Jetzt steht mal wieder ein Helles vor mir, genauer gesagt das Helle von Herr Schmidt aus Osnabrück. Ehrlich gesagt bin ich kein großer Freund dieses Bierstils, der meist doch recht einheitlich daherkommt, um nicht zu sagen langweilig, und bei dem jeder Bier- oder Braufehler deutlich hervorsticht. Außerdem gibt es von diesem Bierstil nur wenige Beispiele für eine originelle und trotzdem stiltreue Interpretation. Mal sehen, wie die Jungs aus Osnabrück sich schlagen.
In hellem Goldgelb mit leichter Hefetrübung fließt das Bier ins Glas. Die schneeweiße Schaumkrone löst sich leider recht schnell auf. Und schon bin ich am Zweifeln. Nach den Stilrichtlinien des Beer Judge Certification Program soll ein Helles kristallklar sein. Daher ist eine Hefetrübung auf jeden Fall ein Stilbruch. Auf der anderen Seite gefällt mir die Vollmundigkeit, die die Hefe ins Bier bringt. Von daher wird mir das Bier schon wieder sympathisch. Die Entscheidung, was richtiger ist, überlasse ich Ihnen, dem Leser dieser Zeilen.
Das Aroma ist stiltypisch malzbetont nach Weißbrot und frisch gemahlenem Getreide, dazu etwas Honig und aus dem Hintergrund kommen noch einige würzige Noten zum Vorschein.
Der Antrunk zeichnet sich durch eine stiltypische Süße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus. Auch auf der Zunge bleibt die Süße erhalten, wobei sich die frisch dazugekommene Bittere sehr diskret verbirgt. Das Mundgefühl ist eher schlank. Offensichtlich ist das Bier auf Süffigkeit getrimmt. Erst in der Kehle kommt die freundliche Bittere etwas mehr zum Tragen. Trotzdem klingt der Geschmack einige Zeit nach.
Ein modernes, unkompliziertes Helles zwischen Tradition und Craft. Ein angenehmes Bier zum Feierabend oder im Biergarten, aber für den Genuss würde ich ein anderes Bier wählen.
Zutaten:
Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Alkoholgehalt:
5,0 % V
Farbe:
6 EBC
Brauerei:
Herr Schmidt Braugesellschaft mbH
Hannoversche Str. 17a
49084 Osnabrück
www.herr-schmidt-bier.de
