Manchmal gibt es Biere, die man trinkt. Und manchmal gibt es Biere, die eher so wirken, als hätte jemand einen gemütlichen Winterabend in flüssige Form gebracht. Das Charbon Smoked Vanilla Stout gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Die belgische Brauerei ist bekannt dafür, gerne mit Fassreifungen, kräftigen Malzkörpern und feinen Spielereien zu arbeiten, ohne dabei in reine Süßwarenabteilung abzurutschen. Genau das verspricht auch dieses Stout: Rauch, Röstmalz und Vanille stehen auf dem Etikett – eine Kombination, die schnell nach Grillmarinade oder Weihnachtsbäckerei klingen kann. Ich hoffe, hier passiert etwas mit mehr Eleganz.
Im Glas präsentiert sich das Bier blickdicht schwarz mit einer cremigen, haselnussbraunem Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Hier haben die Brauer zumindest optisch mal wieder ein Meisterstück abgeliefert.
Das Bier duftet nach Kaffee und dunkler Schokolade. Aus dem Hintergrund kommt ein feines Raucharoma, das aber nicht so kräftig ist, dass es an einen Räucherschinken erinnert. Die Vanille hält sich diskret im Hintergrund und ich kann sie erst entdecken, nachdem ich mehrfach an dem Bier gerochen habe. Dabei müsste sich die Vanille eigentlich nicht verstecken – schließlich kommt sie aus Madagaskar und Réunion, also den Anbaugebieten, die für ihre besonders aromatische Vanille bekannt sind.
Der Antrunk zeichnet sich durch seine stiltypische Süße sowie die sehr feinperlige Karbonisierung aus. Trotz der Süße wirkt das Bier aber nie dessertartig, da die verschiedenen Aromen sehr gut aufeinander abgestimmt sind. Seine Komplexität beweist das Bier aber erst am Gaumen. Zur Süße kommen die Aromen nach dunkler Schokolade und Lakritz. Auch die Raucharomen kommen jetzt stärker zum Tragen als ich es in der Nase erwartet habe. Dazu kommt jetzt auch die Vanille zum Vorschein, wenn auch etwas schüchtern, denn sie kommt nicht recht aus dem Hintergrund hervor, kann aber die Kanten der anderen Aromen glätten. Für ein Stout ist auch die Bittere überraschend kräftig. Das Mundgefühl ist rund und cremig. In der Kehle legt die Bittere noch etwas zu, während das Bier überraschend trocken wird, und zusammen mit dem Lakritzaroma klingt der Geschmack sehr lange nach.
Ich weiß nicht mehr, von wem ich den folgenden Spruch habe, aber er passt auf das Charbon sehr gut: Wenn Guinness ein dunkler Pub-Abend ist, dann ist Charbon der gleiche Abend – nur draußen am Feuer mit einem Stück Käse und jemand erzählt plötzlich interessante Geschichten.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz (über Eiche geräuchert) Roggenmalz, Hopfen, Vanille, Hefe
Alkoholgehalt:
7 % Vol.
Bittereinheiten:
46 IBU
Empfohlene Genusstemperatur:
8° – 10° Celsius
Brauerei:
De Dochter van de Korenaar
Oordeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be
