Archiv der Kategorie: Craft Beer

Birra Flea – Constanza

Jetzt steht Constanza vor mir, das Blonde Ale von Birra Flea. Wie alle anderen Biere ist auch dieses Bier einer Frau aus der italienischen Historie gewidmet: „Die Mutter Friedrichs II., Konstanze von Hauteville, wurde von Dante als „die große Costanza gefeiert, die aus der zweiten Welle der Schwaben diejenige hervorbrachte, die ihre dritte und letzte Macht war“, unterstrich Dante ihre Entschlossenheit auf der politischen Bühne, aber auch ihre Raffinesse. Von 1194 bis 1198 war sie Königin von Sizilien. Costanza war aber auch der Name der ersten Frau Friedrichs: Sie war die älteste Tochter Alfons II. von Aragon und die erste Frau Kaiser Friedrichs II. Im Jahr 1209 wurde sie anlässlich der Hochzeit zur „Königin von Sizilien“ gekrönt. Deshalb wurde unser Bier Costanza kreiert, um die beiden Königinnen zu feiern.“

Wie die anderen Biere von Birra Flea ist auch Costanza ungefiltert und nicht pasteurisiert und es wurde einer zweiten Gärung in der Flasche unterzogen.

Golden und leicht hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittliche Menge feinporigen Schaum, der lange erhalten bleibt. Optisch ist das Bier schon mal perfekt.

Düfte nach Biskuit steigen mir in die Nase, unterstützt durch ein diskretes Zitronenaroma sowie den Duft von Hefe.

Der Antrunk ist frisch, fruchtig und spritzig. Als sich das Bier auf der Zunge verteilt entwickelt sich eine überraschende Fruchtigkeit, die ich aufgrund des Aromas so nicht erwartet hätte. Alle Aromen spiegeln sich im Mund wider. Dazu kommt ein passendes Bitter, so dass das Bier einen runden Eindruck macht. Im Abgang wird das Bitter kräftiger, wobei die Fruchtigkeit erhalten bleibt. In der Kehle wirkt das Bier fast wie ein Biss auf einen Grapefruitkern.

Das Birra Flea Costanza ist ein schönes und erfrischendes Bier für den Sommer, das sich gut beim Grillen trinken lässt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,5° Plato

Bittereinheiten:

25 IBU

Brauerei:

Flea Società Agricola a r.l.
Via Fratelli Cairoli
Zona Industriale Sud
06023 Gualdo Tadino, PG
Italien
www.birraflea.com

Lehe – Suur Paks Mastif Winter Edition

Barleywine ist ein recht spezieller Bierstil und auch Winterbiere fallen meist ziemlich aus dem Rahmen. Wie soll dann erst ein Barleywine in einer Winter Edition sein? Auf jeden Fall erwartet mich hier ein spannender Biertest. Gristel und Tarmo sind die Macher hinter dem Label Lehe. Da mir die Biere aus Harjumaa in Estland, die ich bislang verkostet habe, sehr gut gefallen haben, steigt die Spannung bei mir kräftig an. Ich kann es jetzt gar nicht mehr erwarten, öffne die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Dunkel bordeauxfarben fließt das Bier ins Glas und bildet dabei wenig gemischtporigen elfenbeinfarbenen Schaum, der sich schnell auflöst. Die fehlende Schaumkrone ist für ein Barleywine typisch, aber die Farbe ist schon mal echt der Wahnsinn.

Das Aroma ist malzbetont, wobei die Röstaromen dominieren. Düfte nach dunkler Schokolade steigen mir in die Nase, dazu eine leichte Säure, die von Wein stammen könnte, sowie einige würzige Noten.

Der Antrunk enthält überraschend viel Süße. Die Röststoffe sind vom ersten Moment an deutlich zu schmecken. Das Suur Paks Mastif Winter Edition enthält stiltypisch wenig Kohlensäure, die dafür aber sehr feinperlig und sanft ist. Auf der Zunge erzeugt das Bier ein schweres und fast sirupartiges Mundgefühl. Der Geschmack nach Schokolade dominiert gemeinsam mit der Süße. Vervollständigt wird der Geschmack durch einen Hauch Espresso. Dabei schmeckt der Alkohol kaum durch und unterstützt die anderen Geschmäcker lediglich. Jetzt würde ich mir persönlich etwas mehr Bitterstoffe wünschen. Der Abgang ist röstig mit dem Geschmack nach dunkler Schokolade und Mokka. Jetzt kommt auch ein leichtes Bitter zum Vorschein, das lange nachklingt und während dem auch der Alkohol erstmals deutlich durchschmeckt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

9,6 % Vol.

Brauerei:

Pruulikoda Lehe
Paldiski mnt. 21
76 606 Harjumaa
Estland
www.lehepruulikoda.ee

Berliner Bier Fabrik – Ahorn Walnuss Stout

Jetzt steht das Ahorn Walnuss Stout aus der Bierfabrik in Berlin-Marzahn vor mir. Mit diesem Bier hat Sebastian Mergel, der Inhaber der Brauerei, bereits vor dem Brauen eine wahre Odyssee durch die Bürokratie der Hauptstadt hinter sich gebracht. Die Vorgänge hat er in einem Beitrag für den Reinheitsgebot-Blog der FAZ dokumentiert. Dort hat er auch beschrieben, wie unterschiedlich die Behandlung der Anträge auf das Brauen eines besonderen Bieres ist. Nicht nur, dass die verschiedenen Bundesländer die Anträge unterschiedlich behandeln, sondern auch innerhalb eines Landes ist keine einheitliche Linie zu erkennen.

Richtig skurril sind aber die Kommentare, die einige Nutzer hinterlassen haben. So schreibt beispielsweise ein Leser, der sich „Feinkostnutzer“ nennt: „Es ist vollkommen richtig dass man solche Mischungen nicht einfach Bier nennen darf. Ich will als Verbraucher sicher sein dass es sich um Bier handelt und nicht um „bierhaltige Plörre“.“ Da war offensichtlich jemand nicht in der Lage, zu begreifen, was er oder sie da schreibt. Der Duden beschreibt die Bedeutung von Plörre wie folgt: „dünnes, wässriges, gehaltloses, fades Getränk, besonders dünner Kaffee“. Ein Stout ist aber niemals dünn, wässrig, gehaltlos und fade, handelt es sich doch dabei um einen besonders gehaltvollen Bierstil. Niemand ist gezwungen, ein solches Bier zu trinken und dann noch zu mögen. Aber wenn jemand meint, unbedingt einen Kommentar schreiben zu müssen, könnte er oder sie sich durchaus an die Realität halten. Wäre Sebastian nur etwa 100 Kilometer nach Osten gefahren, wäre er in Polen gewesen. Dort hätte er sich in einer Brauerei einmieten können, sein Bier dort brauen und nach Deutschland importieren. Schon hätte er das Ahorn Walnuss Stout problemlos in Deutschland als Bier verkaufen dürfen, ganz ohne Sondergenehmigung. Rechtlich nicht korrekt, aber gefühlt eingängig, ist eher die Einschätzung, dass Sebastian die Bearbeitungsgebühr von 250 Euro als Strafe dafür bezahlt hat, dass er die Wertschöpfung in Deutschland durchgeführt hat. Na ja, kommen wir zum Bier.

Absolut blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine wunderschöne mittelbraune und sahnige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Ein Stout wie gemalt.

Düfte nach Ahorn, Bitterschokolade und gerösteten Walnüssen steigen mir in die Nase, unterstützt durch die Röstnoten des Malzes, die an Espresso erinnern. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist weniger süß als ich es erwartet hätte. Stattdessen breitet sich im Mund ein angenehmer Geschmack nach dunkler Schokolade aus, unterstützt durch den Geschmack der Nüsse sowie den holzigen Noten des Ahornsirups. Die Haferflocken sorgen für ein volles samtiges Mundgefühl. Langsam kommt durch das Malz noch der Geschmack nach Mokka dazu. Im Abgang wird die Süße etwas stärker und auch die Nüsse kommen in den Vordergrund. Der Geschmack klingt noch sehr lange nach.

An diesem Bier gefällt mir besonders, dass der Zucker aus dem Ahornsirup weitgehend vergoren wurde und das Bier damit eher leicht herb ist. Dadurch empfiehlt es sich als hervorragender Begleiter zu einem süßen Dessert oder auch einfach zu Schokolade und Keksen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Haferflocken, Ahornsirup, Walnüsse, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

BBF Berliner Bier Fabrik GmbH
Zur Alten Börse 74
12681 Berlin
www.berlinerbierfabrik.com

Leider ist die Berliner Bier Fabrik nicht mehr am Markt vertreten. Es gibt derzeit ein kräftiges Überangebot an Craft Beer, das vermutlich daran Schuld ist. An den Bieren der Brauerei kann es jedenfalls nicht liegen, die waren hervorragend.

Schnitzlbaumer Doppelbock Hell

Bereits seit dem Jahr 1575 gibt es die Brauerei Schnitzlbaumer in Traunstein, damals allerdings noch unter anderem Namen. Nach eigenen Angaben ist sie damit die älteste Brauerei der oberbayrischen Kreisstadt. Von dort stammt der Doppelbock, der jetzt vor mir steht.

Intensiv goldfarben präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone ist relativ klein, bleibt aber lange erhalten. Bereits beim Einschenken steigt mir der Duft von Malz und Biskuit in die Nase, unterstützt durch einige blumige Noten.

Der erste Eindruck beim Kontakt mit der Zunge ist, dass dieses Bier für ein Doppelbock recht trocken ist. Außerdem fällt mir die sehr reichlich vorhandene feinperlige Kohlensäure auf. Erst auf der Zunge kommt die Süße richtig ins Spiel. Wie ich es bei einem Bockbier erwarte, ist es malzbetont, die blumigen Noten des Aromas spiegeln sich wider. Das Bittere des Hopfens bleibt diskret im Hintergrund. So macht das Bier einen schweren und weichen Eindruck, fast wie ein Dessertbier. Der Abgang ist dann wieder etwas trockener und die wenigen Bitterstoffe klingen lange nach.

Der Schnitzlbaumer Doppelbock ist ein schönes Winterbier, das gut zu Wild mit Rotkohl oder herzhaftem Käse passt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

8,1 % Vol.

Stammwürze:

18,8° Plato

Brauerei:

Privatbrauerei Schnitzlbaumer GmbH
Mühlenstraße 8
83278 Traunstein
www.schnitzlbaumer.de

Insel-Brauerei – Baltic Ale

Ich bin bereits mehrfach gefragt worden, weshalb ich so selten etwas über die Biere der Insel-Brauerei in Rambin schreibe. Die Antwort ist ganz einfach: Die Biere von der Insel Rügen begeistern mich und auch mit Braumeister Markus Berberich hatte ich schon sehr netten Kontakt. Der Nachteil der Biere ist – es gibt sie überall. Ich bringe von meinen Reisen häufig Biere mit, die ich hier im mittleren Niedersachsen nicht erhalte. Diese Biere werden dann verkostet und die Biere, die ich ständig bekomme, bleiben dann hintenan. Nun steht aber wieder einmal ein Bier aus der Insel-Brauerei vor mir, das Baltic Ale, das ich mir jetzt einschenke.

Und tatsächlich, die Goldfarbe des Bieres mit der Hefetrübung macht schon mal was her. Die feinporige Schaumkrone fällt aber leider recht klein aus und sie fällt auch schnell in sich zusammen.

Das Aroma des Baltic Ale ist fruchtig nach Banane und Trockenbirnen, dazu kommen eine leichte angenehme Säure, der Duft der Hefe sowie einige würzige Noten. So komplex wie dieses Aroma ist kann sicherlich jeder noch andere Nuancen herausfinden. Probieren Sie es, es lohnt sich.

Der Antrunk ist überraschend trocken und die Kohlensäure ist sehr schön feinperlig. Die Aromen spiegeln sich auf der Zunge wider. Dazu kommt auf der Zunge eine leichte fruchtige Säure. Das Mundgefühl ist weich, rund und voll. Dazu kommt eine angenehme Frische. Der Abgang ist mild und trocken. Eine geringe Fruchtigkeit klingt lange nach.

Das Baltic Ale der Insel-Brauerei in Rambin passt gut zu altem Käse sowie zu würzigen und scharfen Speisen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Traubenzucker, Naturhopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

12° – 13° Celsius

Brauerei:

Rügener Insel-Brauerei GmbH
Hauptstr. 2c
18573 Rambin
www.insel-brauerei.de

Birra Flea – Isabella

Nun steht mal wieder ein Bier der italienischen Brauerei Birra Flea vor mir. Ich muss zugeben, dass ich mit einigen Vorurteilen an diese Verkostung gehe, da es sich beim Isabella um ein glutenfreies Bier handelt und die meisten „free-of-Produkte“ geschmacklich doch ziemlich hinter dem Original zurückbleiben. Die Brauerei schreibt dazu: „Bier mit einem Glutengehalt unter 20 ppm, das speziell für Menschen mit einer Unverträglichkeit gegen Gluten entwickelt wurde (Reg. UE 828/2014).“

Wie alle anderen Biere hat die Brauerei auch dieses Bier einer historischen Person gewidmet: „Sie war die Tochter von König John Lackland von England, der König erinnerte sich in der Literatur als Erzfeind von Robin Hood, Isabella heiratete 1235 Friedrich II. nach dem Tod seiner zweiten Frau. Ihre Hochzeit war eine „Make-filiace-Hochzeit“, die von Papst Gregory IX. sehr begehrt war. Chroniken der Zeit feierten Isabella für ihre unbeschreibliche Schönheit und Anmut. Diese Eigenschaften fielen Frederik auf den ersten Blick auf.“ Dann wollen wir doch mal sehen, ob das Bier auch so schön ist. Auf jeden Fall ist es ungefiltert und unpasteurisiert. Außerdem wurde es einer zweiten Gärung in der Flasche unterzogen. Es handelt sich also auf jeden Fall um ein „richtiges“ Bier.

Golden und hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine leicht überdurchschnittlich große Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier schon mal eine gute Figur.

Das Aroma ist blumig, unterstützt durch den Duft von Waldhonig und einem Hauch Grapefruit.

Der Antrunk ist frisch und spritzig, aber auch recht schlank. Auf der Zunge entwickelt sich ein malziger Geschmack zusammen mit einem leichten Sauer. Das Bier ist recht trocken und für ein glutenfreies Bier erstaunlich vollmundig. Der Abgang zeichnet sich durch ein leichtes Bitter mit kurzem Nachklang aus.

Das Bier bietet nicht den absoluten Genuss, aber Menschen mit Glutenunverträglichkeit, die gerne ein Bier trinken wollen, werden es sicher zu schätzen wissen. Ich habe dieses Problem nicht, aber auch ich könnte mir vorstellen, dieses Bier noch einmal zu trinken, auch wenn ich die anderen Biere von Birra Flea bevorzugen würde.

Zutaten:

Wasser, Gersten- und Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11° Plato

Brauerei:

Flea Società Agricola a r.l.
Via Fratelli Cairoli
Zona Industriale Sud
06023 Gualdo Tadino, PG
Italien
www.birraflea.com

Bayreuther Hell

Bayerisches Bier und das Helle gehören einfach zusammen. Auch über die Grenzen von Bayern wird dieser traditionelle Bierstil immer beliebter. Jetzt steht ein Helles aus dem Bayreuther Brauhaus vor mir, einer Marke von Maisels Weiße.

In sehr hellem Goldgelb mit einer leicht überdurchschnittlichen feinporigen Schaumkrone präsentiert sich das Bier im Glas. Der Schaum bleibt auch recht lange erhalten.

Ein malzbetonter und würziger Duft steigt mir in die Nase, unterstützt durch leichte Noten nach Honig und Zitrone. Insgesamt ist das Aroma unaufdringlich und angenehm und macht so Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeigt überraschend wenig Süße, aber viel feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge ist das Helle aus Bayreuth schlank, frisch und ungeheuer süffig. Das Hopfenaroma verbindet sich gut mit der Malzigkeit. Erst im Abgang kommt ein leichtes Bitter zum Vorschein, das überraschend lange nachklingt.

Das Bayreuther Hell ist ein schönes Allround-Bier, das sich als Begleitung für die meisten Speisen anbietet. Lediglich wenn die Speisen kräftig gewürzt sind, könnte dieses Bier als Begleitung erschlagen werden, so dass ein anderes Bier sicherlich empfehlenswert wäre.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11,6° Plato

Bittereinheiten:

17 IBU

Brauerei:

Bayreuther Bierbrauerei AG
Hindenburgstraße 9
95445 Bayreuth
www.bayreuther-brauhaus.de

Bench – Clean Slate

Jetzt steht ein kanadisches Bier vor mir, das Clear Slate aus der Brauerei Bench Brewing Company in Ontario. Ich habe das Bier von der ProWein mitgebracht. Diese Messe hatte in diesem Jahr erstmals auch eine ganze Reihe deutscher und internationaler Brauereien als Aussteller.

Die Brauerei bewirbt dieses Bier so: „Unsere erste Brett Saison ist eine Hommage an die historische Maple Grove School in Beamsville, Ontario – der neuen Heimat der Bench Brewing Company. Diese knackige und rustikale Brett-Saison ist strohgelb und mittelkräftig, mit Aromen von Honig, Ananas und weißen Trauben.“ Das klingt doch schon mal gut.

Strohblond und leicht hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei recht viel feinporigen Schaum, der aber leider relativ schnell in sich zusammenfällt. Da das Clean Slate nicht ausschließlich mit Brettanomyces gebraut wurde, hätte ich mir eigentlich eine etwas bessere Haltbarkeit des Schaums gewünscht.

Das Aroma ist fruchtig und wird durch die typischen frisch-säuerlichen Düfte der Brettanomyces dominiert. Daneben finden aber auch Düfte nach Zitrusfrüchten und Birnen ihren Platz, unterstützt durch einen Hauch pfeffriger Noten. Das Aroma lässt mich vermuten, dass es sich beim Clean Slate um ein „Sauerbier für Einsteiger“ handelt. Oder freundlicher ausgedrückt: ich hoffe jetzt, ein Sauerbier mit guter Drinkability vor mir zu haben.

Und wirklich – der Antrunk ist leicht süß und die angenehm dosierte Kohlensäure sorgt für eine schöne Frische. Das Mundgefühl ist samtig und neben einer leichten Malzigkeit beherrschen die Bitterstoffe des Hopfens den Geschmack. Die Säure der Brettanomyces hält sich mit der Fruchtigkeit eher im Hintergrund. Der Abgang ist eher trocken, die Fruchtigkeit kommt wieder in den Vordergrund und klingt zusammen mit dem freundlichen Bitter lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz), Weizenmalz, Dinkelmalz, Weizen, Hopfen (Nelson Sauvin, Saaz), Hefe

Alkoholgehalt:

5,7 % Vol.

Bittereinheiten:

35 IBU

Brauerei:

Bench Brewing Company
3991 King Street
Beamsville
Ontario
L0R 1B1
Kanada
www.benchbrewing.com

Von Freude – Just Pils

Vielen Konsumenten erscheint Pils als ein recht langweiliger Bierstil, und ich bin da keine Ausnahme. Schuld daran sind die vielen Industriebiere, die alle ziemlich gleich schmecken, teilweise nicht schlecht, aber halt auswechselbar. Will ein Craft Bier-Brauer ein Pils brauen, muss er sich schon etwas einfallen lassen, damit sein Bier einerseits unverwechselbar wird, dabei aber auch dem Bierstil entspricht. Die Brauerei Wahnsinn aus Hamburg, die ihre Biere unter dem Label Von Freude vertreibt, hat das Experiment gewagt und sein Bier Just Pils gebraut. Ich muss gestehen, dass ich die Brauerei nicht kannte bis ich ihr auf der ProWein in Düsseldorf begegnet bin. Dort hatte ich kurz die Möglichkeit, mit dem Brauer zu sprechen und er gab mir neben einigen anderen Bieren auch dieses zum Verkosten mit.

Weizengelb und zurückhaltend hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone ist leicht überdurchschnittlich voluminös und bleibt sehr lange erhalten. An der Optik gibt es nichts zu meckern.

Das Aroma ist fruchtig. Düfte nach Zitrusfrüchten und roten Beeren steigen mir in die Nase, unterstützt durch einige würzige Noten nach weißem Pfeffer. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist leicht süß und durch die gut dosierte sehr feinperlige Kohlensäure richtig frisch. Auf der Zunge präsentieren sich die Malzsüße, die Fruchtigkeit und ein gut abgestimmtes Bitter in hervorragender Harmonie. Dabei spiegeln sich die Aromen auf der Zunge wider. Das Mundgefühl ist samtig. Im Abgang wird das Bitter etwas kräftiger, die Fruchtigkeit bleibt aber erhalten. Zum Schluss klingt der Geschmack noch ellenlang nach.

Das Just Pils weiß den Craft Beer-Trinker zu begeistern, ohne dass dieses Bier den durchschnittlichen Biertrinker verschreckt. Es handelt sich um ein richtig gutes Allround-Bier.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Stammwürze:

12° Plato

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

Wahnsinn GmbH
Colonnaden 72
20354 Hamburg
www.vonfreude.de

Klosterhof Imperial Stout

Die Klosterhof-Brauerei ist eine kleine Bio-Brauerei auf dem Gelände des Klosters Neuburg in Heidelberg. Sie produziert kleine Mengen handwerklich hergestellter Spezialbiere. Von dort steht jetzt das Imperial Stout vor mir, das nur saisonal gebraut wird.

Tiefschwarz und blickdicht präsentiert sich das Bier im Glas. Die haselnussbraune gemischtporige Schaumkrone bleibt durchschnittlich lange erhalten.

Wie für ein Imperial Stout typisch dominieren die Röststoffe das Aroma. Ich rieche Schokolade und Kaffee, aber auch Vanille und einige fruchtige Nuancen, die mich an Banane erinnern.

Überraschend ist die geringe Süße. Ich hätte zwar mehr Süße erwartet, aber die Trockenheit des Bieres gefällt mir. Daher vermisse ich keine höhere Karbonisierung, denn die sehr feinperlige Kohlensäure ist eher knapp dosiert. Auf der Zunge ist das Bier malzig und ausgewogen. Das Mundgefühl ist samtig. Leider ist der Abgang eher säuerlich mit kurzem Nachklang ausgefallen.

Aber so bildet das Bier einen schönen Kontrast zu Weihnachtsgebäck oder Marzipan.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen (HT-Perle, HAT-Saphir, Tettnanger) Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Brauerei:

Brauerei zum Klosterhof GmbH
Stiftweg 4
69118 Heidelberg
www.brauerei-zum-klosterhof.de