Archiv der Kategorie: Craft Beer

Lupulus Blanche

Wenn mich jemand nach meiner belgischen Lieblingsbrauerei fragen würde, käme mir sicher die Brasserie Lupulus in den Sinn. Von der steht jetzt das Lupulus Blanche vor mir, ein Witbier.

Beim Blick auf das Rückenetikett fällt mir noch etwas auf. Das belgische Witbier wird bekanntlich mit Koriander und Orangenschalen gebraut. Diese beiden Zutaten stehen aber nicht auf der Zutatenliste. Andererseits werden sie weiter unten auf dem Etikett genannt. Das verunsichert mich jetzt etwas. Na ja, die Antwort werde ich gleich mit meiner Nase und meiner Zunge erfahren.

Weizengelb und kräftig hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber steht eine üppige feinporige Schaumkrone, die sich mit dem Zusammenfallen viel Zeit lässt. Die Optik kann mich wirklich begeistern.

Düfte nach Zitrusfrüchten steigen mir in die Nase, dazu eine geringe Malzsüße, die sich mit dem Duft nach Banane vereint.

Der Antrunk ist frisch und mäßig süß. Dabei sorgt die reichlich vorhandene feinperlige und trotzdem kräftige Kohlensäure für eine ungeheure Spritzigkeit. Auf der Zunge dominiert der fruchtig-bittere Geschmack von Grapefruit, untermalt von den würzigen Noten des Korianders, den ich jetzt erstmals feststelle. Das Mundgefühl ist voll und rund. Im Abgang lässt das Bitter überraschend nach und die Fruchtigkeit des Hopfens tritt in den Vordergrund, wo sie lange nachklingt.

Das Lupulus Blanche ist durchaus in der Lage, mich zu begeistern, auch wenn ich dieses Bier nicht für ein typisches Witbier halte, sondern es erinnert mich eher an ein Pale Ale. Und um auf meine eingangs gestellte Frage zurückzukommen: ja, Koriander und Orangenschale sind während des Brauprozesses verwendet worden. Weshalb sie nicht in der Zutatenliste stehen, erschließt sich mir allerdings nicht Herausgekommen ist ein angenehmes Bier, das hervorragend zu Muschelgerichten passt, aber auch an einem warmen Abend auf dem Balkon eine gute Figur macht.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Zucker, Hefe

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Bittereinheiten:

25 IBU

Brauerei:

Brasserie Lupulus
Courtil 50
6671 Gouvy
Belgien
www.lupulus.be

Kuehn Kunz Rosen – Kuehnes Blondes

Die Brauerei Kuehn Kunz Rosen in Mainz arbeitet unter dem Motto: „Kuehne Biere braucht das Land – Jenseits der Norm, für Deinen kuehnen Moment“. Inspiriert wurden die Braumeister vom Leben des KUNZ von der ROSEN (1470–1519). Als kuehner Berater und Hofnarr mit viel Witz und Intelligenz wirkte er am Hof des Kaisers Maximilian I. zu den Zeiten als das Reinheitsgebot ins Leben gerufen wurde. Beim Kaiser, an seinem Hof und weit darüber hinaus war er als schillernde Persönlichkeit bekannt, bereit neue Wege zu gehen und kuehne Taten zu vollbringen.

Genau solche Taten vollbringt das Team mit seinen Bieren, ihr Kuehnes Blondes beschreiben sie mit „Erlaben – Erquicken – Erfrischen“.

Eigentlich hätte ich beim Namen dieses Bieres – Kuehnes Blondes – ein Helles erwartet, tatsächlich handelt es sich aber um ein Witbier, einen belgischen Bierstil. Aber auch an diesem traditionellen Bierstil haben die Mainzer herumexperimentiert und verwenden in ihrem Sud auch Paradieskörner. Da dieses Gewürz in Deutschland praktisch unbekannt ist, habe ich etwas recherchiert und auf der Seite eines Gewürzhändlers eine Beschreibung gefunden: „Paradieskörner kommen aus dem tropischen Westafrika und sind eine echte Spezialität, die sich auch in der europäischen Küche immer größerer Beliebtheit erfreut. Dies war jedoch lange Zeit nicht der Fall. Im Mittelalter war die Hochzeit der Paradieskörner, als diese wegen ihrer pfefferähnlichen Schärfe und fruchtigen Aroma ein beliebter und günstiger Ersatz für den teuren echten Pfeffer waren. Als jedoch der echte Pfeffer günstiger aus Indien importiert werden konnte, verschwanden die Paradieskörner fast gänzlich aus der europäischen Küche. Erst seit einigen Jahren entdecken mehr und mehr Köche das außergewöhnliche Aroma der Körner wieder.

In der nordafrikanischen Küche werden die Körner gerne zum Würzen von Schmorgerichten und Eintöpfen verwendet. Sie sind dort auch Teil der beliebten Gewürzmischung Ras el Hanout. Im Handel besitzen die Paradieskörner verschiedene Namen und werden zum Beispiel auch als Guineapfeffer, Meleguetapfeffer, Malagettapfeffer, Alligatorpfeffer oder Aschantipfeffer bezeichnet.

Der Geschmack der Paradieskörner ist eine Mischung aus einer pikanten Schärfe und einer fruchtigen Note. Werden die gemahlenen Körner mitgekocht so ist die Schärfe milder, als die von schwarzem Pfeffer. Roh hingegen besitzen die Körner eine beißende Schärfe, welche jedoch nicht so lange anhält wie bei echtem Pfeffer. Für die Schärfe verantwortlich sind sogenannte Hydroxyarylketone, die in ähnlicher Form auch in Ingwer vorkommen. Die fruchtige Note ist eine Mischung aus Kardamom, Ingwer und Zimt. Sie machen die Paradieskörner zu einer angenehmen pikanten und aromatischen Würze mit einem leicht süßlichen Duft.“ So, nach dieser ganzen Theorie ist es nun aber an der Zeit, das Bier zu verkosten.

Weizengelb und selbstverständlich hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist klein und löst sich sofort auf.

Das Aroma ist stiltypisch. Düfte nach Bananen, Zitrusfrüchten, Orangenschalen, Hefe sowie Vanille und einige würzige Noten steigen mir in die Nase.

Beim ersten Schluck wundere ich mich über die für ein Witbier kräftige Süße und auch, dass die sehr feinperlige Kohlensäure sehr zurückhaltend dosiert ist. Auf der Zunge spiegeln sich die Aromen wider, zusätzlich schmecke ich deutlich das Mandarinenaroma des Hopfens. Das Mundgefühl ist voll und weich. Süße und Fruchtigkeit sind sehr gut aufeinander abgestimmt, so dass das Bier trotz der wenigen Kohlensäure einen unaufdringlich-edlen Eindruck hinterlässt. Im Abgang wird das Bier trockener, eine leichte Fruchtigkeit dominiert und das Bier klingt durchschnittlich lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz), Weizenflocken, Haferflocken, Hopfen (Mandarina Bavaria), Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

5° – 6° Celsius

Brauerei:

K.K.R. GmbH
Weisenauer Straße 15
55131 Mainz
www.kuehnkunzrosen.de

Flügge – Mija

Mit Mija hat Flügge ein 6,7 Volumenprozent starkes Pflaumen-Saison gebraut. Es wurde mit Blaugies-Hefe vergoren, anschließend auf Pflaumen-Püree gelagert und zum Abschluss mit Hallertau Blanc kaltgehopft. Zum Abschluss? Nein, den Abschluss macht jetzt die Verkostung bei mir.

Kupferfarben und hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine größtenteils feinporige Schaumkrone, die nicht allzu groß ist und auch relativ schnell in sich zusammenfällt.

Im Aroma ist das Pflaumen-Püree deutlich zu riechen, auf dem das Bier gelagert wurde. Dazu kommt eine angenehme Säure, die an einen wirklich guten Essig erinnert und auch die Herbheit des Hopfens kommt aus dem Hintergrund zum Vorschein.

Die Fruchtigkeit der Pflaumen ist auch der erste Eindruck, den das Bier beim Kontakt mit der Zunge hervorruft. Die Kohlensäure ist sehr feinperlig, was mit der Fruchtigkeit gut harmoniert. Die Säure ist weniger ausgeprägt als ich es aufgrund des Aromas erwartet habe. Bitter ist kaum zu schmecken. Insgesamt ist das Bier angenehm frisch und süffig. Auch der Abgang ist fruchtig, aber leider mit nur kurzem Nachklang.

Das Mija passt gut zu kräftig gewürzten asiatischen Gerichten. Es erinnert fast mehr an Pflaumenwein als an Bier, was aber dem Genuss keinen Abbruch tut.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner, Chevallier, Sauermalz, Melanoidin), Pflaumen-Püree (16 %), Roggenmalz, Hopfen (Columbus), Hefe

Alkoholgehalt:

6,6 %

Stammwürze:

13,9° Plato

Brauerei:

Brauerei Flügge GmbH
Goldsteinstraße 254
60529 Frankfurt am Main
www.brauerei-fluegge.de

Lemke – Spreecoast

Das Spreecoast der Berliner Brauerei Lemke, das jetzt vor mir steht, erhielt bereits zwei Auszeichnungen – im Jahr 2017 von den Hop Growers of America als „Best German IPA 2017“ und ein Jahr später beim European Beer Star als „Best new Style IPA 2018“. Na, dann kann ich mich ja auf ein richtig gutes Bier freuen.

Bevor ich die Flasche öffne, will ich noch auf eine Besonderheit des Spreecoast hinweisen: Das Bier wurde nicht nur wie üblich einmal gestopft, sondern gleich zweimal mit Cascade, Centennial und Crystal. So, jetzt ist es aber an der Zeit, die Flasche zu öffnen und das Bier einzuschenken.

Schön bernsteinfarben ergießt sich das Bier ins Glas. Dabei bildet sich eine durchschnittlich große feinporige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch haben die Berliner also alles richtig gemacht.

Aromen nach Grapefruit, Ananas, Mandarine und Vanille steigen mir in die Nase. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Spritzig-frisch mit einer verhaltenen Süße – das ist der erste Eindruck, als das Bier auf meine Zunge trifft. Von Anfang an hat das Bier recht viel Volumen. Der Geschmack nach Grapefruit steht im Vordergrund, aber auch die anderen Aromen spiegeln sich auf der Zunge wider, getragen vom leichten Malzkörper. Im Abgang dominiert der Geschmack nach Grapefruit mit seinem Bitter, der lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pale Ale, Münchner, Carapils, Carahell), Hopfen (Nugget, Cascade, Centinnial, Crystal), Hefe

Alkoholgehalt:

6,9 % Vol.

Stammwürze:

17° Plato

Bittereinheiten:

75 IBU

Brauerei:

Brauerei Lemke Berlin GmbH
Dircksenstr., S-Bahnbogen 143
10178 Berlin
www.lemke.berlin

Weißenoher – greenMONKey Hersbrucker

Die Klosterbrauerei Weißenohe huldigt dem Hopfen mit einer ganz besonderen Reihe: GreenMONKey. In dieser Reihe gibt es drei Varianten, alles Pilsbiere, die mit unterschiedlichen Hopfensorten gestopft werden. Ansonsten sind die drei Biere identisch. Außerdem stammen sowohl die verwendete Gerste als auch der Hopfen stammen aus biologischem Anbau. Dabei beschränken sich die Franken nicht auf das EU-Bio, sondern verwenden Rohstoffe, die nach den strengeren Bioland-Richtlinien angebaut wurden.

Vor mir steht jetzt das Weißenoher greenMONKey Hersbrucker, wobei der Name Hersbrucker direkt auf die für das Stopfen verwendete Hopfensorte hinweist. Dieser Hopfen wird in den Hopfenanbaugebieten rund um die Weißenoher Klosterbrauerei angebaut und wird von den Brauern liebevoll „Heimathopfen“ genannt.

Weizengelb strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Die größtenteils feinporige Schaumkrone ist durchschnittlich groß und bleibt sehr lange erhalten.

Das Aroma ist deutlich hopfenbetont. Der Duft des Malzes kommt zwar durch, aber die würzigen Noten des Hopfens spielen eindeutig die erste Geige.

Frisch und prickelnd ist der erste Eindruck, den das Bier beim Kontakt mit der Zunge vermittelt. Schnell kommt ein ordentliches Bitter dazu, so dass das Bier eher norddeutsch-hanseatisch wirkt. Selbst für ein nordisches Pils ist dieses wunderbare Hopfenbitter kräftig. Dabei wirkt das Bier trotzdem weich und süffig. Der Abgang ist überraschend mild mit langem Nachklang.

Zu dem Weißenoher greenMONKey passt gut ein Steak mit Wedges.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Smaragd, Perle, Select und Tradition, Hersbrucker)

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Stammwürze:

13° Plato

Brauerei:

Klosterbrauerei Weißenohe
Klosterstr.20
91367 Weißenohe
www.klosterbrauerei-weissenohe.de

 

Tough Guy Ale

Die Beschreibung dieses Biers durch die Brauerei kling schon sehr selbstbewusst: „Boom! Bodycheck! So wird der erste Schluck von unserem Tough Guy Ale bei dir einschlagen. Ein East Coast Pale Ale für harte Jungs und Mädels mit Geschmack für das Besondere. Das aromatische Zusammenspiel von Grapefruit und Pinie und die kompromisslosen 40 IBU werden deine Geschmacksnerven um eine Overtime betteln lassen. Abgerundet durch die angenehm feine Rezenz und den fruchtigen Geschmack haben jedoch nicht nur hartgesottene Hockey-Cracks ihre Freude daran.“ An diesen Worten wird sich das Tough Guy Ale, das jetzt vor mir steht, messen lassen müssen.

Hell bernsteinfarben und leicht hefetrüb ergießt sich das Bier ins Glas. Dabei bildet sich sehr viel fester Schaum, der auch sehr lange erhalten bleibt.

Das Aroma kommt frisch mit Düften nach Zitrus, Ananas und Grapefruit daher. Ja, so stelle ich mir ein Ale vor.

Auch der Antrunk ist fruchtig und mit der reichlich dosierten feinperligen Kohlensäure frisch. Auf der Zunge spiegeln sich die Aromen wider. Eine angenehme Süße und ein recht kräftiges Bitter gesellen sich dazu. Das Mundgefühl ist rund und vollmundig. Im Abgang lässt das Bitter etwas nach und der Geschmack klingt mittellang nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pale Ale, CaraHell, Pilsener, Weizenmalz, Sauermalz), Hopfen (Magnum, East Kent Goldings, Cascade, Centennial, Chinook), Hefe

Alkoholgehalt:

5,9 % Vol.

Stammwürze:

12,5° Plato

Bittereinheiten:

40 IBU

Brauerei:

Klüvers Delikatessen Manufaktur GmbH & Co. KG
Schiffbrücke 2-4
23730 Neustadt in Holstein
www.kluevers.com

für

Sudden Death Brewing
Strandallee 81
23669 Timmendorfer Strand
www.suddendeathbrewing.de

Øcto No2

Yankee & Kraut sind, wie sollte es anders sein, ein Amerikaner und ein Deutscher. Bryan und Max sind ein besonderes Dreamteam, das ein hervorragendes Bier braut.

Dass hinter den meisten erfolgreichen Männern großartige Frauen stecken, ist kein Geheimnis. Und auch am Anfang der Erfolgsgeschichte von Yankee & Kraut steht eine Frau. Bryans Mutter höchstpersönlich ist der erste Bierlieferant in seinem damals noch jungen Leben. Sie stillt die Bierneugier ihres bierverrückten Sohnes bereits im Teenageralter mit immer neuen Biersorten und zieht damit einen virtuosen Brauer heran, dessen erster Taproom das eigene Kinderzimmer war. Mit siebzehn Jahren braute Bryan bereits sein eigenes Bier – und schenkte es an der eigens dafür zusammengezimmerten Zapfanlage in seinem Zimmer aus.

Bei einem gemütlichen Bierchen kommen einem bekanntlich die besten Ideen, so geschehen auch bei Bryan und Max, die bei einer gemeinsamen Führung durch eine Klosterbrauerei auf die glorreiche Idee einer eigenen Craftbier-Brauerei kamen. Bryan schreibt sich an der Uni ein, um professioneller Brauer zu werden. Dort entwickelt er ein IPL, ein India Pale Lager, mit dem er den deutschen Biermarkt um eine Spezialität bereichern will. Innovation trifft hier auf Tradition, Qualität trifft auf Vielfalt. Jetzt steht aber erst einmal das Øcto vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Golden mit einem leichten Rotstich fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittlich große sahnige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt.

Was ich vom Aroma halten soll ist mir nicht ganz klar. Dass das Karamellaroma des Malzes in der Nase festzustellen ist spricht für das Bier. Dazu kommen Zitrusnoten, was mir gefällt. Aber dann steigt mir noch ein anderer Duft in die Nase – er ist irgendwie animalisch, besser kann ich ihn nicht beschreiben – der den ansonsten guten Eindruck verdirbt. Es ist möglich, dass dieser Duft entstanden ist, weil das Bier bereits auf das Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums zugeht, was bei hopfenbetonten Bieren nicht optimal ist.

Der Antrunk ist für ein NEIPA ungewöhnlich süß, aber da die Kohlensäure gut dosiert ist, kann mir das sogar gefallen. Auf der Zunge entwickelt sich eine angenehme Fruchtigkeit nach Zitrusfrüchten, Ananas und Birne. Dazu überrascht mich das geringe Bitter. Das Mundgefühl ist frisch und leicht. Erst im Abgang kommen die Bitterstoffe mehr in den Vordergrund, freundlich und nicht übermäßig intensiv, und sie klingen durchschnittlich lange nach.

Nach einem Beginn, der mich fast enttäuscht hat, gelang es dem Bier dann doch, meine Sympathie zu erringen. Es ist ungewöhnlich und wäre der Misston im Aroma nicht gewesen, wäre ich wohl restlos begeistert.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hafermalz, Hopfen (Comet, Callista, Ariana), Hefe

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Brauerei:

Yankee&Kraut GbR
Donaustraße 3
85049 Ingolstadt
www.yankeeundkraut.de

Weiherer Rauchbock

Bier verbindet. Rauchbier noch mehr. Deshalb haben sich der brasilianische Craft Brewer Alexandre Bazzo und Braumeister Roland Kundmüller erstmals 2014 zusammengetan und einen Rauchbock gebraut. Rauchig wärmend und mit Hopfen aus dem eigenen Garten war er. Dieses Ergebnis ist ein Zeichen ihrer Freundschaft und ein Genuss, den beide lieben. Der Rauchbock wird auch weiterhin saisonal nach diesem Vorbild mit den 4 Malzsorten Carared, Melanoidin-, Rauch-, und Pilsner Malz sowie den Hopfen Hallertauer Gold, Saphir und Spalter Select gebraut. Und irgendetwas müssen die beiden auch richtig gemacht haben, denn ihr Bier wurde vielfach ausgezeichnet: International Craft Beer Award Platin 2019, European Beer Star in Gold 2018, International Craft Beer Award Silber 2018, selection Gold-Medaille 2015. Und jetzt steht das Bier vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Kräftig goldfarben mit einem leichten Rotstich fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittlich große sahnige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. So stelle ich mir ein Bockbier vor.

Der Duft des Rauches ist nicht so kräftig wie bei anderen Rauchbieren, so dass neben dem typischen Schinkenduft auch Platz für den Karamellduft des Malzes bleibt. Wie zu erwarten ist das Bier schwach gehopft, so dass die Aromen des Hopfens nicht wahrnehmbar sind, sondern sie unterstützen das Aroma vollständig aus dem Hintergrund.

Beim ersten Kontakt des Bieres wundert mich etwas die geringe Süße, auch die feinperlige Kohlensäure ist eher zurückhaltend dosiert. Die Süße entwickelt sich dann erst auf der Zunge, dazu kommen leichte Raucharomen und jetzt stelle ich auch erstmals den Hopfen fest, der sich durch ein leichtes Bitter zu Wort meldet. Das Bier ist vollmundig, rund und weich, kurz: ungeheuer süffig. Der Abgang ist erstaunlich mild mit durchschnittlichem Nachklang und wie für ein Bockbier typisch wenig bitter. Auch in der Kehle kommt der Rauch leicht, aber deutlich, zur Geltung.

Der Weiherer Rauchbock ist ein Bier, das sowohl den Einsteiger in die Welt der Rauchbiere abholt als auch den erfahrenen Konsumenten von Rauchbieren begeistern kann.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner, Carared, Melanoidin), Gerstenrauchmalz, Hopfen 8 Hallertauer Tradition, Spalter Select, Spslter Saphir9, Hefe

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Stammwürze:

17° Plato

Brauerei:

Brauerei-Gasthof Kundmüller GmbH
Weiher 13
96191 Viereth-Trunstadt
www.brauerei-kundmueller.de

Hertl – 6 Fäuste für ein Halleluja

Wenn sich drei bekannte Brauer von Craft-Bieren zusammenfinden, um ein gemeinsames Bier zu brauen, dann können wir wohl eine echte Sensation erwarten, oder? In diesem Fall haben sich David Hertl (Braumanufaktur Hertl), Sebastian Sauer (Freigeist Bierkultur) und Georg Tscheuschner (Schorschbräu) getroffen. Und wenn ich mir den Namen des dabei entstandenen Bieres ansehe, dann erwarte ich eine Spezialität, wie ich sie noch nie verkostet habe. Ein Blick auf das Etikett verrät schon mal etwas: bei diesem Bier handelt es sich um ein Imperial Stout Eisbock. Nun ist ein Imperial Stout etwas anderes als ein eisgereiftes Bockbier. Ich will daher annehmen, dass es sich um ein eisgereiftes Imperial Stout handelt. Mal sehen, ob ich mit dieser Annahme Recht behalte.

Absolut blickdicht schwarz mit einer mittelbraunen Schaumkrone präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist gemischtporig, durchschnittlich groß und bleibt auch durchschnittlich lange erhalten. Die Optik dieser Kreation ist durchaus beeindruckend.

Die Aromen dieses Bieres sind sehr intensiv. Beim Aussehen dieses Bieres ist es kein Wunder, dass die Röstaromen im Mittelpunkt stehen. Düfte nach Mokka und dunkler Schokolade steigen mir in die Nase, unterstützt durch den Duft nach Vanille sowie deutlich süße Noten. Fruchtige Noten fehlen vollkommen, was dem Aroma aber wirklich nicht schadet.

Süße ist auch beim ersten Kontakt mit der Zunge der hervorstechende Eindruck. Die Kohlensäure ist eher zurückhaltend eingesetzt, aber sie reicht aus. Auf der Zunge ist das Bier samtweich und schwer. Die Aromen spiegeln sich jetzt wider. Eigentlich hätte ich jetzt einiges an Bitterstoffen des Hopfens erwartet, die aber nicht vorhanden sind und – eigentlich auch gar nicht fehlen. Obwohl die 14 Volumenprozent Alkohol gut eingearbeitet und kaum zu schmecken sind, erinnert das Bier jetzt an einen Likör. Erst im Abgang kommt der Alkohol leicht in den Vordergrund, aber auch hier ordnet er sich dem Geschmack nach Espresso und Bitterschokolade unter. Der Geschmack klingt noch lange nach, so dass der Konsument von diesem Bier wirklich lange etwas hat.

Zutaten:

Brauwasser, Gersten- und Weizenmalz, Röstgerste, Rübenzucker, Hopfen und Hefe

Alkoholgehalt:

14,0 % Vol.

Brauereien:

Braumanufaktur Hertl
Thüngfeld 61
96132 Schlüsselfeld
https://braumanufaktur-hertl.de/

FREIGEIST
Diepenlinchener Str. 20
52224 Stolberg

Schorschbräu GmbH
Richard Stücklen Str. 7
91710 Gunzenhausen
http://www.schorschbraeu.de/

Genys – Nuotykis Pavasario Nakti

Genys ist eine kleine Brauerei in Kaunas, Litauen, die nicht nur für ihre tollen Craft-Biere bekannt ist, sondern auch auf die Umwelt achtet. Sie verwendet zu 100% Ökostrom aus erneuerbaren Energiequellen. Genys Brewing Co. besitzt das Zertifikat „Powered by Green“ des litauischen Wirtschaftsministeriums. Bislang exportiert die Brauerei ihre Biere noch nicht nach Deutschland, hat das aber vor. Deshalb war sie auch auf der ProWein in Düsseldorf, wo ich die Brauer kennengelernt habe. Dort haben sie mir auch einige Biere zur Verkostung mitgegeben, unter anderen das Nuotykis Pavasario Nakti, ein Baltic Pale Ale, das mit Hanf und Lindenblüten gebraut wurde. Dieses Bier steht jetzt vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Hell bernsteinfarben und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist durchschnittlich groß. Anfangs fällt sie schnell in sich zusammen, ein Rest bleibt aber lange erhalten.

Im Aroma sticht der Duft nach Karamell hervor, der durch die Düfte nach Zitrusfrüchten sowie blumige und kräuterige Noten unterstützt wird. In der Nase hält dieses Bier damit keine Überraschungen bereit, der Duft ist aber sehr angenehm und macht Lust auf den ersten Schluck.

Der erste Kontakt des Bieres mit der Zunge zeigt eine leichte Süße und obwohl das Bier vergleichsweise wenig seiner feinperligen Kohlensäure enthält, macht es einen angenehm frischen Eindruck. Auf der Zunge überrascht das Bier wieder einmal nicht, sondern entspricht meinen Erwartungen – und das aufs Beste. Wie ich es von einem Pale Ale erwarte ist das Genys Nuotykis Pavasario Nakti angenehm fruchtig mit der passenden Portion Bitter, untermalt durch eine leichte Süße. Die Blumigkeit der Lindenblüten sowie die Kräuternoten des Hanfes machen das vollmundige Bier rund. Im Abgang werden das Bitter und der Kräutergeschmack kräftiger und sie klingen lange nach.

Zutaten:

Wasser, Malz (Pale Ale, CaraHell, CaraPils), Hopfen (Citra), Lindenblüten, Hanfsamen

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Bittereinheiten:

15 IBU

Brauerei:

Genys Brewing, UAB
Juozapavičiaus av. 7H
45251 Kaunas
Litauen
www.genysbrewing.lt