wurde das Bier einer zweiten Gärung in der Flasche unterzogen, wodurch der Geschmack intensiviert und die Haltbarkeit verlängert wird.

Bereits die Optik kann überzeugen. Golden und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine sehr voluminöse feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt.

Das Aroma wird durch das Malz dominiert. Etwas zurückhaltend aber deutlich wahrnehmbar kommen die Aromen des Hopfens dazu. Mir steigen Aromen grüner Früchte in die Nase, gepaart mit Nuancen von Gewürzen, Hefe und Karamell. Später gesellt sich noch der Duft überreifer Pflaumen dazu. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß, allerdings nicht unangenehm, denn die passend dosierte Kohlensäure sorgt für eine ordentliche Frische. Schnell kommt ein leichtes Bitter dazu. Die Aromen, die mir in die Nase gestiegen sind, spiegeln sich auf der Zunge wider. Die 9 Volumenprozent Alkohol sind gut eingebunden, so dass sie zwar zu schmecken sind, aber die anderen Geschmäcker des Bieres nicht überdecken sondern unterstützen. Im Abgang mischen sich die Fruchtigkeit und die Bitterstoffe. Dabei klingen die Fruchtnoten länger nach das das Bitter.

Das Tongerlo Prior ist ein sehr gutes belgisches Triple, das auch gut zu belgischen Speisen passt.

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij Haacht
Provinciesteenweg 28
3190 Boortmeerbeek
Belgien
www.tongerlo.be

Braukraft Wai-Zen

Die Brauerei aus Gilching schreibt zu jedem ihrer Biere eine kurze erfundene Geschichte, so auch zum Wai-Zen: „Im Jahre 1041 wurde diese Brauspezialität zum ersten Mal am japanischen Kaiserpalast erwähnt. Damals wurde von einem Bauern der allgegenwärtige Reis durch Weizen ersetzt und vergoren…. Nur durch einen Zufall in einem Kloster nahe dem Mt. Fuji kamen wir dem Rezept auf die Spur…. かんぱい ein zünftiges Kanpai!“ Na gut, andere Geschichten aus der Brauerei sind origineller, aber ich finde auch diese Zeilen für erwähnenswert.

Bernsteinfarben und hefetrüb steht das Bier im Glas. Für ein Weizenbier bildet sich recht wenig mittelporiger Schaum, der recht schnell in sich zusammenfällt.

Das Aroma ist recht schwach. Ich rieche etwas Karamell sowie eine leichte Fruchtigkeit, die aber so gering ist, dass ich sie nicht näher identifizieren kann.

Der Antrunk ist leicht süß und ich stelle eine kräftige Kohlensäure fest. Der schlanke Körper weist eine leichte Säure und Fruchtigkeit auf, aber auch so gering, dass ich nicht näher benennen kann. Der Abgang ist praktisch ohne Bitterstoffe und auch mit minimalem Nachklang.

Ich hätte mir von diesem Bier wirklich mehr erwartet.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,4 %

Bitterstoffe:

16 IBU

Brauerei:

Braukraft
Münchnerstr. 20
82205 Gilching
www.braukraft.de

Altstadthof Rotbier

Die kleine Hausbrauerei unterhalb der Nürnberger Burg rühmt sich, die erste Brauerei gewesen zu sein, die ausschließlich mit Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau gebraut hat. Ich kann Ihnen versichern, dass die Franken nicht nur bei den Zutaten auf die Auswahl achten, sondern auch beim Personal. Nur so ist die Qualität zu begründen, die mich bei jedem Besuch in Nürnberg wieder in die Brauereigaststätte zieht. Diesmal steht das Rotbier vor mir. Ich weiß nicht, wo dieser Bierstil ursprünglich herkommt. Den Anspruch, Erfinder des Rotbiers zu sein, beanspruchen sowohl die Nürnberger als auch die Hamburger für sich. Die meisten roten Biere gibt es allerdings in Belgien und eine Brauerei in den Niederlanden braut sogar ein rotes Altbier. Aber eigentlich interessiert mich die Geschichte nicht so sehr, sondern mehr die Gegenwart, also das Bier, das jetzt darauf wartet, von mir verkostet zu werden.

Kastanienbraun mit einer sehr voluminösen beigen Schaumkrone zeigt sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. An der Optik gibt es also schon mal nichts auszusetzen.

Fast noch besser als die Optik ist das komplexe Aroma. Trockenfrüchte paaren sich mit Röstaromen, unterstützt durch den Duft dunkler Schokolade und einem Hauch Vanille. Da bekomme ich richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß, aber durch die sehr feinperlige Kohlensäure wirklich frisch. Aber erst als sich das Bier im Mund verteilt kommt der Geschmack durch. Das Malz steht deutlich im Vordergrund, Süße und leichte Röstnoten verbinden sich mit einer perfekt ausbalancierten Säure und Fruchtigkeit zu einem vollmundigen weichen Vergnügen, das noch durch eine dezente Bitterkeit ergänzt wird. Der Abgang zeichnet sich durch ein freundliches und mildes Bitter sowie durch einen sehr langen Nachklang aus.

Zu behaupten, dass das Rotbier aus dem Altstadthof das beste Bier ist, das ich bislang getestet habe, wäre vermutlich übertrieben. Aber auf jeden Fall ist es eines der Biere mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Naturhopfen (Hallertauer Tradition, Smaragd), Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

13,5 %

Bitterwert:

18 IBU

Brauerei:

Hausbrauerei Altstadthof
Bergstr. 19 – 21
90403 Nürnberg
www.hausbrauerei-altstadthof.de

Craftwerk Tangerine Dream

Nun steht ein Bier von Craftwerk Brewing vor mir, einem Unternehmen aus der Bitburger-Gruppe. Auch wenn ich eigentlich gerne kleine Brauereien unterstütze, kann ich mir doch vorstellen, dass auch aus Bitburg ein gutes Bier mit eigenem Charakter kommen kann. Im Brauen von Bier hat Bitburger schließlich Erfahrung und wie andere Großunternehmen in anderen Branchen auch kann auch Bitburger eine Garagenfirma gründen, die es entweder nicht schafft oder irgendwann richtig viel Geld abwirft. Und Craftwerk Brewing hat sich einen guten Ruf erarbeitet. Ich will jetzt mal sehen, ob die Brauerei diesen Ruf zu Recht genießt.

Eine Besonderheit ist schon mal der Hopfen. Ein Pale Ale mit nur einer Hopfensorte ist schon mal eine Seltenheit. Der Hopfen Mandarina Bavaria wurde erst in den letzten Jahren in der Hallertau gezüchtet und kam im Jahr 2012 erstmals auf den Markt. Dieser Hopfen verfügt über ausgeprägte Zitrusnoten und duftet nach exotischen Früchten. Diesen Fruchtkorb finden wir auch im Tangerine Dream wieder. Das verspricht zumindest Craftwerk. Nun wird es aber Zeit, dass ich mit der Theorie aufhöre und das Bier einschenke.

Honiggolden ist das Bier und hefetrüb. Darüber bildet sich viel feinporiger weißer Schaum, der auch relativ lange erhalten bleibt. Optisch ist also an diesem Bier nichts auszusetzen.

Das Aroma ist sehr fruchtig. Dominiert wird es vom Duft der Mandarinen, genau wie ich es von einem Hopfen mit Namen Mandarina Bavaria erwarte. Dazu kommt der Duft von Zitronenschale und von Kräutern. Das Pfefferaroma, das die Brauerei verspricht, kann ich nicht feststellen, aber bekanntlich reagiert ja jede Nase etwas anders. Jetzt habe ich aber auch richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist überraschend trocken, dabei aber intensiv fruchtig und durch die wirklich feinperlige Kohlensäure auch frisch. Damit gefällt mir das Bier gerade immer besser. Leider fällt das Bier im Vergleich zum intensiven Antrunk ab, sobald es sich im Mund verteilt. Es ist nicht schlecht, absolut nicht, aber der Körper hält nicht so richtig, was der Antrunk versprochen hat. Der Abgang ist fruchtig-bitter und erinnert an ein mildes IPA. Er klingt auch lange nach.

Insgesamt macht das Bier mir keinen richtig ausgewogenen Eindruck. Einem guten Anfang folgt eine vergleichsweise schwache Mitte, die aber ein sehr starker Abgang abschließt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Karamellmalz, Münchner Malz), Weizenmalz, Hopfen (Mandarina Bavaria), Hefe

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Stammwürze:

12,4 %

Bittereinheiten:

50 IBU

Brauerei:

Bitburger Braugruppe GmbH
54634 Bitburg
www.craftwerk.de

Kehrwieder – ü.NN

Nur für den Fall, dass Sie sich über den etwas merkwürdig anmutenden Namen wundern: ü.NN steht als Abkürzung für „über Normalnull“, womit klar sein sollte, dass dieses Bier aus Norddeutschland kommt. Genauer gesagt aus Hamburg. Über Normalnull steht aber nicht nur für den Wasserstand in der Hansestadt, sondern der Name sagt auch etwas über das Bier aus. Alkoholfrei bedeutet nicht „ohne Alkohol“, auch wenn der Begriff einen Alkoholgehalt von 0,0 % nahelegen würde. Tatsächlich darf alkoholfreies Bier maximal 0,5 % Alkohol enthalten. Dieses Bier enthält 0,4 % Alkohol. Das erscheint Ihnen viel? Wikipedia schreibt, dass Fruchtsäfte aufgrund der natürlichen Gärung sogar bis zu 1,0 % Alkohol enthalten können. Der Alkohol in diesem Bier dürfte also zu vernachlässigen sein. Eines muss ich noch lobend erwähnen, bevor ich mich mit dem Bier befasse: obwohl die Angabe des Alkoholgehaltes eines Getränks erst ab 1,2 % Alkohol Pflicht ist, erwähnt die Kehrwieder-Brauerei den deutlich geringeren Alkoholgehalt freiwillig. Allerdings ist Alkohol ein Geschmacksträger. Dies beachten viele Brauereien nicht, so dass viele alkoholfreie Biere recht wässrig schmecken. Mal sehen, ob es bei diesem Bier anders ist. Jetzt ist es aber wirklich an der Zeit, sich mit dem Bier zu beschäftigen.

Bernsteinfarben und hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas. Darüber relativ wenig feinporiger weißer Schaum, der durchschnittlich lange erhalten bleibt. Außerdem enthält das Bier recht viel Kohlensäure.

Das Aroma wird von Karamell und Grapefruit geprägt, unterstützt von Aromen der Zitronenschale. Zumindest vom Duft her fehlt diesem Bier nichts.

Der Antrunk ist frisch und durch die feine Kohlensäure wirklich spritzig. Der Körper ist fruchtig-säuerlich, dabei intensiv und ausgewogen. Der Abgang ist recht bitter und langanhaltend. Hätte ich nicht auf den Etiketten gelesen, dass dieses Bier alkoholfrei ist, ich wäre nicht draufgekommen. Gratulation an den Braumeister.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (dunkles böhmisches Tennenmalz, Caramelmalz), Hopfen (Simcoe, Mosaic), Hefe

Alkoholgehalt:

0,4 % Vol.

Stammwürze:

7,5°

Brauerei:

Kehrwieder Kreativbrauerei
Oliver Wesseloh
21077 Hamburg
http://www.kreativbrauerei.de